Anlegerfrage der Woche

jeden Mittwoch* in den Kieler Nachrichten sowie anschließend hier im Blog

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Anlegerfrage

Was sich hinter Begriffen wie Aktien, Fonds und Staatsanleihen verbirgt, erklären wir Ihnen fortlaufend in diesem Blogbeitrag. Doch beim Versuch, diese Fachtermini zu verstehen, kommen häufig Fragen auf. Genau diese individuellen oder auch ganz allgemeinen Fragen rund ums Thema Wertpapiere möchten wir Ihnen hier wöchentlich beantworten: Bei der Anlegerfrage der Woche. Zudem stellen wir Ihnen die Anlagespezialistinnen und Anlagespezialisten der Förde Sparkasse in unserem Geschäftsgebiet vor.

Sie haben noch mehr Fragen? Unsere Beraterinnen und Berater in den Filialen helfen Ihnen gern weiter. Vereinbaren Sie dazu am besten einen Termin.


1. KW 50: Börsenplätze – Was sind sie und wie unterscheiden sie sich?

Anlegerfrage

Sie haben Namen wie Xetra, Euwax oder NYSE – allesamt Bezeichnungen für unterschiedliche Börsenplätze weltweit. So steht Xetra etwa für den elektronischen Börsenplatz in Frankfurt, Euwax ist die Derivatebörse, an der beispielsweise Optionen und Futures in Stuttgart gehandelt werden, und der New Yorker Börsenplatz wird mit NYSE abgekürzt.

Alle Börsenplätze haben eine Gemeinsamkeit: Sie funktionieren nach dem Prinzip und der Ordnung eines Marktplatz, sprich es wird gehandelt. Der Börsenplatz ist dabei lediglich der Ort, an dem Angebot und Nachfrage zusammen kommen. Anders als auf einem klassischen
Marktplatz werden hier aber nicht Obst und Gemüse verkauft und gekauft, sondern Wertpapiere. Händler bieten beispielsweise Aktien zum Verkauf an, die Käufer wiederum suchen. Der Börsenplatz dient primär der Funktion der Preisfindung. Sparer, die sich entscheiden, selbst Aktien zu kaufen, können sich die Marktplätze auswählen. Hier gibt es Unterschiede, etwa bei Gebühren für den Kauf und Verkauf von Aktien. Bei Fonds treffen die Profis die Auswahl und entscheiden, welcher Börsenplatz der beste und günstige zugleich ist.

Was unterscheidet nun Börsenplätze wie New York, Frankfurt oder Stuttgart? Auch das ist einfach mit dem Bild des klassischen Marktplatzes erklärt: Auf unterschiedlichen Märkten werden verschiedene Produkte angeboten, während Basis-Produkte wie Eier und Brot eigentlich auf allen zu finden sind. So verhält es sich auch bei den Börsenplätzen. Aktien von weltweit gelisteten Konzernen können auf fast allen Börsen gehandelt werden. Einzelne Börsen haben sich auf einzelne Anlageklassen spezialisiert, etwa wie die Börse Stuttgart auf mittelständische Unternehmen oder Derivate. Dann gibt es noch regionale Unterschiede, eben wie auch bei dem klassischen Marktplatz. Bei einem Börsenplatz in Asien sind Unternehmen aus der dortigen Region gelistet, die hingegen auf einem europäischen Börsenplatz schwieriger zu finden sind.

2. KW 49: Was steckt hinter der Realzinsfalle und welche Konsequenzen hat sie für mich?

Anlegerfrage

Das Sparschwein ist ein treuer Begleiter wahrscheinlich eines jeden von uns gewesen. War doch das Geld darin und auf dem dazugehörigen Sparbuch gut aufgehoben. Infolge der Finanzkrise hat sich die Situation für Sparer verändert: Nun gibt es auf dem Sparbuch keine nennenswerten Zinsen mehr, das Ersparte wächst nicht automatisch, sondern es bleibt gleich. Aber das ist nicht ganz richtig, denn die Inflation ist zurück. Sie nagt an den Guthaben und lässt die Ersparnisse schrumpfen. Für die gleiche Summe an Ersparnissen kann in einem Jahr also weniger gekauft werden als heute. Aktuell liegt die Inflationsrate bei 1,5 bis 2 Prozent. Ihr stehen keine Zinsen gegenüber, die das abfedern können. Real fallen so negative Erträge an. Der Geldwert sinkt also, je länger das Geld dort liegt.

Die Volkswirte der Deka rechnen auch nicht damit, dass die Zinsen in den nächsten fünf Jahren wieder spürbar steigen werden. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die aktuelle Inflationsrate ist der Realzins daher bei einigen Anlageformen negativ und es wird es demnach auch noch einige Zeit bleiben. In diesem Fall sprechen die Volkswirte von einer Realzinsfalle. Was also tun? Die Form des Sparens sollte ändern, wer sein Guthaben nicht von Niedrigzins und Inflation schmelzen lassen möchte. Denn eine positive reale Rendite lässt sich mit klassischen Sparprodukten nicht mehr erzielen. Da diese für das Erreichen von langfristigen Zielen wichtig sind, werden Anleger auch in Zukunft nicht um Wertpapiere herum kommen.

Um Wertschwankungen dabei in gewissem Maße entgegenzuwirken, empfehlen sich eine breite Streuung der Anlagen sowie das regelmäßige Sparen. Denn durch regelmäßige Einzahlungen werden bei höheren Kursen weniger und bei niedrigeren Kursen mehr Anteile erworben – hier spricht man vom Cost-Average-Effekt. Über den richtigen Zeitpunkt der Anlage muss man sich daher keine Gedanken machen.

