Kein Ende der Negativzinsen in Sicht?

Ein Kommentar des LBBW Chefvolkswirts Uwe Burkert

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Neulich war es mal wieder so weit. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist unter die Marke von 0% gesunken. Zuletzt lag sie bei -0,03%. Das zog die Aufmerksamkeit der Medien auf sich.

Wenn man weiß, dass zuvor schon alle Laufzeiten bis einschließlich neun Jahren eine negative Rendite boten, war es aus Investorensicht aber fast schon egal. Warum die Zinsen so niedrig sind, ist umstritten. Drei Theorien werden angeboten.

Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research LBBW

Erstens soll infolge der Alterung in den Industrieländern deren Potentialwachstum soweit gesunken sein, dass der „natürliche Zins“ unter null gefallen ist. Zweitens wird behauptet, dass eine weltweite Flut von Ersparnissen zum Renditerutsch führt. Sparer sind die zahlreichen „Babyboomer“, die kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand noch Ersparnisse aufbauen sowie die asiatischen Tigerstaaten, die mit hohen Sparquoten und Leistungsbilanzüberschüssen die Renditen drücken. Drittens gibt es die These der „Finanziellen Repression“: Demnach haben die Notenbanken den Daumen auf ihren Leitzinsen, um die hochverschuldeten Industriestaaten nicht durch einen Zinsanstieg ins Wanken geraten zu lassen.

Keine Trendwende in Sicht

Jede der drei Theorien hat etwas für sich, aber keine ist letztlich völlig befriedigend. Besteht denn wenigstens die Hoffnung, dass die Renditen bald wieder deutlich steigen? Nein, denn der Trend zeigt aktuell eher wieder abwärts. Die EZB hat zaghafte Bemühungen um höhere Leitzinsen zunächst beendet und angesichts steigender Konjunkturrisiken „frisches Geld“ für die Banken in Aussicht gestellt. Die US-Notenbank hat erklärt, ihren Leitzins zunächst nicht weiter anheben zu wollen, am Markt werden für die USA sogar schon Leitzinssenkungen eingepreist.

Womit ist nun zu rechnen, was ist zu tun?

Das billige Geld hat bislang zu keinen Exzessen an den Vermögensmärkten geführt. Zwar sind Immobilien in Deutschland inzwischen ambitioniert bewertet. Aber wilde Übertreibungen lassen sich nicht ausmachen. Am Aktienmarkt ist der DAX seit 2015 unter Schwankungen seitwärts gelaufen und befindet sich derzeit im Einklang mit den Ertragserwartungen der Unternehmen.

Teuer sind Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Wer Zinserträge möchte, muss auf schlechtere Bonitäten ausweichen. Eine Sorge habe ich dennoch: Die EZB könnte ähnlich wie in Japan das niedrige Leitzinsniveau auf Jahre hinaus fixieren, vielleicht gar versuchen, es weiter zu senken. Zu diesem Zweck müsste sie Bargeld unattraktiv machen, etwa durch eine Strafgebühr für den Umtausch von Sichteinlagen in Bargeld. Solche Pläne werden unter Forschern diskutiert, stoßen aber in der EZB auf Ablehnung. Hoffen wir, dass es dabei bleibt.

(Bitte beachten Sie zu diesem Text die rechtlichen Hinweise hier.)

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