Der Coronavirus im Ticker

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Der Coronavirus breitet sich auch in Europa weiter aus. An den Börsen herrscht bereits große Verunsicherung, der DAX hatte zuletzt deutlich nachgegeben. Wir halten Sie an dieser Stelle täglich über die aktuellen Entwicklungen zur Ausbreitung des Coronavirus und den Reaktionen der Wirtschaft auf dem Laufenden.

Wichtige Informationen auf einen Blick

Der Coronavirus hat mittlerweile gravierende Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Jeden Tag kommen neue Informationen, neue Erlasse und neue Regelungen dazu. Es ist schwer, hier nicht den Überblick zu verlieren. Ein guter Anhaltspunkt ist aber die Erklärungsseite der Landesregierung, auf der die wichtigsten Informationen zusammengefasst sind.
Die nachfolgenden Informationen stammen von der DEKA und der LBBW.

03. Juli

++++++ Streit um EU-Wiederaufbaufonds geht weiter ++++++

Die Gespräche zwischen den EU-Ländern über den geplanten Wiederaufbaufonds für Europa gestalten sich wie die Brexit-Verhandlungen schwierig. Die „Sparsamen Vier“ (Österreich, Niederland, Dänemark und Schweden) stellen sich gegen die Merkel/Macron-Pläne sowie gegen den Vorschlag der EU-Kommission. Entscheidendes Hindernis ist, dass ein Großteil der Gelder in Form von Zuschüssen gewährt werden soll und damit nicht als Kredit. Um Bewegung in die Gespräche zu bekommen, wird für nächste Woche ein Kompromissvorschlag seitens der EU erwartet. Dieser könnte einen höheren Kredit-Anteil und einen geringeren Zuschuss-Anteil beinhalten. Ob dies die Konfliktparteien dann vereint, bleibt abzuwarten.

++++++ Optimismus bestimmt die Aktienmärkte ++++++

Der Optimismus an den Aktienmärkten scheint ungebrochen. Allen Unkenrufen zum Trotz ist der DAX weiter gestiegen, wobei er die Marke von 12.600 Zählern überwunden hat. Am Ende des Tages erzielte der Leitindex ein Plus von 2,8 %. Zwar steigen in Teilen der Welt und vor allem im Süden der USA die Infektionszahlen, Hoffnungen auf ein Impfmittel und gute Konjunkturdaten sorgten zuletzt aber für eine erhöhte Risikobereitschaft. Mit der Rückführung von Corona-Beschränkungen konnten in den USA 4,8 Millionen neue Jobs geschaffen werden und die Arbeitslosenquote sank auf 11,1 %. Dies ist zwar positiv, es gilt allerdings zu beachten, dass seit Ausbruch der Krise zig Millionen Jobs verloren gegangen sind und es daher eine lange Zeit dauern wird, bis eine Art Normalität am Arbeitsmarkt zurückkehrt. Dies gilt auch mit Blick auf die zweite Corona-Welle, die derzeit im vollen Gange ist und die Erholung gefährden könnte. Laut Reuters gab es binnen eines Tages fast 55.000 Neuinfektionen. Dies ist der weltweit höchste jemals gemeldete tägliche Anstieg. Experten der Deka rechnen damit, dass die Aktienmärkte schon viel Positives eskomptieren und die Gefahr einer Korrektur nicht zu unterschätzen ist.

02. Juli

++++++ Arbeitslosenquote steigt auf 6,2% ++++++

Die gestern von ADP veröffentlichen Umfrage-Daten für den US-Arbeitsmarkt für Juni lagen mit 2,36 Millionen neu geschaffenen Jobs unter den erwarteten 3 Millionen. Dies dämpft die Erwartungen für den heute auf der Agenda stehenden offiziellen Arbeitsmarktbericht der Regierung. Zudem dürfte der Jobaufbau in den kommenden Monaten aufgrund der zweiten Welle in den USA deutlich ins Stocken geraten. Hierzulande machen die jüngsten Beschäftigungszahlen dagegen etwas Mut: 2,85 Millionen Arbeitslose waren im Juni zu verzeichnen und damit weiterhin weniger als 3 Millionen. Die Arbeitslosenquote stieg im Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2%. Das Maßnahmenbündel der Regierung, insbesondere das Instrument der Kurzarbeit, scheint zu greifen und Massenentlassungen vorerst zu verhindern. Experten rechnen aber damit, dass der Peak der Arbeitslosen auch hier noch nicht gesehen ist. Die Gefahr besteht, dass einige Firmen im zweiten Halbjahr einen Teil ihrer in Kurzarbeit befindlichen Angestellten dann in die Arbeitslosigkeit entlassen.

++++++ USA melden Rekord-Infektionszahlen ++++++

Ist es bereits die zweite Welle oder noch die erste, welche plötzlich an Fahrt gewinnt? Darüber streiten die führenden Epidemiologen in den USA. Fast 50.000 Neuinfektionen wurden gestern in den USA gemeldet und damit so viele wie noch nie. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat den Corona-Peak noch nicht gesehen und sieht sich anders als beispielsweise Europa mit einer zunehmenden Infektionsdynamik konfrontiert. Viele Bundesstaaten, die bereits im Mai Lockerungen und ein Wiederhochfahren der Wirtschaft eingeleitet hatten, müssen diese nun wieder zurücknehmen. Besonders betroffen ist nun nicht mehr die Ostküste, sondern vielmehr der Mittlere Westen, v.a. die Staaten Arizona, Kalifornien und Texas. Die Gründe dürften in einem Mix aus chaotischem Krisenmanagement der Trump-Administration, föderalem Kompetenzgerangel sowie nach wie vor mangelnder Disziplin bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen in weiten Teilen der Bevölkerung liegen. Zudem sind die Testkapazitäten nun doppelt so hoch wie zu Beginn der Krise. Die wirtschaftliche Erholung der USA dürfte sich daher nach Meinung vieler Experten weiter verzögern.

01. Juli

++++++ Pandemie bei weitem noch nicht überstanden ++++++

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Corona-Pandemie bei weitem noch nicht vorbei. Weitere US-Bundesstaaten setzen angesichts steigender Infektionszahlen geplante Lockerungsmaßnahmen aus. In Großbritannien gelten ab Samstag landesweit zwar weitere Lockerungen (z.B. dürfen Kinos und Kneipen unter Auflagen wieder öffnen), allerdings wurden die Lockdown-Maßnahmen in Leicester wieder verschärft. In den letzten zwei Wochen hatte es in der Stadt fast 1.000 neue Fälle gegeben. Premierminister Johnson hat unterdessen ein milliardenschweres Konjunkturprogramm verkündet.

++++++ Positive Konjunktursignale ++++++

Gestern erfreuten besser als erwartet ausgefallene Daten zu den Einkaufsmanagerindizes aus China die Anleger. Der letzte Nacht veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (Caixin) untermauerte den positiven Trend. Mit 51,2 Punkten fiel der Index ebenfalls besser als erwartet aus und lag spürbar über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Auch aus den USA gab es positive Konjunkturnachrichten. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board kletterte um 12,2 Punkte auf 98,1 Zähler. Dies war der kräftigste Anstieg seit dem Jahr 2011. An den Aktienmärkten kam zumindest vorsichtiger Optimismus auf. Die Aktienindizes Dax, Dow Jones und S&P 500 schlossen im grünen Bereich.

++++++ Öffentliche Verschuldung steigt an ++++++

Die Corona-Pandemie schlägt sich bereits in einer steigenden Verschuldung der öffentlichen Hand in Deutschland nieder. Dies zeigen gestern veröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamts. Zum Ende des ersten Quartals 2020 lag der Schuldenstand des Öffentlichen Gesamthaushalts (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung) bei 1,955 Billionen Euro und damit 3 % höher als zum Jahresende 2019. Den deutlichsten Anstieg verzeichneten die Länder. Dort war die Verschuldung im Quartalsvergleich um 4 % angeschwollen. Allerdings sind deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern festzustellen. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Bremen (+27 %), Sachsen (+22 %) und Bayern (+20 %). Die Schuldentragfähigkeit Deutschlands dürfte aber nicht in Frage stehen. Vor allem die niedrigen Zinsen geben dem Staat Spielraum.

++++++ Zahl der Unternehmenspleiten in USA steigt ++++++

Zum Start des zweiten Halbjahrs bleibt der Grad der konjunkturellen Unsicherheit äußerst hoch. Warnungen, dass in den USA die Zahl der Neuansteckungen auf täglich 100.000 ansteigen könnten, wenn keine Maßnahmen ergriffen würden, unterstreichen die Fragilität der Markterwartungen auf einen konjunkturellen Aufschwung. Unterdessen stehen die Unternehmenskonkurse in den USA laut Medienberichten auf dem höchsten Stand seit 2013. Die Zahl der Ratingabstufungen steht auf dem höchsten Niveau seit mehr als 10 Jahren. Dass trotz dieser Entwicklung Spreads massiv reingelaufen sind, unterstreicht die Bedeutung des „Sicherheitsnetzes“ aus Geld- und Fiskalpolitik.

30. Juni

++++++ Einkaufsmanager-Indizes in China toppen Erwartungen ++++++

In der Nacht wurden in China die staatlichen NBS-Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Die Indizes für das Verarbeitende Gewerbe (50,9) bzw. den Dienstleistungssektor (54,4) konnten sich im Vergleich zum Vormonat jeweils leicht verbessern und toppten dabei auch die Erwartungen der Volkswirte. Die international stärker beachteten Pendants von Caixin werden erst morgen (Verarbeitendes Gewerbe) bzw. am Freitag (Dienstleistungen) veröffentlicht. In den USA stehen heute u.a. noch der Case/Shiller-Hauspreisindex und der Chicago Einkaufsmanagerindex auf der Agenda. Um 18:30 Uhr unserer Zeit hält Fed-Chef Jerome Powell schließlich noch eine Rede vor dem Kongressausschuss. Zudem werden sich die Anleger heute fragen, ob bzw. wie die USA darauf reagieren wird, dass China erstens das Hongkong-„Sicherheitsgesetz“ nun endgültig verabschiedete, sowie zweitens gegen US-Vertreter, welche sich in der Hongkong-Frage kritisch äußern, Visa-Einschränkungen verhängte.

++++++ DAX startet positiv in die neue Woche ++++++

Der deutsche Aktienmarkt hat anfängliche Verluste wettmachen und mit Gewinnen in die neue Woche starten können. Der DAX schloss bei 12.232 Punkten, was einem Plus von 1,2 % entspricht. Damit konnte die vielbeachtete Marke von 12.000 Zählern vorerst verteidigt werden. Von einer generellen Risk-On-Stimmung kann angesichts der noch immer hohen Zahl an Neuinfektionen aber nicht gesprochen werden. Vor allem südliche und westliche US-Bundesstaaten sind besonders betroffen und es kommt vereinzelt zu Lockdown-Maßnahmen, wodurch der Konjunkturoptimismus gedämpft werden könnte. Deutlich im Minus schlossen die Lufthansa-Aktien (-2,8 %), nachdem Großaktionär Thiele von einer fünf bis sechs Jahre dauernden Sanierung gesprochen hatte. Erste Indikationen lassen auf eine schwächere DAX-Eröffnung schließen.

29. Juni

++++++ Fed verbietet US-Banken Zahlung von Dividenden ++++++

Nun also auch die Fed: Nachdem die EZB bereits vor vielen Wochen den europäischen Bankhäusern Dividendenausschüttungen untersagt hatte, folgte nun die US-Notenbank diesem „Vorbild“. Bis mindestens zum vierten Quartal müssen die US-Banken auf Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe verzichten, um ihre Kapitalbasis zu stärken. Offenbar war die US-Notenbank etwas überrascht von den Ergebnissen ihres Stresstests, dem sich die USFinanzhäuser unterziehen mussten. Demnach müssten sie Kreditverluste von insgesamt 700 Milliarden Dollar verkraften, was aber allen 34 untersuchten Banken auch gelingen sollte – alle haben den Test bestanden. Weil es sich hierbei aber nur um einen „Test“ handelt, und die echte Prüfung noch bevorsteht, entschied sich die Fed, den Banken die Hausaufgabe mitzugeben, das wertvolle Eigenkapital der Häuser zu schützen. Den Aktionären gefiel dies freilich nicht: Die Aktien der großen Bankhäuser Citigroup, Bank of America und JP Morgan gaben jeweils knapp fünf Prozent nach.

++++++ Viele Stimmungsindikatoren überraschend positiv ++++++

Regierungen und Zentralbanken haben in der Corona-Krise schnell und umfassend reagiert, um die durch die Lockdowns verursachten, beispiellosen Abstürze der wirtschaftlichen Aktivitäten aufzufangen und um eine schnelle konjunkturelle Erholung zu ermöglichen. Ob dies gelingt, ist abschließend noch nicht zu beurteilen, die Perspektiven haben sich aber nicht zuletzt in der vergangenen Woche deutlich aufgehellt. Eine Reihe von Stimmungsindikatoren hat positiv überrascht, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Das betrifft sogar die USA, obwohl dort die wieder steigenden Covid-19-Infektionszahlen nicht auf lokale Ausbrüche wie in Deutschland zurückzuführen sind. Mittel- und langfristig stellt sich bei der Kombination aus fiskalischem Impuls und monetärer Lockerung die Frage, ob und wann dies zu steigenden Inflationsraten führt. Zunächst dominierten die Effekte einer deutlichen Verbilligung von Rohöl. Mit den Mai-Daten in dieser Woche flaut dieser Einfluss allerdings ab.

26. Juni

++++ Corona-Neuinfektionen in USA auf Rekordniveau ++++

Die Aktienmärkte entwickelten sich gestern zunächst sehr unterschiedlich. In den USA kamen die Kurse zu Beginn der Börsenöffnungszeiten erneut unter Druck. Sorgen macht insbesondere der Anstieg der Corona-Neuinfektionszahlen, die am Donnerstag einen neuen Höchststand von rund 37.000 erreicht haben. Die Entwicklung ist dabei zweigeteilt. In Bundesstaaten, die zu Beginn der Pandemie sehr stark betroffen waren, wie z.B. New York, bleiben die Neuinfektionen niedrig. In einigen großen anderen Bundessstaaten, wie z.B. Florida, Texas und Kalifornien steigen die Zahlen dynamisch an. Vor diesem Hintergrund verschob beispielsweise Disney die geplante Öffnung seiner Themenparks in Kalifornien auf unbestimmte Zeit und die Bundesstaaten Florida und Texas haben das weitere Reopening gestoppt. Dies ist eine klare Erinnerung daran, dass der Weg zurück zur Normalität nach wie vor weit und die Sorge vor erneuten breiten Lockdown-Maßnahmen berechtigt ist. Eine weitere Belastung für die Märkte ging von überraschend hohen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe aus. Diese verharren bei rund 1,5 Millionen pro Woche auf hohem Niveau. Dies alles kann dem US-Präsidenten nicht gefallen. In aktuellen Umfragen zur im November anstehenden Wahl liegt er mittlerweile 10 Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer Joe Biden zurück.

25. Juni

++++++ Neuinfektionen in USA könnten Handelsbeziehungen belasten ++++++

Die Märkte waren gestern sehr nervös und verzeichneten weltweit deutliche Verluste. Der DAX verlor mehr als 3% und der S&P 500 schloss mit einem Verlust von 2,6%. Auslöser waren Sorgen um hohe Zunahmen der Corona-Neuinfektionen in einigen US-Staaten, z.B. in Florida, wo die tägliche Steigerungsrate auf 5% kletterte. Dies könnte nicht nur das Hochfahren der US-Wirtschaftsaktivitäten belasten, sondern auch die internationalen Handelsbeziehungen. Denn kurz nachdem die EU die Überlegung ausgesprochen hatte, aufgrund der Corona-Risiken evtl. einen vorübergehenden Einreisestopp für US-Touristen nach Europa zu empfehlen, gab es eine scharfe Gegenreaktion: Die USA erwägen, auf EU-Importe im Volumen von 3,1 Milliarden US-Dollar neue Zölle zu erheben oder zu erhöhen.

++++++ IWF korrigiert Weltwirtschafts-Prognose erneut nach unten ++++++

Der DAX geriet gestern erneut ins Straucheln.  Der positiv ausgefallene ifo-Geschäftsklimaindex konnte dies nicht verhindern. Neue Sorgen um eine wieder steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen machten sich negativ bemerkbar. In Brasilien wurden innerhalb von 24 Stunden 40.000 neue Fälle gemeldet. In Russland sind mittlerweile mehr als 600.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose zur Entwicklung der Weltwirtschaft im Zuge der anhaltenden Corona-Pandemie erneut nach unten korrigiert. Man geht nun davon aus, dass sich ein schlimmerer Wachstumseinbruch zeigen wird, als dies im April angenommen wurde. Spannend wird es heute mit Blick auf die außerordentliche Hauptversammlung bei der Lufthansa. Allerdings wurde inzwischen bekannt, dass der Großaktionär Heinz Hermann Thiele dem Rettungspaket für die Airline zustimmen möchte. Andernfalls würde ein Plan B zur Verfügung stehen.

24. Juni

++++++ Erneuter Lockdown im Großraum Gütersloh ++++++

Infolge der Ansteckungen im Großschlachthof Tönnies wird in den ostwestfälischen Landkreisen Gütersloh und Warendorf wieder ein Lockdown verhängt. Für die Anwohner eine besonders schwierige Situation, da nächste Woche in NRW die Sommerferien beginnen und sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auch auf ihre Urlaubsplanungen auswirken könnten. Ausreisesperren gibt es zwar nicht, in Schleswig-Holstein beispielsweise müssen sich aber Menschen aus Risikogebieten direkt in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Campingplätze oder Herbergen mit gemeinschaftlichen Sanitäranlagen sind dafür nicht geeignet.

++++++ Wirtschaftsweisen rechnen mit BIP von -6,5 % ++++++

Der Sachverständigenrat hat gestern seine aktuellen Prognosen vorgestellt. Für 2020 erwarten die „Wirtschaftsweisen“ für das deutsche BIP jetzt ein Minus von 6,5%, dafür soll es 2021 um 4,9% aufwärtsgehen. Im Folgejahr wird dann wieder die Wirtschaftsleistung von 2019 erreicht. Im Euroraum dürfte das BIP nach Ansicht des Rats um 8,5% im laufenden Jahr sinken und um 6,2% im kommenden Jahr steigen. In Frankreich, Italien und Spanien dürfte die Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr jeweils um 11% oder etwas mehr einbrechen.

++++++ DAX deutlich im Plus ++++++

Der DAX kletterte gestern um 2,13 Prozent auf 12.523,76 Punkte. Die zwischenzeitlichen Irritationen bezüglich des Handelsabkommens zwischen den USA und China wurden schnell ausgeblendet, insbesondere nachdem der „Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister“ besser als erwartet ausgefallen war. Die davon ausgehende, positive Grundstimmung konnte durch nichts erschüttert werden. Potenziell negative Nachrichten machten durchaus die Runde. Aus Südkorea war zu hören, dass eine zweite Corona-Welle begonnen habe. Bei den Maschinenbauern werden rund zwölf Prozent der Stellen gestrichen. Und Airbus geht davon aus, dass der Flugverkehr nicht vor 2023, vielleicht sogar erst 2025 wieder zu seinem Niveau von vor der Covid-19-Pandemie zurückkehren wird. Aus dem Einzelhandel ist zu hören, dass man noch immer unter der Corona-Krise leidet. Rückenwind kam hingegen von den US-Börsen. Dort markierte die Nasdaq einen weiteren Rekord. Der Index vollzieht aktuell die längste Gewinnstrecke im Juni. Insgesamt verbuchte der Technologiesektor gerade einmal zwei Verlusttage in diesem Monat.

23. Juni

++++++ Zahl der Neuinfektionen in USA steigt weiter ++++++

Die Neuansteckungszahlen in den USA sind zuletzt deutlich angestiegen, wobei vor allem Kalifornien, Florida, Texas und Arizona die Entwicklung prägen. Diese vier Bundesstaaten machen etwa 30 % des US-BIPs aus, so dass der Anstieg der Ansteckungszahlen und die zu erwartenden Auswirkungen auf die Wirtschaftsaktivität auch in den nationalen Wirtschaftsdaten auftauchen sollten. Interessant ist auch die Entwicklung der Zahlen in den Staaten, die 2016 Clinton oder Trump unterstützten. So steigen die Zahlen aktuell vor allem in den Staaten, die Trump unterstützten, was sich wiederum negativ auf seine Chancen einer Wiederwahl auswirken sollte. Trump liegt aktuell um 14 %-Punkte hinter Biden, und die Umfragen deuten auf eine Übernahme des Senats durch die Demokraten hin. Allerdings ist der Zeitraum bis zum 3. November weiter recht lang.

++++++ Zweite Corona-Welle in Südkorea, erfolgreicher Start der Corona-Warn-App ++++++

Die Gesundheitsbehörden in Südkorea sprechen erstmals von einer zweiten Infektionswelle. Vor allem der Großraum rund um die Hauptstadt Seoul bereiten den Behörden Sorgen. Mittlerweile wird erneut über Beschränkungen des öffentlichen Lebens nachgedacht. In Deutschland ist der Start der Corona-Warn-App inzwischen geglückt. Die App wurde inzwischen von fast zwölf Millionen Menschen heruntergeladen. In knapp einem Monat soll die App auch in weiteren Sprachen wie u.a. Türkisch, Russisch und Arabisch zur Verfügung stehen.

++++++ Zweite Corona-Welle in Südkorea, erfolgreicher Start der Corona-Warn-App ++++++

Die Gesundheitsbehörden in Südkorea sprechen erstmals von einer zweiten Infektionswelle. Vor allem der Großraum rund um die Hauptstadt Seoul bereiten den Behörden Sorgen. Mittlerweile wird erneut über Beschränkungen des öffentlichen Lebens nachgedacht. In Deutschland ist der Start der Corona-Warn-App inzwischen geglückt. Die App wurde inzwischen von fast zwölf Millionen Menschen heruntergeladen. In knapp einem Monat soll die App auch in weiteren Sprachen wie u.a. Türkisch, Russisch und Arabisch zur Verfügung stehen.

++++++ Im Sommer steigt Arbeitslosenzahl vermutlich auf mehr als 3 Millionen ++++++

Die Verbraucher des Euroraums sind nicht mehr ganz so pessimistisch wie zuletzt. Dies zeigen gestern veröffentlichte Daten zum Verbrauchervertrauen. Der Index kletterte von -18 im Mai auf -14,7 Zähler im Juni. Der langjährige Durchschnitt von -11,1 Punkten wird damit aber nach wie vor unterschritten. Die Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz dürften bei der eingetrübten Stimmung eine große Rolle spielen. Die Corona-Pandemie ließ die Inanspruchnahme von Kurzarbeit in Deutschland nach oben schnellen. Die meisten Kurzarbeiter (1,49 Millionen) gab es im Mai laut ifo Institut in Bayern, gefolgt von NRW und Baden-Württemberg. Insgesamt waren etwa 7,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet nach Aussage des BA-Chefs Detlef Scheele damit, dass erstmals nach zehn Jahren im Sommer wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos sein werden. In der Wintersaison war dies zuletzt vor fünf Jahren waren der Fall.

22. Juni

++++++ Noch keine EU-Einigung über Corona-Aufbaupaket ++++++

Über das Corona-Aufbaupaket in Höhe von 750 Milliarden Euro konnten sich die 27 Regierungschefs erwartungsgemäß nicht einigen. Im Anschluss an das Treffen betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die zu bauende Brücken für eine Kompromisslösung derzeit noch zu hoch sind. Eine erste Annäherung scheint es gleichwohl zu geben. Die sogenannten „Sparsamen Vier“, also die Niederlande, Österreich, Dänemark und Schweden, haben ihre Fundamentalopposition gegen nicht rückzahlbare finanzielle Hilfen für die von der Coronakrise am meisten getroffenen EU-Staaten offenbar aufgegeben. Eine Einigung beim nächsten Gipfeltreffen im Juli ist nach Aussagen des niederländischen Regierungschefs Rutte ebenfalls unsicher. Rutte betonte, dass die Welt nicht untergehen werde, wenn man mehr Zeit für eine Verhandlungslösung benötigen würde.

++++++ Unsicherheit bestimmt weiter die Finanzmärkte ++++++

Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie sehr Länder und Märkte noch immer von neuer Liquidität abhängig sind. Entsprechend fragil bleibt das Fundament des deutschen Aktienmarktes, denn Gründe für die vom Corona-Tief ausgehende, beispiellose Erholung sind auf den ersten Blick kaum auszumachen. Noch immer wirkt sich auch die Möglichkeit einer zweiten Corona-Welle auf das Sentiment aus. Hierzulande zeigt das Beispiel der Firma Tönnies, dass sich die Fallzahlen schnell wieder erhöhen können. In den USA ist die Situation hingegen deutlich angespannter, wenngleich Präsident Trump, trotz rasant steigender Infektionszahlen, davon sprach, dass Corona der Vergangenheit angehöre. In dieser Woche werden die Augen auf verschiedene Konjunkturdaten wie die Markit-Einkaufsmanagerindizes oder den ifo-Index gerichtet sein. Insgesamt ist davon auszugehen, dass bereits sehr viel positive Erwartung eingepreist wurde. Spannung verspricht auch die außerordentliche Hauptversammlung bei der Lufthansa am Donnerstag zu werden. Auf dieser wird über das geplante Rettungspaket abgestimmt.

19. Juni

++++++ EU diskutiert über Finanzierung des Wiedderaufbaufonds ++++++

Heute treffen sich die Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten zu einer Videokonferenz, um über den gemeinsamen Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro (davon 500 Milliarden Zuschüsse und 250 Milliarden Kredite) zu diskutieren. Dieser soll in den mehrjährigen Finanzrahmen der EU eingebunden werden. Als Startpunkt ist Anfang 2021 angesetzt. Angesichts der Opposition aus Österreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden erscheinen Veränderungen des Anteils von Zuschüssen und Krediten bis zu einer Einigung wahrscheinlich. Auch der Schlüssel für die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Länder dürfte noch einige Veränderungen in den Verhandlungen erfahren. Die aufzunehmenden Schulden für die Zuschüsse sollen zwischen 2028 und 2058 aus dem EU-Haushalt getilgt werden. Dabei sollen die Einnahmen der EU durch höhere Emissionsabgaben (10 Milliarden Euro pro Jahr), eine Digitalsteuer und CO2-Abgaben auf Importe (etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr) erhöht werden. Der EU-Wiederaufbaufonds wird aufgrund seiner Einbettung in den EU-Haushalt sowie der Verteilung der Mittel an wirtschaftlich schwächere Mitglieder aus Marktsicht als Schritt in Richtung einer Transferunion gesehen. Damit sollte das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone verringert werden.

++++++ Corona-Situation in USA weiterhin kritisch ++++++

Während die Neuinfektionen in New York und weiteren Ostküsten-Staaten der USA deutlich rückläufig sind, hat sich die Situation in zahlreichen anderen US-Bundesstaaten stark verschlechtert. In New York lag der Reproduktionswert zuletzt bei 0,8 und war damit einer der niedrigsten Werte in den gesamten USA. Landesweit verzeichneten die Staaten jedoch mit 27.000 Fällen die höchste Zahl an Neuinfizierten an einem Tag seit Anfang Mai. Sollte eine weitere Eskalation in einzelnen Staaten wieder umfangreichere Lockdown-Maßnahmen erforderlich machen, könnte dies auch den Erwartungen an eine „V-förmige-Konjunkturerholung“ einen Dämpfer versetzen.

++++++ Banken ziehen Rekordvolumen an günstigen EZB-Krediten ++++++

Die EZB hat gestern bekanntgegeben, dass die Banken bei der jüngsten Versteigerung stark vergünstigter Langfristkredite ein Rekordvolumen von 1,31 Billionen Euro abgerufen haben. Der Billionen-Maßstab wird im Rahmen der Maßnahmen der EZB zur Bekämpfung der Coronakrise zunehmend zur Regel. Auf 1,35 Billionen Euro beläuft sich inzwischen das Notfallankaufprogramm PEPP. Ein vergleichbares Volumen an Liquidität reicht die EZB nun auch über ihren nächsten, stark vergünstigten TLTRO-Langfristtender an die Banken aus. Hierbei ist zwar zu berücksichtigen, dass gleichzeitig alte Langfristkredite und Überbrückungskredite im Volumen von 750 Milliarden Euro fällig werden oder von den Banken vorzeitig zurückgezahlt werden. Der Nettozufluss an Liquidität nimmt sich jedoch mit rund 560 Milliarden Euro gleichfalls beträchtlich aus. Dies untermauert die bisherige Botschaft der Krisenintervention: Die Euro-Währungshüter setzen alle Hebel in Bewegung, um die Konjunktur zu stützen – mit dem (durchaus gewünschten) Nebeneffekt, den Finanzmärkten zusätzlichen Rückenwind zu verleihen.

18. Juni

++++++ Erneut Corona-Ausbruch in Fleischbetrieb ++++++

Die Fleischindustrie wird erneut zu einem Corona-Hotspot. Bei bisher 657 von 983 vorliegenden Laborbefunden von Mitarbeitern der Firma Tönnies wurde das Virus bereits nachgewiesen. Der Kreis Gütersloh reagierte mit der Schließung von Kitas und Schulen, will aber einen generellen Lockdown vermeiden. 7.000 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. Der Schlachtbetrieb wurde gestoppt.

++++++ Corona gibt bargeldlosem Bezahlen einen großen Schub ++++++

Der Zahlungsabwickler Visa sieht in seinen Daten einen massiven Anstieg der Transaktionen mit Kreditkarten aufgrund der Coronakrise und erwartet, dass Bargeld dauerhaft zurückgedrängt wird. Die Beratungsfirma Accenture prognostiziert einen Rückgang von Bargeldtransaktionen in Europa um 30 % in diesem Jahr. Auch bei der Nutzung der Sparkassen-App „Mobiles Bezahlen“ konnten wir einen deutlichen Zuwachs der Transaktionen erkennen: 790.000mal wurde darüber im Mai bezahlt, das sind 220.000 Transaktionen mehr als im April. 

++++++ China kämpft gegen neue Corona-Infektionen ++++++

In Schweden kletterte die Zahl der Corona-Toten über 5.000, mehr als 54.000 Infektionen sind nachgewiesen. In den USA übertreffen die Todeszahlen mittlerweile die der im ersten Weltkrieg Gefallenen. In Indien und Brasilien steigen die Infektionszahlen weiter an, auch China kämpft gegen neue Fälle. Ein aus Europa stammender Lachs soll nach Aussagen aus Peking für die neuen Virusfälle verantwortlich sein. Unterdessen gehen die Tests auf Corona-Antikörper weiter. Eine Studie, bei der 50.000 Tests in den vergangenen sechs Wochen bei Menschen in der Region Stockholm durchgeführt wurden, wurde bei rund 14 % der Getesteten fündig. Epidemiologen zeigten sich überrascht über den niedrigen Wert, verwiesen aber auf den Zeitverzug zwischen Durchführung der Tests und Veröffentlichung der Studie. Auch New York meldete aktuelle Zahlen zu Tests auf Antikörper. Demzufolge weisen 21,6 % der Einwohner von New York City Antikörper auf. Vor etwa einem Monat waren es 19,9 %. Im besonders betroffenen Stadtteil Bronx sind es inzwischen sogar 32,6 %.

++++++ Autoabsatz europaweit eingebrochen ++++++

Gestern gelang es dem DAX mit einem moderaten Kursplus in Höhe von 0,54 Prozent bei 12.382,44 Zählern aus dem Handel zu gehen. Erneut hielten sich Hoffnungen, dass sich die Wirtschaft schneller als bisher angenommen erholen könnte. Auch setzten die Marktteilnehmer darauf, dass die Regierungen weitere Konjunkturpakete ins Leben rufen werden. Die Aussage von Fed-Chef Powell, er halte dies für notwendig, trug dazu bei. Allerdings wäre es auch denkbar, die Gemengelage weniger optimistisch zu beurteilen. Beispielsweise ist der Autoabsatz im Mai in Europa um 52 Prozent eingebrochen. Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, befinden sich bereits jetzt sehr viele Autohändler in einer existenzbedrohenden Situation. Die sicherlich gut gemeinten Absichten der Bundesregierung, speziell Elektroautos zu fördern, könnte zudem das Ziel verfehlen, da die Industrie wohl nicht über ausreichende Kapazitäten verfügt, um die dadurch steigende Nachfrage zu decken. Angesichts der Herausforderungen in der Branche überrascht es nicht, dass Aktien der Autohersteller gestern zu den größeren Verlierern zählten.

17. Juni

++++++ Feierlaune und Verunsicherung bei Anlegern ++++++

Den Überblick am deutschen Aktienmarkt zu behalten, ist derzeit nicht leicht. Die Stimmungslage schwankt von jetzt auf gleich von zu Tode betrübt auf himmelhoch jauchzend. Gestern war eindeutig Letzteres der Fall. Eine ganze Reihe positiver Nachrichten machte die Runde. Zunächst sorgte die Ankündigung der US-Notenbank Fed, Unternehmensanleihen zu kaufen, für ordentlich Rückenwind. Im weiteren Tagesverlauf sorgten der ZEW-Index, das Rekordplus der Einzelhändler in den USA und sowie der Plan der US-Regierung, ein Infrastrukturpaket mit einem Volumen von fast einer Billion Dollar auf den Weg zu bringen, für gute Laune an der Börse. Im Zuge dessen wurden die Risiken wieder moderater beurteilt. Der V-DAX als Angstbarometer gab von 40,47 auf 38,65 nach. Gleichzeitig sorgen Meldungen für Verunsicherung: In Peking wurden in den letzten fünf Tagen 106 neue Corona-Fälle registriert und die Regierung riegelte deshalb 29 Wohngebiete ab. Hierzulande mussten erste Schulöffnungen nach Neuinfektionen zurückgenommen werden. Die WHO teilte mit, dass sich die Corona-Pandemie auf dem amerikanischen Kontinent immer schneller ausbreiten würde und mittlerweile mehr als 2,1 Millionen Menschen infiziert seien. Nicht zuletzt deshalb ist die Aussage von Fed-Chef Powell, dass es allerdings noch ein langer Weg zur Normalität sei, nachvollziehbar.