3. KW 48: Was kann ich gegen die im Alter drohende Vorsorgelücke tun?

Anlegerfrage

Alljährlich flattert die Renteninformation ins Haus. Jedoch findet der graue Brief kaum Beachtung. Woran liegt das? Die Rente ist noch weit weg, was muss ich mich heute schon darum kümmern? Oder: Wird ja eh noch steigen! Aber ist die gesetzliche Rente ausreichend? Sie ist zwar der größte, aber nur ein Baustein unter mehreren und wird alleine nicht ausreichen, um den Lebensstandard zu halten. Eine Renten- oder Versorgungslücke entsteht dann, wenn man nach Renteneintritt finanziell weniger zum Leben hat als man braucht. Dabei sind Steuern und Versicherungen zu berücksichtigen.

Sich um seine Finanzen zu kümmern, zählt jedoch nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen der meisten Deutschen. Wenn es aber darum geht, die Weichen für ein finanzielles Auskommen im Ruhestand zu stellen, sollte dies niemand lange vor sich herschieben. Eine Möglichkeit vorzusorgen ist der Fondssparplan. Damit können Sparer mit wenig Aufwand ein Finanzpolster für später aufbauen und langfristig die Chancen der Kapitalmärkte nutzen.

Vor allem in der aktuellen Niedrigzinsphase können Fondssparpläne ein flexibles Instrument zur finanziellen Sicherung des Ruhestands sein. Dabei ist es möglich, die Höhe der Einzahlungen zu variieren – für Jüngere heißt das, dass auch geringe Sparbeiträge ausreichen, um über die Jahre ein finanzielles Polster aufzubauen. Ältere hingegen könnten einen höheren Betrag einzahlen und so die Chancen des Sparplanes nutzen. Dabei gilt zu beachten: Der Kapitalmarkt bietet nicht nur Chancen, es kann auch zu Verlusten kommen. Dieses Risiko kann jedoch durch den langfristigen Sparhorizont an Bedeutung verlieren. Denn grundsätzlich gilt: Je länger die Spardauer, desto weniger schwankt die langfristige Rendite eines Sparplans.

4. KW 47: Ich habe gelesen, dass die Indizes der Deutschen Börse neu geordnet wurden. Was genau bedeutet das?

Anlegerfrage

Die Neuordnung der Indizes durch die Deutsche Börse Ende September führte zu erheblichen Veränderungen in der Indexzusammensetzung. Die DAX-Familie wurde teilweise recht ordentlich durchgemischt. Dies gilt vor allem für den MDax, der um zehn Titel erweitert wurde sowie dem SDAX, der eine Aufstockung um 20 Titel erfuhr. Beide Indizes sind nun außerdem technologielastiger. Der TecDAX bleibt eine Art Branchenindex, erhielt aber schwergewichtige DAX30 Titel dazu.

Bisher hatte die Deutsche Börse in Frankfurt die Welten der Technologie- und Standard-Aktien in ihren Indizes recht streng getrennt. Das hat nun ein Ende, denn seit der Neuordnung ist der TecDAX ein richtiges Familienmitglied im Kreis der Deutschen Börse. Durch die Aufnahme von Großkonzernen wird auch die Vergleichbarkeit des TecDax mit dem US-Pendant Nasdaq einfacher. Dieser zieht mit Titeln wie Apple, Amazon und Microsoft die Aufmerksamkeit von Investoren aus der ganzen Welt auf sich.

Einen Wechsel gab es zudem im Leitindex DAX, der sich aus den 30 Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung zusammensetzt: Aufgenommen wurden die Aktien der Wirecard AG, sie ersetzen die Aktien der Commerzbank AG. Mit Wirecard kommt ein Finanz- und Technologie-Dienstleister aus der neuen Fin-Tech-Welt in die erste Liga, gleichzeitig steigt eine klassische Universalbank in den MDAX ab. Für Anleger gilt: Wer am Erfolg börsennotierter Unternehmen teilhaben möchte, sollte nicht nur auf die Mitgliedschaft in Indizes achten. Erst die richtige Mischung bringt die passende Chance/Risiko-Verteilung.

5. KW 46: Nachhaltigkeit und Rendite – passt das überhaupt zusammen?

Anlegerfrage

Natürlich! Wer auch bei der Geldanlage hohe ethische und ökologische Maßstäbe anlegt, muss nicht auf Rendite verzichten. Klare Richtlinien sorgen dafür, dass Waffen, Atomkraft oder Kinderarbeit in Nachhaltigkeitsfonds keine Chance haben.

Wer beim Eis auf Vanille schwört, will nicht mit künstlichen Aromen abgespeist werden. Doch es ist nicht einfach, die wachsende Nachfrage zu bedienen. Diese Umstände brachten den Duftstoffhersteller Symrise auf eine Idee: Das Unternehmen schloss direkt vor Ort in Madagaskar Partnerschaften mit Kleinbauern, die Vanille anbauen. So kann das Unternehmen den Absatz steigern und zugleich an Reputation gewinnen. Denn in dem Entwicklungsland engagiert sich Symrise inzwischen seit Jahren für bessere Lebensbedingungen und eine modernere, nachhaltige Landwirtschaft.

Das Beispiel zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften und Rendite kein Widerspruch sind. So suchen die Fondsmanager der Deka nach Aktiengesellschaften, die Wert auf sozial verantwortliches und umweltverträgliches Handeln legen.

Es gibt also gute Gründe, sich für Nachhaltigkeit zu entscheiden – und viele Möglichkeiten: Für Anleger, die ihr Investment besonders breit streuen möchten, könnte ein Dachfonds eine Möglichkeit sein. Solche Fonds investieren beispielsweise in eine ganze Palette an nachhaltigen Fonds. Gut möglich, dass die Liste der Alternativen noch länger wird, wenn das Interesse der Anleger weiter wächst. Und wer weiß, vielleicht erübrigt sich irgendwann die Aufzählung – weil dann Nachhaltigkeit in der Geldanlage Standard ist.

6. KW 45: Was versteht man unter dem Begriff Dividende?

Anlegerfrage

Erwirtschaftet ein Unternehmen einen Gewinn, kann es sich überlegen, was damit geschehen soll. Wie mit dem Bilanzgewinn einer Aktiengesellschaft (AG) verfahren wird, regelt u.a. das Aktiengesetz. Bei Aktiengesellschaften entscheidet das die Hauptversammlung (HV), also die Mitgliederversammlung der Firma, auf Anraten des Vorstands und des Aufsichtsrats. Die Gesellschaft kann z.B. beschließen, den Gewinn oder einen Teil davon als Rücklage im Unternehmen zu belassen. Die Aktionäre sind als Miteigentümer am wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg der Firma beteiligt. Um sie am Gewinn zu beteiligen, kann die AG in Form einer Dividende auch einen Teil des Gewinns an ihre Aktionäre ausschütten.

Übrigens: Der Begriff Dividende leitet sich aus dem lateinischen Wort „dividenda“ ab und bedeutet sinngemäß, dass es etwas zu verteilen gibt.

Der festgelegte Betrag wird dann auf die Anzahl der Aktien umgerechnet. Je nach Anzahl an Aktien erhält der Aktionär am Tag nach der HV seine Gewinnbeteiligung. Die Ausschüttung wirkt sich auf den Aktienkurs aus: Es findet eine Kursbereinigung in Höhe der Dividende statt. Notiert die Aktie am Tag der HV z.B. bei 50 Euro und die Dividende beträgt 2 Euro je Anteilsschein, reduziert sich der Aktienkurs rechnerisch auf 48 Euro.

In diesem Zusammenhang taucht oft auch der Begriff Dividendenrendite auf. Diese Kennzahl gibt Aufschluss über die Höhe der Verzinsung des angelegten Kapitals. Bei der Berechnung wird die Dividende in Relation zum Kurs der Aktie gesetzt. Notiert die Aktie bei 50 Euro und wird eine Dividende von 2 Euro gezahlt, beträgt die Dividendenrendite 4 Prozent (2 Euro *100/50 Euro).

7. KW 44: Was sind bonitätsabhängige Schuldverschreibungen?

Anlegerfrage

Bonitätsabhängige Schuldverschreibungen sind eine Inhaberschuldverschreibung bezogen auf einen bestimmten Referenzschuldner (z.B. ein Unternehmen oder ein Staat) mit fester
Laufzeit und fester Verzinsung. Bei dieser Schuldverschreibung hängen sowohl die Zinszahlungen als auch die Rückzahlung von dem Nichteintritt eines Kreditereignisses beim Referenzschuldner ab. Daher bietet sie eine feste Verzinsung, die über dem risikolosen Marktzins liegt.

Als Kreditereignis gelten bei europäischen Unternehmen i.d.R. Insolvenz, Nichtzahlung eigener Verbindlichkeiten und/oder die Restrukturierung von Verbindlichkeiten. Bei anderen Typen von Referenzschuldnern, wie z.B. Staaten, können andere Kreditereignisse
maßgeblich sein. Schauen wir uns zur Verdeutlichung zwei Szenarien an.

Szenario 1: Tritt während der Laufzeit beim Referenzschuldner kein Kreditereignis ein, erfolgt für die jeweilige Zinsperiode eine Zinszahlung zu einem festen Zinssatz und die Schuldverschreibung wird am Rückzahlungstermin zum Nennbetrag zurückgezahlt.

Szenario 2: Tritt während der Laufzeit beim Referenzschuldner ein Kreditereignis ein, werden die Zinszahlungen ab diesem Zeitpunkt eingestellt und die Schuldverschreibung wird am Barausgleichstag zurückgezahlt. Der Rückzahlungsbetrag entspricht in diesem Fall nicht dem Nennbetrag, sondern es erfolgt eine Zahlung des Barausgleichsbetrags, der unter dem Nennbetrag liegen wird und auch null betragen kann. Für den Anleger wären in diesem Fall Verluste des eingesetzten Kapitals die Folge.

Noch ein Hinweis: Da es sich rechtlich gesehen um Inhaberschuldverschreibungen und
damit Verbindlichkeiten des Emittenten handelt ist es wichtig, dass der Emittent über eine
gute Bonität verfügt.

8. KW 43: Ich bin 77 Jahre – bin ich damit zu alt für eine Anlage in Aktien bzw. Aktienfonds?

Anlegerfrage

Nein, für eine Aktienanlage ist man nie zu alt. Unabhängig vom Alter sollten Anleger eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen berücksichtigen – und dazu gehören auch Aktien. Man benötigt dazu zwei Dinge: Einen Sparplan und einen Investmentfonds, der breit gestreut in Wertpapiere anlegt. Denn wer eine Rendite erzielen möchte, die oberhalb der Inflationsrate liegt, sollte über Wertpapiere nachdenken.

Die höchsten Renditechancen bestehen langfristig mit Aktienfonds. Aber Aktienfonds haben auch höhere Schwankungen. Generell gilt die Faustregel: Je jünger der Anleger und je länger die Anlagedauer, desto höher kann der Aktienanteil gewählt werden. Ältere Anleger, die ihr Geld eher kurzfristiger anlegen möchten, sollten eher auf andere Anlageklassen setzen. Eine Möglichkeit sind z.B. Mischfonds.Bei Mischfonds sind die Schwankungen in der Regel niedriger, dafür ist die Rendite meist auch niedriger als bei reinen Aktienfonds. Mögliche Kursschwankungen können sich auch hier negativ auf den Wert der Anlage auswirken. Um das Verlustrisiko zu beschränken, schichten die Fondsmanager bei Bedarf in die jeweils stabilere Anlageklasse um.

Allerdings hat der Anleger auch die Möglichkeit, an Kursschwankungen zu partizipieren. Dafür macht es Sinn, eine Einmalanlage um einen Sparplan zu ergänzen. Dies ist schon ab 25 Euro möglich. Denn je nach Börsenlage profitiert der Anleger vom Durchschnittskosteneffekt. Er erhält in Zeiten niedriger Kurse für den gleichen Sparbetrag mehr Fondsanteile, da diese dann günstiger sind. Dies kann den höheren Preis in Aufschwungphasen ausgleichen.