++++++ US-Einzelhandelsumsätze mit Rekordplus ++++++

Die US-Einzelhandelsumsätze schossen im Mai 2020 mit einer Veränderungsrate von sage und schreibe 17,7 % gegenüber dem Vormonat empor. Damit übertrafen sie selbst die Vorhersage des optimistischsten Bankvolkswirtes deutlich. Seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1992 wurde kein größerer Zuwachs verzeichnet. Selbst nach Herausrechnung der volatilen Automobilumsätze verbleibt ein beachtlicher Anstieg. Die Einzelhandelsumsätze ohne Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile schnellten im Mai mit einer Veränderungsrate von 12,4 % nach oben. Die überraschend guten Einzelhandelsumsätze dürften die Diskussion entfachen, ob die Erholung der US-Wirtschaft tatsächlich die vielerorts prognostizierte Gestalt eines „U“ annehmen wird oder doch eher einem „V“ ähneln wird. Der US-Aktienindex S&P 500 schloss gestern in Reaktion auf die Konjunkturnachrichten mit 1,9 % im Plus. In dieser Feierlaune bemerkte Fed-Präsident Powell jedoch, dass eine signifikante Unsicherheit über die Stärke der US-Erholung bestehe. Obgleich die Einzelhandelsumsätze nicht die erste US-Konjunkturnachricht waren, welche positiv überraschte, verlor der US-Dollar gegenüber dem Euro in den letzten Wochen an Wert. Die Gründe hierfür dürften in Europa zu finden sein. Das neue EZB-Kaufprogramm und der geplante „Wiederaufbaufonds“ stärken den Zusammenhalt der EU.

16. Juni

++++++ Anleger gehen in Deckung ++++++

Aus Furcht vor einer zweiten Corona-Welle gehen viele Anleger in Deckung. In den US-Bundesstaaten Florida und Texas wurden so viele Corona-Infektionen gemeldet wie nie zuvor. Hinzu kommt, dass eine spezielle Veränderung des Corona-Virus das Infektionsrisiko im Vergleich zur Ursprungsform erhöhen kann. Dies geht aus einer Studie der Experten des Scripps Research Institut aus den USA hervor. Die Angst zeigt sich im Volatilitätsindex VIX. Dieser stieg gestern mit knapp 44 Punkten auf den höchsten Stand seit dem 22. April. In diesen zunehmend unsicheren Zeiten war der „sichere Hafen“ der Staatsanleihen bei den Anlegern sehr gefragt. Die Rendite auf 10-jährige deutsche Anleihen fiel im Gegenzug auf ein Drei-Wochen-Tief von -0,47 %. Der DAX hat im Handelsverlauf rund drei Prozent nachgegeben und schloss immerhin nur 0,3 % schwächer. Im Gegensatz dazu konnte sich der Dow-Jones-Index und der breiter gefasste S&P 500 zum Handelsschluss in den grünen Bereich retten.

15. Juni

++++++ Corona-Warn-App ab heute Abend verfügbar ++++++

Die lang erwartete Corona-Warn-App steht ab heute Abend zum Download bereit. Wer die App auf seinem Smartphone installiert hat, erhält einen Warnhinweis, wenn er oder sie einer mit Covid-19 infizierten Person in der letzten Zeit zu nahegekommen war. So sollen Ansteckungen schneller entdeckt werden können, um die Kontaktketten früher unterbrechen zu können. Ab heute Abend steht die App im App Store von Apple und im Play Store von Google zum Download bereit. Die Installation beruht auf Freiwilligkeit. Damit die App funktioniert, muss Bluetooth aktiviert sein. Darüber wird eine Identifikationsnummer gesendet. Kommen sich zwei Menschen, die beide die App nutzen, in eine bestimmte Nähe, wird die jeweils andere Identifikationsnummer innerhalb der App gespeichert.

++++++ Corona-Neuinfektionen weltweit weiterhin hoch ++++++

Die globalen Neuansteckungen mit Covid-19 halten sich auf Rekordniveaus. Während Südamerika und Mexiko in etwa für 40 % der Fälle verantwortlich sind, sind Indien, Pakistan und Bangladesch weitere Hotspots. Die Sorgen vor einer zweiten Ansteckungswelle, nicht nur in den USA, nehmen zu. Der IWF will seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft am 24. Juni deutlich nach unten revidieren (Aprilprognose: -3 %). In diesem Umfeld bleibt die Nervosität bei Risikoassets zum Wochenstart weiterhin hoch. Frankreichs Präsident Macron kündigte gestern in seiner Ansprache an die Nation drastische Lockerungsmaßnahmen an, um die Wirtschaft zu beleben.

++++++ Industrieproduktion in Europa mit größtem Rückgang der Geschichte ++++++

Wegen der Corona-Krise haben die Industriebetriebe im Euro-Raum ihre Produktion so stark gedrosselt wie noch nie. Die Industrieproduktion ist von -12,9 % im März auf -28 % im April gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen. Seit Beginn der Zeitreihe war dies mit Abstand der größte Rückgang. Dies war vor allem den geschlossenen Fabriken, unterbrochenen Lieferketten und der fehlenden Nachfrage geschuldet. Trotz der anhaltenden Folgen der Corona-Krise hat sich die Stimmung der US-Konsumenten wieder etwas gefangen. Im Juni stieg das Barometer für das Verbrauchervertrauen auf 78,9 Zähler von 72,3 Punkten im Mai, wie die Universität Michigan am Freitag auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Die Befragten schätzten sowohl ihre Lage als auch die Erwartungen höher ein als zuletzt. Der private Konsum gilt als Säule der US-Konjunktur.

12. Juni

++++++ DAX mit deutlichem Kursrutsch ++++++

Mit Blick auf den deutschen Aktienmarkt drängt sich der Eindruck auf, als würde sich nun die Diskrepanz zwischen den realwirtschaftlichen Daten und der enormen Performance des DAX verringern. Der Anfang dazu fand mit den Kursverlusten am Dienstag statt. Einem weiteren Rutsch am Mittwoch folgte am Donnerstag eine Korrektur in einem deutlichen Umfang. Der Fed-Chef Jerome Powell hatte am Vorabend von einem „langen und unsicheren Weg“ gesprochen, der vor der US-Wirtschaft liegen würde. Auch scheint sich die im Zuge der Corona-Lockerungen aufgekommene Euphorie zu verflüchtigen. Dazu trugen nicht zuletzt die in den USA wieder steigenden Ansteckungsraten bei. Der DAX ging mit einem Abschlag in Höhe von 4,47 Prozent bei 11.970,29 Zählern aus dem Handel. Alle DAX-Werte büßten ein, am deutlichsten die Papiere der Lufthansa (-9,09 %). Bei der Airline sollen 22.000 Stellen auf der Kippe stehen, zudem droht der Konkurrenzkampf mit den Low-Cost-Anbietern dem Konzern zuzusetzen.

++++++ Auch US-Wirtschaft in schwerer Rezession ++++++

Die US-Notenbank Fed sieht die US-Wirtschaft wegen der Folgen der Corona-Pandemie in einer schweren Rezession. Daher besteht die Bereitschaft, den außergewöhnlichen geldpolitischen Stimulus sehr lange beizubehalten, der in den letzten Monaten mit Zinssenkungen, Anleihekäufen und der Etablierung der verschiedenen Refinanzierungsfazilitäten in Gang gesetzt wurde. Die Projektionen zu Wachstum und Inflation wurden erheblich nach unten korrigiert. So erwarten die Notenbanker im Median für dieses Jahr eine BIP-Veränderung von -6,5 %. 2021 aber wird eine Erholung der Wirtschaft unterstellt mit einem Wert von +5 %. Die im Dezember letztmalig veröffentlichten Projektionen (+2,0 % bzw. +1,9 %) waren durch den Corona-Lockdown obsolet geworden. Auch im Hinblick auf die Inflation hat sich das Bild komplett verändert. Die wird im Median 2020 bei 1,0 % gesehen und 2021 bei 1,5 %. Die Fed signalisierte entsprechend, dass es keine Zinserhöhungen bis Ende 2022 geben würde.

10. Juni

++++++ Starke Nachfrage bei europäischen Staatsanleihen ++++++

Die Nachfrage nach Neuemissionen bleibt äußerst hoch. Allein gestern wurden Euroland- Staatsanleihen in Höhe von 31 Milliarden Euro platziert. Irland (10 Jahre Laufzeit) und Spanien verzeichneten mit 50 Milliarden Euro bzw. 75 Milliarden Euro erneut sehr starke Orderbücher und selbst die griechische 10-jährige Anleihe hatte ein Buch von über 15 Milliarden Euro. Auch andere Marktsegmente wie deutsche Länderanleihen verzeichneten eine starke Nachfrage und der Einengungstrend bei Spreads hält an.

++++++ Deutsche Wirtschaft von Corona stark getroffen ++++++

Die gestern vermeldeten Zahlen zu den deutschen Importen und Exporten im April zeigten, wie heftig die deutsche Wirtschaft von Corona infiziert wurde. Während die Importe nach -1,5% im Februar und -5,0% im März (jeweils gegenüber dem Vormonat) im April sogar um 16,5% schrumpften, brachen die Exporte, welche im Unterschied zu den Importen im Februar noch um 1,3% zugelegt hatten, nach -11,7% im März im April sogar um -24,0% ein. Während die Importe dabei nur leicht stärker schrumpften als von den Volkswirten erwartet, überraschten die Exporte stark negativ. Obwohl sich die Lage hinsichtlich der Neuinfizierungen hierzulande deutlich entspannt hat, stieg die Zahl der Corona-Infektionen weltweit jüngst massiv an. Zuletzt wurden dabei täglich mehr als 100.000 neue Fälle registriert. Am Wochenende wurde mit mehr als 136.000 Fällen innerhalb von 24 Stunden sogar ein neuer Rekordwert erreicht. Betroffen hiervon ist hauptsächlich Afrika, Zentral- und Südasien, Mittel- und Südamerika sowie einige Länder in Osteuropa.

++++++ Nasdaq profitiert vom Digitalisierungsboom wegen Corona ++++++

Nach dem heftigen Absturz im Zuge der Corona-Krise läuft die Erleichterungsrally an den Aktienmärkten bereits seit mehr als elf Wochen. Während sich der S&P 500 dabei im Top bis auf eine Differenz von 4% an sein Vor-Corona-Hoch heranschraubte, übertraf der Nasdaq Composite nicht nur diese Marke, sondern schaffte inzwischen sogar ein neues Allzeithoch. Dass die Aktienmärkte in Jubelstimmung sind, während die Welt sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren befindet, mag so mancher als absurd empfinden. Unsere Experten hen zwar ebenfalls davon aus, dass die Rally sehr weit gelaufen ist, und die Anleger damit von allen denkbaren Erholungsszenarien die Beste, also ein V, eingepreist haben. Dass die Nasdaq die Rally anführt, gehorcht jedoch einer gewissen Logik. Schließlich profitieren viele Mitglieder dieses Index vom Digitalisierungsboom seit Corona. Weil die Kurse gestern rund um den Globus mehrheitlich sanken, stellt sich nun jedoch die Frage, war es das, oder pausiert die Rally nur?

++++++ Inflationsdaten in USA werden bekannt gegeben ++++++

Das Interesse der Marktteilnehmer richtet sich heute besonders Richtung USA. Im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed ist die Veröffentlichung der Inflationsdaten von Interesse. Im Mai sind die Benzinpreise zwar kontinuierlich gestiegen, dem vorausgegangen ist aber ein anhaltender Preisverfall, sodass im Erhebungszeitraum ein nochmals sinkendes Benzinpreisniveau zu Buche gestanden haben dürfte. Im Hinblick auf die geldpolitische Ausrichtung der Fed ist festzuhalten, dass die Teuerung bereits jetzt deutlich unterhalb der Niveaus liegt, die mittel- und langfristig erwünscht sind (rund 2 %). Es bedarf also keines weiteren Absinkens der Inflationsraten, um die US-Notenbank in ihrer expansiven Ausrichtung zu bestätigen. Ohnehin ist die Fed nicht allein der Inflationssteuerung verpflichtet, sondern hat explizit den Auftrag, für eine Vollauslastung des Arbeitsmarktes zu sorgen. Davon ist ungeachtet der positiven Überraschung beim Arbeitsmarktbericht am letzten Freitag wohl noch für einige Monate nichts zu sehen.

09. Juni

++++++ Quarantäne nach Urlaub in Schweden ++++++

Schweden-Urlauber müssen nach ihrer Rückkehr in einigen Bundesländern nun in Quarantäne. Entsprechende Regelungen gelten in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Hintergrund ist, dass es in Schweden in den vergangenen 7 Tagen mehr als 50 Neuinfizierte je 100.000 Einwohner gab. Damit wurde in dem skandinavischen Land die kritische Grenze überschritten. Wer aus dem Schweden-Urlaub nun zurück nach Hause kommt, muss zunächst 14 Tage in häusliche Quarantäne.

++++++ Weltbank rechnet mit Rezession auch in Schwellenländern ++++++

Die Weltbank hat ihre Prognosen gesenkt und rechnet nun damit, dass die durch die Corona-Krise ausgelöste Rezession im Jahr 2020 zu einem Einbruch der Weltwirtschaft um 5,2% führen wird. Die Eurozone trifft es demnach am stärksten mit -9,1%, die USA mit -6,1%, und für die normalerweise wachstumsstarken Schwellen- und Entwicklungsländer wird ein deutlicher BIP-Rückgang um 2,5% erwartet. Für die globale Erholung im Jahr 2021 rechnet die Weltbank nur mit einem weltweiten Plus von 4,2%. Auch der IWF dürfte bei seinem Update am 24. Juni die Welt-Prognose (bislang -3,0%) nach unten korrigieren. Der Rückgang der deutschen Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat beschleunigte sich nach dem durch Corona-Maßnahmen belasteten schwachen März (-8,9%) im April nochmals auf -17,9%. Das aktuelle Sentix-Investorenvertrauen für den Euroraum verbesserte sich zwar deutlich auf -24,8 (Mai: -41,8), allerdings lagen die Markterwartungen (-22) auch hier leicht höher.

++++++ DAX mit leichtem Tagesverlust ++++++

Es kommt tatsächlich noch vor, dass der DAX auch mal mit einem Tagesverlust aus dem Handel geht. Gestern war dies, wenn auch in geringem Umfang, der Fall. Der Leitindex verlor 0,22 Prozent auf 12.819,59 Punkte. Nach einer unbeschreiblichen Rally – seit dem am 16. März ausgebildeten Verlaufstief legte der DAX in der Spitze über 55 Prozent zu – ist es absolut normal, wenn es nicht stetig in eine Richtung geht und es auch zu Gewinnmitnahmen kommt. Darüber hinaus deuten viele charttechnische Faktoren darauf hin, dass der DAX kurz- und mittelfristig ausgereizt erscheint. Der zuletzt steigende V-DAX zeigte zudem, dass die Risiken wieder etwas höher gewichtet werden. Das macht Sinn, wenn insbesondere die Diskrepanz zwischen den realwirtschaftlichen Daten und der bereits beschriebenen Entwicklung des Aktienmarktes in die Beurteilung einbezogen wird. Zudem kann unterstellt werden, dass bereits sehr viel positive Erwartung eingepreist wurde.

08. Juni

+++++ Chinas Importe brechen ein ++++++

Chinas Exporte gaben im Mai um 3,3% gegenüber dem Vorjahr nach und damit weniger stark als erwartet. Die Importe stürzten jedoch laut jüngsten Zolldaten um 16,7% ab und damit deutlich heftiger als erwartet. Dies verdeutlicht, dass auch die Volksrepublik noch weit von einem Normalzustand entfernt ist und die Vereinbarungen aus dem Phase-1-Deal mit den USA schwerlich zu erreichen sein werden. Derweil droht der US-Präsident bereits wieder mit neuen Zöllen. Und zwar auf Autoimporte aus der EU sowie auf weitere chinesische Waren – für den Fall, dass die EU sowie China ihre Einfuhrzölle auf amerikanische Hummer nicht zurücknehmen. Das versprach Donald Trump am Wochenende zumindest amerikanischen Fischern.

++++++ US-Arbeitslosenquote besser als erwartet ++++++

Die Arbeitslosenquote in den USA ist im Mai überraschend von zuvor 14,7% auf 13,3% gesunken. Statt dem vom Ökonomen-Konsens erwarteten Abbau von acht Millionen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft wurden 2,5 Millionen Jobs geschaffen. Experten gehen davon aus, dass die Lockerungsmaßnahmen der Regierung bereits zu einer teilweisen Rückholung entlassener Arbeitskräfte geführt haben. Allerdings deuten die gesunkenen Stundenlöhne darauf hin, dass eher schwach bezahlte Jobs im Niedriglohnsektor aufgebaut wurden. Die US-Wirtschaft dürfte trotz der jüngsten Hoffnungsschimmer am Arbeitsmarkt noch viele Monate brauchen, um in Richtung Vorkrisenniveau zu steuern. Die US-Fed dürfte auf ihrer Sitzung am Mittwoch keine weitere Leitzinssenkung beschließen. Nach den billionenschweren Stützungsprogrammen sollten die Währungshüter vorerst abwarten und die Wirkung der Programme beobachten.

++++++ Nasdaq trotz Krise auf neuem Allzeithoch ++++++

So manche Kursbewegung an den Aktienmärkten scheint dem einen oder anderen Marktbeobachter suspekt. Viele Fragezeichen stehen im Raum, wenn beispielsweise die Nasdaq, so wie am Freitag geschehen, ein neues Allzeithoch markiert, ganz so als würde es die Corona-Krise und deren Auswirkungen nicht geben. Nicht ohne Grund sah sich die EZB veranlasst, ihr Kaufprogramm von bisher 750 Milliarden auf nun 1,35 Billionen Euro zu erhöhen. Die Bundesregierung brachte ein 130 Milliarden Euro umfassendes Konjunkturpaket auf den Weg. Mit Blick auf die Märkte drängt sich der Eindruck auf, dass Faktoren wie die Unruhen in den USA, die noch immer vorhandene Möglichkeit einer neuerlichen Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China, in weiten Teilen katastrophale Wirtschaftszahlen und nicht zuletzt bereits mehr als ambitionierte Bewertungsniveaus komplett ignoriert werden. Natürlich richtet sich der Blick an den Aktienmärkten nach vorn. Die Gefahr, dass die Situation durch die rosarote Brille gesehen wird, ist aber durchaus vorhanden. Dies birgt das Risiko, dass der Revisionsbedarf in Zukunft deutlich ausfallen könnte. In den letzten fünf Handelstagen legte der DAX sagenhaft über elf Prozent zu. Seit dem Tief am 16. März ging es für den Index um rund 4.600 Zähler (knapp 55 Prozent) nach oben.

05. Juni

++++++ Einkaufsmanager-Indizes für Mai zwischen Hoffnung und Verzweiflung ++++++

Der finale Gesamteinkaufsmanagerindex für Euroland im Mai wurde im Vergleich zum vorläufigen Wert leicht nach oben korrigiert (+1,4 Punkte) und erreichte einen Stand von 31,9 Punkten. Damit konnte er sich gegenüber dem Vormonat um 18,3 Punkte verbessern. Dies ist ein klares Lebenszeichen der europäischen Wirtschaft, wenngleich ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Italien und Spanien hatten mit den vorläufigen europäischen Daten noch keine Werte für den Mai veröffentlicht und wurden daher mit Spannung erwartet. In beiden Ländern hat sich der Gesamteinkaufsmanagerindex deutlich verbessert (Italien 33,9 Punkte; +23,0 Punkte und Spanien 29,2 Punkte; +20 Punkte). Der deutsche und der französische Gesamtindex lagen im Mai bei 32,3 Punkten bzw. 32,1 Punkten. Diese Daten bedeuten zweierlei: Einerseits verbreiten sie Hoffnung, dass Europa auf dem richtigen Weg ist, die Krise zu bewältigen. Andererseits gibt es keine Hoffnung für das laufende Quartal. Nach einem BIP-Rekordeinbruch im ersten Quartal um 3,8 % ist weiterhin ein noch wesentlich stärkerer Einbruch im zweiten Quartal zu erwarten.

++++++ Lufthansa fliegt aus dem DAX ++++++

Mit der Lufthansa steigt erneut ein DAX-Gründungsmitglied aus der ersten deutschen Börsenliga ab. Die durch die Corona-Krise in Schieflage geratene Airline wird künftig im MDAX der mittelgroßen Unternehmen zu finden sein. Ersetzt wird sie durch den Immobilienkonzern Deutsche Wohnen. Die Aktie der Lufthansa hatte im Zuge der Krise starke Verluste hinnehmen müssen. Die Deutsche Börse teilte mit, dass die Veränderungen zum 22. Juni wirksam werden. Zuletzt mussten sich bereits die Commerzbank und Thyssen-Krupp aus dem DAX verabschieden.

++++++ Positive Indikatoren aus USA und China ++++++

Zuletzt kamen insbesondere aus den USA und aus China von konjunktureller Seite wieder positivere Meldungen. In beiden Volkswirtschaften haben die Einkaufsmanager-Indizes für Mai jeweils sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor stärker zugelegt als erwartet. Mit Blick auf China befeuern die Frühindikatoren gar die Hoffnung, dass die Konjunktur im Reich der Mitte im Frühjahr bereits wieder auf breiter Front Fahrt aufgenommen hat. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ist wieder über die so genannte Expansionsschwelle geklettert, während die Stimmung im chinesischen Dienstleistungssektor im Mai das höchste Niveau seit fast zehn Jahren erreicht hat. Die US-Wirtschaft bleibt zwar weiterhin tief in der Kontraktionszone. Dennoch stützen die Frühindikatoren vorerst die am Finanzmarkt verbreitete Sicht, wonach das Schlimmste in der Corona-Krise überstanden ist. Letzteres gilt umso mehr, falls der heute Nachmittag zur Veröffentlichung anstehende US-Arbeitsmarktbericht bestätigen sollte, dass der Beschäftigungseinbruch in der US-Wirtschaft im Mai deutlich weniger heftig ausgefallen ist als zuvor erwartet. Dennoch dürfte sich nach dem Plus von 20,5 Millionen im April die Zahl der Arbeitslosen im Mai um weitere 8 Millionen erhöht haben.

++++++ Kein „Wumms“ an der Börse ++++++

Der gestrige Handelstag hatte einige Events zu bieten. Zu nennen sind insbesondere das 130 Milliarden Euro umfassende Konjunkturpaket der Bundesregierung sowie die Aufstockung des EZB-Kaufprogramms von bisher 750 Milliarden auf nun 1,35 Billionen Euro. Der von der Bundesregierung ins Spiel gebrachte „Wumms-Effekt“ durch das Konjunkturpaket wollte sich an der Börse allerdings nicht so recht einstellen. Insgesamt hatte man sich an den Märkten wohl eine stärkere Fokussierung auf einzelne Maßnahmen erhofft. Auch eine Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor gibt es nicht. Entsprechend waren Aktien aus diesem Sektor unter den größeren Verlierern zu finden. Alles in allem wurde von den Märkten bereits sehr viel positive Erwartung eingepreist. Um auf diese noch eine Schippe draufzusetzen, bedarf es offensichtlich noch größerer Überraschungen.

04. Juni

++++++ EZB veröffentlicht BIP- und Inflationserwartungen ++++++

Der EZB-Rat hat heute ein umfangreiches Programm abzuarbeiten. U.a. werden neue Projektionen zu Inflation und Wachstum vorgelegt. Die letzten offiziellen Projektionen stammen vom März und scheinen wie aus einer anderen Zeit. Seither ist einiges passiert und die Erwartungen der EZB liegen für das BIP-Wachstum 2020 seit der Pressekonferenz vom 30. April bei -5 % bis -12 % für das laufende Jahr. Man wird mit einer radikalen Änderung über den gesamten Horizont der Projektionen zu rechnen haben. Für die Inflation hatten die Notenbanker am 30. April keine Zahl veröffentlicht. Da die Leitzinsen der EZB schon seit einiger Zeit mehr oder weniger am unteren Ende angekommen sind, wird sie voraussichtlich ihre Anleihekäufe ausweiten. Mit dem Notprogramm PEPP hatte sie im Angesicht der Pandemie ein neues Vehikel aus der Taufe gehoben. Experten der LBBW gehen davon aus, dass sie dieses Programm von 750 Milliarden Euro um weitere 500 Milliarden Euro bis Ende 2020 aufstocken wird. Bis Ende Mai hatte das Eurosystem für 235 Milliarden Euro Anleihen im Rahmen des PEPP erworben.

++++++ Bundesregierung beschließt 130 Milliarden Euro Konjunkturpaket ++++++

Die deutsche Bundesregierung hat sich auf ein größer als erwartetes Konjunkturpaket in Höhe von bis zu 130 Milliarden Euro geeinigt, das von Merkel als „alternativlos“ bezeichnet wird. Darin enthalten sind u.a. die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent vom 1.7. bis zum 31.12.2020, ein einmaliger Kinderbonus in Höhe von 300 Euro pro Kind und eine Senkung der EEG-Umlage zur Reduzierung der Stromkosten. Die Erwartungen für eine Anhebung und Verlängerung der PEPP-Käufe bei der heutigen EZB-Sitzung sind hoch und es erscheint unklar, wie die EZB positiv überraschen kann. Der Fokus bei der EZB-Pressekonferenz dürfte sich neben den Anleihekäufen auch auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts richten, nachdem der erste Monat der vom BVerfG gesetzten Dreimonatsfrist am Freitag abläuft.

++++++ Euphorie an den Finanzmärkten mit Vorsicht genießen ++++++

Die Stimmung an den Finanzmärkten ist gut. Die Aktienmärkte legen kräftig zu, ebenso die Ölnotierungen und der Euro. Allerdings ist es keineswegs so, dass die Corona-Krise und die daraus resultierenden Folgen abgehakt werden können. Viele Hoffnungen beruhen auf den rund um den Globus angedachten Konjunkturpaketen. Aber auch diese lösen nicht zwangsläufig alle Probleme. Zu bedenken ist, dass bereits viele Jobs durch Insolvenzen weggefallen sind und unklar ist, ob sie wiederkommen. In Deutschland befinden sich derzeit über sieben Millionen Menschen in Kurzarbeit. Auch verschiedene Unternehmensnachrichten scheinen nicht so recht zu den Kurssprüngen zu passen. Einmal mehr dient die Lufthansa als gutes Beispiel. Gestern befand sich das Papier in der Spitzengruppe (+7,73 %), obwohl die Airline einen Fehlbetrag für das erste Quartal in Höhe von 2,1 Milliarden Euro bekannt gab. Im zweiten Quartal wird ein nochmals höherer Verlust erwartet. „Tiefgreifende Restrukturierungen“ wurden angekündigt. Um das Ausmaß zu illustrieren, sei erwähnt, dass vor der Corona-Krise 763 Jets im Einsatz waren. Das Management rechnet damit, dass im kommenden Jahr noch 300 und im Jahr 2022 noch 200 Maschinen nicht im Einsatz sind.

03. Juni

++++++ Italien öffnet Grenzen für Touristen ++++++

Auch in Frankreich ist gestern die zweite Stufe an Corona-Lockerungen in Kraft getreten. Der Espresso im Bistro an der Ecke ist nunmehr wieder möglich. Allerdings muss auch in den Bars, Cafés und Restaurants der Mindestabstand gewahrt sein. Außerdem darf nur auf den Terrassen, nicht innerhalb der Räumlichkeiten bedient werden. Ab heute sind außerdem Italiens Grenzen wieder offen. Als erstes europäisches Land macht es die Grenzen für Urlauber auf. An Flughäfen, Häfen und Bahnhöfen werden allerdings stichprobenartig Gesundheitskontrollen durchgeführt, z.B. wird die Temperatur bei einzelnen Personen gemessen.

++++++ Erneut positiver Wochenstart für den DAX ++++++

Erneut machten sich die Marktteilnehmer von vermeintlich negativen Entwicklungen frei. Die Unruhen in den USA spielten ebenso wie die Hongkong-Krise keine Rolle. Auch das Thema Corona verliert an Aufmerksamkeit. Einerseits zu Recht, andererseits meldete die WHO, dass sich der Schwerpunkt des Virus mittlerweile in den Osten Europas verlagert hat. In Russland gibt es mehr als 423.741 nachgewiesene Infektionen. Diese Zahl wird nur in Brasilien und den USA übertroffen. Beeindruckend war, dass insgesamt zwölf Titel im DAX um mehr als fünf Prozent kletterten und es mit Wirecard nur eine Aktie gab, welche einen Abschlag verbuchte. Ein Grund für den Rückenwind an den Börsen ist die Hoffnung auf umfangreiche Konjunkturprogramme. Gestern ist es der Bundesregierung nicht gelungen, ein solches zu verabschieden. Die Verhandlungen sollen heute fortgesetzt werden. Angesichts positiver Vorgaben von den Überseebörsen wird der DAX freundlich in den Handel starten.

02. Juni

++++++ Ernüchternde Tests von Covid-19-Medikament ++++++

Trotz der Unruhen in verschiedenen Städten der USA und der Drohungen von US-Präsident Trump, das Militär einzusetzen (was die die Spaltung der US-Gesellschaft weiter vertiefen dürfte), halten sich die Marktreaktionen in Grenzen. Der S&P 500 schloss auf dem höchsten Niveau seit dem 5. März. Es scheint weiterhin die Erleichterung darüber zu dominieren, dass Trumps Schritte am Freitag gegen Hongkong und China nur recht moderat ausfielen. Die wenig überzeugenden Ergebnisse eines Phase-3-Tests mit Remdesivir als Medikament gegen Covid-19 perlten auch von der Investorenstimmung ab und die Risikomärkte bleiben wie schon in der Vorwoche erstaunlich stabil. Neben der Erwartung weiterer Fiskalpakete in Deutschland und den USA stützen auch die Aussichten auf erneute geldpolitischer Lockerungsschritte der EZB am Donnerstag die Stimmung.

++++++ EZB entscheidet über Aufstockung des Notfallprogramms PEPP ++++++

In dieser Woche dürften die Marktteilnehmer vor allem auf die EZB-Sitzung am Donnerstag blicken. Eine deutliche Aufstockung des Notfallkaufprogramms PEPP ist dabei so gut wie ausgemacht. Spannend bleibt allerdings die Frage nach der Höhe sowie einer möglichen Verlängerung über Ende 2020 hinaus. Am Freitag steht zudem der US-Arbeitsmarktbericht an. Dieser dürfte zeigen, dass im Mai nochmals mehrere Millionen Jobs abgebaut worden sind und die Arbeitslosenquote in den Bereich von 20 % gestiegen sein dürfte. Politisch wird es diese Woche weiter spannend bleiben. Die deutsche Bundesregierung plant die Vorstellung ihres nächsten Konjunkturpakets. Die innereuropäischen Debatten über das EU-Wiederaufbauprogramm dürften ebenfalls weitergehen. Auch die Verhandlungen zum Freihandelsvertrag zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich gehen in eine wichtige Phase. Präsident Trump wird wieder an diversen Fronten zu kämpfen haben: Zu Corona und Spannungen mit China kommen noch die innenpolitischen Probleme mit gewaltsamen Protesten gegen Polizeigewalt.

++++++ Überraschend gute Monatsbilanz beim DAX ++++++

Der DAX scheint sich aktuell nur kurzzeitig aus der Ruhe bringen zu lassen. In der abgelaufenen Woche kletterte das Börsenbarometer um 4,6 Prozent. Die Monatsbilanz fällt mit einem Kursplus in Höhe von 6,7 Prozent ebenfalls sehr beachtlich aus. Auch bei den Einzelwerten gab es mehr Licht als Schatten. Lediglich vier DAX-Titel verbuchten im Mai Kursabschläge. Am deutlichsten verlor das Papier der Deutschen Börse (-1,76 %). Ganz nach dem Motto „Selektion ist Trumpf“ konnte mit den Anteilsscheinen von Lufthansa (13,73 %), Wirecard (+13,52 %) und Deutsche Bank (+12,55 %) die beste Performance erzielt werden. Auch der Handelsstart in den neuen Börsenmonat wird freundlich ausfallen. Weiterhin scheint es den Marktteilnehmern zu gelingen, über negative Aspekte hinwegzusehen. Zu nennen sind beispielsweise die bürgerkriegsähnlichen Szenen aus den USA oder die US-Sparquote. Diese fiel im April mit 33 Prozent so hoch aus wie niemals zuvor. In dieser Woche stehen insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten im Fokus. Auch die Gefahr eines möglicherweise wieder aufflammenden Handelsstreits zwischen den USA und China gilt es zu beachten, wenngleich diese an den Märkten zuletzt geringer eingeschätzt wurde.

29. Mai

++++++ DAX: Wie geht es weiter? ++++++

Auch am Donnerstag setzte der DAX scheinbar unbeirrt seine Aufwärtsbewegung fort. Am Ende war ein Plus in Höhe von 1,06 Prozent auf 11.781,13 Zähler zu verbuchen. Insgesamt summieren sich die Kursgewinne seit dem Corona-Tiefststand am 19. März mittlerweile auf rund 42 Prozent. Damit wird deutlich, dass auf dem erreichten Kursniveau bereits sehr viel positive Erwartung eingepreist wurde und das Potenzial für mögliche Rücksetzer größer wird, wenn sich an den zugrunde gelegten Zukunftsszenarien maßgeblich etwas ändern sollte. Einerseits scheinen viele Investoren notgedrungen auf den fahrenden Zug aufspringen zu müssen, da die Dynamik hinter der laufenden Aufwärtsbewegung unterschätzt wurde. Andererseits nimmt gleichzeitig die Nervosität unter den Marktteilnehmern zu.

++++++ US-Arbeitsmarkt ++++++

Die schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten reißen nicht ab. In dieser Woche gab es 2,1 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Damit summieren sich die Anträge seit März nun auf über 40 Millionen.

28. Mai

++++++ Schnellere Erholung von Stimmungsindikatoren als in Finanzkrise 2008 ++++++

Ein Vergleich zwischen der Finanzkrise 2008 und der Corona-Krise zeigt, dass nach dem Lehman-Schock im September 2008 der deutsche ifo Index erst im März 2009 seinen Tiefpunkt erreichte. Anders stellt sich die Situation diesmal dar, wo zwar der Einbruch aufgrund des kombinierten Angebots- und Nachfrageschocks deutlich steiler und auch tiefer war, doch die Erholung der Stimmung schon im Mai (zwei Monate nach Ausbruch der Krise) wiedereinsetzte. Die schnelle und massive geld- und fiskalpolitischen Reaktionen in den letzten Monaten dürfte u. a. den Unterschied ausmachen. Angesichts der Diskussion um weitere umfangreiche Konjunkturpakete sowohl in Deutschland als auch der EU und den USA dürfte die Erholung des ifo Index damit auch im Juni anhalten. Damit dürften auch die Erwartungen an den Kapitalmärkten für eine V-förmige Konjunkturbelebung zunehmen. Risikoanlagen bleiben in diesem Umfeld unterstützt.