9. KW 39: Was genau ist die Funktion der Börse?

Anlegerfrage

Zu den wichtigsten Aufgaben einer Börse gehört es, Angebot und Nachfrage z.B. von Waren
oder auch Wertpapieren zusammenzuführen. Ohne Börsen müssten sich Käufer und Verkäufer gegenseitig suchen, finden und über den Preis verhandeln. Der Handel an der Börse erfolgt aber nicht willkürlich, sondern nach Vorschriften. Diese sind im Börsengesetz
und der jeweiligen Börsenordnung geregelt.

Börsen sind wichtige Handelsmärkte für Wertpapiere, Rohstoffe, Derivate, Devisen und andere Werte. Dabei wird zwischen Primär- und Sekundärmarkt unterschieden: Der Primärmarkt (auch Emissionsmarkt genannt) ist der Finanzmarkt für die Erstausgabe von Kapital, das sogenannte Initial Public Offering (IPO). Somit ermöglicht die Börse das Sammeln vieler kleinerer Beträge von Anlegern, die dann der Finanzierung größerer Investitionen der Emittenten dienen. Der Sekundärmarkt (auch als Zweitmarkt bezeichnet) ist der Finanzmarkt zum Handel von bereits emittierten Werten. Dort entscheidet sich, zu
welchem Preis beispielsweise Aktien oder Bundesanleihen gekauft und verkauft werden.

Übrigens: Die Wall Street ist zwar für viele der Inbegriff der Börse. Doch das erste Börsengebäude der Welt wurde nicht in New York eröffnet, sondern 1613 in Amsterdam.
„Geburtshelfer“ waren große Amsterdamer Gewürzhändler, die sich zur „Vereinigten
Ostindischen Handels-Kompagnie“ (V.O.C.) zusammengeschlossen hatten. Sie kamen auf die Idee, Anteile ihres Unternehmens über die neue Börse zu verkaufen. Fortan konnten diese Aktien dort gehandelt werden, ohne dass die Gesellschaft Kapital zurückzahlen oder aufnehmen musste.

10. KW 38: Was ist eine Deflation?

Anlegerfrage

Bei einer Deflation sinken die Preise für Produkte und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum, sie ist also das Gegenteil einer Inflation. Sinkende (und steigende) Preise sind nichts Ungewöhnliches, besonders bei Saisongütern wie z.B. Obst. Erst wenn viele Waren stetig billiger werden und das Preisniveau dauerhaft sinkt, ist die Entwicklung deflationär.

Das sieht für Verbraucher auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Das sinkende Preisniveau hat aber negative Effekte auf die Wirtschaft. Im schlimmsten Fall könnte aufgrund eines Deflationskreislaufs die wirtschaftliche Aktivität schrumpfen. Phasen der Deflation schließen sich häufig an große Wirtschaftskrisen an, wenn etwa Immobilienblasen platzen und
Vermögensverluste die Güternachfrage belasten.

Wie kommt es zu einer Deflation? Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, senken Unternehmen die Preise, um Abnehmer für ihre Waren und Leistungen zu finden bzw. die
Nachfrage zu steigern. Infolge der Preissenkungen nehmen die Unternehmen weniger ein. Konsumenten tragen durch das Warten auf weiter fallende Preise zur sinkenden Nachfrage bei. Aufgrund der geringeren Einnahmen können Zahlungsschwierigkeiten auftreten,
Unternehmen tätigen also weniger Investitionen. Das wirkt sich negativ auf andere Betriebe bzw. Wirtschaftsbereiche aus. Einsparungen oder sogar Insolvenzen können zu sinkenden Löhnen und Entlassungen führen. Die privaten Haushalte schränken den Konsum ein. Die Steuereinnahmen sinken, der Staat gibt weniger aus, die Nachfrage sinkt – und so beginnt der Deflationskreislauf von vorne.

11. KW 37: Was genau sind „Emerging Markets“?

Anlegerfrage

Als Emerging Markets (EM), auch Schwellenländer genannt, werden im Allgemeinen all jene Länder bezeichnet, die nicht zur Gruppe der hoch entwickelten Industriestaaten gehören. Sie weisen ein geringeres Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf auf und verfügen meist noch nicht über ähnlich gut entwickelte Infrastruktur wie die Industriestaaten. Viele EM befinden
sich aber in einem wirtschaftlichen Aufholprozess und zeichnen sich durch hohe Wachstumsraten aus. Bestrebt, das Stadium der armen Entwicklungsländer zu verlassen, richten sie alle Bemühungen auf den Anschluss an die Industrieländer. Diese Dynamik kann
für Anleger interessant sein, denn steigende Einkommen erzeugen Nachfrage, von der die Unternehmen profitieren.

Aufgrund ihres Bevölkerungsreichtums und ihrer wirtschaftlichen Größe entwickeln sich beispielsweise Brasilien, Russland, Indien und China zu wichtigen globalen Akteuren. So übertreffen die Wachstumsraten der Schwellenländer oftmals die der führenden Industrienationen. Auch wenn es Rückschläge geben kann, können die Emerging Markets laut Analysten und Ökonomen zu den Gewinnern von morgen gehören. Politische Risiken und Krisenherde, wie beispielsweise die Neuwahlen in Mexiko und Brasilien oder die immer rigider werdende Regierung in der Türkei, bergen jedoch zusätzliche Unsicherheiten und sorgen für volatilere Märkte.

12. KW 36: Ich habe letztens was zum Thema „Thesaurierung“ gelesen. Was bedeutet das?

Anlegerfrage

Wer sich im Detail über einen Investmentfonds informiert, stößt bei den sogenannten Stammdaten wie Fondswährung, Auflegungsdatum und Mindestanlagebetrag auch auf den
Begriff Ertragsverwendung und dort wiederum auf Ausschüttung oder Thesaurierung.

Ein ausschüttender Fonds schüttet seine ordentlichen Erträge sowie Teile seiner außerordentlichen Erträge jährlich an den Anleger aus. Ordentliche Erträge sind Dividenden, fällig gewordene Zinserträge, aber auch Mieteinnahmen. Bei außerordentlichen Erträgen handelt es sich hingegen um Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren oder Grundstücken. Sobald Erträge zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich ausgeschüttet werden, gelten sie bei Privatpersonen als zugeflossen und werden damit steuerpflichtig. Wie bei Aktien, deren Kurswert sich nach der Dividendenzahlung entsprechend verringert,
bewirkt bei einem ausschüttenden Fonds die Ausschüttung einen entsprechenden
Anteilspreisrückgang.

Anders verhält es sich bei thesaurierenden Fonds. Statt einer Ausschüttung an den Anleger werden die im Geschäftsjahr erwirtschafteten Erträge dem Fondsvermögen wieder
zugeführt, und erhöhen somit permanent den Anteilswert. Der Ertrag gilt am Ende des Geschäftsjahres dem Fonds als zugeflossen und wird damit steuerpflichtig.

13. KW 27: Was ist der Unterschied zwischen einem offenen und
einem geschlossenen Investmentfonds?

Anlegerfrage

Wenn man allgemein von Fonds spricht, sind meist Offene Investmentfonds gemeint. Die Anzahl der Anteile ist hier nicht begrenzt, die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) gibt laufend neue heraus. Im Gegensatz dazu sind Geschlossene Fonds auf ein festgelegtes Investitionsvolumen ausgerichtet. Die Beteiligungsmöglichkeiten sind entsprechend begrenzt, d. h., wenn alle Anteile verkauft sind, wird der Fonds geschlossen. Anleger haben während der Laufzeit keinen Anspruch auf Rückgabe der Fondsanteile. Investiert wird das Fondsvermögen zum Beispiel in Immobilien, Flugzeuge, Schiffe oder Infrastrukturprojekte.
Der Mindestbetrag ist meistens recht hoch. Und das gilt auch für das Verlustrisiko: Denn geht die Unternehmung schief, ist das Geld größtenteils oder ganz verloren.

Bei Offenen Investmentfonds hingegen wird das Geld der Anleger von einem Fondsmanager – entsprechend der jeweiligen Anlagestrategie – verwaltet. Er beobachtet das Marktgeschehen und trifft die Investmententscheidungen. Im Gegensatz zu Geschlossenen
Investmentfonds können Anleger zum Beispiel mit einem Fondssparplan bereits kleine Beträge investieren. Rechtlich gesehen wird das Fondsvermögen als Sondervermögen
eingestuft. Die Gelder der Anleger werden getrennt vom Vermögen des Fondsanbieters bei einer Verwahrstelle hinterlegt. In einem Insolvenzfall des Anbieters würde das Fondsvermögen daher nicht für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haften.

Anlegern stehen heute verschiedene Arten von Investmentfonds bereit: Alleine bei der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe, erfolgt eine Unterteilung in Aktien-, Renten-, Misch-, Immobilien-, Garantie-, Nachhaltigkeitsfonds, Vermögensverwaltende Fonds sowie Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds.

14. KW 26: Ich habe neulich etwas von vermögensverwaltenden Fonds gelesen. Verwalten nicht eigentlich alle Fonds ein Vermögen? Was ist hier die Besonderheit?

Anlegerfrage

Vereinfacht gesagt bekommen Anleger mit Vermögensverwaltenden Fonds die Möglichkeiten für eine individuell an ihren Bedürfnissen ausgerichtete Anlagestrategie zur Vermögensoptimierung. Denn Vermögensverwaltende Fonds sind Investmentfonds, die ihr Vermögen in andere Investmentfonds (so genannte Zielfonds) investieren. Sie bündeln dabei ein ganzes Sortiment von aus Sicht des Fondsmanagements aussichtsreichen
Einzelfonds, welche in verschiedene Anlagekategorien, wie Aktien, Renten, Immobilien oder
Geldmarkttitel investieren. Dementsprechend kann das Risiko gegenüber einer Investition in einen vergleichbaren Einzelfonds reduziert werden, ohne die Chancen einzelner
Anlagesegmente zu vernachlässigen.

Die Wahl des richtigen Vermögensverwaltenden Fonds orientiert sich am persönlichen Chancen-/ Risikoprofil des Anlegers. Je nach Risikoprofil stehen dem Anleger Vermögensverwaltende Fonds mit unterschiedlich hohen Anteilen an Aktienfonds, also
einer Aktienquote von 0 bis 100 Prozent zur Verfügung. Als Faustregel lässt sich festhalten,
dass sowohl die Ertragschancen als auch die Schwankungsbreite mit der Höhe der Aktienquote zunehmen. Welche Risikobereitschaft ein Anleger mitbringt, wird vor der Anlage im Beratungsgespräch mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt. Die Auswahl der Zielfonds, die für das jeweilige Risikoprofil der Vermögensverwaltenden Fonds geeignet sind, übernimmt ein professionelles Fondsmanagement. Die Fondsmanager der Deka
legen weltweit breit gestreut an und passen die Anlage den sich ändernden Marktentwicklungen an.

15. KW 25: Wie funktionieren eigentlich Investmentfonds?

Anlegerfrage

Als Vater des Investmentfondsgedankens gilt Abraham van Ketwich. Bereits 1774 gab der Niederländer 2000 Fondsanteile aus und definierte die Rechte der Investoren (Anteilseigner) im Prospekt des Fonds, den er übersetzt „Eintracht macht stark“ nannte. Sein Ziel: Das Risiko zu streuen, um das Vermögen zu schützen. In Deutschland sind Investmentfonds seit mehr als 60 Jahren am Markt. Die Funktionsweise ist relativ einfach: Eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) sammelt das Geld der Sparer für einen Fonds ein, bündelt dieses und investiert dann in vorher festgelegte Anlagebereiche.