++++++ EU-Kommission legt Plan für Wiederaufbau vor ++++++

Der Plan von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Ankurbelung der europäischen Wirtschaft geht noch deutlich über den Vorschlag von Bundeskanzlerin Merkel und des französischen Präsidenten Macron hinaus. 500 Milliarden Euro will die EU-Kommission mittels eines Wiederaufbaufonds als Zuschüsse ausgeben. Weitere 250 Milliarden Euro als Kredite. Vor allem Italien und Spanien dürften Empfänger der Hilfen sein. Die Auszahlungen können in den Jahren 2021 bis 2024 erfolgen. Das Programm mit dem Namen „Next Generation EU“ soll zunächst über die Emission von Anleihen mit langer Laufzeit finanziert werden. Die Staaten der EU stehen mit ihren künftigen Beiträgen zum EU-Haushalt für die Rückzahlung der Anleihen ein. Bis zum Jahr 2027 sollen die Staaten aber noch geschont werden – bis dahin sind hierfür keine wesentlichen Anhebungen der Beiträge geplant. Daneben will die EU neue Vorschläge für die Erhebung eigener Steuern oder Abgaben vorlegen, mittels derer die Schulden dann wieder abgebaut werden können. Dies soll Teil einer grundsätzlichen Reform der Finanzierung des EU-Haushalts sein. Bis zum Jahr 2058 sollen alle im Rahmen von „Next Generation EU“ gemachten Schulden abbezahlt sein.

++++++ Deutsche Autobauer geben DAX Auftrieb ++++++

Für den DAX scheint es kein Halten mehr zu geben, da die Optimisten weiterhin den Takt bestimmen. Auch wurden weitere wichtige Chartmarken, zumindest temporär, übersprungen. Letztendlich konnte ein Kursplus in Höhe von 1,33 Prozent auf 11.657,69 Punkte verbucht werden. Ein wesentlicher Anteil der Performance war auf die deutlichen Gewinne der drei Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen zurückzuführen. Diese trugen allein 108 Punkte zum DAX-Anstieg bei. Lange Zeit waren auch die Anteilsscheine der Lufthansa unter den größten Gewinnern zu finden. Zwischenzeitlich ging es für die Airline-Papiere um mehr als neun Prozent aufwärts, bevor die Nachricht, dass der Aufsichtsrat die Entscheidung zur Annahme des staatlichen Rettungspakets über neun Milliarden Euro vertagte, die Gewinne wieder eliminierte. Für Rückenwind am Gesamtmarkt sorgten die Pläne der EU-Kommission für einen Wiederaufbaufonds mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu überwinden.

27. Mai

++++++ Anleihemärkte bleiben verhalten ++++++

Während der Aktienmarkt seine Erholung fortsetzen konnte, hält sich der Anstieg in den Anleiherenditen noch immer stark in Grenzen. 10-jährige US-Treasuries handeln seit mittlerweile zwei Monaten in einer äußerst engen Trading Range zwischen 0,55% und 0,80%. Gleiches gilt für Bundesanleihen, die auf dem Niveau von Ende März notieren. Aus technischer Sicht könnte kurzfristig jedoch etwas Bewegung in den Rentenmarkt kommen. Die Rendite 10-jähriger Bunds hat ihren taktischen Abwärtstrend verlassen und ist aktuell im Begriff, die 200-Tagelinie bei -0,44% zu überschreiten. Ein entsprechender Impuls hierzu könnte vom Ölpreis ausgehen. Die Sorte Brent hat mit 36,2 US-Dollar zeitgleich eine äußerst kritische Hürde erreicht.

++++++ EU-Kommission macht Vorschlag zur Unterstützung der EU-Wirtschaft ++++++

Die Europäische Kommission wird heute dem Auftrag des Europäischen Rates nachkommen und einen Vorschlag zur Erholung der EU-Wirtschaft vorstellen. Es wird allgemein erwartet, dass der Vorschlag der Kommission auch die Ausgabe von EU-Anleihen enthalten wird, mit deren Einnahmen nicht zurückzahlbare Hilfen von EU-Staaten finanziert werden sollen, die von der Corona-Epidemie besonders heimgesucht wurden. Ob derartige Anleihen mit den EU-Verträgen vereinbar wären, steht dabei auf einem anderen Blatt. In den USA steht heute der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank of Richmond auf der Agenda. Nach Prognose der Experten der LBBW wird sich der Indikator für die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe etwas

++++++ Positive Erwartungen sorgen für gute Stimmung an Finanzmärkten ++++++

Die Stimmung an den Finanzmärkten ist derzeit gut, da Corona-Beschränkungen weiter aufgehoben werden und die Hoffnung vorherrscht, dass das Schlimmste der Krise bereits hinter uns liegt. Die Aktienmärkte steigen und der Euro ist stabil, während der deutsche Rentenmarkt Verluste verbuchen muss. Auch am Dienstag setzte der DAX seinen Aufwärtsimpuls fort. Im Gegensatz zu den Vortagen konnten auch steigende Handelsumsätze registriert werden. Im Zuge des Kurssprungs wurde die Kurslücke vom 9. März geschlossen. Für Rückenwind am deutschen Aktienmarkt sorgten einmal mehr Konjunkturhoffnungen. Auch die Neuinfektionszahlen in Europa fallen sehr moderat aus. Insgesamt scheint es, als hätte der Optimismus am Aktienmarkt derzeit keine Grenzen. Allerdings kann aber auch unterstellt werden, dass bereits sehr viel positive Erwartung in das derzeit erreichte Kursniveau eingepreist ist.

26. Mai

++++++ DAX auf Höchststand seit dem 6. März 2020 ++++++

Die Corona-Lockerungsmaßnahmen entfalten eine positive Wirkung auf den DAX, der am gestrigen Tag mit einem Plus von 2,89% aus dem Handel ging. Allerdings gilt es zu bedenken, dass die Marktteilnehmer aus Großbritannien und den USA feiertagsbedingt fehlten und die Handelsumsätze deutlich unterhalb des 21-Tage-Durchschnitts lagen. Deshalb blicken die Marktteilnehmer mit Spannung auf die heutige Entwicklung.

++++++ Wie geht es weiter? ++++++

Die Unternehmensstimmung hat sich zuletzt zwar aufgehellt, von einer Rückkehr zur Normalität kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Unternehmern, Marktteilnehmer und Investoren treibt dabei die Frage um, welche Nebenwirkungen die enormen Hilfspakete insbesondere im Hinblick auf Staatsverschuldung und Inflation haben. Bislang ist die Preisentwicklung rückläufig und auch die Inflationserwartungen sind nicht besonders stark ausgeprägt. Dies ist vor allem den niedrigen Ölpreisen zu verdanken. In der Eurozone kommt derzeit zudem die Frage nach dem Zusammenhalt der Mitgliedsstaaten auf. Insbesondere die Diskussion um eine gemeinsame Schuldenaufnahme zeigt dies sehr deutlich.

25. Mai

++++++ DAX befindet sich weiter auf Richtungssuche ++++++

Am Freitag verabschiedete sich der DAX mit einen ganz leichten Plus aus dem Handel. Eine eindeutige Tendenz lässt sich aber aufgrund der vielen Unsicherheitsfaktoren derzeit nicht ausmachen. Heute steht mit dem ifo-Geschäftsklimaindex die wohl wichtigste Unternehmensumfrage in Deutschland zur Veröffentlichung an. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich die Lockerungen der Corona-Maßnahmen und das allmähliche Hochfahren der Produktion auf die Stimmung der Unternehmen auswirken. Die Vorgaben sind per saldo positiv. Zwar ist es zu einer weiteren Reduzierung der Lagebeurteilungen gekommen, die Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer sind aber kräftig gestiegen – ebenso die Kurse an den Aktienmärkten. Der DAX hat inzwischen die Hälfte seines Verlustes infolge der Corona-Pandemie schon wieder aufgeholt. Auch die Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors lassen auf einen ifo-Anstieg hoffen.

++++++ Der Blick über den großen Teich ++++++

… verheißt derzeit nichts Gutes. Es mehren sich die Sorgen, dass die Spannungen zwischen China und den USA wieder zunehmen könnten. Die erneut aufkeimende Schulddiskussion zum Ausbruch des Corona-Virus erschweren die Beziehungen der beiden Länder. Das von der Kommunistischen Partei Chinas angekündigte Sicherheitsgesetz für Hongkong, welches dem einst von Deng Xiaoping für eigentlich mindestens 50 Jahre versprochenen Prinzip „ein Land, zwei Systeme“ ein Ende bereiten dürfte, sorgt auch nicht für Entspannung. An den Börsen gab es bis jetzt aber noch keine nachhaltige Reaktion. Ein kurzer Dämpfer zu Beginn konnte im Laufe des Freitags wieder aufgeholt werden. Heute sind die US-Börsen aufgrund des Memorial Day geschlossen.

++++++ Diskussion über EU-Wiederaufbaufonds ++++++

Die Diskussion um den Wiederaufbaufonds der EU gewinnt an Fahrt. Mittwoch will die EU-Kommission konkretere Pläne veröffentlichen. Die Veröffentlichung der Pläne der „sparsamen Vier“ (AT, NL, DK, SW) am Wochenende kann man als Teil einer Verhandlungstaktik interpretieren, wobei Äußerungen des Eurogruppenchefs Centeno, dass der Wiederaufbaufonds ein erster Schritt in Richtung Fiskalunion ist, zu zusätzlichen Irritationen führen dürften. Diskutiert wird nun ein Kompromiss mit einem Fonds, der sowohl Zuschüsse als auch Kredite vergeben wird und zeitlich begrenzt sein wird. Angesichts des bisher noch nicht verabschiedeten mittelfristigen Finanzrahmens der EU (2021 – 2027), der für die Möglichkeit der Schuldenfinanzierung des Fonds von zentraler Bedeutung ist, dürfte der Start des Wiederaufbaufonds in jedem Fall noch einige Monate Zeit brauchen und die Diskussion um die Schuldentragfähigkeit Italiens dürfte davor erneut aufkommen. So oder so stehen aber intensive und schwierige Gespräche auf EU-Ebene ins Haus.

20. Mai

++++++ Autoverkäufe in der EU brechen ein ++++++

Die Pkw-Neuzulassungen in der EU brachen im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 76 % ein (nach -55 % im März). Angesichts der härteren Corona-Restriktionen traf es Italien (-98 %) deutlich stärker als Deutschland (-61 %). Auch für die Autoverkäufe dürfte gelten: Die aktuelle Lage ist so schlecht, dass es fast nur besser werden kann. Hoffnung gibt China, das einen zeitlichen Vorsprung bei den Corona-Maßnahmen aufweist: Dort wurde im April inklusive der Aufholungskäufe fast wieder das Niveau des Vorjahresmonats erreicht (nur noch -2 %). Der Auto-Sektor geriet auch bei den Euro-Unternehmensanleihen unter die Räder, die Risikospreads weiteten sich seit Jahresanfang um 145 Bp. aus. Mit Daimler zählte auch ein Automobilhersteller zu den deutschen Konzernen, die sich seit der vergangenen Woche wieder sehr aktiv bei Neuemissionen von Corporate Bonds zeigen und insgesamt ein Volumen von über 12 Milliarden Euro begaben.

++++++ ZEW-Umfrage: Erwartungen hoffnungsvoll ++++++

Während das Barometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die aktuelle Lage in Deutschland im Mai nochmals um 2,0 Punkte auf den schwachen Wert von -93,5 Punkten sank, zeigten sich die befragten Finanzexperten bei den Erwartungen für die nächsten 6 Monate deutlich zuversichtlicher: Der von dem ZEW ermittelte Umfragewert sprang im Mai um 22,8 Punkte auf 51,0 Punkte und übertraf damit die Markterwartungen deutlich. Die Börsen hatten mit den Kurssprüngen am Montag ebenfalls eine (zu) hohe Erwartungshaltung an den Tag gelegt. Gestern beruhigten sie sich etwas. Ebenso verhalten starteten auch die Märkte in Asien heute Morgen.

++++++ US-Aktien schwächer ++++++

US-Aktien schlossen auf den Tiefpunkten des Tages, nachdem sich etwas Skepsis mit Blick auf Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung breitgemacht hatte. Eine anhaltende Korrektur bleibt aufgrund der Positionierung zunächst jedoch unwahrscheinlich. EZB-Ratsmitglieder lassen unterdessen keine Gelegenheit aus, auf die Möglichkeit einer Aufstockung der Anleihekaufprogramme hinzuweisen. Dass dies eine Reaktion auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist und die Unabhängigkeit der EZB demonstrieren soll, erscheint plausibel. Nach dieser Logik steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB dann bei der nächsten Sitzung am 4. Juni eine Aufstockung der PEPP-Käufe (aktuell 750 Milliarden Euro) verkünden wird.

19. Mai

++++++ Merkel und Macron für EU-Wiederaufbaufonds ++++++

Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron sprachen sich in einer gemeinsamen Videoansprache für einen 500 Milliarden Euro großen EU-Wiederaufbaufonds aus. Aus diesem Fonds sollen entgegen den ursprünglichen Plänen keine Kredite vergeben, sondern direkte Zuschüsse an die betroffenen Länder verteilt werden. Die Finanzierung soll schuldenfinanziert über den EU-Haushalt erfolgen und käme von der Struktur den vor allem von der Peripherie, aber auch Frankreich, geforderten Corona-Anleihen recht nahe. Opposition gegen diesen Vorschlag kommt weiterhin vor allem aus Österreich und den Niederlanden. Von dort sind überwiegend Zweifel an der Tragfähigkeit zu vernehmen. Am 27. Mai sollen weitere Vorschläge präsentiert werden. Die Bundesbank äußerte sich unterdessen zuversichtlich, dass nach dem tiefen Einbruch im April die deutsche Wirtschaft begonnen hat, sich zu erholen.

++++++ Erste erfolgreiche Impfstoff-Studie ++++++

Das US-Biotechnologieunternehmen Moderna vermeldete Erfolge in der Entwicklung des Impfstoffkandidaten mRNA-1273. In einer Phase-One-Studie konnten Anzeichen für eine Reaktion des Immunsystems im Körper der Testpersonen nachgewiesen werden. Die finalen Studien sollen im Juli starten. Sollte es mit Blick auf einen Impfstoff tatsächliche Fortschritte geben und der Nachrichtenfluss an dieser Front sich positiver entwickeln als erwartet, könnte die Stimmung an den Märkten recht nachhaltig drehen. Sorgen vor steigenden Inflationserwartungen dürften vor allem bei Anleihen dann ein Thema werden.

++++++ Japan in Rezession ++++++

Jetzt ist es amtlich: Das Bruttoinlandsprodukt Japans ist im ersten Quartal 2020 auf Quartalsbasis um 0,9 % geschrumpft. Im Vorquartal, das noch nicht von der Corona-Pandemie gezeichnet war, fiel die Wirtschaftsleistung bereits um 1,9 %. Nach zwei Quartalen mit rückläufigem BIP befindet sich Japan nun nach allgemein akzeptierter Definition in einer Rezession. Die Hoffnungen auf eine Stabilisierung des privaten Konsums im ersten Quartal 2020 konnten sich aufgrund der Corona-Pandemie nicht erfüllen. Mit einem Minus von 0,7 % fiel dessen Rückgang sogar recht kräftig aus. Experten der LBBW erwarten für das zweite Quartal 2020 eine Fortsetzung des negativen Trends und somit die schwerste Rezession in der Nachkriegszeit.

++++++ DAX springt über 11.000er-Marke ++++++

Der DAX startete unterwartet fulminant in die neue Handelswoche. Schlussendlich konnte ein Kursplus in Höhe von stattlichen 5,67 % auf 11.058 Zähler verbucht werden. Auch die Performance des MDAX (+3,5 %), TecDAX (+4,0 %) und SDAX (+4,5 %) konnte sich sehen lassen. Kurstreibend erwies sich die neuerliche Hoffnung auf eine schnelle Überwindung der Corona-Krise, weitere Konjunkturhilfen, die Entwicklung eines Impfstoffes sowie Short-Eindeckungen. Der Ölpreis kletterte auf den höchsten Stand seit einem Monat. Die im Markt kursierenden Kaufgründe wurden in den vergangenen Wochen immer mal wieder angeführt. Da diese meist eine kurze Halbwertszeit hatten, können Zweifel an der Nachhaltigkeit der vollzogenen Bewegung nicht vollständig ausgeräumt werden. Zumal von verschiedenen Experten die Meinung vertreten wird, dass ein zuverlässiger Corona-Impfstoff frühestens im kommenden Jahr zur Verfügung stehen könnte. Laut Einschätzung des IWF werde die komplette Erholung der Wirtschaft zudem länger dauern als bisher vorhergesagt.

18. Mai

++++++ Lateinamerika derzeit neuer Schwerpunkt der Pandemie ++++++

Zu einem neuen Hot-Spot in Sachen Corona entwickelt sich Brasilien. Infolge schlechter Regierungspolitik und einer unzureichenden Vorbereitung des Gesundheitssystems ist das Land in der Statistik sowohl bei den Fallzahlen als auch bei den Opferzahlen inzwischen an Spanien und Italien vorbeigezogen. Nur die USA, Russland und Großbritannien liegen noch vor Brasilien. Damit dürfte Lateinamerika zum neuen Epizentrum der der Pandemie werden. Unterdessen hat Slowenien als erstes Land in Europa die Pandemie für besiegt erklärt.

++++++ Diskussionen um Corona-Anschubhilfe halten an ++++++

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist im ersten Quartal um 2,2 % gesunken, obwohl strenge Einschränkungen für das öffentliche Leben erst ab Mitte/Ende März verordnet wurden. Zwar gab es schon in fast allen wichtigen Nachbarländern etwas früher entsprechende Einschränkungen, aber die Tatsache, dass der Lockdown den ganzen April und einen guten Teil des Monats Mai galt, lässt für Q2 einen weiteren Einbruch in Höhe von 8 % bis 10 % zum Vorquartal erwarten. Danach aber sollte es wieder aufwärtsgehen. Die Erholung dürfte dabei umso kräftiger verlaufen, je koordinierter die Öffnungen in den europäischen Nachbarstaaten verlaufen (ein Ende des Lockdowns nur in Deutschland macht angesichts der verflochtenen Wirtschaft Europas wenig Sinn), und je kräftiger die Anschubhilfe des Staates ist. Darüber gab es am Wochenende erneute Diskussionen. Den Ton gab Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet vor. Er will der Wirtschaft mit dem geplanten Corona-Konjunkturpaket Impulse für mehr Klimaschutz geben. „Es wird jedenfalls kein Programm sein können, das den Zustand des Jahres 2019 einfach wiederherstellt. Dieser Illusion dürfen wir uns nicht hingeben“, sagte der CDU-Politiker. Der Wandel zu einer digitalen, klimaschonenden und nachhaltigen Wirtschaft müsse beschleunigt werden. „Auch die öffentliche Infrastruktur braucht Impulse, sowohl bei der Bahn als auch bei den Straßen.“

++++++ Rendite 10-jähriger Bunds im Seitwärtsmodus ++++++

Die Seitwärtsbewegung bei Bundrenditen wird sich voraussichtlich auch in dieser Woche fortsetzen. Angesichts der deutlich gelockerten Korrelation zwischen dem Bund Future und Aktien bedarf es aus Sicht der Deka-Experten für einen weiteren deutlichen Rückgang der Rendite 10-jähriger Bunds vor allem einer Veränderung der Erwartungen an die EZB-Geldpolitik. Zinssenkungserwartungen müssten erneut aufkommen. Ohne solche Unterstützung erscheint ein anhaltender und deutlicher Rückgang der 10-jährigen Bundrendite unter -0,55 % schwierig. Aufgrund der starken Anleihekäufe der EZB fehlen jedoch ebenfalls klare Impulse für steigende Renditen.

++++++ Gold in Euro auf Allzeithoch ++++++

Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China schlossen Aktien in den USA und Europa am Freitag freundlich. Dies bestätigt die Sicht vieler Experten, dass angesichts der vorsichtigen Aktienpositionierung vieler aktiver Investoren eine anhaltende Korrektur bei Aktien auch bei steigender Risikowahrnehmung zunächst schwierig bleibt. Dies gilt zumindest, solange die Covid-19-Fallzahlen in den USA und Europa weiter zurückgehen und die Diskussion um weitere astronomisch große Hilfspakete die Hoffnung auf eine deutliche konjunkturelle Erholung im zweiten Halbjahr aufrechterhalten. Entsprechend freundlich sind die Vorgaben bei Aktien in Europa zum Wochenstart. Die massive Ausweitung der Zentralbankreserven in Kombination mit den extremen öffentlichen Haushaltsdefiziten schürt die Nachfrage nach Gold. Mit 1.760 US-Dollar handelt die Unze auf dem höchsten Niveau seit Oktober 2012, während in Euro gerechnet die Unze mit 1.626 Euro schon weit über den damaligen Niveaus (knapp 1.400 Euro) auf Allzeithoch steht. Die Preisbewegung bleibt weiter gut unterstützt.

++++++ Vorübergehende Korrekturen an den Märkten zu erwarten ++++++

Marktteilnehmer durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Mal überwiegt die Hoffnung, dass das Schlimmste der Corona-Krise überwunden ist, mal wird diese Hoffnung durch schwache Wirtschaftszahlen oder wieder steigende Infektionszahlen enttäuscht. Der Aktienmarkt spiegelt die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer und damit die Stimmung gut wider. Mit Blick auf den DAX gilt es zu berücksichtigen, dass der Index zeitweise fast 40 % seines Einbruchs im März aufgeholt hat. Dies ist im Vergleich zu früheren Abwärtsphasen ähnlichen Ausmaßes außergewöhnlich viel. Da schon viel Positives vorweggenommen worden ist, sind vorübergehende Korrekturphasen nicht ungewöhnlich und sollten daher nicht überbewertet werden. Entscheidend ist, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt und wie schnell und nachhaltig Lockerungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Deutschland befindet sich in einer relativ komfortablen Situation. Die Zahl der aktiv an Covid-19 erkrankten Menschen ist im Trend klar abwärts gerichtet und die Ansteckungsrate hat sich inzwischen unterhalb der entscheidenden Marke von eins eingependelt. Insofern ist zu hoffen, dass sich die schrittweise erfolgten Lockerungen als dauerhaft erweisen.

15. Mai

++++++ Weltweite Ölnachfrage eingebrochen ++++++

Im Zuge der Corona-Lockdowns ist die globale Ölnachfrage um gut 12 Millionen Barrels eingebrochen. Die Internationale Energieagentur schätzt den Tiefpunkt des Einbruchs für das zweite Quartal mit 20 Millionen Barrels täglich. Das entspricht rund einem Fünftel der weltweiten Nachfrage. Der Abwärtsdruck auf den Ölpreis entstand, weil das Angebot kurzfristig nicht in entsprechendem Ausmaß zurückging. Nach einigem Hin und Her haben sich die OPEC und Russland zwar geeinigt, die Ölförderung ab Mai um knapp 10 Millionen Barrels zu kürzen. Das fängt den Nachfragerückgang aber nur zur Hälfte auf – sofern die Vereinbarung überhaupt in vollem Umfang eingehalten wird. Im April, also einen Monat vor Beginn der Kürzungsverabredung, haben sowohl die OPEC als auch Russland ihre Ölförderung nochmal ausgeweitet. All dies hat eine sehr hohe Auslastung der Öllagerkapazitäten zur Folge, was längerfristig auf den Ölpreisen lasten wird. Denn die von Deka-Experten erwarteten Nachfrageanstiege in der zweiten Jahreshälfte werden in großen Teilen aus dem Lager bedient werden können, ohne dass nennenswerter Aufwärtsdruck auf die Ölpreise entsteht. Unter der Annahme, dass die Weltwirtschaft sich im zweiten Halbjahr erholt, aber die globale Ölnachfrage in diesem Jahr nicht mehr das Niveau von vor der Corona-Krise erreichen wird, dürften die Ölpreise bis zum Jahresende nur sehr moderat ansteigen.

++++++ Silber schwächelt ++++++

Während die Goldpreise in den letzten Wochen im Aufwind gewesen sind, notiert Silber deutlich niedriger als noch zu Jahresbeginn. Ein Indikator für die relative Schwäche des Silberpreises ist das sogenannte Gold/Silber-Ratio. Im März erreichte dieses Verhältnis erstmals die Marke von 100 – eine Unze Gold war damit 100-mal so teuer wie eine Unze Silber. Bis Mitte März kletterte das Gold/Silber-Ratio weiter auf Werte über 120. Der Durchschnittswert der letzten 10 Jahre liegt bei 70. Der Grund für die Schwäche von Silber ist die Tatsache, dass ca. 55 % der globalen Silbernachfrage aus der Industrie stammen und somit aktuell unter der corona-bedingten Konjunkturschwäche leiden. Erst wenn sich die Anzeichen für eine Erholung der weltweiten Konjunktur verdichten, dürfte Silber davon profitieren und dann auch wieder interessanter als Gold werden.

++++++ BIP in Deutschland schrumpft deutlich ++++++

Heute werden zahlreiche Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die das Ausmaß der Corona-Pandemie noch einmal zum Ausdruck bringen werden. Jüngst aufkommende Befürchtungen, wonach die Erholung der Weltwirtschaft länger dauert als erhofft, könnten untermauert werden. Gestartet wird mit dem Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Zwar ist mit einem deutlichen Quartalsminus zu rechnen, dennoch scheint das Land vergleichsweise gut durch die Krise zu kommen. Dies dürfte daran liegen, dass die corona-bedingten Einschränkungen weniger streng waren als in anderen Ländern der Europäischen Wirtschaftsunion – auch dank eines besser aufgestellten Gesundheitssystems. Experten rechnen mit einem Minus zwischen 2,5 und 3,8 %. Dies dürfte heute bestätigt werden. Darüber hinaus wird damit gerechnet, dass es im Verlauf des zweiten Halbjahres eine Wirtschaftserholung geben wird.

14. Mai

++++++ Großbritannien besonders von Coronakrise betroffen ++++++

Die Corona-Krise nimmt in Großbritannien dramatische Dimensionen an: Im Ranking der Corona-Todesfälle belegt es mit über 30.000 Todesfällen Platz zwei (hinter den USA, vor Italien). Zudem dürfte die corona-bedingte Rezession zu den tiefsten weltweit gehören. Grund dafür ist die erwartete lange Dauer des Lockdown bis in den Juni hinein. Nach den jüngsten Prognosen der Bank of England dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 25 % gegenüber dem Vorquartal schrumpfen. Die erwartete wirtschaftliche Erholung ab der zweiten Jahreshälfte wird den Einbruch nicht kompensieren können. Für das Gesamtjahr rechnet die BoE mit einem Rückgang des BIP um 14 %, gefolgt von +15 % in 2021 (zum Vergleich mit der Lehman-Krise: 2009: -4,2 %, 2010: +1,9 %). Das Corona-Fiskalpaket der britischen Regierung für das Gesundheitssystem, die Unternehmen und das Sozialsystem beträgt bis dato „nur“ 5 % des nominalen BIP 2019, ist aber bei Bedarf noch erweiterbar. Verglichen mit den USA (13 %), Schweden (12 %) und Deutschland (11 %) wäre da noch viel Luft nach oben. Darüber hinaus müssen sich die Briten auch noch auf den Brexit vorbereiten. Die Krise hat Verhandlungszeit gekostet; beide Seiten sind noch weit voneinander entfernt. Somit ist die erwartete wirtschaftliche Erholung ab der zweiten Jahreshälfte besonders gefährdet, sollten die Briten bis zum 1. Juli keine Verlängerung der Brexit-Übergangsphase mit der EU vereinbaren. Denn ein No-Deal-Brexit am 31.12. würde dann realistischer als ein Brexit mit einem Abkommen (den übrigens die BoE in ihren Prognosen unterstellt).

++++++ Grenzkontrollen werden schrittweise aufgehoben ++++++

Deutschland beabsichtigt eine schrittweise Aufhebung der Grenzkontrollen. Begonnen wird am Samstag mit der Grenze zu Luxemburg. Sukzessive soll es weitere Erleichterungen an den Grenzen zu den Nachbarländern geben. So sollen bis Mitte Juni auch die Kontrollen an der Grenze zu Frankreich, Österreich und der Schweiz aufgehoben werden. An der Grenze zu Dänemark hingegen wird es offenbar keine schnelle Lockerung geben, da Dänemark die bislang kleinen Erfolge im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus nicht aufs Spiel setzen will. Die EU setzt sich für allerdings ebenfalls für ein baldiges Ende der coronabedingten Kontrollen an den Ländergrenzen ein.

++++++ Spekulationen über Negativzinsen in den USA halten an ++++++

Die gestrige Rede des US-Notenbankchefs (Fed) Jerome Powell wurde angesichts von Spekulationen über Negativzinsen mit Spannung erwartet. Zudem hatten am vergangenen Dienstag veröffentlichte Daten zur US-Inflation den stärksten monatlichen Rückgang der Verbraucherpreise seit der Finanzkrise im Jahr 2008 angezeigt. Der Konsumentenpreisindex ging im April um 0,8 % im Vergleich zum Vormonat zurück. Fallende Preise für Benzin und Dienstleistungen drückten die Veränderungsrate nach unten. Die Kerninflation ging um 0,4 % zurück. Powell blieb in seiner Rede der bisherigen Linie treu und stellte angesichts langfristiger wirtschaftlicher Risiken in Folge der Corona-Krise die Nutzung aller geldpolitischen Instrumente in Aussicht. Über die bisherigen, gewaltigen Stützungsprogramme hinaus, insbesondere unbegrenzte Anleihekäufe, signalisierte der Fed-Chef dabei Bereitschaft zu weiteren Maßnahmen. Details nannte er aber nicht. Im Prinzip könnte dies auch die am Markt zuletzt heiß diskutierte Einführung von Negativzinsen umfassen. Die eher ablehnende Haltung der Fed zu Negativzinsen hat sich jedoch nicht verändert, daher halten Experten einen solchen Schritt für wenig wahrscheinlich.

++++++ EZB setzt Programm der Anleihekäufe unvermindert fort ++++++

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihr Anleihekaufprogramm (PEPP), das sie im Zuge der Corona-Pandemie aufgelegt hat, unbeirrt fort. Die von der Zentralbank veröffentlichten Wochendaten lassen auf umfangreiche Käufe schießen. Sollten diese in dem Umfang wie derzeit fortgesetzt werden, wäre das Volumen von 750 Milliarden Euro bereits im Herbst dieses Jahres erreicht. Dies zeigt an den Märkten Wirkung, denn Spekulationen, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zum Thema PSPP die Handlungsbereitschaft der EZB einschränken könnte, kommen nicht auf. Im Gegenteil: Marktteilnehmer halten eine Erhöhung des Kaufvolumens für möglich. Bezüglich des Urteils vom BVerfG wird auf eine politische Lösung gehofft. Das BVerfG hatte die EZB aufgefordert, innerhalb von drei Monaten die Verhältnismäßigkeit der Staatsanleihekäufe darzulegen, da sonst der Bundesbank die Mitwirkung untersagt werden könnte. Zuletzt waren eher beschwichtigende Worte der EU-Kommission zu hören. Noch ist aber unklar, wie die Forderung erfüllt werden kann.

13. Mai

++++++ US-Immunologe warnt vor zu schnellen Lockerungen ++++++

Das nahende Ende der Shutdown-Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in den USA rief gestern den Top-Immunologen Anthony Fauci auf den Plan: Bei einer Video-Anhörung im US-Senat sagte der Regierungsberater, eine vorschnelle Rückkehr zur Normalität könnte „ernste Konsequenzen haben“. Er hält es für möglich, dass im Herbst eine zweite Welle komme und hoffe, dann besser darauf reagieren zu können. Wenn die Richtlinien nicht beachtet würden, bestehe das reale Risiko eines erneuten Ausbruchs, der schwierig zu kontrollieren sei. Damit bietet er dem US-Präsidenten die Stirn, der lieber heute als morgen die Restriktionen lockern möchte. Die Sorge um zu frühe Lockerungen trieb gestern auch die Börsianer um: Der S&P 500 gab um über 2 % nach. Die asiatischen Börsenplätze tendierten uneinheitlich.

++++++ Weiterhin steigende Corona-Zahlen in Großbritannien ++++++

In Großbritannien werden heute die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals veröffentlicht. Es ist mit einem deutlichen Einbruch zu rechnen. Auch die Industrieproduktion dürfte einen rekordverdächtigen Rückgang aufweisen. Dabei ist der Ausblick weiterhin getrübt, denn die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Ausweitung wurden bislang nur geringfügig gelockert. Der Grund: Großbritannien leidet besonders heftig unter der Covid-19-Ausbreitung. Bezogen auf die Bevölkerungszahl gibt es sehr viele Tote und die Zahl der Neuinfizierten steigt. Damit unterscheidet sich das Land deutlich von anderen. Während in Italien, Spanien und vor allem in Deutschland der Trend klar nach unten gerichtet ist, hat sich die Zahl der aktiv an Covid-19-Erkrankten in Großbritannien weiter erhöht. Insofern dürfte es auch zukünftig nur zögerliche Lockerungen geben, auch wenn die Forderungen der Wirtschaft nach mehr Normalität immer größer werden.

12. Mai

++++ Steuereinnahmen in Deutschland brechen ein +++

Laut Medienberichten werden die Steuereinnahmen in diesem Jahr in Deutschland um etwa 100 Milliarden Euro gegenüber der Herbstschätzung geringer ausfallen. Davon sollen etwa 40 Milliarden Euro auf den Bund entfallen, der zuletzt nur von einem Rückgang um 33 Milliarden Euro ausgegangen war. Bis 2024 könnten den Haushalten von Bund und Ländern 300 Milliarden Euro fehlen. Das genaue Ergebnis der Steuerschätzung soll am Donnerstag vorgestellt werden.

++++++ Italiens Industrieproduktion mit Vollbremsung ++++++

Die März-Zahlen zur Industrieproduktion in Italien enttäuschten. Die Marktakteure hatten ihre diesbezüglichen Erwartungen nicht hinreichend reduziert. Statt eines Minus von 20 % wurden es sogar -28,4 %. Vor diesem Hintergrund tut sich auch die EZB schwer, mit ihren Anleihekäufen durchzudringen. Die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen verharren oberhalb der Marken von 1,85 % bzw. 0,85 %. Dabei erwarb die EZB vergangene Woche Schuldtitel aus den Eurostaaten für rund 45 Milliarden Euro: ein neuer Rekord. Allein das Pandemie-Notfallprogramm PEPP stand hierbei für 34 Milliarden Euro gerade.

++++++ Zahl der Neuinfektionen nimmt wieder zu ++++++

Zunächst sah es gestern so aus, als könnte der DAX die Kursgewinne der Vortage weiter ausbauen. Das Gegenteil war letztlich der Fall. Unter dem Strich musste ein Abschlag in Höhe von 0,73 Prozent auf 10.824,93 Punkte verbucht werden. Hintergrund waren maßgeblich neu aufkommende Sorgen hinsichtlich einer zweiten Corona-Welle und damit verbundener möglicher Einschränkungen. In Deutschland stieg die Virusreproduktionszahl zuletzt wieder etwas. In Spanien stieg die Zahl der bestätigten Infektionen binnen 24 Stunden um 3.046 auf 227.436, während Russland mit 11.656 Neuinfektionen erneut einen neuen Höchstwert meldete. Darüber hinaus zeigte sich, dass zumindest in Teilen eine Neubewertung der Rahmenbedingungen und damit der Risiken vorgenommen wurde. Das Angstbarometer, der V-DAX, kletterte von 32,37 auf 33,49.

11. Mai

++++++ US-Arbeitslosenquote steigt auf 14,7% +++++++

Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für April bestätigte den dramatischen Abbau der Beschäftigung um 20,5 Millionen. Die Arbeitslosenquote in den USA schnellte von 4,4 % im März auf 14,7 % im April nach oben. Experten der LBBW rechnen damit, dass die US-Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 mit einer Jahresrate von 35% einbrechen wird. Die Märkte zeigten sich von den bereits erwarteten Arbeitsmarktzahlen unbeeindruckt und legten zuletzt sogar noch zu.

++++++ EZB reagiert auf Urteil des Bundesverfassungsgerichts ++++++

Die EU-Kommission erwägt ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts. Dieses hatte den EZB-Ankauf von Staatsanleihen in Milliardenhöhe für teilweise verfassungswidrig erklärt, weil Bunderegierung und Bundestag die Beschlüsse nicht geprüft hatten. Derweil verweist der Europäische Gerichtshof (EuGH) darauf, dass er allein darüber urteilen kann, ob eine EU-Institution EU-Recht bricht. Die Auswirkungen des Urteils des deutschen Verfassungsgerichts auf die zukünftigen Entscheidungsspielräume der EZB sind schwer abzusehen, doch wird sich die Konfrontation beider Institutionen nicht einfach in Luft auflösen. Zunächst bleibt die Frist des 5. August bestehen bis entweder die EZB die Verhältnismäßigkeit der Geldpolitik darlegt oder aber die Bundesbank sich aus den PSPP-Käufen zurückziehen muss. Phasen höherer Volatilität an den Euroland- Staatsanleihemärkten sind wahrscheinlich, auch wenn Experten einen gesichtswahrenden Kompromiss für das wahrscheinlichste Szenario halten.

++++++ Lufthansa will nächsten Monat Betrieb wieder aufnehmen ++++++

In der Corona-Krise konnten unternehmensseitig Verbesserungen verzeichnet werden. So hat die von der Pandemie stark beeinträchtigte Lufthansa bekannt gegeben, dass ab Juni wieder 106 Ziele angeflogen werden sollen. Der entsprechende Flugplan wird in dieser Woche veröffentlicht. Der bisherige Rückkehrflugplan basierte lediglich auf 80 Flugzeugen. Allerdings wird sich zeigen müssen, wie sich die weitere Corona-Entwicklung darstellt. Insbesondere wenn es, wie von verschiedenen Seiten befürchtet, zu einer zweiten Infektionswelle kommen sollte. Auch mögliche Streitereien zwischen den USA und China und die Gefahr neuer Zölle sorgen für Gefahrenpotenzial an den Märkten. Dies trifft auch auf die nächsten Brexit-Gespräche zu. Zuletzt wurden Warnungen laut, dass diese scheitern könnten. Der DAX wird heute mit Kursaufschlägen in den Handel starten. 

08. Mai

++++++ 60% der deutschen KMU nutzen Soforthilfen ++++++

Einer aktuellen Befragung des Marktforschungsunternehmens Kantar zufolge sind neben der Beherbungs- und Gastronomiebranche vor allem der Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Nahrungsmittelproduktion negativ von der Covid-19-Pandemie betroffen. Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums wurden zwischen dem 14. und 23. April 500 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nach den Auswirkungen befragt. Demnach haben die meisten vor allem mit Liquiditätsengpässen, Nachfragerückgang sowie der Schließung ganzer Betriebsteile zu kämpfen. Die Hälfte der Befragten hatte zudem Probleme bei Produktabsatz und beim Bezug von Vorleistungen oder Zwischenprodukten. Rund 75% der Befragten KMUs erwarten für das zweite Quartal Umsatzeinbußen in Höhe von durchschnittlich 55%. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass die historisch großen Stützungsmaßnahmen von Bund und Ländern wirken. Knapp 60% nutzen die Soforthilfen oder planen dies zu tun. Mehr als ein Drittel nutzt oder plant Kurzarbeit und Steuerstundung. Jedes vierte bis fünfte Unternehmen reagiert mit Home Office, Arbeitszeitverkürzungen sowie Überstundenabbau auf die Krise. Mehr als ein Drittel hat seine Produkt- und Leistungspalette während der Corona-Krise erweitert und digitale Vertriebswege ausgebaut.

++++++ Einzelhandelsumsatz fällt „nur“ um 5,6% ++++++

Der Rückgang des Einzelhandelsumsatzes um „nur“ 5,6 % im März im Vergleich zum Vormonat kann als eine Erfolgsmeldung gewertet werden. Stützend machte sich bemerkbar, dass nicht der gesamte Einzelhandel die gesamte Zeit geschlossen war. Zudem könnten die anfänglichen Hamsterkäufe dem Einzelhandel einen Schub gegeben haben. Der Einbruch der Auftragseingänge zeigt dagegen die Wucht, mit der Corona auf die deutsche Industrie trifft. Hinzu wird auch noch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen. Das Epizentrum der Auftragsschwäche war die Automobilindustrie; keine andere Industrie-Branche war von den Produktionsstopps stärker betroffen. Von dort strahlen die Probleme in die Zulieferbranchen aus. Die Produktionsdaten lieferten das nach, was die Auftragseingänge angekündigt hatten: Die Industrieproduktion sank um 11,6 %. Produktionsstopps auf der einen Seite und eine kollabierte Nachfrage im In- und Ausland auf der anderen Seite erschütterten die deutsche Industrie in noch nie dagewesenem Umfang. Um sagenhafte 31,1% ist die deutsche Automobilindustrie gegenüber dem Vormonat zurückgegangen.

++++++ Entspannung zwischen USA und China ++++++

Konstruktive Gespräche zwischen den USA und China über weitere Fortschritte bei der Umsetzung der Handelsvereinbarungen lassen die Risikowahrnehmung zum Wochenschluss weiter zurückgehen. Die Drohungen Trumps mit Sanktionen gegen China wegen dessen Handhabung von Informationen über den Ausbruch der Covid-19-Pandemie scheinen erstmal vergessen. Als erster wichtiger Aktienindex konnte der NASDAQ gestern seit Jahresbeginn ins Positive drehen. Trotz der positiven Stimmung bei Aktien bleiben die Zinsmärkte skeptisch, was die wirtschaftliche Erholung anbelangt. Der Fed Funds Future für Dezember schloss gestern zum ersten Mal über 100 und preist damit eine gewisse Wahrscheinlichkeit für negative US-Zinsen ein. Gold profitierte deutlich von dieser Entwicklung. Die Zinserwartungen passen zu Äußerungen des IWF, der sagt, dass seit der Veröffentlichung der letzten Prognose Mitte April sich der Ausblick für die Weltwirtschaft weiter verschlechtert hat.

07. Mai

++++++ Überraschend starke Exportzahlen aus China ++++++

Der chinesische Caixin-Index für Dienstleistungen legte im April deutlich langsamer zu als erwartet (44,4 statt 50,1) und zeigte, dass chinesische Unternehmen massiv Arbeitsplätze abbauen. Überraschend starke chinesische Exportzahlen stützen allerdings die Stimmung an den Risikomärkten. Auch die Drohungen von Trump, im Streit um den Ursprung des Virus Wirtschaftssanktionen gegen China einzusetzen, haben bisher keine Marktauswirkungen. Volkswagen sieht, dass sich der Autoabsatz in China wieder auf das Vorjahresniveau erholt hat, was einer V-förmigen Erholung gleichkommt. Das Unternehmen geht von einer deutlich langsameren Erholung in der Eurozone aus, wo die Neuzulassungen im April voraussichtlich um etwa 90 % unter dem Vorjahresniveau lagen.

++++++ US-Privatwirtschaft hat offenbar 20 Mio. Stellen abgebaut ++++++

Das private Personaldienstleistungsunternehmen ADP hat vermeldet, dass nach seinen Erhebungen die US-Privatwirtschaft im April sage und schreibe 20,2 Millionen Stellen abgebaut hat. Dabei erfolgte ein Großteil der Stellenstreichungen im Hotel- und Gaststättengewerbe. Das US-Arbeitsministerium wird die offiziellen Arbeitsmarktzahlen für den Monat April am Freitag veröffentlichen. Nach der ADP-Veröffentlichung sollte die Musik jedoch nun weitgehend draußen sein. Im Großbritannien sind derzeit rund 165.000 Menschen an Covid-19 erkrankt und damit gut siebenmal mehr als im bevölkerungsreicheren Deutschland. Gleichwohl erwägt der britische Premierminister Boris Johnson, am Sonntag Lockerungen der Kontaktbeschränkungen bekannt zu geben.

++++++ Weltkonjunktur nimmt langsam wieder Fahrt auf ++++++

Die Corona-Einschränkungen werden weltweit gelockert oder es gibt Pläne, wie zur Normalität zurückgekehrt werden kann. Zwar sind die Maßnahmen von Land zu Land unterschiedlich, entscheidend ist aber, dass die Weltkonjunktur allmählich wieder Fahrt aufnehmen kann. Es wird jedoch noch lange dauern, bis sich die Wirtschaft vollständig erholt. Noch sind die einfließenden Wirtschaftszahlen von außergewöhnlicher Schwäche geprägt. So auch die Auftrags- und Produktionszahlen des Verarbeitenden Gewerbes. Bereits im März sind diese in Deutschland und Frankreich eingebrochen und kräftige Minusraten von bis zu über 10 % im Vergleich zum Vormonat sind heute zu erwarten. Im April ist vermutlich noch nicht mit einer Besserung zu rechnen. Dies wird wohl erst im Mai der Fall sein, denn zum Beispiel fährt die Automobilbranche in diesen Tagen weltweit ihre Fertigung wieder hoch. Mit der schrittweisen Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte und der Gastronomie sollte auch die Nachfrage in vielen anderen Produktgruppen wieder anziehen.

++++++ DAX zuletzt stark belastet ++++++

Der deutsche Aktienmarkt wurde gestern von verschiedenen Belastungsfaktoren beeinflusst. Dazu gehören insbesondere eine Reihe negativer Konjunkturdaten: der Auftragseingang der deutschen Industrie ging im März sehr deutlich um 16 Prozent zurück, laut ADP fielen im April in den USA rund 20 Millionen Stellen weg, die Sorge um neue US-Zölle für Waren aus China, in Italien stieg die Zahl von Corona-Todesfällen zuletzt wieder an und zum Teil enttäuschend ausgefallene Quartalszahlen. Inhaber der roten DAX-Laterne waren die Aktien von Wirecard (-5,99 Prozent), gefolgt von BMW (-5,40 Prozent). Bei Wirecard wurden Forderungen nach einem Rücktritt des Unternehmenschefs laut. Der Autobauer bekam im ersten Quartal die Folgen der Corona-Krise zu spüren, die Gewinnprognose für 2020 wurde gekappt.

06. Mai

++++++ Der Dax holt wieder auf ++++++

Am Dienstag gelang es dem DAX, Boden gut zu machen und große Teile der Vortageskursverluste aufzuholen. Der Schlusskurs bei 10.729,46 Zählern lag nur knapp unterhalb des bei 10.736 markierten Tageshochs. Für Rückenwind hatten besser als erwartet ausgefallene Unternehmensergebnisse und insbesondere die Hoffnung auf weitere Lockerungen von Corona-Beschränkungen gesorgt. Aufgrund der vielfältigen Unsicherheiten ist jedoch auch in den kommenden Tagen mit Schwankungen zu rechnen.

++++++ Urteil des BVerfG ++++++

Das gestrige Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat unterschiedliche Reaktionen hervor gerufen. Das Gericht gelangte zu der Auffassung, dass das PSPP der EZB in Teilen der deutschen Verfassung widerspricht. Während die einen von einer schallenden Ohrfeige sprechen, gehen andere davon aus, dass das Urteil keine nachhaltige Wirkung entfaltet. Unmittelbar ist noch keine direkte Reaktion der Finanzmärkte zu beobachten.

++++++ Dramatische Daten vom Arbeitsmarkt ++++++

Neben der hohen Kurzarbeit in Deutschland, steht auch der Arbeitsmarkt in den USA immer wieder im Fokus, der einen nie dagewesenen Anstieg der US-Arbeitslosigkeit zeigt.  Die wöchentlichen Millionenmeldungen bei Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe haben einen Vorgeschmack geliefert und der ADP-Report wird diese dramatische Entwicklung bestätigen. Ein Verlust von 20 Millionen Stellen im April wird erwartet und für den offiziellen Arbeitsmarktbericht, der am Freitag ansteht, ein schlechtes Omen sein.

05. Mai

++++++ Bundesregierung berät über schwierige Situation der Autoindustrie ++++++

Per Videokonferenz findet heute ein Gespräch zwischen der Bundesregierung und Vertretern der Automobilbranche statt. Bei diesem „Autogipfel“ wird über die schwierige Lage der Schlüsselindustrie in der Corona-Krise beraten. Die Nachfrage ist im Zuge der Krise stark eingebrochen. Daher wurde der Ruf nach Kaufprämien zuletzt immer lauter. Eine Entscheidung darüber wird heute allerdings nicht erwartet.

++++++ Gold, Silber und Bitcoin bleiben gefragt ++++++

Seit Beginn des europäischen Lockdowns am 22. März konnte der Preis für die größte und älteste Kryptowährung, den Bitcoin, deutlich zulegen. In US-Dollar notiert die Kryptowährung aktuell um 2.802 US-Dollar über der Preisnotiz vom 22. März 2020. Dies entspricht einem Plus von gut 46 %. Auch Gold und Silber erwiesen sich erneut als sicherer Hafen und weisen eine deutliche Nachfragestabilität auf. Gold notiert knapp 14 % und Silber gut 18 % über dem Preisniveau des Shutdowns.

++++++ USA nehmen Rekordschulden auf ++++++

Die US-Regierung will wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Quartal Rekordschulden von knapp drei Billionen Dollar aufnehmen. Das ist fünf Mal mehr als jemals zuvor in einem Quartal und mehr als doppelt so viel wie im gesamten Haushaltsjahr 2019. Die Hilfspakete, die die US-Regierung und der Kongress im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sehen Direktzahlungen an Konsumenten sowie milliardenschwere Hilfen für Unternehmen vor. Dass dies notwendig ist, wird u.a. am Beispiel General Electric deutlich. Der US-Konzern hat den dauerhaften Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen in der Triebwerksparte bekanntgegeben. Damit fällt jeder vierte Job in der Flugzeugsparte weg. Die Meldung bestätigt die Sorgen, dass nach dem Wegfall von Ausgangsbeschränkungen wichtige Unternehmen ihre Geschäftsmodelle auf eine veränderte Nachfragesituation anpassen müssen. Anhaltende Sorgen um den Verlauf der Konjunkturerholung dürften die Folge sein.

++++++ Große Sorgen um mittelfristige Folgen der Coronakrise ++++++

Die sentix-Konjunkturerwartungen in Deutschland haben zugelegt. Damit zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab. Die Sorgen wegen der mittel- und langfristigen Folgen der Corona-Pandemie sind aber weiterhin groß. Unternehmer blicken skeptisch in die Zukunft und Arbeitnehmer fürchten sich um ihre Arbeitsplätze. Marktteilnehmer und Investoren treibt dabei auch die Frage um, ob und wie die enormen Hilfspakete auf die Volkswirtschaften wirken, insbesondere im Hinblick auf Staatsverschuldung und Inflation. Zwar ist dies das weltweit vorherrschende Thema, aber gerade in der Eurozone kommt die Frage nach dem Zusammenhalt des Währungsraumes hinzu. Die Einführung von Eurobonds oder Corona-Bonds ist zunächst wieder in den Hintergrund getreten, nachdem der Widerstand in Mitteleuropa vehement ausgefallen war. Beim Blick auf die konjunkturellen Datenveröffentlichungen wurde bereits klar, dass ein Zurück zur Normalität noch dauern wird. Obwohl die Produktion beispielsweise in den Autofabriken wieder anläuft und die Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe Stück für Stück wieder öffnen, ist im Mai noch nicht wieder ein normales Maß der Wirtschaftsaktivitäten zu erwarten.

04. Mai

++++++ Seit heute weitere Lockerungen in Schleswig-Holstein ++++++

Bundeskanzlerin Angela Merkel will in dieser Woche weitere Lockerungen der Corona-Auflagen mit den Bundesländern vereinbaren. Dabei werde es um Schulen, Kitas und den Sport gehen. Friseur-Salons dürfen bereits seit heute unter Hygiene-Auflagen, Zutrittssteuerung und Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung wieder öffnen. In Schleswig-Holstein gibt es darüber hinaus weitere Lockerungen: So dürfen Kinder wieder auf Spielplätzen toben. Auch Museen, Sportboothäfen und die Außenanlagen von botanischen Parks sind wieder offen. Dabei gelten aber weiterhin die bekannten Schutzmaßnahmen wie z.B. Abstandsregeln oder das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Außerdem dürfen seit heute wieder Zweitwohnungsbesitzer in ihre Immobilien zurück.

++++++ Erneute Spannungen zwischen USA und China ++++++

Am letzten Handelstag des Monats April zeigte der DAX nochmals deutliche Ausschläge. Der Rückenwind hielt aber nur kurze Zeit an. Offensichtlich wurden die Beweggründe, die an den Vortagen für steigende Kurse gesorgt hatten, kritisch hinterfragt. Anlass dafür gab es von verschiedenen Seiten: die Notenbankentscheidungen und die von dieser Seite kommunizierten Ausblicke (die Markterwartungen wurden nicht erfüllt), mehr oder weniger als katastrophal zu bezeichnende Datenveröffentlichungen sowie die Abstufung Italiens auf eine Stufe über Ramsch. Aktuell drohen auch die Spannungen zwischen den USA und China wieder aufzuflammen. Laut dem US-Präsidenten gebe es Hinweise darauf, dass das Coronavirus seinen Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor haben könnte.

++++++ Erneute Spannungen zwischen USA und China ++++++

Am letzten Handelstag des Monats April zeigte der DAX nochmals deutliche Ausschläge. Der Rückenwind hielt aber nur kurze Zeit an. Offensichtlich wurden die Beweggründe, die an den Vortagen für steigende Kurse gesorgt hatten, kritisch hinterfragt. Anlass dafür gab es von verschiedenen Seiten: die Notenbankentscheidungen und die von dieser Seite kommunizierten Ausblicke (die Markterwartungen wurden nicht erfüllt), mehr oder weniger als katastrophal zu bezeichnende Datenveröffentlichungen sowie die Abstufung Italiens auf eine Stufe über Ramsch. Aktuell drohen auch die Spannungen zwischen den USA und China wieder aufzuflammen. Laut dem US-Präsidenten gebe es Hinweise darauf, dass das Coronavirus seinen Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor haben könnte.

++++++ Lockere Geldpolitik könnte Inflation anheizen ++++++

Die Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks wurde in den letzten Wochen im Zeitraffer gelockert und ist inzwischen außergewöhnlich expansiv. Sollte die „Überbrückungsfinanzierung“ (Kurzarbeitergeld, Beihilfen, Steuerstundungen, Kreditgarantien, etc.) des Staates für die besonders betroffenen Branchen gelingen und viele Arbeitsplätze erhalten bleiben, gelänge auch eine schnelle Erholung der Wirtschaftsaktivitäten. Dann stellt sich die Frage, ob die Banken neben den Zentralbanken des Eurosystems ebenfalls bereit sind, ihre Bilanzen auszudehnen. Zum einen betrifft dies die Kreditgewährung in Form von Anleihekäufen und Darlehen an den Staat, zum anderen betrifft es die Kreditgewährung gegenüber dem privaten Sektor (Unternehmen und Haushalte). Beides zusammen kann das Geldmengenwachstum anheizen und mittelfristiges Inflationspotenzial erzeugen. Die März-Daten zur monetären Entwicklung haben bereits darauf hingedeutet, wobei der Effekt vermutlich stark auf das kurzfristige Ziehen von Kreditlinien zurückzuführen ist. Es bleibt abzuwarten, ob es sich um eine nachhaltige Entwicklung handelt.

30. April

++++++ EZB-Rat diskutiert über weiteres Vorgehen ++++++

Auf der heutigen Pressekonferenz des EZB-Rats dürfte Präsidentin Lagarde erneut versichern, dass die EZB im Rahmen ihres Mandats alles ihr Mögliche unternehmen wird, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu lindern. Experten halten eine Aufstockung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) zum jetzigen Zeitpunkt aber für verfrüht. Der größte Teil der vorgesehenen 750 Milliarden Euro steht noch zur Verfügung und gibt den Notenbankern in den nächsten Monaten ausreichend Flexibilität, um auf Marktentwicklungen zu reagieren. Zudem könnte die EZB mit der Ankündigung noch umfangreicherer Anleihekäufe den Druck von den Regierungen nehmen, ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen, um die fiskalischen Belastungen durch die Corona-Krise beherrschbar zu machen. Unter günstigen Umständen kann die EZB das Tempo der Käufe mit der Zeit ein wenig reduzieren und über eine Aufstockung des PEPP im Kontext mit einer Verlängerung in das Jahr 2021 entscheiden. Bereits zuvor stellen sich die Fragen, wie die EZB im Rahmen dieses Programms mit fällig werdenden Anleihen umgehen wird und wie langwierig Abweichungen der Bestände vom Eigenkapitalschlüssel sein dürfen. Auch hierauf wird sie im Moment noch keine verbindlichen Antworten geben wollen.

++++++ Überraschend schnelle Erholung an Kapitalmärkten ++++++

Viele Experten zeigen sich überrascht, wie schnell die Kapitalmärkte aktuell die Krise abzuhaken scheinen. Der DAX hat mittlerweile fast die Hälfte seiner bisherigen Verluste in der Corona-Krise wieder aufgeholt. In den vergangenen großen Krisen dauerte es viele Monate – wenn nicht gar Jahre – bis der Tiefpunkt an den Aktienmärkten nachhaltig durchschritten wurde. Zwar wird unsere Welt immer schnelllebiger, insofern wäre eine schnellere Verarbeitung der Krise per se nicht ungewöhnlich, doch eine Dauer von nur wenigen Wochen wirkt im historischen Kontext doch sehr außergewöhnlich. Die auf den Weg gebrachten geld- und fiskalpolitischen Pakete bilden zwar eine wertvolle Stütze, doch sie sind auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden, z.B. in Form deutlich steigender Staatsverschuldung. Zudem dürften die Nachrichten bezogen auf Konjunktur- und Unternehmensergebnisse lange negativ bleiben. Des Weiteren ist das Risiko einer zweiten Corona-Ansteckungswelle latent vorhanden.

++++++ Mögliche Zulassung von Corona-Medikament beflügelt Aktienmärkte ++++++

Dem DAX gelang gestern der Sprung über die 11.000er-Marke. Bei der Beurteilung des jüngsten Kursanstiegs gilt es zu beachten, dass der „Monatsendeffekt“ sicherlich eine Rolle spielte. Für Rückenwind sorgte zudem die Nachricht, dass das Corona-Medikament Remdesivir der US-Pharmafirma Gilead vor einer Zulassung stehen könnte. Laut Angaben des Konzerns zeigt das Medikament ermutigende Ergebnisse. Vor nicht allzu langer Zeit gab es bereits ähnliche Hoffnungen, die dann aber enttäuscht wurden. Doch selbst wenn die Markteinführung von Remdesivir gelingen sollte, wird vermutlich viel Zeit vergehen, bis die Zustände vor Corona wiederhergestellt sind. So manches Unternehmen rechnet damit, dass dieser Prozess bis zum Jahr 2023 dauern könnte. In anderen Fällen wird es möglicherweise gar nicht gelingen.

29. April

++++++ BIP in Euroland sinkt laut Experten auf -5,8 bis -7% ++++++

Die aktuellen Prognosen für das US-BIP in diesem Jahr stehen laut Bloomberg bei -3,8 %, die Erwartungen für das Euroland-BIP bei -5,3 %. Aus Sicht von Experten der Deka dürfte vor allem Euroland noch schwächer abschneiden. Derzeit wird mit einer Kontraktion der Wirtschaft um mindestens 7 % gerechnet. Die deutlich stärkere Abschwächung der Wirtschaft in der Eurozone spiegelt neben den weniger strikten Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft in den USA vor allem auch die deutlich expansiveren Hilfsmaßnahmen in Amerika wider. Dies lässt sich u. a. daran ablesen, dass das Haushaltsdefizit in den USA in diesem Jahr auf etwa 17-18 % gegenüber durchschnittlich 8 % in Euroland ansteigen dürfte. Hinzu kommt, dass die Fed deutlich aggressiver als die EZB seit Ausbruch der Krise agiert hat, was ebenfalls die Outperformance der US-Wirtschaft unterstützt.

++++++ Lockdown-Lockerungen stimmen Anleger zuversichtlich ++++++

Wegen des geringen Indexgewichtes von weniger als 2% schlug der gestrige Wirecard-Kurseinbruch ( – 25%) nicht so stark auf den DAX insgesamt durch. Die Aufwärtsbewegung des deutschen Leitindex bremste die Wirecard-Aktie dennoch um rund einen halben Prozentpunkt – ohne diesen Effekt hätte der DAX beinahe an der 11.000-Punkte-Marke angeklopft. Die Anleger schöpften Zuversicht, nachdem nun immer mehr Länder aus dem Lockdown heraus kleine Schritte in Richtung Normalität wagen. Bereits am Montagabend hatte der italienische Ministerpräsident Conte erste Lockerungen avisiert. Am Dienstag folgte der französische Premier Philippe mit der Ankündigung, in knapp zwei Wochen mit Lockerungen der Corona- Schutzmaßnahmen zu beginnen. In Spanien werden die Erleichterungen laut Ministerpräsident Sanchez ab 4. Mai beginnen. Dies verhalf den europäischen Börsenplätzen zu Kursgewinnen. Bis zum Handelsschluss erlahmten die Aufwärtskräfte wegen der etwas gedämpften Stimmung an der Wall Street aber wieder.

++++++ Inflationsrate dürfte wegen niedriger Ölpreise nachgeben ++++++

In der Eurozone stehen heute zunächst die Geldmengen- und Kreditwachstumszahlen auf der Agenda. In den Märzdaten werden die Wirkungen der umfangreichen Maßnahmen seitens der EZB und der Regierungen in der EWU wohl noch nicht nachhaltige Wirkung zeigen. Auf mittlere und längere Frist ist die Kombination aus lockerer Geldpolitik und expansiver Fiskalpolitik aber sehr wohl in der Lage, das Geldmengenwachstum anzuheizen und Inflationspotenzial zu generieren. Die Inflationsentwicklungen werden aktuell jedoch von einem Verfall der Ölpreise dominiert. So werden die Jahresraten deutlich nachgeben, auch wenn teilweise steigende Lebensmittelpreise zu verbuchen sind. Letztlich hängt die Inflationsperspektive davon ab, wie viele Unternehmen und Haushalte ihren Kreditverpflichtungen nachkommen können und wieviel an neuem Kreditvolumen seitens der Banken genehmigt wird. Kurzfristig kann daher ein Einbrechen der Kreditmenge und die damit einhergehende Geldmengenreduzierung nicht ausgeschlossen werden.

28. April

++++++ EU-Wiederaufbaufonds vermutlich mit Volumen bis 1.500 Mrd. Euro ++++++

Am 6. Mai will die EU-Kommission Details zum geplanten Wiederaufbaufonds vorlegen. Auch wenn ein Volumen von 1.000 bis 1.500 Milliarden Euro diskutiert wird, dürfte die „Feuerkraft“ in der Realität deutlich darunter liegen. Eine Finanzierung über Gemeinschaftsanleihen scheint inzwischen vom Tisch zu sein und stattdessen soll eine Anhebung von Garantien der Mitgliedstaaten der EU einen zusätzlichen Rahmen in Höhe von 320 Milliarden Euro für Anleiheemissionen gewähren. Damit sollte das AAA-Rating der EU Bestand haben. Diese 320 Milliarden Euro sollen nach Medienberichten etwa hälftig als Zuschüsse der EU zu nationalen Projekten und zum anderen als Ausfallgarantien für Investitionskredite dienen. Letztere können damit um den Faktor 8 bis 10 gehebelt werden. Nur dann ist es möglich, das angestrebte Gesamtvolumen für den Wiederaufbaufonds von 1.000 bis 1.500 Milliarden Euro zu erreichen.

++++++ DAX mit positivem Wochenauftakt ++++++

Zu Beginn dieser Handelswoche sah die Börsenwelt sehr positiv aus. Der DAX kletterte um 3,13 Prozent auf 10.660 Zähler. Unter den Einzelwerten ragten die Papiere der Deutschen Bank (+12,68%) heraus, welche im ersten Quartal überraschend einen Gewinn verbuchten. Der Kurssprung des Geldhauses bescherte dem DAX ein Plus von 54 Punkten. Die Lufthansa profitierte von der Aussicht, in den Genuss staatlicher Hilfen zu kommen. Wie sich diese konkret darstellen werden, ist aber noch unklar. Eine Summe von 10 Milliarden Euro steht angeblich im Raum. In den kommenden Tagen sollen die Verhandlungen zwischen der Airline und der Politik fortgesetzt werden. Auch die Performance von Daimler (+6,39%) und Continental (+6,02%) konnte sich sehen lassen. Wie so oft, wenn sich der April dem Ende entgegen neigt, steht die Frage im Raum, ob in diesem Jahr der Börsenregel „Sell in May and go away“ Folge geleistet werden soll. Dies ist generell schwer zu beantworten, jedoch macht der Einfluss der Corona-Pandemie dieses Vorhaben noch deutlich komplexer. Auch gilt es, die auf der Agenda stehenden Unternehmensbilanzen im Auge zu behalten. 

27. April

++++++ US-Arbeitslosigkeit wohl bis 2021 im zweistelligen Prozentbereich ++++++

Der überparteiliche Haushaltsausschuss des US-Kongresses rechnet für die Vereinigten Staaten mit einer Vervierfachung des Budgetdefizits auf Bundesebene im laufenden Jahr. Schuld sind die durch die Coronakrise auf den Weg gebrachten milliardenschweren Konjunkturprogramme und erheblich schrumpfende Steuereinnahmen. Der Schätzung des Ausschusses zugrunde liegen die Annahmen einer wiederanziehenden Wirtschaftstätigkeit in der zweiten Hälfte dieses Jahres und einer Arbeitslosenquote im zweistelligen Prozentbereich bis weit in das nächste Jahr hinein. Eine derart hohe Arbeitslosigkeit mit einem Anstieg, wie im laufenden Jahr zu sehen, war in der Vergangenheit ein sicheres Zeichen dafür, dass eine Partei die nächste US-Präsidentschaftswahl verliert, unabhängig davon, ob die Demokraten oder die Republikaner an der Regierung waren. Es könnte mit Blick auf den November also spannend werden.

++++++ ifo-Index auf niedrigerem Stand als zur Finanzkrise ++++++

Der deutsche ifo-Geschäftsklima-Index ist im April auf 74,3 und damit unter den Tiefpunkt der Finanzkrise gefallen. Die Erwartungskomponente stürzte gar auf 69,4 ab. Zusammen mit den schwachen Einkaufsmanagerindizes enttäuschen viele Stimmungsindizes die Erwartungen weiterhin deutlich. Damit wird deutlich, dass ohne eine schnelle Lockerung der Beschränkungen für die Wirtschaft auch im zweiten Halbjahr eine deutliche konjunkturelle Erholung schwierig sein wird. Auch wenn Liquiditätshilfen der Regierung in vielen Fällen das Überleben der Unternehmen zunächst sicherstellen, nehmen die Kreditverpflichtungen der Unternehmen zu, was auf lange Sicht eine Rückkehr zur Normalität bei Investitionen unwahrscheinlich macht und zu strukturell schwächerem Wachstum führt.

++++++ Erste Hilfen für Luftfahrt-Unternehmen ++++++

Einige Experten rechnen damit, dass die EZB schon diese Woche ihr Anleihekaufprogramm modifizieren könnte. Angesichts der massiv steigenden Haushaltsdefizite und fehlender Fortschritte bzgl. einer gemeinschaftlichen Schuldenaufnahme ist v.a. eine Verlängerung und Anhebung der PEPP-Käufe über Ende Dezember hinaus nur eine Frage der Zeit. Auch wenn S&P einen Anstieg der italienischen Schuldenquote in diesem Jahr auf 153 % vom BIP erwartet, hielt die Agentur Italiens Kreditrating unverändert bei BBB mit negativem Ausblick. Grund dafür ist v.a. die Annahme, dass die aktuelle Krise zeitlich begrenzt ist und durch die Anleihekäufe der EZB die Finanzierungskosten für Italien niedrig gehalten werden. Erwartungsgemäß hat die Bank of Japan heute Morgen die Geldpolitik weiter gelockert und erlaubt nun unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen. Air France KLM erhält von der französischen und niederländischen Regierung Kredite in Höhe von etwa 10 Milliarden Euro. Auch für die Lufthansa dürften sich die Gespräche um Staatshilfe in dieser Woche konkretisieren, wobei der CEO nicht mit einer Normalisierung der Nachfrage bis 2023 rechnet.

++++++ Lufthansa-Aktie mit starken Verlusten ++++++

Am Freitag stand der DAX erneut auf wackeligen Beinen. Schlussendlich war ein Abschlag in Höhe von 1,69 Prozent auf 10.336,09 Zähler zu verbuchen. Unternehmensseitig die Aktien der Lufthansa (-8,02 %) und der Deutschen Bank (-6,76 %) auf der Verliererliste ganz oben. Dass die Airline bedingt durch die Corona-Krise schwere Zeiten durchmacht – jeden Tag gehen Millionen verloren – war bekannt. Im Zuge einer anstehenden Kapitalerhöhung haben verschiedene Analysten ihre Kursziele für die Aktie bis auf 2,00 Euro gesenkt. Für die Deutsche Bank und die Commerzbank (-4,05 %) senkte die Ratingagentur S&P die Bonität um eine Note auf BBB+ und den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“. Es muss damit gerechnet werden, dass die durch Corona veränderten Rahmenbedingungen auch bei anderen Unternehmen Spuren hinterlassen haben. Insofern werden die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden Quartalsberichte noch mehr Aufmerksamkeit erhalten als dies ohnehin der Fall wäre. Unter anderem gewähren Adidas, Bayer, Deutsche Bank, VW, Deutsche Börse, Covestro, Daimler, MTU, Wirecard, Lufthansa und BASF Einblick in die Bücher.