Was der Niederländer van Ketwich schon im 18. Jahrhundert wusste, gilt auch heute noch: Die Verteilung der Anlagegelder auf verschiedene Wertpapiere reduziert das Risiko im Gegensatz zu einer Einmalanlage. Alle Risiken können natürlich auch durch die breitere Streuung in einen Fonds nicht ausgeschaltet werden. Je nach Anlageklasse wird eine gewisse Risikobereitschaft vorausgesetzt, um auch Wertschwankungen zu überstehen. Lange Haltedauern sowie eine breite und weitsichtige Streuung der im Fonds enthaltenen
Werte können das Risiko jedoch mindern.

Im Vergleich zu den Anfängen stehen heute verschiedene Arten von Investmentfonds bereit: Alleine bei der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen, erfolgt eine Unterteilung in Aktien-, Renten-, Misch-, Immobilien-, Garantie-, Nachhaltigkeitsfonds, Vermögensverwaltende Fonds sowie Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds.

16. KW 24: Ständig hört man etwas über die „Inflation“ und „negative Realverzinsung“. Was ist damit genau gemeint und welche Auswirkungen haben sie?

Anlegerfrage

Der Begriff Inflation leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet so viel wie „sich aufblasen“. Heute wendet man das Wort für Preise an: Denn Preise für Güter oder
Dienstleistungen sind nicht feststehend, sie können sich jederzeit ändern. Wenn sich die Preise allgemein erhöhen, heißt dies Inflation. Die Folgen: Durch die Preissteigerung können die Menschen für ihr Geld weniger kaufen. Mit dem Verlust der Kaufkraft nimmt der Wert des Geldes ab. Die Inflationsrate ist daher ein wichtiger Indikator für das Preisniveau.
Um die Inflationsrate zu ermitteln, wird die Preisentwicklung anhand eines Warenkorbs
gemessen. In diesem Warenkorb sind Konsumprodukte des täglichen Lebens, aber auch die Kosten für Dienstleistungen wie einen Frisörbesuch oder die Preise für Benzin enthalten. Im Vergleich über einen Zeitraum – z.B. ein Jahr – lässt sich aus der Entwicklung des Gesamtpreises des Warenkorbs berechnen, wie hoch die Inflationsrate ist.

Die Europäische Zentralbank verfolgt mit ihrer Zinspolitik grundsätzlich das Ziel, die Inflationsrate unter, aber nahe 2 Prozent zu halten. Für Ersparnisse bedeutet dies: Wenn die Inflation höher ist als die Verzinsung, hat Geld keine Chance, an Wert zu gewinnen. Man spricht hier auch von negativer Realverzinsung. Die Kombination aus der anhaltenden Niedrigzinsphase mit einer weiter ansteigenden Inflation spitzt die Lage für Anleger weiter zu. Wenn sie nicht mindestens Zinsen in gleicher Höhe wie die Inflationsrate erhalten, dann verliert ihr Geld an Wert. Um dem zu entgehen, ist es entscheidend, sein Geld mit einem Renditeziel oberhalb der Inflationsrate anzulegen.

17. KW 23: Was gibt die Performance bei einer Geldanlage an?

Anlegerfrage

Bei dem Begriff Performance werden manche an die Geschwindigkeit und Leistung von Autos oder Computern denken, andere vielleicht an künstlerische Darbietungen. Aber nicht nur im technischen oder kulturellen Bereich, sondern auch bei der Geldanlage, spielt Performance eine Rolle. Die Performance zeigt an, wie sich der Wert einer Anlage über einen bestimmten Zeitraum entwickelt hat und wird üblicherweise als Prozentzahl
angegeben.

Performance ist entweder absolut, das heißt die Wertentwicklung eines Investments wird für sich betrachtet, oder relativ. In letzterem Fall wird diese Wertentwicklung einem Vergleichsmaßstab, einer sogenannten Benchmark, gegenübergestellt. Oft handelt es sich dabei um einen Index wie den DAX, um die Wertentwicklung im Vergleich zum Gesamtmarkt oder zu bestimmten Marktsegmenten wie zum Beispiel Branchen darzustellen.

Bei Investmentfonds ergibt sich die Performance aus der prozentualen Veränderung zwischen dem angelegten Vermögen zu Beginn und seinem Wert am Ende des Betrachtungszeitraums. Dabei wird meist die zeitgewichtete Methode des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) verwendet. Sofern der Fonds Ausschüttungen vornimmt, werden diese rechnerisch unmittelbar wieder in neue Fondsanteile investiert und dadurch in die Berechnung aufgenommen. Somit ist die vergleichende Wertentwicklung zwischen einem Fonds, der laufende Erträge an die Anleger ausgibt (ausschüttend), und einem Fonds, der laufende Erträge wieder im Fondsvermögen anlegt (thesaurierend), möglich.

18. KW 22: Meine Kollegen haben sich letztens über vermögenswirksame Leistungen unseres Arbeitgebers unterhalten. Ist das auch etwas für mich?

Anlegerfrage

Wer lässt sich zusätzliche Zahlungen vom Arbeitgeber freiwillig entgehen? Wenn es um Einmalzahlungen wie das Urlaubsgeld geht, sicher niemand. Wenn es hingegen um monatliche Leistungen geht, die der Geldanlage und dem Vermögensaufbau dienen, sinkt das Interesse. Vielen Arbeitnehmern werden vermögenswirksame Leistungen (VL) angeboten. Wer sie nicht nutzt, verschenkt Geld. Denn bei VL handelt es sich um freiwillige Beträge des Arbeitgebers bis zu 40 Euro monatlich, die den Arbeitnehmer bei der Vermögensbildung unterstützen sollen.