24. April

++++++ Weitere Lockerungen erst nach dem 6. Mai ++++++

Die Entscheidung über weitere Lockerungen wird wohl erst am 6. Mai fallen. Erst dann hätte man einen ersten Überblick über die Auswirkungen der zuletzt beschlossenen Öffnung der Läden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unterdessen ist die erste deutsche Großstadt coronafrei. In Rostock wurden seit 14 Tagen keine Neuinfektion mehr gemeldet. Alle betroffenen Patienten sind mittlerweile geheilt. Positive Meldungen gibt es auch aus New York: Dort sollen bereits 14% der Einwohner Antikörper im Blut haben. Die Ergebnisse dieser Antikörper-Studie könnten laut Expertenmeinung bedeuten, dass in New York mehr als 1,7 Millionen Menschen eine Corona-Infektion überstanden haben.

++++++ EU-Rat einigt sich auf gemeinsame Hilfsmaßnahmen ++++++

Schon im Vorfeld wurde der generellen, gemeinsamen Schuldenübernahme innerhalb der EU seitens der Bundesregierung und anderen mitteleuropäischen Ländern eine Absage erteilt. Insofern konnte auf dem EU-Ratstreffen gestern diesbezüglich kein Durchbruch erzielt werden. Wohl aber einigte man sich auf gemeinsame Hilfsmaßnahmen, um der darniederliegenden Wirtschaft Europas unter die Arme zu greifen. Das von den europäischen Finanzministern beschlossene 540-Milliarden-Euro-Paket soll ab dem 1. Juni verfügbar sein. Eine Entscheidung über Hilfen für die Zeit nach der Pandemie wurde dagegen vertagt. Zunächst solle die EU-Kommission den Finanzbedarf ermitteln. Dass Hilfen nötig sind, um den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu begegnen, darauf verweisen unverändert die konjunkturellen Frühindikatoren. Erst gestern zeigten die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden und des Dienstleistungsgewerbes mit neuen historischen Tiefständen, dass die Realwirtschaft extrem leidet. Zwar fahren einige Firmen, z.B. in der Autoindustrie, ihre Produktion seit dieser Woche wieder langsam an, das Lagebild dürfte sich jedoch erst in den kommenden Monaten stabilisieren und aufhellen.

++++++ Auto- und Luftfahrtbranche von Coronakrise besonders betroffen ++++++

Der DAX zeigte sich gestern schwankungsanfällig. Schlussendlich ging er mit einem Aufschlag in Höhe von 0,95 Prozent aus dem Handel. Einmal mehr standen Konjunkturdaten, Unternehmensergebnisse und natürlich der Ölmarkt im Blickpunkt. Daimler gab bekannt, dass die Corona-Krise im ersten Quartal zu einem Gewinneinbruch geführt und eine Prognose für das Gesamtjahr unmöglich gemacht hat. Renault musste im ersten Quartal einen um ein Fünftel geschrumpften Umsatz hinnehmen. Auch der französische Autobauer sah sich nicht in der Lage, den Umfang der Corona-Auswirkungen auf das Ergebnis abzusehen. Neben der Auto- ist auch die Luftfahrtbranche besonders betroffen. Boeing kündigte an, zehn Prozent der Jobs in der Zivilsparte zu streichen. Die Ölnotierungen setzten gestern ihre eingeleitete Erholung fort, allerdings wird immer deutlicher, wie sehr die gesamte Branche – Förderer, Pipelines, Raffinerien – zu kämpfen hat.

23. April

++++++ Bundesregierung beschließt weitere Maßnahmen ++++++

Deutschland hat weitere Staatshilfen in Höhe von 10 Milliarden Euro beschlossen. Unter anderem soll das Kurzarbeitergeld gestaffelt auf maximal 87 % aufgestockt werden, wobei dies nur bis Ende des Jahres gelten soll. Außerdem wird die Dauer des Arbeitslosengeldes verlängert. Die Regelung gilt für diejenigen, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 enden würde. Zu den weiteren Beschlüssen gehören eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie bis Ende Juni 2021 generell auf 7 %, Steuererleichterungen für kleine und mittelständische Betriebe sowie die Bereitstellung von 500 Millionen Euro für die Unterstützung von Schulen und sozial schwachen Schülern zur Teilnahme am digitalen Unterricht. Alle Beschlüsse im Detail finden Sie auf den Seiten der Bundesregierung.

++++++ Ölmarkt-Erholung hilft Aktienmärkten ++++++

Die Erholung an den Ölmärkten machte sich zuletzt auch positiv an den Aktienmärkten bemerkbar. Der EuroStoxx Oil & Gas-Index kletterte gestern um 4,59 Prozent und führte damit die Gewinnerliste an. Trotz der temporären Aufhellung bleibt die Lage rund um den Rohstoff schwierig. Die weitere Entwicklung am Ölmarkt ist nicht zuletzt für die Aktienmärkte von Bedeutung, zumal auch viele Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch sollte nicht vergessen werden, dass die Öl- und Gasindustrie ein großer Arbeitgeber ist. Laut Daten von Statista (Stand 2018) hat PetroChina als größtes Unternehmen 476.000 Beschäftigte, Gazprom 466.000 und Sinopec 423.000. Zum Vergleich: Bei Total sind es 104.000, Royal Dutch hat 82.000 und BP 73.000 Mitarbeiter.

++++++ Heute erneut EU-Sondergipfel per Videochat ++++++

Gestern marschierten die europäischen Märkte einheitlich in eine Richtung, heute wird die Einheit der EU auf eine weitere Probe gestellt. Nach einer Wirtschaftskrise, einer Migrationskrise und dem Brexit geht es heute um gemeinsame Lösungen im Zuge der Coronakrise. Heute werden die Mitglieder des Europäischen Rates erneut per Videokonferenz über die Reaktion der EU auf den COVID‑19-Ausbruch beraten. Es handelt sich um die vierte Videokonferenz dieser Art. Wohlhabende, steuerlich konservative Länder wie Deutschland, Österreich, Dänemark, Schweden, Finnland und die Niederlande haben zuletzt Aufforderungen der kränkelnden südlichen Volkswirtschaften des Blocks – angeführt von Italien und Spanien – abgelehnt, gemeinsame Euro-Bonds („Corona-Bonds“) zu emittieren, um Mittel zur Wiederankurbelung des Wachstums zu beschaffen. Es steht das Missverständnis im Raum, dass der Süden die COVID-Krise nutzen könnte, um seine alten Schulden auf die Schultern des Nordens zu legen. Der Norden befürchtet wiederum, dass die Vergemeinschaftung der Schulden ihre finanzielle und wirtschaftliche Lage in Zukunft durch Entscheidungen des Südens belasten könnte. Es bleibt abzuwarten, ob es einen neuen Vorstoß in Richtung Euro-Bonds gibt.

++++++ Kauflaune im Euroraum deutlich verschlechtert ++++++

Die Wirtschaftsweisen blicken skeptisch auf die deutsche Konjunktur und erwarten ein Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes für 2020 um 5,5%. Die Bundesregierung ist soogar noch skeptischer. Als Folge der Viruskrise und der Neuverschuldung in Rekordhöhe für dieses Jahr geht sie von einem Defizit von 7,25% aus. Hinzu kamen gestern die veröffentlichten Daten der EU-Kommission bezüglich der Kauflaune der Verbraucher im Euroraum. Diese hat sich im April spürbar verschlechtert. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen fiel um 11,1 Punkte auf -22,7 Zähler. Es rutschte damit in die Nähe seines Rekordtiefs, das in der Finanzkrise 2009 markiert wurde. Die europäischen Märkte ignorierten solche Verkündungen und schlossen allesamt im grünen Bereich. Der DAX legte beispielsweise um 1,6% zu.

22. April

++++++ Schutzmasken mittlerweile in vielen Bundesländern Pflicht ++++++

In Deutschland haben weitere Bundesländer eine Maskenpflicht beschlossen. Nach Sachsen wird das Tragen von Schutzmasken in Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln ab Donnerstag auch in Sachsen-Anhalt, ab Freitag in Thüringen zur Pflicht. Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern (hier nur in öffentlichen Verkehrsmitteln) folgen ab Montag. Schleswig-Holstein zieht ab nächster Woche Mittwoch nach, auch in den anderen Bundesländern wird darüber diskutiert. Das RKI mahnt unterdessen, dass die sogenannte Reproduktionszahl wieder auf 0,9 gestiegen ist. Das bedeutet, aktuell stecken 10 mit dem Coronavirus infizierte Personen 9 weitere an.

++++++ ZEW-Index übertrifft Erwartungen ++++++

Das war gestern überraschend: Normalerweise erfährt der ZEW-Index keine übermäßige Aufmerksamkeit, doch dieses Mal lässt der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhobene Index der Konjunkturerwartungen für Deutschland wirklich aufhorchen. Im März verzeichnete der Index den stärksten Absturz in seiner Geschichte von 8,7 auf -49,5 Punkte, im April folgte nun ein unerwartet starker Anstieg auf 28,2 Punkte. Unter den gut 200 vom ZEW befragten Finanzmarktexperten erwarten auf Sicht von sechs Monaten 56,3 % eine Verbesserung der Konjunktur, lediglich noch 28,1 % rechnen mit einer weiteren Verschlechterung. Der ZEW-Index spiegelt in gewisser Hinsicht das Verhalten der Aktienmärkte: Auch hier folgte auf den schnellsten Rückgang in der Geschichte vieler Aktienindizes ebenfalls die schnellste bislang zu verzeichnende Erholung. Das ZEW selbst spricht davon, dass die Finanzmarktexperten „Licht am Ende eines sehr langen Tunnels“ sehen. Erst für das dritte Quartal werde wieder ein positives Wirtschaftswachstum erwartet. Erst im Jahr 2022 rechnen die Experten damit, dass die Wirtschaftsleistung wieder ihr Niveau von vor der Coronakrise erreicht haben wird.

++++++ DAX mit größtem Tagesverlust seit 5 Wochen ++++++

Der DAX zeigte sich am Dienstag vom historischen Kollaps des Ölpreises und dessen Rutsch in den negativen Bereich beeindruckt. Das deutsche Marktbarometer verlor letztendlich 3,99 Prozent auf 10.249,85 Punkte – so viel wie seit fünf Wochen nicht mehr. Der V-DAX als Angstbarometer sprang von 43,76 auf 50,20 an und vollzog damit den erwarteten Ausbruch aus der Seitwärtsrange nach oben. Natürlich spielten die Entwicklungen rund um die Corona-Krise, zuletzt mit verstärktem Blick auf die Konjunktur- und Unternehmenszahlen, weiter eine zentrale Rolle. Der überraschend positive Ausgang der ZEW-Umfrage, dieser ist in den grünen Bereich zurückgekehrt, zog keine Kaufimpulse nach sich. An den Ölmärkten ging es weiter turbulent zu. Nachdem am Vortag die Sorte WTI historisch in den negativen Bereich abstürzte, verringerte sich der Kurs der Sorte Brent gestern phasenweise um mehr als die Hälfte. Die Preiskapriolen beim Öl zeigen, wie schnell die Stimmung im aktuellen Umfeld kippen kann.

++++++ Ölpreise bleiben unter Druck ++++++

Turbulenzen gibt es derzeit vor allem bei den Energiepreisen. Die Ölpreise stehen aufgrund der Überproduktion bzw. wegen der dramatisch gesunkenen Nachfrage unter Druck. Lagerbestände werden weltweit aufgebaut. Das führte zum historisch einmaligen Verfall der Notierungen im auslaufenden Mai-Kontrakt des Futures für leichtes Öl der Sorte WTI. Sogar deutlich negative Preise, die sonst nur phasenweise von den Strombörsen bekannt sind, wurden „bezahlt“. Wer keine eigenen Lagerstellen hatte, musste aus dem Markt gehen. Der Juni-Kontrakt ist von diesem Kollaps nicht betroffen. Dort wird WTI-Öl zu rund 20 US-Dollar/Fass gehandelt, per Herbst und Winter sogar bei über 30 US-Dollar/Fass. Auch bei anderen Ölsorten sind die Preise im „normalen Bereich“, was deutlich macht, dass es sich hier um eine Anomalie handelt. Allerdings sollte das Problem des Öl-Überschusses deswegen nicht verniedlicht werden. Solange die Ausgangs- und vor allem die Reisebeschränkungen nicht nachhaltig gelockert werden, bleiben die Ölpreise niedrig.

21. April

++++++ Deutliche Erholung bei US-Aktien ++++++

Parallel zum S&P 500 konnte sich auch die Nasdaq in den vergangenen Wochen deutlich von den Tiefständen erholen. Die US-Technologiebörse ist dabei in der Spitze um 31% gestiegen, nachdem die Kurse zuvor innerhalb von nur fünf Wochen um 33% eingebrochen waren. Der Abstand zu den Allzeithochs von Mitte Februar beträgt damit nur noch 13%. Die starke Erholung bei US-Aktien geht über das Niveau einer rein technischen Gegenbewegung hinaus und zeichnet ein grundsätzlich konstruktives Bild. Sollte die Marke von 8.400 Punkten jedoch erneut unterschritten werden, droht eine Korrektur in Richtung der Tiefs von 2019. Diese verlaufen zwischen 7.650 und 7.300 Punkten und liegen 12% bzw. 15% unterhalb des aktuellen Niveaus.

++++++ Vor EU-Sondergipfel: Italien fordert Eurobonds ++++++

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat im Vorfeld des am Donnerstag per Videokonferenz stattfindenden EU-Gipfels die Emission von Eurobonds gefordert, um den vom Corona-Virus besonders stark heimgesuchten Eurostaaten zu helfen. Dabei ist es nicht lange her, dass die italienische Regierung gegenüber Brüssel seine Autonomie in der Fiskalpolitik betonte, und einige italienische Politiker mit dem Euro-Austritt liebäugelten. Zudem ist daran zu erinnern, dass zwar der italienische Staat arm sein mag, aber nicht Italien in seiner Gesamtheit. So übertrifft das Nettovermögen der italienischen Haushalte, gemessen in % des Verfügbaren Einkommens, das der deutschen Haushalte deutlich.

++++++ Coronakrise trifft auch deutsche Maschinenbauer ++++++

Zum Wochenauftakt präsentierte sich der DAX sehr schwankungsanfällig. Nach einem zwischenzeitlichen Tagestief bei 10.444 Punkten ging der Index letztendlich mit einem Plus in Höhe von 0,47 Prozent bei 10.675,90 Zählern aus dem Markt. Bemerkenswert war, dass der historische Einbruch des Ölpreises (es gibt keinen Platz mehr, dass überschüssige Öl zu lagern), zunächst eine untergeordnete Rolle spielte. Gestern machten sich anhand der Neuinfektionszahlen neuerlich Hoffnungen breit, dass die Corona-Krise eingedämmt werden könnte. Diese sind in vielen Ländern, inklusive den USA, rückläufig. Dennoch nahm die Risikoaversion am Markt wieder zu, der V-DAX markierte sein Tageshoch bei 47,40. Damit wird ein Ausbruch aus der laufenden Seitwärtsphase nach oben wieder wahrscheinlicher. Ohnehin ist die mittel- und langfristige Tendenz aufwärtsgerichtet. Angesichts des aktuellen Nachrichtenumfelds stellt dies keine Überraschung dar. Beispielsweise musste der niederländische Medizintechnikkonzern Philips zum Jahresauftakt wegen Corona einen Gewinneinbruch hinnehmen. Auch die deutschen Maschinenbauer bekommen die Virus-Krise immer deutlicher in Form starker Auftragseinbußen zu spüren. „Insgesamt melden 45 Prozent der Unternehmen merkliche, 32 Prozent der Befragten sogar gravierende Auftragseinbußen oder Stornierungen“, vermeldet Reuters.

++++++ Hoffen und Bangen an den Finanzmärkten ++++++

Die Finanzmarktteilnehmer befinden sich wie auch Politiker, Unternehmer und Verbraucher zwischen Hoffen und Bangen. Hoffnungsvoll schaut man derzeit auf den sich abflachenden Neuinfektionstrend in vielen Ländern. Erste Lockerungen der Kontaktbeschränkungen sind auf den Weg gebracht. Von normalen Zuständen kann aber wohl noch für einige Zeit nicht gesprochen werden. Derweil zeigen die konjunkturellen Datenveröffentlichungen mit teilweise extremen negativen Ausschlägen, wie groß die Schäden sind, die die Viruspandemie angerichtet hat. Erste Stimmungsbarometer beginnen sich zwar aufzuhellen. So stieg das Sentix-Barometer zu den konjunkturellen Perspektiven an. Gleichwohl liegt das Barometer noch im negativen Bereich und zeigt damit, dass eine Mehrheit der Befragten von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ausgeht. Insofern ist es noch immer ein Bangen um die Konjunktur und letztlich schwingt dabei auch das Risiko mit, dass die Neuinfektionszahlen wieder zunehmen und die Beschränkungen des wirtschaftlichen Lebens andauern. Daher war auch an den Finanzmärkten in den letzten Tagen keine Euphorie zu spüren.

20. April

++++++ Märkte blicken auf EU-Sondergipfel am Donnerstag +++++

Der Marktfokus liegt in dieser Woche stark auf dem EU-Sondergipfel am 23. April, der ganz im Zeichen von Corona steht. Angesichts der massiven Haushaltsdefizite in der Peripherie und stark steigender Schuldenstände wird es ohne eine Form von Transferzahlungen zunehmend schwierig, das Investment Grade Rating Italiens zu halten. Dort dürfte der Schuldenstand schon in diesem Jahr auf klar über 150 % des BIP ansteigen und spätestens 2021 dürfte die Marke von 160 % des BIP gerissen werden. Sollte es deshalb am Donnerstag nicht zu einer gewissen Einigung kommen, wie die Finanzierung der Notprogramme gemeinschaftlich erfolgen kann oder wie die EZB einen noch größeren Teil der Finanzierung übernehmen kann, dürfte das Risiko eines erneuten Aufflackerns der Euro-Schuldenkrise deutlich zunehmen. In diesem Umfeld dürften Bunds bis Donnerstag weiter gut unterstützt bleiben, wobei die weitere Entwicklung danach recht digital vom Ausgang des Gipfels abhängt.

++++++ Dehoga rechnet mit 70.000 Insolvenzen ++++++

Seit dem am 16. März ausgebildeten DAX-Tief hat der Index in der Spitze mehr als 31 Prozent zugelegt. Insofern stellt sich die Frage, wieviel positive Erwartung bereits eingepreist wurde. Denn die Herausforderungen, die mit der Corona-Epidemie einhergehen, werden trotz erster Erfolge weiterhin ambitioniert bleiben. Zuletzt hatte EZB-Chefin Lagarde von einem schweren Konjunktureinbruch in der Euro-Zone gesprochen. Laut Mittelstands-Präsident Mario Ohoven soll jeder zweite Mittelständler vor dem Aus stehen, sollte der Shutdown der Wirtschaft noch vier weitere Wochen andauern. Der Branchenverband Dehoga rechnet damit, dass in Deutschland wegen der Coronavirus-Krise 70.000 Hotel- und Gastronomiebetriebe Pleite gehen könnten. Der Automarkt ist weltweit um die Hälfte eingebrochen, um nur einige Beispiele zu nennen. Inwieweit die Krise bereits in den anstehenden Geschäftsergebnissen zum Ausdruck kommt, wird sich zeigen. In den USA nimmt die Berichtssaison an Fahrt auf und 86 Unternehmen aus dem S&P 500 werden in dieser Woche ihre Zahlen präsentieren. Nachdem in der Vorwoche der Fokus auf den Großbanken lag, verschieben sich die Unternehmensberichte nun in Richtung Realwirt-schaft (Haliburton, IBM, Coca-Cola, Philip Morris etc.). Bei den Technologiewerten eröffnet morgen Netflix den Berichtsreigen, während aus dem EuroStoxx 50 heute Philips, morgen SAP und am Freitag Banco Santander ihre Zahlen vorlegen.

++++++ Seit heute erste Lockerungsmaßnahmen in Deutschland ++++++

Seit heute greifen in Deutschland die ersten Lockerungsmaßnahmen. Geschäfte mit einer Verkaufsfläche unter 800 qm wie z.B. Autohäuser oder Buchhändler dürfen unter Auflagen wieder öffnen. In einigen Bundesländern dürfen auch zumindest die Abschlussklassen wieder in die Schule. Die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass die Neuinfektionsdynamik sinkt und ein Mensch in Deutschland aktuell „nur“ noch 0,7 andere Menschen ansteckt. Das gibt Hoffnung, dass den ersten Lockerungen heute weitere Anfang Mai folgen können. Dies wird von der Disziplin der Bevölkerung bei der Einhaltung der Abstandsregeln abhängen und davon, inwieweit die Lockerungen nicht zur Einladung zum Status quo vor der Krise verstanden werden. Unterdessen läuft die Debatte um weitere Konjunkturhilfen auf Hochtouren. Vor allem der schon jetzt arg gebeutelte Hotel- und Gaststättenverband fordert mehr Unterstützung. Von den rund 223.000 Betrieben sei fast ein Drittel von der Insolvenz bedroht, heißt es. Der Umsatzeinbruch bis Ende April belaufe sich auf 10 Milliarden Euro.

17. April

++++++ EZB rechnet mit schwerem Konjunktureinbruch ++++++

EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet wegen der Virus-Pandemie mit einem schweren Konjunktureinbruch in der Euro-Zone. Sie sprach auch davon, dass es extrem schwierig sei, das Ausmaß und die Dauer der bevorstehenden Rezession vorherzusagen. Laut der Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel wird die EZB in der Virus-Krise notfalls alle ihre Mittel einsetzen, um ein Auseinanderdriften der Währungsunion zu verhindern. In Italien steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen unterdessen wieder an. Laut einem hochrangigen Regierungsvertreter wird die Corona-Epidemie dem Land das größte Haushaltsdefizit (etwa zehn Prozent der Wirtschaftsleistung) seit Anfang der 90er Jahre bescheren. Auch die US-Konjunkturdaten enttäuschten zuletzt. 

++++++ China veröffentlicht BIP-Wachstumszahlen ++++++

China hat heute als erstes wichtiges Industrieland die BIP-Wachstumszahlen für das erste Quartal veröffentlicht. Es musste erstmals seit der Veröffentlichung von Quartalszahlen ein deutlicher Rückgang um 6,8% gegenüber dem Vorjahr aufgrund der Corona-Eindämmungsmaßnahmen verzeichnet werden. Der Einbruch war sogar größer als die meisten Marktteilnehmer befürchtet hatten. Nichtsdestotrotz zeigen einige Zahlen, dass China bereits auf dem Weg der Besserung ist. So macht z.B. die Entwicklung der Industrieproduktion Hoffnung, die in den vergangen vier Wochen wieder stark zulegen konnte. Ein weiteres Zeichen, dass es wieder aufwärts geht, sind die Autoverkäufe. Diese sind erstmals nach Ausbruch der Pandemie wieder gestiegen.

16. April

++++++ Immer mehr Schwellenländer von Corona-Pandemie betroffen ++++++

Die Spreads von Schwellenländeranleihen in US-Dollar sind seit Mitte Februar von rund 300 Basispunkten zunächst auf über 700 Basispunkte gestiegen, bevor sie sich in den vergangenen Tagen auf unter 600 Basispunkte wieder etwas erholen konnten. Der starke Anstieg war durch den doppelten Schock aus weltweiter Rezession und Ölpreisverfall ausgelöst worden. Bei beiden Belastungsfaktoren gibt es keine Entwarnung: Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Wochen immer mehr Schwellenländer erfasst, nachdem sich der Virus zunächst von China nach Europa und in die USA ausgebreitet hatte. Damit sind die Schwellenländer wirtschaftlich nun auch ganz direkt durch Ausgangssperren und Produktionsstillegungen betroffen. Die Mühe, die es in hochentwickelten Staaten wie Italien oder Frankreich kostet, die Pandemie in den Griff zu bekommen, lässt erahnen, wie schwer dies in Ländern fallen dürfte, in denen die Menschen auf engem Raum und häufig unter schlechten hygienischen Bedingungen zusammenleben. Es erscheint zudem unwahrscheinlich, dass das für viele Länder so wichtige Tourismusgeschäft in diesem Jahr wieder anlaufen kann.

++++++ IWF rechnet mit weltweiter Rekordverschuldung ++++++

Die zuletzt vollzogene, kurzfristige Aufwärtsbewegung des DAX wurde bereits seit Tagen von widersprüchlichen Signalen, fehlendem Momentum, inkonsistenter Marktbreite und Strukturschwächen bei Einzeltiteln begleitet. Zudem ist der Index an der 10.790er Marke gescheitert. Insofern kam der gestern vollzogene Rücksetzer nicht völlig überraschend, zumal die wieder zunehmende Risikoaversion auch beim Goldpreis abzulesen war. Die noch am Vortag gehegten Hoffnungen auf eine Entspannung der Corona-Krise in Europa sind wieder verflogen, da sich die Auswirkungen des Virus nun auch deutlicher im Zahlenwerk, sowohl auf Unternehmens- als auch auf Konjunkturseite, niederschlagen. Der Internationale Währungsfonds rechnet wegen der immensen Folgen des Virus mit einer stark steigenden Verschuldung rund um den Globus. Die direkten finanziellen Auswirkungen werden auf 3,3 Billionen Dollar pro Jahr geschätzt.

++++++ In den USA droht Massenarbeitslosigkeit ++++++

Die US-Konjunkturdaten brechen ein. So fielen beispielsweise die Einzelhandelsumsätze im März um 8,7 Prozent. Laut der amerikanischen Notenbank Fed ging die Wirtschaftstätigkeit in allen Regionen der Vereinigten Staaten als Folge der COVID-19-Pandemie stark und abrupt zurück. Die Coronavirus-Krise hat den jahrelang boomenden US-Jobmarkt jäh auf eine Talfahrt Richtung Massenarbeitslosigkeit geschickt und die Welle von Anträgen auf US-Arbeitslosenhilfe dürfte mit unverminderter Wucht weiterrollen. Zuletzt stellten 6,6 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag. Von Reuters befragte Analysten rechnen für die heutigen Zahlen mit 5,1 Millionen Erstanträgen. Parallel dazu zeichnet sich ein weiterer Abschwung ab. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Philly Fed Industrieindex brach bereits im März von plus 36,7 Punkten auf -12,7 Zähler ein. Das war der größte monatliche Rückgang seit Erhebung der Zeitreihe. Experten rechnen mit einem Rückgang auf -50 Punkte, was das tiefste Niveau seit 1980 wäre.

++++++ Merkel stellt den weiteren Plan für Deutschland vor ++++++

Nach der gemeinsamen Telefonschalte von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder wurde gestern Nachmittag der weitere Plan für den Umgang mit der Corona-Krise vorgestellt. Demnach werden die derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen bis zum 3. Mai verlängert. Auch die Abstandsregelung von 1,5 m bleibt verbindlich. Unter Hygiene-Auflagen und bei Steuerung des Zutritts sollen Geschäfte bis 800 qm Fläche wieder öffnen. Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen bleiben weiter untersagt. Auch Großevents dürfen bis mindestens Ende August nicht stattfinden. Die Bevölkerung bleibt aufgefordert, generell auf private Reisen zu verzichten. Die weltweite Reisewarnung wird aufrechterhalten. Bestehende Grenzkontrollen sollen bis zum 4. Mai verlängert werden. Ab dem Zeitpunkt kann auch der Schulbetrieb zunächst für die Abschlussklassen wiederaufgenommen werden.

15. April

++++++ Investoren von Staatsanleihen blicken auf EU-Sondergipfel ++++++

Bis Ende April werden in der Eurozone etwas über 160 Milliarden Euro an Staatsanleihen fällig. Hinzu kommen etwa 4,4 Milliarden Euro an Kuponzahlungen. Dies übertrifft bei Weitem (etwa 100 Milliarden Euro) die Bruttoemissionen. Der Wiederanlagebedarf bei Investoren und EZB ist entsprechend hoch. Da gleichzeitig weiter mit aggressiven Käufen der EZB zu rechnen ist, dürfte trotz der leicht anziehenden Inflationserwartungen kaum Potential für anhaltende Renditeanstiege bei Bunds existieren, solange es nicht klar ist, dass es am 23. April auf dem EU-Sondergipfel zu einer Einigung über die Gemeinschaftsfinanzierung des Wiederaufbaufonds gibt. Vor dem außerordentlichen EU-Gipfel wird die Volatilität bei Peripherieanleihen nach Einschätzung der Deka-Experten hoch bleiben. Der zur Diskussion stehende Vorschlag, einen schuldenfinanzierten Wiederaufbaufonds (bis zu 1500 Milliarden Euro) über den EU-Haushalt mit entsprechenden Bürgschaften der Mitgliedstaaten abzuwickeln, ist umstritten. Sollte der Vorstoß scheitern, würde das Risiko weiterer Kapitalabflüsse aus der Peripherie und von Zuflüssen in Bunds zunehmen.

++++++ Heute Entscheidung über das weitere Vorgehen in Deutschland ++++++

Nach vier Wochen öffentlichem Lockdown in Deutschland richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Ergebnisse einer Videokonferenz: Heute entscheiden die Ministerpräsidenten der Bundesländer zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, ob und in welcher Reihenfolge die aktuellen Corona-Maßnahmen in Deutschland gelockert werden können. Eine der Fragen: Machen die Schulen in Deutschland bald wieder auf? Die Leopoldina-Wissenschaftler, die von der Bundesregierung konsultiert wurden, empfehlen eine baldmöglichste schrittweise Aufnahme des Unterrichts. Auch Lockerungen im Einzelhandel und in der Gastronomie werden diskutiert.

+++++ DAX mit deutlichem Plus in die kurze Woche gestartet ++++++

Am deutschen Aktienmarkt sorgte die Hoffnung auf eine Entspannung der Corona-Krise in Europa für gute Stimmung nach dem langen Osterwochenende. Der DAX kletterte um 1,25 Prozent auf 10.696,56 Punkte. An den Märkten setzt man zunehmend darauf, dass die im Zuge der Virus-Pandemie getroffenen Einschränkungen sukzessive gelockert werden könnten. In einigen Ländern ist dies bereits der Fall. In Österreich sind seit Dienstag einige Läden wieder geöffnet, in Polen soll in der kommenden Woche damit begonnen werden, die Wirtschaft hochzufahren. Hierzulande geht Wirtschaftsminister Peter Altmaier davon aus, dass Wirtschaft und Alltagsleben schrittweise zur Normalität zurückkehren könnten. Für Rückenwind sorgten auch die überraschend guten China-Handelsdaten. Es gilt aber auch zu bedenken, dass sich die Krisenauswirkungen erst allmählich in den Zahlen niederschlagen. Die französische Wirtschaft schrumpft nach Prognose von Finanzminister Bruno Le Maire wegen der Corona-Krise stärker als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt könnte in diesem Jahr um acht Prozent fallen. Der Internationale Währungsfonds senkte seine Schätzungen für die Weltwirtschaft innerhalb weniger Monate so stark wie nie zuvor.

14. April

++++++ Erste europäische Länder mit vorsichtigen Lockerungen ++++++

Erste Länder beginnen mit einer vorsichtigen Lockerung der Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören unter anderem Italien und Österreich. Probehalber sollen u.a. nicht lebensnotwendige Geschäfte wie Buchhandlungen wieder öffnen. In Spanien nehmen die Industrie und der Bausektor schrittweise die Arbeit wieder auf. Diese Einigung und die Aussicht auf eine langsame Lockerung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens hat den Aktienmärkten vorbörslich Rückenwind verliehen. In Deutschland soll morgen darüber beraten werden, wann und wie Lockerungen in Kraft treten könnten. Bundeskanzlerin Merkel trifft sich dazu mit den Ministerpräsidenten der Länder.

++++++ DAX holt innerhalb von 3 Wochen fast 30% auf ++++++

Die Hoffnung auf eine baldige Lockerung der Ausgangsbeschränkungen hat zu einer V-förmigen Erholung an den Aktienmärkten geführt. Nachdem der DAX in der Spitze um 40% eingebrochen war, konnten sich die Kurse in den vergangenen drei Wochen um fast 30% erholen. Damit handeln deutsche Aktien allerdings noch immer 23% unterhalb der Bestmarke vom Februar. Die dynamische Abwärtsbewegung fand erst mit Erreichen der Tiefstände von 2014 und 2016 bei etwa 8.500 Punkten ihren vorläufigen Boden. Im Zuge der Erholung konnte der DAX seine Abwärtslücke zwischen 10.000 und 10.400 Punkten wieder schließen und damit auch die Tiefstände von Ende 2018 zurückerobern. Dadurch hat sich ein steiler Aufwärtstrend gebildet. Die Erholung im DAX kann sich aus technischer Sicht durchaus noch etwas fortsetzen. Die nächsten Widerstände liegen zwischen 11.000 und 11.450 Punkten und werden durch eine weitere Abwärtslücke gebildet. Aufgrund der anhaltend hohen Volatilität sollten deutliche Rücksetzer jedoch nicht überraschen.

++++++ Zahl der Neuinfektionen in China auf höchstem Stand seit 5 Wochen ++++++

Nach schwierigen Verhandlungen gibt es seit Donnerstagabend eine gemeinsame europäische Antwort auf die Corona-Wirtschaftskrise: Eine halbe Billion Euro werden bereitgestellt. Aus Spanien kam zuletzt die Nachricht, dass sich der Anstieg der Todeszahlen durch Corona verlangsamt. Aus Japan war seitens des Notenbankchefs Haruhiko Kuroda zu hören, dass die Virus-Pandemie die Wirtschaft des Landes mit voller Wucht treffe und die Folgen gravierend seien: Bei Exporten, Produktion, Konsum und den Touristenzahlen sei mit Rückgängen zu rechnen. In China kletterte die Zahl von Neuinfektionen zuletzt auf den höchsten Stand seit fünf Wochen, Russland verzeichnete gestern die höchste Neuinfektionsrate an einem Tag, und in den USA sind mittlerweile mehr als 22.000 Tote zu beklagen. Die Verlängerungen der Ausgangsbeschränkungen in Frankreich (11. Mai), Indien (3. Mai) und voraussichtlich auch Großbritannien sowie die laut dem französischen Präsidenten Macron voraussichtlich bis September ausgesetzte Normalisierung der Reisebedingungen im Schengen-Raum nähren den Eindruck, dass vor allem im Dienstleistungssektor die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung zweifelhaft sind.

09. April

++++++ Coronakrise mit starken Auswirkungen auf das Konsumverhalten ++++++

Viele Menschen in Deutschland befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Nach Berechnungen der Deka wird die Zahl der Kurzarbeiter in der aktuellen Krise auf über 3 Millionen ansteigen, was das Niveau während der Finanzkrise 2009 um etwa 50 % übersteigen würde. Das hat auch Auswirkungen auf das ohnehin veränderte Konsumverhalten vieler Verbraucher. Reisen, Restaurant- und Kinobesuche sind derzeit ohnehin nicht möglich. Laut einer Studie der Boston Consulting Group wollen aber 28 Prozent der Deutschen auch weniger Geld für Konsum ausgeben, wenn die Krise in drei Monaten überwunden wäre. Die gleiche Anzahl geht davon aus, dass sich ihr Kaufverhalten frühestens in einem Jahr wieder normalisieren könnte. Auch in den USA wird die Krise den privaten Konsum beeinflussen. Laut Medienberichten haben in den USA bis zu einem Drittel der privaten Mieter im April keine Miete bezahlt. Die Mietforderungen erhöhen sich und damit dürfte auch bei einem erneuten Anlaufen der Wirtschaft der private Konsum deutlich gedrückt bleiben.

++++++ DAX legt seit 16. März um 28 Prozent zu ++++++

Nach den sehr euphorisch anmutenden Handelssitzungen am Montag und Dienstag (im Vergleich zum Freitagsschlusskurs kletterte der DAX um mehr als 1.000 Punkte) kann das Marktgeschehen am Mittwoch als relativ gemächlich beschrieben werden. Insgesamt legte der deutsche Leitindex seit dem am 16. März markierten Zwischentief um mehr als 28 Prozent zu. Heute wird der DAX mit Kursgewinnen in den Handel starten. Und das, obwohl sich die Anleger in Japan vom Aktienmarkt zurückzogen, nachdem es zu einem deutlichen Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen in dem Land kam. Die Corona-Krise bleibt tonangebend, auch wenn sich in Deutschland und Europa zuletzt die Neuinfektions- und Todesfallzahlen abschwächten. Auf jeden Fall ist es aber noch zu früh um in den Normmalmodus zurückzukehren, zumal sich die Krise wohl sehr deutlich in den kommenden Quartalsergebnissen der Unternehmen niederschlagen wird. Die Berichtssaison nimmt ab der kommenden Woche, vor allen in den USA, Fahrt auf.

08. April

++++++ Covid-19: Die 100-Tage-Bilanz ++++++

Eine bekannte Zeitspanne aus dem politischen Journalismus ist die 100-Tage-Bilanz. Genau vor 100 Tagen – am 30.12.2019 – informierte der chinesische Arzt Li Wenliang seine Arztkollegen über sieben Patienten, die im Verdacht auf eine Infektion mit einem SARS-Virus im Zentralkrankenhaus in Wuhan behandelt wurden. Covid-19 war entdeckt. Während die gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen diese Pandemie noch nicht zu beziffern sind, stellt sich die 100-Tagesbilanz für die Anleger derzeit ernüchternd dar. Während Gold (+8,81 %), Palladium (+12,7 %) und Bitcoin (+3,02 %) zulegen konnten, notiert der DAX-Index im 100-Tagesvergleich mit einem Minus von 21 %. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent ist während dieser Zeitspanne Stand heute um 56 % eingebrochen.

++++++ Verlangsamung der Neuinfektionen sorgt für Kursgewinne beim DAX ++++++

Der DAX startete mit überraschend deutlichen Kursgewinnen in die neue Handelswoche. Dies war insbesondere der Tatsache geschuldet, dass sich die durch den Coronavirus verursachten Neuinfektions- und Todesfallraten zuletzt vor allem in den stark betroffenen Ländern Italien, Spanien und Frankreich zurückbildeten. Auch in der Schweiz und in Deutschland haben sich die Zuwachsraten verlangsamt. In anderen Ländern wie den USA und Japan steigen die Raten hingegen weiter. Beide Länder erwägen laut Medienberichten die Verhängung des Ausnahmezustandes für sechs Monate. Das Angstbarometer, der V-DAX, ging gestern auf 46,79 nach 47,30 am Freitag zurück. An anderer Stelle überwiegen weiterhin die Negativmeldungen. Beispielsweise gab BMW bekannt, dass die Autoproduktion in Europa und den USA wegen der Corona-Krise fast zwei Wochen länger als bisher geplant unterbrochen werden soll.

07. April

++++++ Zusätzliche Hilfen für den Mittelstand ++++++

Die Bundesregierung hat ein zusätzliches KfW-Kreditprogramm für den Mittelstand (KMU) beschlossen. „Wir werden einen Schnellkredit einführen, bei dem der Staat 100% der Kreditrisiken übernimmt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Altmaier gestern auf einer Pressekonferenz. Voraussetzung für die Beantragung ist, dass das Unternehmen im Durchschnitt der letzten drei Jahre einen Gewinn verzeichnen konnte und seit mindestens 1. Januar 2019 am Markt ist. Die Kredithöhe ist abhängig von der Höhe der Monatsumsätze im Jahr 2019 (max. 3 Monatsumsätze werden bereitgestellt). Maximal soll ein Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern 500.000 Euro, ab 50 Mitarbeitern bis zu 800.000 Euro beantragen können. Das zusätzliche Kreditprogramm soll bereits in wenigen Tagen bereitstehen und abgerufen werden können.

++++++ Investorenvertrauen für Euroraum historisch niedrig ++++++

Gestern wurden die neuen Zahlen zum Investorenvertrauen für den Euroraum Der sogenannte Sentix-Index fiel im April auf ein neues Allzeittief von -42,9 Punkten. Damit bewerten die befragten Anleger die Konjunktur im Euroraum deutlich pessimistischer als während der Finanzkrise. Für Deutschland fiel der Gesamtindex mit 36 Punkten „nur“ auf den tiefsten Stand seit März 2009. Sentix führt die etwas weniger pessimistische Einschätzung in Deutschland auf das Greifen von Kurzarbeiter-Regelungen oder anderen staatlichen Hilfen zurück, wodurch die Rezession noch nicht so deutlich spürbar wäre. An den Aktienmärkten war gestern hingegen nichts von schlechter Stimmung zu spüren. Sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks zogen die Notierungen der Aktienindizes deutlich an. Der DAX schloss mit einem Plus von knapp 6 %. An den US-Börsen ging es sogar noch mehr nach oben. Die Anleger schienen sich an den Strohhalm zu klammern, dass die Verbreitung des Virus in Corona-Brennpunkten sich verlangsamen könnte.

++++++ Inflationserwartungen gehen stark zurück ++++++

Im Rahmen der aktuellen Krise sowie des starken Verfalls des Ölpreis sind die Inflationserwartungen in den USA und der Eurozone deutlich eingebrochen. Allerdings ist es mittel- und längerfristig recht unklar, wie sich die Inflationserwartungen entwickeln werden. Einerseits spricht die höhere Arbeitslosigkeit und damit niedrigere Lohnanstiege für ein anhaltend niedriges Inflationsniveau. Dem entgegenwirken dürften aber Angebotseffekte, die sich aus einem Zurückdrehen der Globalisierung ergeben. Zudem dürften die schwindelerregenden Hilfsprogramme im Vergleich zur Finanzkrise diesmal deutlich stärker in die Realwirtschaft als in die Finanzmärkte fließen, was auch bei der Inflation zu Aufwärtsdruck führen könnte. Damit erscheint die Bandbreite für die zukünftige Inflation nun deutlich breiter als in der Phase vor der Corona-Krise. Dies spricht für mittelfristige höhere Laufzeitprämien und damit etwas steilere Kurven in den USA und der Eurozone.

++++++ Corona wird wohl noch über Monate das Bild an den Märkten bestimmen ++++++

Die Corona-Krise wird vermutlich noch über Wochen und Monate das Bild dominieren und die Entwicklungen in der Politik und an den Finanzmärkten bestimmen. Die Zahl der Gesamtinfektionen steigt weiter, wenn auch mit reduzierter Geschwindigkeit, zum Beispiel in Italien und Spanien. Zunehmend richtet sich das Interesse auf die Zahl der aktiven Infektionen, d.h. derjenigen Personen, die an COVID-19 erkrankt sind abzüglich derer, die als genesen gelten oder verstorben sind. Diese Zahl ist insbesondere für die Frage nach der Aus- oder Überlastung der Gesundheitssysteme wichtig. Somit könnte sich hieraus auch ein Signal ableiten lassen, wann die weitgehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder aufgehoben oder zumindest gelockert werden. Noch zeichnet sich unmittelbar kein Ende der Beschränkungen ab. Im Gegenteil, die Maßnahmen werden gerade sukzessive verlängert. Im Hinblick auf die Konjunkturperspektiven und die Erwartungen für die Finanzmärkte ist dies ein wesentlicher Faktor. Je länger der Stillstand anhält, desto größer wird der Schaden sein. Die Regierungen wissen dies, können aber vor dem Hintergrund der ethisch-moralischen Implikationen der Wirtschaft aktuell nur Hilfen anbieten, um über das geschäfts- und ertraglose Tal hinwegzuhelfen, anstatt die Aktivitäten wieder in den Normalzustand zu führen.

06. April

++++++ Massiver Anstieg der Haushaltsdefizite in Euro-Staaten ++++++

Der massive Anstieg der Haushaltsdefizite in der Eurozone in diesem und voraussichtlich dem nächsten Jahr wird zu einer Welle von Herabstufungen bei den Kreditratings der Mitgliedstaaten führen. Nachdem in der Finanz- und Eurokrise vor allem in der Peripherie drastische Ratingverschlechterungen stattfanden, könnten diesmal Länder wie Frankreich oder Belgien von deutlichen Herabstufungen in Richtung einfach A erfasst werden. Deren Schuldenstände sind mit 98,5 % bzw. 100 % vom BIP (Ende 2018) schon jetzt recht hoch. Vor allem Frankreich, das in den vergangenen Jahren trotz des ordentlichen Wachstums kaum Bereitschaft gezeigt hatte, seinen Haushalt zu konsolidieren, dürfte von den Ratingagenturen nicht zuvorkommend behandelt werden. Dramatischer ist aus Sicht der Eurozone jedoch, dass eine Herabstufung Italiens auf Ramsch nur schwer zu verhindern sein. Damit würden die Unterschiede zwischen den Finanzierungskosten der großen Eurolandstaaten weiter zunehmen, was die Instabilität des Währungsraums weiter steigert.

++++++ Positive Stimmung an Aktienmärkten zu Wochenbeginn ++++++

Die aktuellen Daten zum Corona-Virus geben Grund zur Hoffnung, dass der Höhepunkt der Pandemie bald erreicht sein könnte. Entsprechend positiv reagieren Aktien und Credit zum Wochenstart. Solange es beim morgigen Eurogruppentreffen Fortschritte in Richtung einer Gemeinschaftsfinanzierung der Notprogramme gibt, sollte die konstruktive Stimmung anhalten. Die Wirtschaftsdaten, die in dieser Woche veröffentlicht werden, werden das zunehmende Momentum der Konjunkturabschwächung widerspiegeln. Experten rechnen aber damit, dass sie keine große Beachtung im Markt finden sollten.

++++++ Große Unterschiede bei Aktienkursen von DAX-Unternehmen ++++++

Die Kursverluste des DAX summieren sich seit dem Beginn des Absturzes im Februar mittlerweile auf über 30 Prozent. Angesichts einer zuletzt überwiegenden Zahl negativer Nachrichten ist diese Entwicklung wenig überraschend. Hervorzuheben ist der US-Arbeitsmarkt (s.u.). Hierzulande ist beispielsweise der Automarkt um 38 Prozent eingebrochen. Dies entsprach dem größten Rückgang seit der Wiedervereinigung. Generell gilt an den Aktienbörsen das Motto „Selektion ist Trumpf“. Wie groß der Unterschied zwischen einzelnen Papieren sein kann, zeigt ein Blick auf die DAX-Gewinner und -Verlierer in der vergangenen Woche. Während die Anteilsscheine der Deutschen Post (+7,68 %) und der Deutsche Börse (+6,33 %) sehr gut abschnitten, ging es für die Lufthansa (-12,14 %) und MTU (-27,62 %) deutlich abwärts. Bezogen auf den Gesamtmarkt, standen am Freitag 372 Gewinnern 475 Verlierer gegenüber. Der DAX startet heute mit deutlichen Kursgewinnen in den Handel, nachdem sich gestern weltweit die Infektions- und Todesraten durch Virus abschwächten.

03. April

++++++ Diskussionen um Vergemeinschaftung von Schulden hält an ++++++

Die Bundesregierung erwartet eine Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr um etwa 5 %. Unter Berücksichtigung des Nachtragshaushalts von etwa 150 Milliarden Euro würde dies die Schuldenquote in Deutschland von etwa 60 % auf über 67 % ansteigen lassen. In Italien erscheint die Erwartung plausibel, dass die Schuldenquote Ende 2020 bei 150 % vom BIP stehen wird. Letzteres unterstreicht, dass ohne eine Gemeinschaftsfinanzierung der Notprogramme eine Rückkehr der Schuldenkrise in der Eurozone recht wahrscheinlich ist. Der nächste wichtige Termin bei der Frage der begrenzten Vergemeinschaftung von Schulden wird das Eurogruppentreffen am Dienstag. EU-Vizekommissionspräsident Dombrowski äußerte sich heute Morgen erneut positiv, was die Einführung von Corona- Bonds anbelangt.

++++++ Wirtschaftliche Erholungstendenzen wohl erst ab Mai sichtbar ++++++

Konjunkturbeobachter, Regierungen und Zentralbanken agieren wie auch die Marktteilnehmer aktuell unter erhöhter Unsicherheit. Die Stilllegung des öffentlichen Lebens in weiten Teilen der Welt in so kurzer Zeit ist in der Geschichte ohne Beispiel und noch ist nicht klar, inwieweit es gelingen kann, hunderttausende Selbständige, Kleinunternehmen und Großkonzerne vor der Pleite zu bewahren. Die Verantwortlichen haben zwar schnell und umfassend reagiert und den Rahmen für eine ausreichende Liquiditätsversorgung und Kreditgewährung geschaffen sowie Soforthilfen in Gang gesetzt, das Ergebnis ist aber offen. Zudem ist der Erfolg abhängig von der Dauer der Corona-Pandemie. Die Entwicklung in China zeigt, dass die Wiederbelebung der Wirtschaft gelingen kann. Da die westlichen Industrienationen jedoch mindestens vier bis sechs Wochen hinter der Entwicklung in China herhinken, dauert es vermutlich bis Mai, bis Erholungstendenzen sichtbar werden. Und dies gilt auch nur dann, wenn bis dahin die Ausgans- und Kontaktbeschränkungen gelockert oder aufgehoben werden.

++++++ Arbeitsmarktlage in vielen Ländern dramatisch ++++++

Deutschland droht laut Wirtschaftsminister Altmaier wegen der Corona-Pandemie die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. In den USA ist die Arbeitsmarktlage als katastrophal zu bezeichnen. Dort breitet sich das Virus mit hoher Geschwindigkeit weiter aus. Mittlerweile sind dort mehr als 200.000 Menschen infiziert. In Spanien kletterte die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 300.000 auf über 3,5 Millionen. Der europäische Einzelhandel zeichnete einen düsteren Ausblick. Seitens der EZB war zu hören, dass die Überprüfung der geldpolitischen Strategie bis Mitte 2021 verlängert wird. Auch unternehmensseitig kommt es zu weiteren Eintrübungen. Beispielsweise verhandelt die Lufthansa laut Insidern mit der Bundesregierung nicht nur über Finanzhilfen in Form von Krediten, sondern auch über eine Staatsbeteiligung. Dabei könnte es um mehrere Milliarden Euro gehen. In Italien will man Sondervollmachten nutzen, um in der Krise strategisch wichtige Unternehmen zu schützen. Das Verhältnis von Gewinnern zu Verlierern (bezogen auf den Gesamtmarkt) fiel mit 433/402 ausgewogen aus.

02. April

+++++ Arbeitslosenzahlen in USA mit größtem Anstieg seit 50 Jahren ++++++

Mit Spannung wird die Veröffentlichung der Zahl derjenigen sein, die in der vergangenen Woche in den USA einen Erstantrag auf Arbeitslosenunterstützung gestellt haben. Über weite Strecken der letzten Monate lag die Zahl knapp oberhalb der 200.000er-Marke. In der vorvergangenen Woche sprangen die Neuanträge jedoch um mehr als das Zehnfache auf 3,3 Millionen in die Höhe – ein Anstieg, wie es ihn in den letzten 50 Jahren seit Erfassung dieser Daten noch nie gegeben hat. Einige US Bundesstaaten haben in den vergangenen Wochen die Voraussetzungen für einen Antrag auf Arbeitslosenunterstützung gelockert. In immer mehr Regionen kommt, wie bei uns, das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand. Und so wird für die heutige Veröffentlichung ein weiterer Anstieg auf gut 3,7 Millionen erwartet. Die Anleger an den Finanzmärkten sind es mittlerweile gewohnt, Hiobsbotschaften zur aktuellen volkswirtschaftlichen Entwicklung zu hören. Dennoch erscheint es eher unwahrscheinlich, dass eine solch dramatische Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt an den Finanzmärkten keinen Eindruck hinterlassen würde.

+++++ Kontaktbeschränkungen bis mindestens 19. April +++++

Die Kontaktbeschränkungen in Deutschland werden bis mindestens 19. April fortgeführt. Bund und Länder beraten am 14. April dann erneut, wie es danach weitergehen soll. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es: In Italien und der Schweiz kann man nach der Veröffentlichung der letzten Daten von einer Stabilisierung ausgehen. Demnach erreichte die Zahl der Neuinfektionen in Italien am 21. März ihren Höchststand.

++++++ Druck auf Deutschland für gemeinsame EU-Hilfen wächst ++++++

Der Druck auf Deutschland, Zugeständnisse bei der Vergemeinschaftung von Corona-Nothilfepaketen zu machen, nimmt zu. Das gilt insbesondere, nachdem auch in den Niederlanden der Widerstand gegen die strikte Opposition von Ministerpräsident Rutte gegen Corona-Bonds wächst. Unsere Experten der Deka teilen die Sicht, dass ohne solche Zugeständnisse das Risiko einer neuen Schuldenkrise in der Eurozone zunimmt. Diese könnte z. B. von Ratingherabstufungen in der Peripherie oder einer Zunahme der populistischen Strömungen vor allem in Italien ausgelöst werden. Die Pläne für gemeinschaftliche EU-Hilfen in der aktuellen Krise konkretisieren sich mit dem Vorschlag der EU-Kommission zur Schaffung eines Fonds zur Finanzierung von Kurzarbeitergeld. Dabei soll der Fonds mit einem Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro direkt von der EU oder dem ESM am Kapitalmarkt refinanziert werden, wobei die Mitgliedstaaten entsprechend ihrer Wirtschaftskraft Kreditgarantien aussprechen. Heute will die EU Details bekanntgeben. Der französische Finanzminister schlägt zudem die Schaffung eines auf fünf bis zehn Jahre begrenzten Krisenbewältigungsfonds vor, dessen Finanzierung aus dem mittelfristigen Finanzrahmen der EU erfolgen soll.

++++++ Viele Unternehmen gehen in Kurzarbeit ++++++

Am Mittwoch geriet der DAX erneut unter Abgabedruck. Auf der einen Seite drückten die Sorgen vor einer deutlichen Wirtschaftseintrübung auf die Stimmung, andererseits rücken immer mehr Unternehmen von ihren bisherigen Prognosen ab. Meldungen über Kurzarbeit nehmen unterdessen kontinuierlich zu. Gestern kündigte beispielsweise Continental an, dass davon 30.000 Mitarbeiter – dies entspricht rund der Hälfte der hiesigen Mitarbeiter – betroffen sind. Weltweit stünden mehr als 40 Prozent der Produktionsstandorte vorübergehend still, hieß es weiter. Die Lufthansa bestätigte, für 87.000 Beschäftigte Kurzarbeit beantragt zu haben. Die Aktie rutschte gestern auf das tiefste Kursniveau seit dem Jahr 2012. In Hessen haben insgesamt rund 32.000 Betriebe (Stand: Dienstag) bereits Kurzarbeitergeld beantragt. Damit wurden die Zahlen von 2008/2009 deutlich übertroffen.

01. April

++++++ Hohe Anzahl von Kurzarbeitsanträgen ++++++

470.000 Unternehmen kündigten im März Kurzarbeit an. Das ist knapp jeder 5. Betrieb in Deutschland. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus. So hat gestern die Investmentbank Goldmann Sachs in ihrer Schätzung die US-Arbeitslosenquote von 9% auf 15% gesenkt. Damit mehren sich die Anzeichen, dass die Gesundheitskrise mittlerweile auch eine Wirtschaftskrise ausgelöst hat. Wichtig ist jetzt, dass sich daraus nicht auch noch eine Finanzkrise entwickelt.

++++++ Schwieriger Start in das 2. Quartal ++++++

Die Entwicklung der Assetpreise im 1. Quartal zeigt die Auswirkungen der Krise sehr deutlich. DAX –25 %, S&P 500 -20 %, Euro Hochzinsanleihen -14,6 %, Rohstoffe -23,0 %, Emerging Markets Fremdwährungsanleihen -13,3 %. Diesen heftigen Einbußen stehen nur wenige Assets mit Pluszeichen in den Depots: So legte Gold 6,6 % zu, und auch Bundesanleihen weisen mit +0,98 % trotz zwischenzeitlicher Verluste noch ein leichtes Plus auf. Gegenüber den kumulierten Aktienmarktverlusten von 12.000 Mrd. US-Dollar im ersten Quartal ist dies für die meisten Anleger aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Unter diesen Voraussetzungen ist absolut verständlich, dass die Marktteilnehmer nervös sind. Zwar sind leichte Erholungstendenzen zu beobachten, aber der DAX war gestern nicht imstande, die psychologisch wichtige 10.000er Marke zu überspringen. Positiv und stabilisierend wirken die leicht hoffnungsvollen Berichte aus China, die Aussagen zur Ausweitung der Vorsorgemaßnahmen in den USA und die unterstützenden Maßnahmen der Notenbanken. Dem entgegen hat gestern beispielsweise BMW angekündigt, 20.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, Fielmann streicht die Dividende und Zalando gab bekannt, in die roten Zahlen abgerutscht zu sein. In den nächsten Wochen werden zunehmend Unternehmensnachrichten für die zukünftige Marktentwicklung eine wichtige Rolle spielen.

31. März

++++++ China fährt Produktion langsam wieder hoch +++++

China vermeldet mittlerweile auf den ersten Blick hoffnungsvolle Wirtschaftsdaten. Der Einkaufsmanagerindex der nationalen Statistikbehörde stieg von seinem Corona-Absturz im Februar von 35,7 Punkten auf 52 Zähler im März und signalisiert damit augenscheinlich Expansion. Allerdings wird hier der Nettosaldo der befragten Unternehmen gemessen. Nimmt ein Unternehmen nach dem erzwungenen Shutdown die Produktion wieder auf, meldet es Expansion und fließt damit positiv in die Wertung ein. Dies sagt jedoch noch nicht viel über das tatsächliche Aktivitätsniveau der Wirtschaft aus. Was man aber sagen kann: Der chinesische Weg der Pandemiebekämpfung mit einer Mischung aus drakonischer Abriegelung und digitalem Kontroll- und Sanktionszwang scheint erste Früchte zu tragen. Viele Unternehmen fahren die Produktion wieder hoch. Allerdings nur langsam, um der Gefahr einer zweiten Infektionswelle Rechnung zu tragen. Verbraucher werden mit üppigen Konsumgutscheinen in die Malls gelockt, um den Einzelhandel wiederzubeleben. Dennoch ist China eine Exportnation und die Bestellungen der arg gebeutelten Europäer und Amerikaner sind eingebrochen. Dies dürfte Millionen von Jobs in der Exportwirtschaft kosten und weitere fiskalische Stützung nach sich ziehen. Unterm Strich sind die chinesischen Zahlen ein Hoffnungsschimmer, aber auch nicht mehr. Die Pandemie ist auch in Südostasien längst nicht vorbei.

++++ Wie lange dauert der Stillstand? +++++

In der vergangenen Woche kamen von den Corona-Krisen-geplagten Finanzmärkten Entspannungssignale. Die erste Schockwelle nach dem Überschwappen der Infektionen auf Europa und die USA wurden von den Finanzmärkten ohne dramatischere Krisensymptome verkraftet. Am Markt scheint man sich einig zu sein, dass die massiven geld- und finanzpolitischen Maßnahmen am Ende ihre gewünschte Wirkung zeigen werden. Doch wird dieser Konsens in den kommenden Wochen immer wieder auf die Probe gestellt werden. Entscheidend bleibt die Entwicklung der Neuinfektionen und damit die Dauer des verordneten Stillstands. Die Gretchenfrage für die Finanzmärkte lautet: Wie lange wird sich die Phase der weitreichenden Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft hinziehen? Aus dem Bundeskanzleramt heißt es nun, dass die aktuellen Regelungen mindestens bis zum 20. April aufrechterhalten werden. Je länger der Stillstand anhält, umso tiefer wird der wirtschaftliche Einbruch in den Wirtschaftsdaten für März und April und damit für das Bruttoinlandsprodukt. Entsprechend verlängert sich auch die Aufholphase in Richtung normaler Produktionstätigkeit bei sukzessiven Lockerungen der aktuellen Einschränkungen. Die Abschätzungen für Deutschland reichen bis zu einem Minus von rund 20 % des Bruttoinlandsprodukts für das Gesamtjahr 2020 für den Fall, dass die Beschränkungen bis nahezu Ende des zweiten Quartals unverändert fortgesetzt werden.

++++++ DAX derzeit sehr schwankungsanfällig ++++++

Der DAX präsentierte sich zu Wochenbeginn schwankungsanfällig. Letztendlich ging er gestern mit einem Plus in Höhe von 1,90 Prozent bei 9.815,97 Zählern aus dem Handel. Bei der Bewertung des Kursgewinns gilt es zu beachten, dass dieser sicherlich vom nahen Quartalsende beeinflusst wurde. Positiv wurde auch die Aussage von Präsident Trump, dass in den USA die Vorsorgemaßnahmen mit Blick auf das Coronavirus ausgeweitet werden sollen, aufgenommen. Weiterhin wird die Entwicklung an den Märkten wesentlich von der Corona-Epidemie abhängen. Bemerkenswert ist, dass sich zuletzt aufkommende Konjunktursorgen – beispielsweise ging es gestern für den Öl- und Aluminiumpreis weiter deutlich nach unten – nicht mehr direkt in der Kursentwicklung des hiesigen Marktes widerspiegelten. Der Aluminiumpreis ist sogar auf ein neues Vier-Jahres-Tief abgerutscht. Auch steht weiterhin die Frage im Raum, ob die bisher beschlossenen Konjunkturpakete ausreichend sein werden.

30. März

++++++ Diskussion um Vergemeinschaftung von Schulden in der EU entbrannt ++++++

Weil sich neben anderen fiskalkonservativen Ländern auch Deutschland dagegen aussprach, konnten sich die EU-Regierungschefs auf ihrem Videogipfel letzte Woche nicht auf die von Frankreich, Italien und Spanien ins Spiel gebrachten Corona-Bonds einigen. Die Diskussion um eine mögliche Vergemeinschaftung von Schulden in der Europäischen Union ist aber damit voll entbrannt. Schon vor der Pandemie lasteten immense Schuldensummen, schwaches Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit schwer auf den Volkswirtschaften Südeuropas. Experten fragen sich daher, ob das Virus möglicherweise eine zweite Euro-Krise auslösen könnte. Deshalb ist Eile geboten. Die EU-Regierungschefs beauftragten bereits ihre jeweiligen Finanzminister, innerhalb der nächsten 14 Tage Alternativen zu den Corona-Bonds auf den Tisch zu legen.

++++++ Kreditrating von Großbritannien herabgestuft ++++++

Die massiven Anstiege der öffentlichen Verschuldung aufgrund von Steuerausfällen sowie expansiven fiskalpolitischen Programmen führen zu ersten Herabstufungen der Kreditratings von Staaten. So stufte Fitch Großbritannien am Freitag um eine Stufe auf AA- mit negativem Ausblick herab. 2008 wurde Großbritannien noch mit AAA eingestuft. Moody’s senkte als letzte der drei großen Ratingagenturen die Einschätzung für Südafrika am Freitag auf Ramsch ab. Die USA hingegen wurden von Fitch trotz der massiven Auswirkungen der Coronakrise weiterhin mit AAA eingestuft. Als Begründung hieß es, die Wirtschaft weise strukturelle Stärken auf, z.B. ein dynamisches Unternehmensumfeld und ein hohes Pro-Kopf-Einkommen.

++++++ Experten befürchten US-Arbeitslosenquote von 30 % ++++++

Die Coronakrise setzt sich fort. Während die Zahl der Neuinfektionen und der Todesfälle in den USA dramatisch steigt, ist in Europa eine Stabilisierung erkennbar. Das Epizentrum der Virusausbreitung ist mittlerweile in den USA. Dort wird der Einfluss der Krise und das Herunterfahren des öffentlichen Lebens in den Konjunkturzahlen sichtbar. Nachdem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe den historisch stärksten Anstieg seit Bestehen der Zeitreihe verzeichnet haben, sind die Vorgaben für den ADP-Beschäftigungsreport am Mittwoch und dem Arbeitsmarktbericht am Freitag extrem schwach. US-Notenbankvertreter Bullard hält kurzfristig einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf mehr als 30 % für denkbar. Dies scheint vor dem Hintergrund der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nicht übertrieben zu sein. Zudem ist davon auszugehen, dass der ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes massiv nachgeben wird. Die Situation dürfte sich erst bessern, wenn die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Erst dann kann über eine allmähliche Lockerung des Lockdowns gesprochen werden und erst dann kann abgeschätzt werden, wie groß der wirtschaftliche Einfluss der Covid-19-Pandemie ist.

++++++ DAX mit bester Wochenperformance seit 2011 ++++++

Die 10.000er Marke scheint beim DAX eine gewisse Anziehungskraft zu haben. Diese wurde zuletzt zweimal einem Test unterzogen, ein nachhaltiger Sprung über diese psychologisch wichtige Marke gelang jedoch nicht. Angesichts einer zuletzt unterdurchschnittlichen Volumenentwicklung bei steigenden Kursen und einer noch immer ausgeprägten Stärke des übergeordneten Abwärtstrends überrascht diese Entwicklung nicht. Immerhin ist es dem DAX auf Wochensicht trotz der Kursverluste am Freitag (-3,68 Prozent) gelungen, 7,9 Prozent zuzulegen. Dies entsprach der besten Wochenbilanz seit dem Dezember 2011. Der Dow kletterte während der letzten fünf Handelstage um 12,8 Prozent und verbuchte damit die beste Wochenbilanz seit dem Jahr 1938. Natürlich bleiben die Entwicklungen rund um das Coronavirus am Markt tonangebend. Heute wird der DAX mit Kursverlusten in den Handel starten.

27. März

++++++ Europäische „Corona-Bonds“ bleiben umstritten ++++++

Die EU-Regierungschefs konnten sich beim gestrigen Gipfel auf keine konkrete Vorgehensweise zur Begrenzung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise einigen. Die von Frankreich, Italien und Spanien ins Spiel gebrachten „Corona-Bonds“ – eine Art von Eurobonds mit gemeinschaftlicher Haftung – finden wenig Gegenliebe in Deutschland und anderen fiskalkonservativeren Ländern. Unterdessen gab die EZB bekannt, dass bei neuen Hilfsprogrammen („PEPP“ – Pandemic Emergency Purchase Programme) die selbstgesteckten Kaufobergrenzen bei Staatsanleihen fallen gelassen werden. Sie begann gestern bereits mit aggressiven Käufen im Rahmen des PEP-Programms. Angesichts der zeitlichen Begrenzung des PEP-Programms auf Ende 2020 dürften die monatlichen Nettokäufe der EZB in den kommenden Monaten über 100 Milliarden Euro liegen und damit die des AP-Programms in den aggressivsten Zeiten (April 2016 – März 2017) deutlich übertreffen. Hinzu kommen noch die Reinvestitionen der Fälligkeiten, die in den kommenden neun Monaten bei durchschnittlich etwa 22 Milliarden Euro pro Monat liegen werden. D. h. die Bruttokäufe der EZB können monatlich bei bis zu 125 Milliarden Euro liegen, was trotz der anstehenden Emissionswelle von Staaten und Förderbanken einen nachhaltigen Anstieg der Renditen schwierig macht, selbst wenn die Inflationserwartungen beginnen, sich nach oben zu bewegen.

++++++ Corona-Schnelltest soll nächsten Monat verfügbar sein ++++++

Der deutsche Traditionskonzern Bosch gab bekannt, einen Covid-19-Schnelltest entwickelt zu haben, der in weniger als 2,5 Stunden eine Corona-Infektion verlässlich feststellt. In Deutschland soll der Test bereits im April verfügbar sein. Das sind gute Nachrichten. Mit einem in der breiten Masse verfügbaren Schnelltest, dürfte nach der aktuellen Phase harter Quarantänemaßnahmen die erneute Ausbreitung besser verhindert werden. Aus Italien war zu hören, dass mittlerweile über 7.500 Personen in Folge des Virus gestorben sind. Positiv kann hervorgehoben werden, dass dort die Neuinfektionsrate bereits den vierten Tag in Folge gefallen ist. Chinas Präsident Xi Jinping berichtete, dass sich die Lage mit Blick auf Corona in seinem Land weiter verbessere.

++++++ USA nun das Land mit den meisten Corona-Infizierten ++++++

Die Coronavirus-Epidemie breitet sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen weltweit weiter aus. Die USA haben gestern mit 17.000 neuen Fällen an einem Tag Italien und China überholt und sind nun mit über 85.000 Corona-Fällen das Land mit den meisten Infizierten. In den USA schlägt sich die Epidemie bereits dramatisch auf den Arbeitsmarkt nieder. Die gestern veröffentlichten Anträge auf Arbeitslosenhilfe verzehnfachten sich im Vergleich zur Vorwoche. Wurden in der vergangenen Woche noch rund 280.000 Anträge gestellt, sind es diese Woche bereits über 3,2 Millionen. Der bisher höchste wöchentliche Anstieg datierte mit 695.000 aus dem Jahr 1982. Mit voller Breitseite wirkt sich die Coronakrise auf das wirtschaftliche Leben aus. Trotz des dramatischen Anstiegs reagierten die Aktienmärkte positiv auf die Veröffentlichung, die Marktteilnehmer hatten einen noch extremeren Anstieg erwartet und hoffen zudem auf noch größere staatliche Stützungsmaßnahmen.

++++++ Märkte stabilisieren sich etwas ++++++

Die internationalen Aktienmärkte setzten ihren Stabilisierungstrend gestern fort. Der DAX konnte zum Handelsschluss die 10.000-Marke zurückerobern. Auch am Markt für Unternehmensanleihen kam es zu einer leichten Entspannung. Die Risikoprämien gingen nach den sehr starken Anstiegen der vergangenen Wochen wieder etwas zurück. Die asiatischen Börsen starteten mehrheitlich freundlich in den Tag. US-Aktien-Futures liegen allerdings im negativen Bereich. In den USA steht heute die Abstimmung über das 2 Billionen US-Dollar Fiskalpaket im Repräsentantenhaus an. Eine Zustimmung gilt als sicher.