Meist ist im Tarif- oder Arbeitsvertrag festgelegt, ob VL gezahlt werden und wie hoch diese sind. Die Leistungen werden mit dem monatlichen Gehalt versteuert, dann aber direkt in einen Sparplan investiert. Dabei hat der Arbeitnehmer in erster Linie die Wahl zwischen einem Banksparplan, Bausparvertrag oder einem Fondssparplan mit einer Mindestaktienquote von 60 Prozent. Die Laufzeit eines VL-Sparvertrags beträgt bis zu sieben Jahre. Davon zahlt man sechs Jahre ein, bis zum Ende des siebten Jahres ruht das Kapital. Danach kann der Sparer darüber frei verfügen – oder das Geld wieder anlegen.

Tipp: Um die Förderung durchgehend zu nutzen, wird automatisch nach den sechs Jahren Einzahldauer ein neuer Folgevertrag eröffnet. So lässt sich mit der Zeit ein Vermögen aufbauen, das auch die Altersvorsorge ergänzen kann.

19. KW 21: In Börsenberichten ist oft von „Volatilität“ die Rede. Was bedeutet das eigentlich?

Anlegerfrage

Der Begriff kommt vom lateinischen „volatilis“ (fliegend oder flüchtig) und meint Marktschwankungen. Genau gesagt, misst Volatilität die Veränderungen beispielsweise von Aktienkursen, Währungen oder Zinssätzen. Dabei gilt: Je stärker die Schwankung, desto höher die Volatilität.

An der Börse ist es wie bei einer Fahrt mit dem Segelboot: Ist der Wind schwach und sind die Wellen klein, kommt man gemächlich auf einem vorgezeichneten Weg voran. Frischt der Wind auf, besteht eine gute Chance, schnell Fahrt aufzunehmen und das Ziel früher zu erreichen. Aber im hohen Wellengang kann das Boot auch leichter vom Kurs abkommen oder gar kentern. Die „Volatilitäts-Medaille“ hat also zwei Seiten: Chance und Risiko.

Bei Anlageentscheidungen ist es wichtig, die Volatilität der infrage kommenden Investments zu kennen, denn sie sollten zum individuellen Chance-Risiko-Profil passen. Wer in volatile Werte investiert, muss bereit sein, starke Kursschwankungen mit hohen Verlustrisiken zu akzeptieren. Andererseits besteht aber die Chance auf überproportionale Kurssteigerungen. Bei einer niedrigen Volatilität hingegen ist das Verlustrisiko geringer, dafür ist die „Kursphantasie“ begrenzt. Volatilität ist also nicht nur eine Messgröße, sondern dient auch als Indikator für die Unsicherheit im Markt und somit als „Stimmungsbarometer“.

20. KW 20: Woher stammt eigentlich die Bezeichnung des US-Aktienindex Dow Jones?

Anlegerfrage

Im 19. Jahrhundert gründete der Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Charles Henry Dow gemeinsam mit zwei Mitstreitern, Edward David Jones und Charles Milford Bergstresser, eine Agentur für Finanznachrichten namens „Dow Jones & Company“. Dow beschäftigte sich auch mit der Kategorisierung von Aktien und fragte sich, wie man die
Entwicklung an der Börse anschaulich darstellen kann. Seine Theorie: Die Mehrheit aller Aktien bewegt sich in gleicher oder ähnlicher Weise, daher kann die Tendenz des Gesamtmarkts durch die Betrachtung einer Auswahl dargestellt werden.

Dow entwickelte 1884 einen Index, um die Schwankungen von Aktienkursen einordnen zu können. Zwölf Jahre später konstruierte Dow für das „Wall Street Journal“ den Dow-Jones-Index, der vorwiegend die aufstrebende Industriebranche abbildete. Um den Wert des Index zu berechnen, addierte Dow die Kurse von zwölf an der New Yorker Börse gelisteten Aktien und teilte die Summe durch zwölf. Der Statistiker Jones half ihm bei der Erstellung, deshalb erhielt der Dow-Jones-Index seinen Doppelnamen. Heutzutage umfasst der Index allerdings 30 Werte statt wie damals 12.

Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Aktienindizes: Der DAX ist das bekannteste Börsenbarometer in Deutschland, der Nikkei 225 Gradmesser für die Entwicklung der japanischen Börse. Der wichtigste Aktienindex am Finanzplatz London heißt FTSE 100, und der EURO STOXX 50 misst die Kursentwicklung von 50 großen Unternehmen der Eurozone. Die Zahlen geben an, wie viele Werte im jeweiligen Index vertreten sind.

21. KW 19: Bei einem Fondskauf werden die Risiken gestreut – eine gängige Aussage, wenn es z.B. um den Kauf von Aktienfonds geht. Aber was bedeutet das eigentlich?

Anlegerfrage

Ganz einfach: Anstatt einzelne Aktien zu kaufen und sie ins Depot zu legen, wird die
Geldanlage innerhalb eines Topfes, nämlich eines Fonds, auf viele Wertpapiere verteilt.
Dadurch kann das Risiko reduziert werden. Denn sollten die Kurse einzelner Aktiengesellschaften rückläufig sein, kann diese Entwicklung durch andere im Fonds enthaltene Aktien ausgeglichen werden. Ein Fonds, genauer ein Investmentfonds, wird von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegt und angeboten. Die Gesellschaft sammelt Gelder der Anleger für den Fonds, bündelt sie und investiert dann in vorher festgelegte Anlagebereiche. Beispielsweise gibt es Fonds, die nur Aktien einer bestimmten Branche,
eines bestimmten Landes, einer bestimmten Region oder Aktien zu einem bestimmten
Anlagethema enthalten.

Die Aufgabe der Kauf- und Verkaufsentscheidungenen übernimmt das professionelle Fondsmanagement: Fondsmanager legen das gebündelte Geld nach klaren Anlagestrategien für die Anleger an, beobachten den Markt und sprechen mit den
Vorständen verschiedener Aktiengesellschaften. Erfolgreiches Fondsmanagement hat also viel mit der Analyse von Unternehmensdaten, Zahlen und Fakten zu tun. Alle Risiken können aber auch durch die Investition in einen Fonds nicht ausgeschaltet werden, konjunkturell bedingte Schwankungen können sich negativ auf die Entwicklung der Anlage auswirken. Eine längere Haltedauer sowie eine breite und weitsichtige Streuung der im
Fonds enthaltenen Werte vermindern jedoch das Risiko.