26. März

++++++ USA werden zum neuen Epizentrum der Corona-Pandemie ++++++

Während in China das Schlimmste überstanden zu sein scheint, hat Spanien inzwischen bereits mehr Todesopfer als China zu verzeichnen. In den USA stieg die Anzahl der Corona-Infizierten laut Bloomberg aktuell auf über 69.000. Bei diesem Tempo dürfte bereits in den nächsten Tagen die Infiziertenzahl von China (ca. 81.000) übertroffen werden. Präsident Trump sprach zwar davon, dass Corona in den USA bis Ostern erledigt sein soll – allerdings nur mit der simplen Begründung, dass Ostern ein schöner Zeitraum wäre („beautiful timeline“). Die gestern in Indien verhängte Ausgangssperre zeigt dagegen ungeschönt auf, dass auch den Schwellenländern noch schwierige Zeiten bevorstehen. Die Risiken für Marktrückschläge bleiben. Heute Morgen zeigten sich die Märkte in Asien uneinheitlich und die Euro Stoxx 50 Futures starteten im Minus.

++++++ Schuldenbremse wird ausgesetzt ++++++

Nach der Verabschiedung des US-Hilfspakets (2.000 Milliarden US-Dollar) im Senat dürfte am Freitag auch das Repräsentantenhaus zustimmen. In den Märkten ist dies jedoch schon eingepreist und angesichts der stark steigenden Ansteckungszahlen in den USA, aber auch in Tokio nimmt die Risikowahrnehmung zu und Gewinnmitnahmen dominieren. Erwartungsgemäß hat der Bundestag den Nachtragshaushalt genehmigt. Final wird am Freitag die Zustimmung vom Bundesrat erfolgen. Die Schuldenbremse wurde ausgesetzt. Die Ausgaben des Bundes nehmen um 33 % gegenüber der ursprünglichen Planung auf 484 Milliarden Euro zu. Die 600 Milliarden Euro des Wirtschaftsstabilisierungsfonds sind in der Haushaltsplanung nur zu einem kleinen Teil enthalten, da dieser über die KfW abgewickelt wird, und zu etwa 80 % aus Kreditgarantien besteht.

++++++ DAX: Stimmung bleibt angespannt ++++++

Der DAX baute gestern seine am 19. März begonnene Erholungsbewegung weiter aus. Das Tageshoch wurde bei 10.137 Punkten markiert. Schlussendlich konnte ein Zugewinn in Höhe von 1,79 Prozent auf 9.874,26 Punkte verbucht werden. Einmal mehr sorgte das von der Fed angekündigte Ankaufsprogramm, die Einigung zwischen der US-Regierung und den Demokraten auf ein Konjunkturpaket und die Pläne anderer Staaten, ebenfalls mit Hilfsprogrammen aktiv zu werden, für Rückenwind. Erfreut zeigten sich die Anleger auch über das Zahlenwerk von E.ON. Die Aktie legte deutlich um 6,5 Prozent auf 8,86 Euro zu, nachdem der Konzern nach der Übernahme von Innogy seinen Gewinn im laufenden Jahr steigern will. Zudem wurde der bereits bekannte Dividendenvorschlag (46 Cent) je Aktie bestätigt. Im weiteren Verlauf kristallisierte sich der ifo-Geschäftsklimaindex als Stimmungsbremse heraus. Dieser fiel auf 86,1 Punkte nach 96 im Februar zurück. Nicht zuletzt deshalb kletterte der V-DAX von 54,07 auf 57,40. Heute wird der DAX mit Kursverlusten in den Handel starten.

25. März

++++++ Stimmung an den Aktienmärkten steigt ++++++

Entgegen der Entwicklungen in den vergangenen Tagen und Wochen kletterten die Aktienkurse gestern kräftig nach oben. Der DAX schloss mit knapp 11 % im Plus. Der Dow Jones verbuchte mit 11,4 % gar den stärksten prozentualen Tagesgewinn seit dem Jahr 1933. Die schlechten Konjunkturdaten waren wohl schon zur Genüge eingepreist und konnten die gute Stimmung an den Aktienmärkten nicht trüben. Die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft stützte auch die Notierungen für Rohöl.

++++++ Negativrekorde bei Einkaufsmanagerindizes ++++++

Die Veröffentlichung der Markit-Einkaufsmanagerindizes (EMI) für März lieferte gestern Einblicke in die konjunkturellen Auswirkungen der Zuspitzung der Corona-Krise. Im Euroraum hatte der Gesamtindex im Februar noch bei 51,6 Zählern und damit über der Expansionsschwelle gelegen. Im März stürzte der Indikator auf 31,4 Punkte ab. Damit wird sogar der bisherige Tiefstwert von 36,2 Zählern aus dem Februar 2009 unterboten. Besonders schwer traf es den Dienstleistungssektor. Der entsprechende Teilindex fiel wie ein Stein auf 28,4 Punkte (Februar: 52,6), was ebenfalls dem tiefsten Stand seit Beginn der Umfrage im Jahr 1998 entspricht. Der EMI für die Industrie ging deutlich, aber weitaus weniger drastisch von 49,2 auf 44,8 zurück.

24. März

++++++ Einbruch am Aktienmarkt nimmt historische Dimension an ++++++

Die Geschwindigkeit des Einbruchs am Aktienmarkt nimmt mittlerweile historische Dimensionen an. Innerhalb von nur fünf Wochen hat der S&P 500 35% an Wert verloren, während der DAX in der Spitze sogar um 40% korrigierte. Unweigerlich werden Erinnerungen an die Finanzmarktkrise 2008/09 oder das Platzen der Bewertungsblase im Jahr 2000 wach, als deutsche Aktien insgesamt sogar 56% bzw. 73% einbüßten. Da der DAX im Zuge der Abwärtsbewegung sämtliche Unterstützungsmarken gebrochen hat, richtet sich der Blick mittlerweile auf die lange Zeitebene. Die Tiefs der vergangenen Tage bei 8.250 Punkten entsprechen in etwa den früheren Allzeithochs von 2000 und 2007. Ein Bruch dieser Unterstützung würde das technische Bild nochmal zusätzlich belasten. Der DAX handelt nur wenige Prozentpunkte oberhalb der letzten ernsthaften Unterstützungsmarke. Zumindest konnte zuletzt der Abwärtsdruck etwas gestoppt werden und die Tiefs bei 8.250 Punkten von Anfang letzter Woche wurden bisher nicht mehr unterschritten. Voraussetzung für eine zumindest temporäre Stabilisierung wäre ein Sprung über die Marke von 10.000 Punkten.

++++++ Diskussion über Schuldenunion innerhalb der EU ++++++

Radikale Hilfsmaßnahmen wie in Deutschland sind in anderen Teilen der EU, wie z.B. in Südeuropa oder in Frankreich kaum umsetzbar. Hintergrund ist die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung in diesen Ländern. Damit dürfte die Stabilität der Eurozone zu einem Teil davon abhängen, dass Deutschland und andere Staaten der Kernunion bereit sind, Schritte in Richtung einer Schuldenunion mitzutragen. Die Einführung von zunächst zeitlich befristeten Gemeinschaftsanleihen, Garantien Deutschlands für eine Kreditlinie Italiens mit dem ESM oder die Aktivierung des OMT-Programms der EZB (mit geänderten Konditionen) wären mögliche Schritte.

++++++ Bundesregierung rechnet mit Wirtschaftsminus von 5% ++++++

Die Entwicklungen rund um die Corona-Krise geben weiterhin den Ton an den Märkten an. Typisch für ausgeprägte Abwärtstrends ist, dass Zwischenerholungen meist von kurzer Dauer sind. Mittlerweile werden im Zusammenhang mit der Corona-Krise zunehmend Zahlen bekannt. So geht eine Schätzung des ifo-Instituts davon aus, dass die Corona-Krise Deutschland 729 Milliarden Euro kosten könnte. Die Bundesregierung rechnet mit einem Wirtschaftsminus in Höhe von fünf Prozent. Auch die Kauflaune der Verbraucher im Euro-Raum hat sich im März verschlechtert, jedoch nicht so stark wie befürchtet. Unterdessen hat das Bundeskabinett ein beispielloses Hilfspaket beschlossen. Der Bund wird sich dafür in diesem Jahr mit der Rekordsumme von rund 156 Milliarden Euro neu verschulden. Darüber hinaus stehen die Notenbanken im Fokus. Gestern betonte ein EZB-Ratsmitglied, dass die EZB die Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen durch Corona noch ausweiten könnte. Beispielsweise könnte die Größe des Anleiheprogramms erhöht oder die Zusammensetzung und Dauer geändert werden.

23. März

++++++ Bundesregierung plant Nachtragshaushalt i.H.v. 150 Milliarden Euro ++++++

Der Sprung der Anzahl von Infizierten über 300.000 und mehr als 13.000 Toten am Wochenende hat die Abschottungsmaßnahmen weltweit forciert. In Italien wurden die meisten Industriebetriebe stillgelegt, in Deutschland wurde hiervon bisher noch abgesehen. Trotzdem bedroht der Stillstand des öffentlichen Lebens eine Vielzahl von Betrieben, hauptsächlich kleine Unternehmer und Selbständige ohne große Rücklagen. Daher hat die Regierung ein Hilfsprogramm über 600 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, das über einen Wirtschaftsstabilitätsfonds (WSF) Soforthilfen und Kredite bereitstellen soll. Diese Maßnahmen dürften den Bundeshaushalt um etwa 120 Milliarden Euro belasten. Finanzminister Scholz rechnet zusätzlich mit etwa 33 Milliarden Euro Steuerausfällen in diesem Jahr. Daher soll ein Nachtragshaushalt über 150 Milliarden Euro beschlossen werden.

++++++ Zahl der Neuinfektionen in den USA nimmt stark zu ++++++

Mittelstand und Großunternehmen in Deutschland schalten in einem beeindruckenden Akt von Solidarität und Kreativität auf Pandemiebekämpfung um. Autobauer wie VW stellen Atemmasken her, Kosmetikkonzerne wie Beiersdorf und Mittelständler stellen auf Desinfektionsmittelproduktion um. Der Maschinenbau will sich in der Herstellung von Schutzkleidung wie Brillen, Anzügen und Kitteln sowie Beatmungsgeräten engagieren. Derweil plant die Bundesregierung die Haftungsfreistellung für Betriebsmittel bei KMUs von 80% auf 90% zu erhöhen, um die Bonität zu verbessern. Die Märkte werden trotz der jüngsten fiskalischen und geldpolitischen Hilfsprogramme weiterhin hochvolatil bleiben. Vor allem die USA sind im Pandemiezyklus 1-2 Wochen hintendran und verzeichnen eine starke Neuinfektionsdynamik. Die ökonomischen Verwerfungen eines Shutdowns jenseits des Atlantiks dürften noch nicht eskomptiert sein. 100 Millionen Amerikaner wurden gestern dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben.

++++++ Kampf gegen Corona: Vorbild Südkorea ++++++

Die am Sonntag verhängten Maßnahmen der Bundesregierung setzen auf massive Reduzierung sozialer Kontakte. Nur noch alleine oder zu zweit in der Öffentlichkeit, mehr geht nur im engsten Familienkreis, am besten ganz zu Hause bleiben. Ziel der neuen Regeln ist erstens Zeitgewinn, um die derzeit 28.000 Intensivbetten zügig um mindestens ein Drittel aufzustocken und zweitens die derzeit noch exponentiell steigende Kurve der Neuinfektionen abzuflachen. Das Vorbild hierbei ist Südkorea: ähnlich industrialisiert, noch höhere Bevölkerungsdichte und ebenfalls eine Demokratie. Die Südkoreaner haben es geschafft, die Kurve abzuflachen, genau wie die Chinesen, allerdings ohne drastische Abriegelungsmaßnahmen oder Ausgehbeschränkungen. Wie? Sie testen viel mehr und viel schneller. Bis Samstag waren es 327.509 Tests, davon 8.799 positiv. Getestet wird in Drive-Through-Stationen, zügige Veröffentlichung der Testergebnisse auf der Website der Seuchenbehörde, Quarantäne, Kontaktverbot und Verfolgung der Infektionsketten. Wie? Durch konsequente Auswertung der Mobilfunkdaten. Die Südkoreaner bekommen per App einen Hinweis, wenn sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Durch diese Vorgehensweise sinkt auch die Gefahr einer sogenannten zweiten Welle, wenn Maßnahmen wieder gelockert werden. Hierzulande erfolgt der Eindämmungsversuch aufgrund begrenzter Laborkapazitäten für die Testauswertung sowie des unzureichenden Digitalisierungsgrades nun über einen Shutdown des sozialen Lebens und Teilen der Wirtschaft. Wenn sich genug BürgerInnen an die Auflagen halten, kann dies zumindest kurzfristig ebenfalls zu einem Abflachen der Kurve in den kommenden 2-3 Wochen führen. Danach droht jedoch eine zweite Welle, sofern Tests und Vernetzung nicht ausgebaut werden können. Folglich könnten die Maßnahmen auch so lange in Kraft bleiben, bis das RKI der Bevölkerung einen ausreichenden Immunisierungsgrad bescheinigt. Dagegen spricht allerdings die ökonomisch kritische Dreimonatsmarke, ab der eine Vielzahl der Unternehmen und Gewerbetreibenden fiskalisch kaum noch zu stützen ist. Mit nachhaltigem Erfolg ist wohl erst bei Anwendung eines Impfstoffes zu rechnen. Bestenfalls liegt dieser ab Herbst vor, laut RKI ist Frühjahr 2021 wahrscheinlicher.

++++++ Parketthandel an der New Yorker Börse eingestellt ++++++

Am Freitag gelang es dem DAX (+3,7 Prozent) eindrucksvoll, seine am Tag zu vor begonnene Erholungsbewegung auszubauen. In der Folge wurde die psychologisch wichtige 9.000er-Marke zeitweise überwunden. Kurz darauf wurden aber Teile der Kursgewinne wieder abgegeben. Derartige Kursverzerrungen sind am Verfalltag typisch, insofern müssten die kommenden Tage zeigen, wie nachhaltig der kurzfristige Aufwärtsimpuls tatsächlich war. Für etwas mehr Zuversicht bei den Anlegern sorgten die verschiedenen Maßnahmen der Notenbanken. Zuletzt hatte die EZB ein Notkaufprogramm für Anleihen beschlossen. Die britische Notenbank senkte den geldpolitischen Schlüsselsatz von zuvor 0,25 Prozent auf das Rekordtief von 0,1 Prozent, und hat gleichzeitig weitere Anleihekäufe im Volumen von 200 Milliarden Pfund bekannt gegeben. Die norwegische Notenbank senkte am Freitag zum zweiten Mal innerhalb einer Woche den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent. Heute wird der DAX mit Kursverlusten in den Handel starten, nachdem der Dow Jones am Freitag abermals unter die Räder kam und über 900 Punkte verlor. Mit einem Kursabschlag von mehr als 17 Prozent verbuchte der Dow die schwächste Woche seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Die Monatsbilanz könnte die schlechteste Performance seit dem Crash im Oktober 1987 erreichen. Ab heute wird der Parketthandel an der NYSE eingestellt. Nur noch elektronische Orders können platziert werden, was die Gefahr größerer Kursausschläge birgt.

20. März

++++++ DAX zeigt Stabilisierungsanzeichen ++++++

Sowohl der DAX als auch die weltweiten Aktienmärkte zeigen auch weiterhin nicht überraschend hohe Tageschwankungen. Negative Wirtschaftsmeldungen und eine ausgeprägte Risikoaversion unterstützen dies. Allerdings versuchen die Notenbanken mit umfangreichen Maßnahmen gegenzusteuern. So hat die EZB über Nacht ein Notkaufprogramm für Anleihen mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro beschlossen. Dieses bezieht sich auf Wertpapiere der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft. Die britische Notenbank senkte gestern den geldpolitischen Schlüsselsatz von zuvor 0,25 Prozent auf das Rekordtief von 0,1 Prozent. Auch werden die Anleihenkäufe um 200 Milliarden auf 645 Milliarden Pfund ausgeweitet. Mittlerweile wurden zudem die Eckdaten des geplanten US-Konjunkturprogramms konkretisiert. Laut der republikanischen Regierung sollen alle Steuerzahler unter anderem einen Scheck über 1.200 Dollar und zusätzlich pro Kind 500 Dollar bekommen. Die Risikoaversion ging gestern etwas von 82,22 auf 76,85 zurück, allerdings wurde im Tagesverlauf ein Hoch bei 84,47 markiert. Damit wird deutlich, dass es sich häufig nur um Momentaufnahmen handelt. Der DAX wird heute, angesichts positiver Vorgaben von den Überseebörsen, mit moderaten Kursgewinnen in den Handel starten.

++++++ ifo-Geschäftsklimaindex stürzt ab ++++++

Das ifo Geschäftsklima stürzte um 8,4 Punkte auf einen Stand von 87,7 Punkten. Der bislang größte Rückgang ging nicht einmal halb so tief! Der Kollaps zeigt sich in nahezu allen Wirtschaftsbereichen, lediglich die Bauwirtschaft verzeichnete einen vergleichsweise moderaten Rückgang des Saldos um 5,4 Punkte. Die Geschäfts-erwartungen wurden mit einem Rückgang um 11,4 Punkte geradezu pulverisiert. Angesichts der Entwicklung der Ansteckungszahlen fehlt den Unternehmen jegliche Phantasie für eine Besserung. Aktuell erscheint uns eine kräftige Beeinträchtigung, die bis in den Mai hineinreicht, und ein Aufholprozess, der sich gleichmäßig auf das dritte und vierte Quartal verteilt, als plausibelste Annahme. Dies würde zu einer Schrumpfung des deutschen BIP im Jahr 2020 um 4,5 % führen.

++++++ Dynamischer Anstieg der Infizierten +++++

Die Anzahl der Infizierten steigtweiter dynamisch. Allein seit gestern, nahm die Anzahl weltweit um knapp 26 Tsd. zu (Vortag: 20 Tsd., zuvor unter 15 Tsd. pro Tag). Aktuell steht insbesonder Europa im Zentrum der Epidemie, nachdem China, Japan und Südkorea Erfolge bei der Eindämmung aufweisen können. Mit rückläufigen Ansteckungszahlen ist erst in ca. 2-3 Wochen nach Einführung harter Quarantänemaßnahmen zu rechnen. Also für Italien in ca. einer Woche – in Deutschland in ca. zwei Wochen.

19. März

++++++ Europa überlegt Einführung gemeinsamer Anleihen ++++++

Die USA denken darüber nach, ähnlich wie Hongkong jedem Bürger des Landes einen Scheck zur Verfügung zu stellen. Dabei steht eine Summe von 1.000 US-Dollar im Raum. In der Eurozone wird über die Einführung von gemeinsamen Anleihen nachgedacht, auch um der zunehmenden Fragmentierung des EWU-Bondmarktes entgegenzuwirken. So hat Italiens Premier Conte die Idee von „Coronavirus-Bonds“ ins Gespräch gebracht, um eine drohende Krise der Staatsfinanzen seines Landes zu lindern. Die Peripheriespreads sind in den vergangenen Handelstagen dramatisch gestiegen. Vor allem italienische Bonds weisen massive Renditeanstiege auf. Auch Bundesanleihen stehen unter Druck. Dennoch hat sich der Spread zu Italien auf über 300 Basispunkte ausgeweitet – das höchste Niveau seit November 2018. Zur Erinnerung: Während der Eurokrise lag der Spread teilweise oberhalb von 550 Bp. und die BTP-Rendite stieg auf 7,30 %. Problematisch an der derzeitigen Situation ist aber die Geschwindigkeit des Renditeanstiegs, wodurch das krisengeschüttelte Land in Bedrängnis gerät. Entscheidend ist, dass Vertrauen der Marktteilnehmer in die Stabilität der Eurozone nicht erschüttert wird. Die Bank von Italien hat bereits reagiert und am Bondmarkt interveniert.

++++++ Erneute Verkaufswelle bei US-Aktien ++++++

In den USA gibt es noch keine Einigung über das erhoffte Rettungspaket. Da die Meldungen über teils dramatische Anstiege von Infektionen zunahmen – auch in den USA – setzte am Abend eine erneute Verkaufswelle ein, die US-Aktienindizes um bis zu 10 % nach unten getrieben hat. Ein erneuter Absturz des Ölpreises um bis zu 20 % auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren hat zusätzlich verunsichert. Heute Morgen hat sich der S&P Future leicht erholt, die meisten asiatischen Aktienmärkte handeln aber trotzdem im Minus. Das neue EZB-Notfallprogramm („PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme“) wird unsere Rentenmärkte unterstützen und auch bei Aktien für etwas mehr Zuversicht sorgen. Die Notenbanksitzungen in Japan, Norwegen und der Türkei sind bereits vorgezogen worden, die Schweiz und Südafrika stehen noch im Kalender.

++++++ EZB beschließt Notkaufprogramm ++++++

„Fester Dienstag, schwache Woche“ lautet eine alte Börsenweisheit. Diese könnte sich aktuell bewahrheiten, nachdem der DAX am Dienstag mit einem Plus aus dem Handel ging und bereits gestern wieder deutlich nachgab. Die Erwartung des RKI, dass mit einer schnellen Ausweitung der Epidemie zu rechnen ist, trug ebenso dazu bei wie die in verschiedenen Bereichen deutlich sichtbaren Spuren. Gute Beispiele sind die Entwicklung bei den Airlines oder die Autoproduktion in Europa, die mittlerweile weitgehend stillsteht. Seitens der EZB war zu hören, dass die Geldpolitik die Krise nicht allein beheben kann. Eine starke fiskalische Antwort, idealerweise auf europäischer Ebene, würde benötigt. Die EZB selbst tritt entschlossen auf. In der Nacht auf Donnerstag wurde ein massives Notkaufprogramm für Anleihen beschlossen. Dieses hat ein Volumen von 750 Milliarden Euro und soll sich auf Wertpapiere der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft beziehen. Die EZB stehe bereit, wenn nötig das Programm auszuweiten. Beendet werde es erst, wenn der EZB-Rat die Corona-Krise für bewältigt halte.

18. März

++++++ RKI stuft Gesundheitsrisiko mittlerweile als „hoch“ ein ++++++

Die Einschränkungen durch die Ausbreitung des Coronavirus nehmen zu. Im Rahmen einer Videokonferenz beschlossen die EU Staats- und Regierungschefs die Außengrenzen der Union für Nicht-EU-Bürger für 30 Tage dicht zu machen. In Frankreich gilt seit gestern eine Ausgangssperre, zunächst für die nächsten 14 Tage. Die Autobauer Daimler und VW kündigten unterdessen an, einen Großteil ihrer Produktion in Europa vorübergehend zu stoppen. Die UEFA verschiebt die Fußball-Europameisterschaft, die im Juni beginnen sollte, auf 2021. Das Robert Koch-Institut (RKI) hebt aufgrund des starken Anstiegs der Fallzahlen seine Einstufung des Gesundheitsrisikos von „mäßig“ auf „hoch“ an. Hinsichtlich der Ausbreitung der Corona-Pandemie gibt es zumindest einen ersten kleinen Hoffnungsschimmer: In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien fiel die Zahl der Neuerkrankungen gestern jeweils niedriger aus als am Tag zuvor.

++++++ Dramatische Umsatzeinbußen für den Einzelhandel ++++++

Experten befürchten, dass der kommende ifo-Geschäftsklima-Index aufgrund der Corona-Krise dramatisch einbrechen wird. Der Virus hat Deutschland bereits jetzt voll im Griff, wobei die Infektionskurve gerade erst so richtig beginnt zu steigen. Laut Handelsverband HDE betragen die Kosten des Shutdowns in Deutschland für den Einzelhandel 1,15 Milliarden Euro pro Tag. Das entspricht einem BIP-Ausfall von 0,2 % pro Woche – und das nur vom Einzelhandel! Bis Ende April wären das 1,2 % BIP-Ausfall. Bei der KfW können ab Montag Notkredite beantragt werden, die Auszahlung wird aber zwei bis drei Wochen dauern.

++++++ DAX-Erholung nur von kurzer Dauer ++++++

Nach den deutlichen Kursverlusten zu Wochenbeginn gelang es dem DAX gestern, eine Erholungsbewegung zu vollziehen. Diese war besonders auf einen Kurssprung beim Dow Jones (dieser hatte zuvor den deutlichsten Tagesverlust seit dem Crash im Jahr 1987 und den drittgrößten in der Geschichte verbucht) zurückzuführen. US-Präsident Trump hatte via Twitter angekündigt, alle Industrien zu unterstützen, z.B. Airlines, die vom Virus besonders betroffen sind. Darüber hinaus steht ein Plan im Raum, wonach rechnerisch jeder US-Bürger im Schnitt bis zu 4.000 Dollar für Konsumzwecke erhalten könnte. Die Märkte zeigen sich von diesem Vorhaben jedoch unbeeindruckt. Der Dow Jones-Future verliert aktuell wieder über 800 Punkte, auch an den asiatischen Börsen geht es überwiegend abwärts. Insofern wird auch der DAX heute erneut zur Schwäche tendieren. Unterdessen nehmen Spekulationen um mögliche Börsenschließungen zu. Auf den Philippinen wurde dieser Schritt bereits vollzogen, an den US-Börsen wird über eine mögliche Verkürzung der Handelszeiten diskutiert. Die Deutsche Börse sah zuletzt keinen Grund für ein Aussetzen des Handels.

17. März

++++++ DAX mit größerer Korrektur als zur Eurokrise ++++++

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession durch die Coronavirus-Pandemie ließ den DAX gestern mit -5,31 % auf einem Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 8.742 Punkten aus dem Handel gehen, womit er sich auf dem Niveau seines 12-Monat-Forward-Buchwerts von ca. 8.700 Punkten befindet. Kursverluste in ähnlicher Größenordnung verbuchten auch die Handelsplätze in London, Paris, Madrid und Mailand. Seit dem 19. Februar ist der DAX-Kurs um rund 36 % eingebrochen und übertrifft damit nicht nur den Mittelwert aller bisherigen DAX-Korrekturen (-23 %) weit, sondern verläuft auch stärker als in den beiden vorausgegangenen Einbrüchen mit China-Bezug (2015: -29 % und 2018: -23 %). Sogar der Einbruch während der Eurokrise (-33 %) wurde übertroffen. Falls sich die Pandemie nicht zu einer unendlichen Geschichte ausweiten sollte, dürfte damit bereits viel Negatives in den Kursen verarbeitet sein. Unterdessen verkauften Anleger die Krisenwährung Gold, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen, womit sich das Edelmetall auf 1.514 Dollar je Feinunze verbilligte. Das digitale Pendant schlechthin, Bitcoin, büßte seit Dienstag letzter Woche gar 34% ein. Getreu dem Kredo „Cash ist King“ ist derzeit Bares der ultimative Fluchtpunkt.

++++++ Deutschland vor dem Shutdown ++++++

Bund und Länder hatten sich gestern im Kampf gegen den Coronavirus auf einen drastischen Maßnahmen-Katalog verständigt. Sobald die Beschlüsse in den Kabinetten der Länder umgesetzt sind, wird das öffentliche Leben stillstehen. Museen, Messen, Bars, Veranstaltungsräume, Sportanlagen, Schwimmhallen, Sportstudios, Spielplätze und vieles mehr wird geschlossen. Treffen von mehreren Menschen wie z.B. in Gottesdiensten werden untersagt, genauso wie Übernachtungen von Touristen. Die drastischen Maßnahmen, die in ähnlicher Form in mehreren Ländern umgesetzt werden, verschärfen die Unterbrechung vieler Waren-Lieferketten, sodass sich die schon lange grassierende Industrierezession noch verschärft. Mit den Einschränkungen des normalen Lebensstils wird nun zusätzlich noch der Dienstleistungssektor brutal an die Wand gefahren. Experten passen ihre Konjunkturprognosen daher nochmals nach unten an. Der katastrophale Einbruch in der ersten Jahreshälfte stürzt Deutschland für das Gesamtjahr voraussichtlich auf ein negatives Wirtschaftswachstum von -1,5 %, in der zweiten Jahreshälfte sollten aber Aufholungseffekte einsetzen.

++++++ Zunächst keine weiteren Hilfsprogramme der EU ++++++

Auf dem Sondergipfel der EU-Finanzminister wurden keine weiteren Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Eher das Gegenteil davon war der Fall, nämlich Reisebeschränkungen. In den nächsten 30 Tagen sollen nicht dringend notwendige Reisen unterlassen werden, der Warenverkehr hingegen ungestört betrieben werden können. Da der EU keine Möglichkeit der massiven Schuldenaufnahme zur Verfügung steht, sind ihre Mittel arg begrenzt. Dafür verkündeten aber viele Regierungen massive Hilfs- und Kreditprogramme: In Frankreich werden 300 Milliarden Euro für Steuerstundungen und Unternehmenskredite bereitgestellt, zudem wird die gerade erst hart erkämpfte Rentenreform zunächst ausgesetzt. Noch größer geht der IWF ran, er stellt Kreditkapazitäten in Höhe von 1.000 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.

++++++ Weltweite Leitindizes mit historisch großen Kursabschlägen ++++++

An den Aktienmärkten schien es gestern kein Halten mehr zu geben. Der DAX verlor phasenweise sehr deutlich. Im Zuge dessen wurden weitere, beachtenswerte Supports, beispielsweise bei 9.168, 8.989, 8.744 und 8.714 Zählern durchbrochen. Eine Projektions-Unterstützung (8.412) konnte letztendlich verteidigt werden. Neben dem Blick auf den DAX gilt es auch andere Indizes zu beachten. So fiel der Europäische Bankenindex teilweise um über zehn Prozent auf ein neues 32-Jahres-Tief. Seitens der EZB war zu hören, dass man weitere Maßnahmen ergreifen werde, sofern eine Intervention bei Staatsanleihen erforderlich sein sollte. Der EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton rechnet inzwischen damit, dass die EU in diesem Jahr in eine Rezession abgleiten wird. In den USA verbuchte der Dow Jones gestern die größten Kursabschläge seit 1987 und den drittgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Die Reihe von Superlativen könnte beliebig fortgeschrieben werden. Heute wird der DAX mit moderarten Kursgewinnen in den Handel starten. Die Überseebörsen und der Dow Jones-Future erholen sich etwas.

16. März

++++++ Dramatische Konjunkturdaten aus China ++++++

Die Industrieproduktion in China hat schon mal einen ersten Eindruck vermittelt, wie dramatisch der Coronavirus die Wirtschaftskreisläufe unterbrochen hat. Der Einbruch um 20 auf -13,5 Punkte ist noch dadurch verzerrt, dass dies wegen des chinesischen Neujahrsfests aggregierte Zahlen von Januar (kein Corona-Einfluss, aber Rückgang durch Handelskrieg) und Februar sind. Dasselbe gilt für den Einzelhandelsumsatz, der in beiden Monaten um 28 Punkte auf minus 20 Punkte eingebrochen ist. Der Virus hat gerade im vergangenen Monat im Reich der Mitte sowohl den privaten Konsum als auch die Produktion schwer belastet. Immerhin steigt nun – mit der allmählichen Rückkehr der Belegschaften an den Arbeitsplatz – auch die Kapazitätsauslastung der chinesischen Industrie wieder an. Die Epidemie dürfte Chinas Wirtschaft weiterhin beschäftigen, die stark rückläufigen Zahlen neuinfizierter Personen lassen aber hoffen, dass vielleicht ab April wieder bessere Daten aus China vermeldet werden können.

++++++ In nur 77 Tagen vom ersten Verdacht bis zum Notstand ++++++

Am 30.12.2019 informierte der chinesische Arzt Li Wenliang seine Arztkollegen über sieben Patienten, die im Verdacht auf eine Infektion mit einem SARS-Virus im Zentralkrankenhaus in Wuhan behandelt werden. 11 Wochen später hat dieses Virus dazu geführt, dass in Europa Landesgrenzen geschlossen wurden und dass das öffentliche Leben nicht nur in Fernost, sondern auch in Europa und vermutlich bald auch in den USA deutlichen Beschränkungen unterliegt. Auch in Spanien und den USA wurde der nationalen Notstand ausgerufen. In Österreich gelten seit gestern strenge Ausgangsbeschränkungen. Und als erstes Bundesland hat Bayern den Katastrophenfall ausgerufen. Ab Mittwoch dürfen nur bestimmte Einrichtungen geöffnet bleiben, die eine besondere Bedeutung für die öffentliche Versorgung haben wie z.B. Supermärkte, Apotheken, Tankstellen und Banken.

++++++ Maßnahmen von Politik und Notenbanken sollen Corona-Folgen abmildern ++++++

Alles dicht – Schulen, Unis und sogar die Grenzen. Aber die Kapitalmärkte sind noch offen und spielen verschiedene wechselnde Lageeinschätzungen durch. Am Freitag ging es mächtig rauf und runter. Am Ende hatten die US-Märkte jedoch wieder massiv um bis zu 10 % zugelegt, als spät am Abend endlich das lang erwartete Hilfsprogramm in den USA verkündet wurde. Wie die Fed – nur in kleinerem Maßstab – hatten am Freitag bereits verschiedene Notenbanken in Asien ihre Banken mit zusätzlichen Liquiditätsmaßnahmen unterstützt. Und zusätzlich kam auch endlich Hilfe durch die Politik. Die Maßnahmen der Bundesregierungen sind zielgenau und geeignet, die aus der Corona-Krise resultierenden Folgen abzufedern: Die Kurzarbeitsregelung erleichtert es den Unternehmen, ihre Beschäftigten auch in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zu halten. Steuerstundungen vermeiden Mittelabflüsse der Unternehmen. Unbegrenzte KfW-Kredite für Unternehmen helfen Insolvenzen zu vermeiden.

++++++ Fed senkt Leitzinsen auf nahezu 0% ++++++

Jetzt also die Super-Vitaminbombe! Die US-Notenbank Fed hat in einer erneuten Notfallsitzung die Leitzinsen um 100 Basispunkte auf nahezu Null gesenkt. Der Korridor steht nun zwischen 0,00 und 0,25 %. Außerdem können Banken in einem 90-Tage-Discount-Fenster auf Liquidität zugreifen und gemeinsam mit fünf anderen Notenbanken werden Dollar-Swap-Linien rund um die Welt zur Verfügung gestellt. Zur Stützung des Zinsniveaus wird die Fed US-Treasuries in Höhe von mindestens 700 Milliarden US-Dollar aufkaufen. Zumindest Treasuries profitieren von dem Maßnahmenpaket, die Renditen sind um 20 bis 30 Basispunkte gestürzt, am kurzen Ende auf neue Rekordtiefstände. Aktien hingegen ließen sich davon nicht beruhigen, der S&P 500-Future startete in Asien erneut mit Limit-down.