22. KW 18: Gilt noch die alte Anlegerregel „ein Drittel Anleihen, ein Drittel Aktien, ein Drittel Immobilien“?

Anlegerfrage

Grundsätzlich ist eine breite Streuung auf verschiedene Anlageklassen weiterhin richtig. Die konkrete Aufteilung ist aber abhängig von der persönlichen Situation und der Risikoneigung. Am Kapitalmarkt gibt es sehr viele unterschiedliche Produkte, die sich anhand bestimmter Kriterien in verschiedene Klassen unterteilen lassen. Im Allgemeinen
unterscheidet man die Anlageklassen Aktien, Renten, Immobilien und Liquidität. Oftmals
werden Anlageklassen noch weiter unterteilt, bei den Aktien beispielsweise nach Ländern oder Branchen.

Eine Möglichkeit, auch kleinere Anlagesummen in die verschiedenen Anlageklassen zu investieren und damit breit zu streuen, sind Investmentfonds. Durch eine große Anzahl von Fonds besteht für den Anleger die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Rendite-und Risikoprofile abzudecken. Allgemein gilt: Jede Anlageklasse hat ihre ganz spezifischen Chancen, aber auch ihre Risiken. Über die Investition in verschiedene Anlageklassen lässt sich das Verhältnis von Risiko und Chance im Sinne des Anlegers steuern.

23. KW 17: Wann ist der günstigste Zeitpunkt, um in Aktienfonds einzusteigen?

Anlegerfrage

Niemand kennt den günstigsten Einstiegszeitpunkt. Daher kann es sinnvoll sein, mit
Teilbeträgen nach und nach Fondsanteile zu erwerben. So kaufen Sie die Fondsanteile
zu unterschiedlichen Kursen und können vermeiden, nur zu Höchstkursen einzusteigen.
Eine Möglichkeit können Sparpläne sein, die eine schrittweise Investition in die
Kapitalmärkte ermöglichen, um sich unabhängig von der einen Frage nach dem richtigen
Zeitpunkt zu machen. Wer sich also nicht sicher ist, ob er heute oder doch besser im
nächsten Monat in die Zukunft investieren soll, der kann mit einem Einzahlplan in Investmentfonds der Förde Sparkasse einsteigen.

Investmentfonds gibt es für alle Anlageklassen und in vielen Schattierungen. Diese professionell verwalteten Sondervermögen ermöglichen es Anlegern, am Auf und Ab der Börsenkurse zu partizipieren – vorausgesetzt, sie investieren regelmäßig Beträge in gleichbleibender Höhe. Bei niedrigeren Kursen werden somit mehr Fondsanteile erworben als bei höheren Preisen. Anlageprofis sprechen dabei vom Cost-Average-Effekt. Bei schwankenden Märkten hat das für den Anleger den Vorteil, dass sich der durchschnittliche Einstiegskurs verringert.

24. KW 16: Wir möchten unser Kind (19 Jahre) mit 50 Euro monatlich für seine Altersvorsorge unterstützen ist Fondssparen dafür ratsam?

Anlegerfrage

Ja, für einen langfristigen Vermögensaufbau wie in Ihrem Fall kann ein Aktienfondssparplan
empfehlenswert sein. Denn die Erfahrung zeigt, dass mit Aktienfonds auf lange Sicht die höchsten Renditechancen bestehen. Und Rendite ist gerade beim Aufbau der Altersvorsorge
sehr wichtig. Aktienfonds legen das Geld in Aktien von vielen Unternehmen an. Durch die große Zahl verschiedener Aktien wird das Schwankungsrisiko breit gestreut und damit insgesamt gemindert. Sollte die eine oder andere Aktie im Kurs fallen, kann das durch viele
andere, deren Entwicklung positiv ist, ausgeglichen werden.

Mit regelmäßigen Sparraten machen Sie sich zudem unabhängig von der Frage nach dem „richtigen“ Einstiegszeitpunkt. Denn mögliche Marktschwankungen verlieren im Zuge des regelmäßigen Sparens gerade bei einem langfristigen Anlagehorizont an Bedeutung. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Flexibilität eines Fondssparplans. Es gibt keine festen Laufzeiten. Die monatliche Einzahlung kann nach Belieben erhöht, gesenkt oder ausgesetzt werden. Gleichwohl gilt: Investmentfonds unterliegen Wertschwankungen, die sich auch negativ auf das Anlageergebnis auswirken können.

25. KW 15: Sind Fonds sichere Anlagen?

Anlegerfrage

Und was passiert, wenn die Fondsgesellschaft zahlungsunfähig wird?

Natürlich gibt es auch bei Fonds ein Auf und Ab, wie es an der Börse normal ist. Allerdings ist das Risiko breit gestreut. Das liegt daran, dass Fonds nicht nur in ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Aktie investieren. In einem Fonds ist eine Vielzahl von verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und unterschiedlichen Regionen enthalten. Geht es etwa einer Branche und damit auch dem Unternehmen aus dieser wirtschaftlich nicht so gut, kann das beispielsweise ein Unternehmen aus einer wirtschaftlich starken Branche ausgleichen.

Fondsmanager, also Profis, analysieren jederzeit das Marktgeschehen und reagieren aktiv darauf, sodass die Schwankungen bei Fonds in der Regel geringer sind als bei einzelnen Aktien. Falls eine Fondsgesellschaft zahlungsunfähig werden sollte, hat dies der Gesetzgeber klar geregelt: Fonds sind konkurssicher. Das bedeutet, das Fondsvermögen der Anleger ist Sondervermögen. Es ist getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft. So steht auch im Fall einer Zahlungsunfähigkeit einer Bank dem Anleger sein Geld immer zur Verfügung und geht nicht verloren.

*außer in der Zeit der Schulferien

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