13. März

++++++ Auch Schulen und Kitas in Schleswig-Holstein bleiben zu ++++++

Auch in Schleswig-Holstein bleiben alle Schulen und Kindergärten ab Montag geschlossen. Das wurde heute von Bildungs- und Gesundheitsministerium in Kiel bekanntgegeben. Die Maßnahme gilt bis zum 19. April.

++++++ Erste Schulen und Kindergärten in Deutschland bleiben geschlossen ++++++

Die Zahl der Neuinfektionen in China ist weiter rückläufig und lag zuletzt nur noch im einstelligen Bereich. Außerhalb der Volksrepublik breitet sich der Virus jedoch weiter rasant aus. In Frankreich und Belgien werden landesweit Schulen und Kindergärten geschlossen, auch in Deutschland wird bereits in einigen Bundesländern vorsorglich ein solcher Schritt gegangen. Die Regelung gilt zunächst bis Ostern. Für Schleswig-Holstein wird es heute Nachmittag eine Entscheidung der Landesregierung geben.

++++++ Leichte Gegenreaktion an den Börsen +++++++

Nach Kursverlusten der US-Aktienindizes von bis zu 10 % kommt es heute Morgen zu einer kleinen Gegenreaktion. Dadurch fallen auch die nachzuholenden Verluste an den asiatischen Börsen etwas geringer aus. Unterstützung bieten teils massive Liquiditätshilfen verschiedener Notenbanken sowie die Hoffnung auf weitere Maßnahmen wie Wertpapierankäufe beispielsweise durch die Bank of Japan. Auffällig ist jedoch, dass trotz der verheerenden Verluste an den Aktienbörsen sichere Assets wie US-Treasuries, Bunds und Gold nicht mehr hinzugewinnen können. Unsere Märkte dürften mit einer kleinen Erleichterung starten, doch die Angst um dramatische Entwicklungen über das Wochenende wird die Märkte vermutlich weiter beherrschen.

++++++ EZB-Maßnahmenpaket konnte DAX-Sinkflug nicht stoppen ++++++

Die Corona-Krise hat die Aktienmärkte fest im Griff. Rund um den Globus werden Maßnahmen gegen eine schnelle Ausbreitung des Virus ergriffen, z.B. Grenzschließungen, Reisebeschränkungen oder an vielen Orten auch die Einstellung des Schulbetriebs sowie Absagen von Großveranstaltungen und Messen. Das öffentliche Leben wird eingeschränkt. Massive Nachfrageausfälle sind zu befürchten und mit dem Anstieg der Rezessionssorgen wird zunehmend an der Kreditwürdigkeit vieler Unternehmen gezweifelt. Die Creditspreads steigen. Die Europäische Zentralbank bringt ein Maßnahmenpaket auf den Weg, zu einer Marktberuhigung ist es aber nicht gekommen. Nach den Beschlüssen setzte eine neue Verkaufswelle ein. Am Tagesende stand ein Minus von 12% zu Buche und der DAX ging bei 9.161 Punkten aus dem Handel. Auch die US-Notenbank konnte mit Liquiditätszuführungen in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar die Lage an den dortigen Börsen nicht beruhigen. Die asiatischen Indizes stehen ebenfalls erneut im Minus.

12. März

+++++ DAX fällt unter die 10.000 Punkte-Marke ++++++

Die US-Aktienmärkte gaben am Donnerstag erneut deutlich nach. Der S&P 500 verlor knapp 5%, der Dow Jones fast 6%. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, kündigte US-Präsident Trump nach Börsenschluss in den USA zudem an, den Flugverkehr von Europa in die USA für 30 Tage auszusetzen. Trump warf in seiner Ansprache den Europäern Versäumnisse bei der Virus-Bekämpfung vor. US-Aktienfutures gaben infolge der Erklärung Trumps nochmal massiv nach, weil der US-Präsident zunächst fälschlicherweise auch eine Einschränkung des Güterverkehrs zwischen Europa und den USA angedeutet hatte. Dies wurde jedoch durch einen Sprecher der US-Regierung anschließend korrigiert. Der Güterverkehr zwischen Europa und den USA soll nicht beeinträchtigt werden. Die Märkte belastete zudem, dass nach den vollmundigen Ankündigungen Trumps zu Wochenbeginn nur wenig Konkretes von einem fiskalischen Stützungsprogramm in den USA zu hören ist. Die asiatischen Aktienmärkte haben aufgrund der negativen US-Vorgaben heute Morgen tief im Minus eröffnet. Auch der DAX befindet sich weiter im freien Fall und hat die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten am Donnerstagmorgen unterschritten.

++++++ EZB unter Druck ++++++

Die Europäische Zentralbank steht unter Druck. Der Coronavirus trübt die konjunkturellen Perspektiven und sorgt für Verunsicherung, teilweise sogar für Panik. Wirtschaftspolitisches Handeln ist jetzt gefordert, um der Konjunktur angesichts des teilweise zum Stillstand kommenden öffentlichen Lebens unter die Arme zu greifen. Koordinierte Maßnahmen im gemeinsamen Währungsraum sind erforderlich und werden auch von EZB-Präsidentin Christine Lagarde eingefordert. Kurzarbeitergeldregelungen sind hierzulande auf den Weg gebracht. Auch andere Länder haben Pläne. Sogar auf EU-Ebene gibt es Diskussionen über weitergehende Maßnahmen. Mögliche Instrumente der EZB sind allerdings nicht für einen punktuell genauen Einsatz in besonders betroffenen Regionen, Branchen und Unternehmen konzipiert. Christine Lagarde hat dennoch das volle Spektrum der geldpolitischen Instrumente ins Gespräch gebracht. Es ist davon auszugehen, dass die EZB den Einlagenzins um weitere 10 Basispunkte auf -0,60 % senken wird.

++++++ Alle Augen auf Italien ++++++

Im Zuge der Corona-Krise konnten Anleger italienische Staatsanleihen mit 7 % Rendite kaufen. Dank „whatever it takes“, einigen Reformen und dem Anlagenotstand sind die Renditen seitdem massiv gesunken. Nun ist Italien in Europa das Zentrum der Corona-Krise und steht damit vor neuen Herausforderungen. Die starken Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, das Verbot von Großveranstaltungen und weitere Maßnahmen werden die wirtschaftliche Entwicklung belasten. Die Märkte haben deutlich reagiert. Die zuvor negative Rendite für 2-jährige Staatsanleihen ist wieder positiv und liegt rund 50 Basispunkte höher als vor der verstärkten Ausbreitung des Virus vor zweieinhalb Wochen. Die 10-jährigen bieten etwa 30 Basispunkte mehr, so dass die Kurve ihren seit gut einem Jahr laufenden Trend zur Verflachung fortgesetzt hat. Um den Rezessionsrisiken entgegenzuwirken, plant die italienische Regierung ein Fiskalprogramm mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro.

++++++ Coronavirus mittlerweile als Pandemie eingestuft ++++++

Die Dramatik steigt! Die Welt befindet sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Pandemie. Die Abschottungsmaßnahmen werden verschärft: In Europa werden zunehmend Grenzen geschlossen und das öffentliche Leben lahmgelegt. In Italien werden gar fast sämtliche Geschäfte geschlossen. Präsident Trump verhängt ein vierwöchiges Einreiseverbot für Europäer, ausgenommen Briten. Immerhin rollen so langsam die Konjunktur-Rettungsmaßnahmen auch in Europa an. Richtig stark legte gestern Morgen die Bank of England vor: Die Leitzinsen wurden um 50 Basispunkte auf 0,25% gesenkt, ein neues Term Funding Scheme für Unternehmen wurde aufgelegt und der antizyklische Kapitalpuffer für Banken ausgesetzt. Zudem stellte der neue Schatzkanzler Sunak in seinem Budget 30 Milliarden Pfund an Notfallmitteln zur Verfügung, um die Wirtschaft zu unterstützen. In der Folge wird sich die Staatsverschuldung deutlich ausweiten. Die Zinskurve wurde daraufhin steiler, allerdings nicht sonderlich stark, denn als weitere Maßnahmen könnten später noch mehr Zinssenkungen und vor allem eine Aufstockung der Anleihekäufe folgen. In Italien hat Ministerpräsident Conte den Freibrief der EU-Kommission zur Defizitausweitung gerne aufgegriffen und das Konjunkturprogramm gleich auf 25 Milliarden Euro aufgebohrt. Bundeskanzlerin Merkel versprach endlich: „Wir tun, was notwendig ist“ und hält damit nicht mehr zwanghaft an der schwarzen Null fest. Am Freitag soll Wirtschaftsminister Altmaier die geplanten Maßnahmen vorstellen.

11. März

++++++ Erste Konjunkturpakete beschlossen, um die Wirtschaft zu unterstützen ++++++

Die Verunsicherung an den Kapitalmärkten sitzt tief. Gerüchte oder vereinzelte Meldungen über konjunkturelle Hilfspakete oder Unterstützungsmaßnahmen sowie deren Dementis reichen aus, um die Aktienmärkte im Prozentbereich nach oben oder unten zu bewegen. In der Hoffnung auf ein „großartiges“ Konjunkturpaket in den USA hatten europäische und US-Aktienmärkte gestern bis zu 4% Kurserholungen aufgebaut, diese im Tagesverlauf dann jedoch wieder verloren. Trump versprach nun entsprechende Verhandlungen mit dem Kongress für den heutigen Mittwoch. Dabei wurde angedeutet, dass die Maßnahmen neben kleinen Unternehmen auch die am stärksten betroffenen Arbeitnehmer ansprechen würden. Japan hat gestern bereits ein Konjunkturpaket über 8,5 Milliarden Euro beschlossen, mit dem vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen finanzielle Unterstützung eingeräumt wird. Auch betroffene Arbeitnehmer sollen Hilfen erhalten. Italien will heute ein Hilfspaket beschließen und hat dafür die Zusage der EU-Kommission erhalten, dass dies bei der Berechnung des Defizits ausgenommen würde. In Deutschland lassen Wirtschaftshilfen weiter auf sich warten. Lediglich ein kleines Päckchen zur Unterstützung der Gesundheitsmaßnahmen ist auf dem Weg. Die EU-Kommission schließlich bereitet einen Krisenfonds über 25 Milliarden Euro vor. Details über die damit geplanten Maßnahmen gibt es aber noch nicht.

10. März

++++++ Schleswig-Holstein untersagt Großveranstaltungen ++++++

Die Landesregierung Schleswig-Holsteins wird Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen wegen des Coronavirus untersagen. Dies hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Der Erlass wurde heute auf den Weg gebracht und gilt bis zum 10. April (Karfreitag). „Es ist eine vorübergehende Maßnahme“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther in einer Pressekonferenz. „Das ist ohne Zweifel eine Einschränkung. Sie ist aber wichtig. Wir schützen damit Menschen – insbesondere ältere Menschen, die ein höheres Infektionsrisiko haben“, sagte er.

++++++ Österreich stoppt Einreisen aus Italien ++++++

Österreich verhängt ab sofort einen Einreisestopp für aus Italien kommende Personen. Bundeskanzler Sebastian Kurz teilte mit, dass es oberstes Ziel sei, die Einschleppung der Erkrankung zu verhindern. Ausnahmen seien nur für Menschen mit ärztlichem Attest möglich.

++++++ Inflationsraten dürften weiter sinken ++++++

Die Sorgen vor einer globalen Rezession infolge der Corona-Pandemie und der Einbruch der Ölpreise sorgen für einen kräftigen Rückgang der Inflationserwartungen. Auch hier wurden historische Tiefs markiert. Das wiederum ruft nun die Zentralbanken auf den Plan. Mit Blick auf die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag wird auf eine Reduzierung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte auf -0,60 % spekuliert. Zudem könnte es gezielte Langfristtender geben, mit denen Geschäftsbanken klein- und mittelständische Unternehmen günstige Kredite verschaffen können. Die Möglichkeiten der EZB sind aber im Vergleich zu anderen Notenbanken begrenzt. Die amerikanische Notenbank Fed wird möglicherweise nicht auf die FOMC-Sitzung in der kommenden Woche warten, sondern erneut eine außerplanmäßige Zinssenkung vornehmen. Ob dies zu einer Beruhigung der Marktteilnehmer beitragen wird, bleibt abzuwarten. Zu groß sind derzeit die Sorgen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Ausbreitung. Viele Unternehmen schränken ihre Produktion ein, es gibt Lieferengpässe, Angebotslücken sowie Nachfragerückgänge.

+++++ Reisebeschränkungen nun in ganz Italien ++++++

Heute Morgen gibt es leichte Erholungssignale an den Aktienmärkten in Asien. Auch der S&P 500-Future legt wieder um gut 3 % zu. Dementsprechend sind die Renditen von US-Treasuries wieder ein gutes Stück angestiegen. Während die Anzahl der Neuinfektionen in China weiter nachgeben, verschärft sich die Lage in Italien. Dort wurden die Reisebeschränkungen auf das ganze Land ausgeweitet. Schulen, Kindergärten und Universitäten bleiben dort bis mindestens Anfang April geschlossen, zusätzlich wurden alle Sportevents abgesagt. Das betrifft u.a. auch die Fußball-Spiele der italienischen Ersten Liga, der Serie A.

++++++ DAX mit höchstem Tagesverlust seit 2001 ++++++

Schwarzer Montag, Panik, Drama oder um es mit den Worten der jüngeren Generation zu sagen: „Epic Fail“. Mit diesen Begriffen wird versucht, die gestrigen Marktbewegungen zu beschreiben. Es ist zu einem regelrechten Börsenbeben gekommen. Die internationalen Aktienmärkte haben massive Kursverluste erlitten, ebenso der US-Dollar. Der Dax weist mit -7,8 % den höchsten Fall seit September 2001 aus, der S&P 500 Index musste sogar kurz nach Eröffnung wegen zu hoher Verluste jenseits von 7 % eine Handelspause einlegen. Am Ende schloss er mit -7,6 %. Gefragt waren hingegen sichere Anlagehäfen, z.B. US-Treasuries oder Bundesanleihen. Die Rendite 10-jähriger US-Anleihen ist kurzzeitig auf ein neues Allzeittief bei 0,31 % gefallen, konnte sich später aber wieder oberhalb der Marke von 0,50 % stabilisieren. Zehnjährige Bundesrenditen haben bei -0,91 % ein neues historisches Tief markiert. Panik-Profiteure sind unter anderem der Schweizer Franken, der Yen und auch der Euro, der mit knapp 1,15 USD das höchste Niveau seit gut einem Jahr erreicht hat.

09. März

++++++ Märkte bleiben von Verunsicherung geprägt ++++++

Die Angst vor dem Coronavirus beherrscht das Geschehen an den Finanzmärkten weiter. Das führt zu einem Abverkauf bei Aktien und einer hohen Nachfrage nach Safe-Haven-Assets. Die Rendite 10-jähriger Treasuries sinkt auf ein historisches Tief unterhalb von 0,50 %, Bundesanleihen rentieren tief im negativen Bereich. Auch Gold und Euro profitieren, noch mehr aber Yen und Franken. Die Verunsicherung ist hoch. Die Perspektiven für Konjunktur und Märkte sind schwer abzuschätzen, zumal jetzt noch die Ölpreise kräftig fallen, nachdem sich die Opec und Russland nicht auf eine Förderkürzung einigen konnten. Vor allem besteht Unsicherheit darüber, welche Folgen die seit Februar unterbrochenen Lieferketten aus China haben werden.

++++++ Dramatische Entwicklung in Italien ++++++

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, hat die italienische Regierung zu drastischen Maßnahmen gegriffen: In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde über große Gebiete im Norden eine Quarantäne verhängt. Dazu gehört unter anderem die Lombardei mit der Metropole Mailand sowie die Touristenhochburg Venedig. Insgesamt sind 16 Millionen Menschen betroffen. Die Regionen sind die wirtschaftliche Herzkammer Italiens. Betreten und Verlassen der Regionen ist nur noch aus wichtigen Gründen erlaubt. Das öffentliche Leben ruht.

06. März

++++++ Goldpreis auf Rekordhoch ++++++

Im Zuge der Auswirkungen durch den Coronavirus ist der Goldpreis auf den höchsten Stand seit 2013 geklettert. Aufgrund des Einbruchs an den Aktienmärkten und dem starken Rückgang der Renditen an vielen Anleihemärkten setzen Anleger verstärkt auf das Edelmetall. Am Freitagmorgen schoss der Goldpreis auf 1.690 US-Dollar je Feinzunze.

++++++ Hohe Umsatzeinbußen bei Fluggesellschaften durch Corona ++++++

Die International Air Transport Association (IATA) rechnet damit, dass die die internationalen Fluggesellschaften aufgrund der Flugausfälle durch den Coronavirus in diesem Jahr zwischen 63 Mrd. US-Dollar und 110 Mrd. US-Dollar an Umsatzausfällen erleiden werden, abhängig vom Ausmaß der Krankheitsentwicklung. Im letzten Fall wären das ca. 19 % der Umsätze von 2019 und entspräche in etwa dem Einbruch von 2009. Vor zwei Wochen lagen die Schätzungen der Umsatzeinbußen noch bei 30 Mrd. US-Dollar. Zusammen mit dem gestrigen Bankrott der britischen Fluglinie Flybe nehmen die Kreditsorgen deutlich zu. Experten der Deka halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Regierungen den wichtigen Fluggesellschaften (Lufthansa, Air France KLM etc.) gezielt zu Hilfe kommen, um deren Liquidität aufrechtzuerhalten.

++++++ Sinkende Neuinfektionen in China, steigende in Südkorea und Italien ++++++

Noch immer ist der Coronavirus das Top-Thema an den Finanzmärkten. Während in China die Neuinfektionszahlen auf niedrigem Niveau angekommen sind – zuletzt wurden nur 100 bis 200 Neuinfizierte pro Tag gemeldet – steigen die Zahlen in Südkorea, in Italien und im Iran kräftig an. Das hat massive Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Italien: Alle Schulen und Universitäten im Land wurden geschlossen. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat unterdessen den Notstand ausgerufen. Demgegenüber gibt es Berichte in China, wonach die Produktionen allmählich wieder angefahren werden. Bis zur Rückkehr zur Normalität dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Angesichts dessen verwundert es, dass der CSI300 (chinesischer A-Aktienindex) ein Zweijahreshoch markieren konnte, wohingegen die Indizes in Europa und den USA ungeachtet der jüngsten Erholungen auf niedrigen Niveaus liegen und Zinssenkungserwartungen sehr weit gediehen sind. Die Notenbanken stehen unter Druck.

05. März

++++++ USA und IWF stellen Notfallkredite bereit ++++++

Nach der Entscheidung des US-Repräsentantenhauses, 7,8 Mrd. US-Dollar Notfallfinanzierung für Ausgaben, die mit dem Coronavirus zusammenhängen, bereitzustellen, dürften andere Länder diesem Beispiel folgen. Der IWF spricht von einem Kreditpaket in Höhe von 50 Mrd. US-Dollar, aus dem 10 Mrd. Entwicklungsländer zu 0 % erhalten können. Auch wenn unklar ist, ob diese Schritte helfen, die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 abzumildern, dürften sie zusammen mit den geldpolitischen Schritten die Risikomärkte zunächst unterstützen. Obwohl mit der Schließung der Schulen in Italien inzwischen auch in Europa drastische Maßnahmen ergriffen werden, geht die Risikowahrnehmung zurück.

++++++ Hohe Erwartungen an die Zentralbanken ++++++

Die Europäische Zentralbank steht aktuell im Mittelpunkt des Interesses. Mit Spannung wird die Sitzung des Zentralbankrates in der nächsten Woche erwartet. Von einer Notfall-Aktivität ist allerdings nicht auszugehen, der ideale Zeitpunkt dafür wäre bereits am Dienstag nach der G7-Telefonkonferenz gewesen. Marktseitig wird mit weiteren Zinssenkungen der Fed und einem Schritt der EZB im Verlauf des Monats gerechnet. Zudem spekulieren Marktteilnehmer darauf, dass das monatliche Anleihekaufvolumen um 20 auf 40 Mrd. EUR ausgeweitet wird. Zusätzlich wird darauf gesetzt, dass günstige Langfristtender eingesetzt werden, mit denen Banken ihre Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen ausweiten können, die mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen haben. Die Erwartungen an die Zentralbanken sind hoch und es dürfte immer schwerer fallen, diese zu erfüllen.

04. März

++++++ EU aktiviert Krisenmodus ++++++

Aufgrund der sich weiterhin ausbreitenden Corona-Epidemie hat die EU gestern den Krisen-Modus, die sogenannte „integrierte politische Krisenreaktion“, aktiviert. Damit sollen Entscheidungen zur Bekämpfung des Virus deutlich schneller umgesetzt werden können. Auch Dritte wie z.B. Großbritannien, das vor kurzem die EU verlassen hat, aber auch Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) können leichter eingebunden werden.

++++++ Trotz Zinssenkung der Fed angespannte Stimmung an den Aktienmärkten ++++++

Die Reaktion von Aktien auf die Zinssenkung der Fed war verhalten. US-Indizes schlossen sogar im Minus, was einem Misstrauensvotum gegen die Fed gleichkommt. Offensichtlich zweifeln die Märkte an, dass mittels Zinssenkungen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus bekämpft werden können. Gleichzeitig erweckt der Schritt den Eindruck, dass die Fed politischem Druck nachgibt. Neben der Fed zeigten sich die Märkte auch vom G7-Statement enttäuscht, denn es ist offensichtlich, dass die G20 und nicht die G7 das richtige Forum bei der Bekämpfung einer globalen Krise sind. Weiter steigende Ansteckungszahlen und Todesfälle lassen die Stimmung an den Aktienmärkten auch weiterhin fragil erscheinen. Der scharfe Rückgang des chinesischen Caixin- Dienstleistungs-PMI (Feb.) heute Morgen unterstreicht, dass der Weg der chinesischen Wirtschaft zurück in die Normalität lang und steinig ist und dass in den USA und der Eurozone Einbrüche der Stimmungsindikatoren folgen dürften.

++++++ Amerikanische Notenbank senkt Leitzins ++++++

Der Coronavirus und seine wirtschaftlichen Folgen ist weiterhin das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Gestern waren sich die G7-Finanzminister und -Notenbankchefs nach ihrer Tagung einig, bei Bedarf mit fiskalischen Stimuli dem Konjunkturabschwung entgegenzuwirken. Konkrete Beschlüsse wurden jedoch nicht gefasst. Die amerikanische Notenbank Fed zeigte sich dagegen entschlossener und senkte in einer Notfall-Sitzung des Offenmarktausschusses das Leitzinsband um 50 Basispunkte auf 1,00 – 1,25 %. Die Entscheidung darüber fiel einstimmig. Gleichzeitig wurde darauf verwiesen, dass weitere Lockerungsmaßnahmen möglich sind. Somit steigt der Druck auf andere Notenbanken, ebenfalls geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen. Entsprechend sind die Zinssenkungserwartungen bezüglich der EZB gestiegen, in der nächsten Woche den Einlagenzins zu senken.

03. März

++++++ OECD warnt vor Halbierung des weltweiten BIP-Wachstums ++++++

Die OECD warnt davor, dass sich das Wachstum des Welt-BIPs halbieren könnte, sollte es nicht zu einer Verlangsamung bei der Ausbreitung des Coronavirus kommen. Nach der bisherigen Wachstumsprognose in Höhe von 2,9% rechnen die Experten für diesen Fall nur noch mit 1,5%. Grund sind vor allem die gestörten Lieferketten, die Auswirkungen auf Rohstoffe und der Rückgang im Tourismus. Aktuell zeigt sich außerhalb von China noch keine deutliche Verlangsamung der Ansteckungszahlen. In China hat sich die Situation zuletzt weiter entspannt.

02. März

++++++ Unmittelbare Auswirkungen auf jedes dritte Unternehmen ++++++

Investoren dürften sich auf eine Flut an Gewinnwarnungen vorbereiten. Nach einer Blitzumfrage der IHK Arnsberg unter 750 Unternehmen meldete fast jeder dritte Betrieb unmittelbare Auswirkungen auf das Geschäft durch den Coronavirus. Die Unterbrechung der Lieferketten und die damit einhergehenden Zulieferengpässe sowie das Aufschieben nicht-dringender Ausgaben von Unternehmen und Konsumenten könnte im Jahresverlauf zu einer Rezession in Deutschland und im Euroraum führen.

++++++ DAX: Leichte Erholung in Sicht ++++++

Die immer deutlich zu Tage tretenden Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen durch den Coronavirus sorgten in der vergangenen Woche zu einem sehr deutlich ausgeprägten Kursverlust an den weltweiten Aktienmärkten. Der DAX verbuchte mit einem Abschlag in Höhe von 12,44 Prozent auf 11.890,35 Zähler den größten Wochenverlust seit der Finanzkrise im Jahr 2009. Der Dow musste am Donnerstag den größten Intraday-Kursrutsch aller Zeiten hinnehmen. Angesichts der großen Dynamik, mit welcher die Kursabschläge vollzogen werden, liegt die Vermutung nahe, dass die Märkte wohl zu lange zu sorglos mit den Corona-Gefahren umgegangen sind. Auch sollten die Auswirkungen, welche im Zusammenhang mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China bereits vor dem Virusausbruch augenscheinlich wurden, nicht vergessen werden. In dieser Woche wird Corona erneut den Ton angeben. Sollte sich der leichte Trend, dass sich die Infektions- und Todesfallzahlen in China abschwächen, fortsetzen und es auch außerhalb Chinas zu einer moderaten Entwicklung kommt, wäre die Basis für eine temporäre Erholung des Marktes vorhanden.

28. Februar

++++++ Schweiz sagt Großveranstaltungen ab ++++++

In der Schweiz sind aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus alle Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen abgesagt worden. Das betrifft z.B. Fußballspiele, Konzerte, aber auch den Genfer Autosalon, der in der nächsten Woche beginnen sollte. Das Verbot gilt zunächst bis zum 15. März. In Deutschland berät der Krisenstab aktuell über ähnliche Maßnahmen. Möglicherweise könnte auch die weltweit größte Tourismusmesse, die Internationale Tourismus-Börse in Berlin, abgesagt werden.

++++++ Furcht vor globaler Rezession nimmt zu ++++++

Der scharfe Anstieg der Corona-Neuansteckungen in Korea, weitere Fälle in Europa sowie die Nachricht von Fällen in Afrika schüren die Sorgen vor einer globalen Pandemie. Die Erwartungen eines allgemeinen Angebotsschocks für die Weltwirtschaft aufgrund der gestörten Lieferketten in Kombination mit Konsumschwäche lassen Wachstumsprognosen einbrechen. Ähnlich wie 2009 wird an den Märkten das Thema „globale Rezession“ gespielt. Die deutsche Bundesregierung hält sich zwar mit ihren Plänen für Unternehmen weiter zurück, doch dürften angesichts des Angebotsschocks vor allem gezielte Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen in Frage kommen. Nur so kann ein Übergreifen der Krise auf die Kreditportfolios der Banken vermieden werden. Sollte dies nicht gelingen, würde sich der wirtschaftliche Schock signifikant verstärken.

++++++ DAX: Abwärtsspirale dreht sich immer schneller ++++++

Die Märkte stehen weiter im Zeichen des Coronavirus und dessen Auswirkungen. Zuletzt kletterten die Infektions- und Todesfallzahlen weiter, v.a. traten verstärkt Fälle außerhalb Chinas auf wie z.B. in den USA, Iran, Irak oder Neuseeland. Auch in Deutschland ist die Tendenz steigend. Entsprechend nimmt die Sorge vor den daraus entstehenden Folgen zu. Auch die EZB hat sich zu Corona geäußert. Dort ist man der Meinung, dass es noch zu früh sei, die wirtschaftlichen Folgen des Virus abzuschätzen, allerdings würden diese aber gravierender sein, als dies bei SARS der Fall war, hieß es. Nach Angaben der EZB stellt eine Coronavirus-Epidemie ein größeres Risiko für die Konjunktur dar, falls die Lungenkrankheit länger anhalten sollte. Chinas Zentralbank kündigte währenddessen weitere Unterstützung für die Wirtschaft an, um die Folgen des Coronavirus abzumildern. Jedoch zeigte man sich in China auch optimistisch, dass die Probleme, die ausländische Firmen bei der Wiederaufnahme der Produktion haben, bald gelöst sein könnten. Mit den Kursverlusten von gestern hat sich das Chartbild des DAX weiter eingetrübt, insbesondere nachdem die vielbeachtete 200-Tagelinie erstmals seit dem 23. August 2019 wieder auf Schlusskursbasis unterschritten wurde. In den USA verbuchte der Dow Jones gestern den historisch größten Tagesverlust.

27. Februar

++++++ Wirtschaftliche Folgen des Coronavirus schwer kalkulierbar ++++++

Die Sorgen um die Auswirkungen des Coronavirus haben die Börsen weltweit fest im Griff. Der DAX baute gestern seine am 20. Februar begonnene Verluststrecke aus und markierte bei 12.368 Zählern das Tagestief. Bezogen darauf gab der DAX in den letzten fünf Handelstagen über 1.400 Punkte ab. Anderen Aktienmärkten ergeht es kaum besser, der Dow Jones verbuchte den größten zwei-Tage-Abschlag seit August 2015. Etwas moderater ging es an den chinesischen Aktienmärkten zu. Das kann damit begründet werden, dass auf der einen Seite die Notenbank dem Markt weitere Liquidität zur Verfügung stellte und auf der anderen Seite Leerverkäufe verboten wurden. Der Verkauf größerer Aktienpakete muss bei den Behörden angemeldet werden.

Nachrichtenseitig scheint sich das Bild etwas aufzuhellen. So sieht z.B. der Luxushersteller Hermes in China Anzeichen für eine Rückkehr zur Normalität. Man sei in der Lage, Geschäfte wieder zu öffnen, hieß es zur Begründung. Für Unternehmen bleiben die Folgen des Coronavirus aber schwer kalkulierbar. So teilte die Lufthansa mit, dass die zu erwartende Ergebnisbelastung aktuell noch nicht abschätzbar wäre.

Heute wird der DAX mit deutlichen Kursverlusten in den Handel starten. Neue Coronavirus-Fälle, u.a. in den USA, sowie die schwachen Vorgaben von den asiatischen Börsen drücken auf die Stimmung.

++++++ Wirtschaftliche Stimmung trübt sich ein ++++++

Die Angst vor einer Corona-Pandemie dürfte die kommenden wirtschaftlichen Stimmungsbarometer beeinflussen. Am Wochenende sind bereits die chinesischen Einkaufsmanagerindizes des zu Ende gehenden Monats zu beachten. Aufgrund der wochenlangen Beeinträchtigung des Geschäftslebens ist mit kräftigen Abschlägen zu rechnen. Hierzulande sind mit den steigenden Renten- und fallenden Aktienkursen auch die Zins- und Inflationserwartungen weiter gesunken.

++++++ Stichwort Urlaub: Viele denken über Reiserücktritt nach ++++++

Sie haben eine Reise gebucht und möchten diese auf Grund der aktuellen Lage nicht mehr antreten? Haben Sie eigentlich Anspruch auf eine Erstattung? Grundsätzlich gilt: Nein! Der Coronavirus, bzw. eine Pandemie ist zunächst erstmal kein versichertes Ereignis. Wenn es Reisewarnungen für bestimmte Gebiete gibt, tritt maximal der Reiseveranstalter ein.
Eine Ausnahme könnte eine Quarantäneregelung sein. In jedem Fall sollten Sie zeitnah Kontakt zu Ihrer Versicherung und Ihrem Reiseveranstalter aufnehmen und Ihre individuelle Situation entsprechend schildern.

26. Februar

++++++ Umgang mit Epidemien: Singapur als Vorbild ++++++

Wie man auf die Ausbreitung eines solchen Virus reagiert, macht aktuell der Stadtstaat Singapur vor. Das Gesundheitssystem ist dort seit der letzten Sars-Epidemie im Jahr 2003 bestens gerüstet. Es gilt daher als Testfall, ob die Eindämmung eines solchen Virus überhaupt gelingen kann. Die Infektionsketten aller bislang bekannten 89 Corona-Fälle seit Ende Januar werden genauestens analysiert. An Orten des öffentlichen Lebens, wie Restaurants oder Cafés, müssen Gäste ihre Adressdaten hinterlassen. So können Kontaktpersonen von Infizierten direkt untersucht werden. Darüber hinaus stehen überall Körpertemperaturmessgeräte zur Frühwarnung. Mit diesen Maßnahmen konnte die Anzahl von Neuinfektionen bislang im Zaum gehalten werden.

++++++ Unternehmen ergreifen Vorsichtsmaßnahmen ++++++

Die von Seiten der Bevölkerung und von Unternehmen auch ohne Anordnung der Behörden ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen werden sich in jedem Fall negativ auf die Wirtschaftsaktivitäten in der Eurozone auswirken. Geld- und Fiskalpolitik haben kaum Möglichkeiten gegenzusteuern. In Hong Kong plant die Regierung beispielsweise, die Wirtschaft mit 15 Mrd. USD zusätzlichen Ausgaben zu stützen, wovon jeder Erwachsene 1.300 US-Dollar direkt erhält (eine Form von Helikoptergeld). Aufgrund der schon sehr niedrigen Zinsen sind die Möglichkeiten für weitere geldpolitische Lockerungen der EZB begrenzt.

++++++ Virus breitet sich weiter aus ++++++

Die Ausbreitung im Mittleren Osten beschleunigt sich. Die Beschränkungen im Flugverkehr mit dem Iran dürften daher leider zu spät kommen. Angesichts der zentralen Rolle der Golf-Airlines im globalen Reiseverkehr dürfte das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Krankheit in Richtung Afrika, aber auch Indien und die Türkei zunehmen. Nach den neuen Ansteckungen in Europa warnt auch in den USA das Centers of Disease Control vor einer Ausbreitung. Eine Ansteckungswelle in den USA könnte Einfluss auf die Wahlen im November haben.

2 KOMMENTARE

  1. Frage: wie sieht es mit weniger Gebühren z.B. beim Konto, bei Zinsen/Überziehungszinsen oder bei Überweisungen und Krediten für Einzelhänler für Ihre Kunden aus? Gibt es da Ermäßigungen oder bleibt alles beim Alten im Rahmen von Corona-Pandemie?
    Mit freundlichen Grüßen und Bitte um Beantwortung.
    Katrin Steen

    • Hallo Frau Steen,
      danke für Ihren Kommentar. Natürlich stehen wir mit unseren Geschäftskunden in Kontakt und kennen die Ängste und Sorgen in dieser besonderen Situation. Derzeit laufen die angekündigten Hilfsprogramme wie das Kreditprogramm der KfW an. Wie betroffene Unternehmen an diese Hilfen kommen, darüber werden wir in Kürze hier im Blog informieren. Sollten Sie dringenden Gesprächsbedarf haben, wenden Sie sich gerne an Ihre/n Berater/in.

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