GründungsCup: Kieler Pilzwerk macht es vor

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Kevin Bröde (links im Bild), Nachhaltigkeitsmanager der Förde Sparkasse, vergibt beim GründerCup KielRegion 2020 den Nachhaltigkeitspreis an Robert Schwartz mit dem Kieler Pilzwerk.

Auch in diesem Jahr findet wieder der GründungsCup KielRegion statt, bei dem die Förde Sparkasse den Nachhaltigkeitspreis in Höhe von 2.500 € finanziert und vergibt. Im vergangenen Jahr gewann Robert Schwartz mit seinem Kieler Pilzwerk den Nachhaltigkeitspreis. Im Interview mit uns berichtet er über sein Unternehmen.

Wer sind Sie?

Ich bin Robert Schwartz vom Betrieb Kieler Pilzwerk und betreibe mitten in Kiel urbane Landwirtschaft. Meine Anbauflächen sind allerdings nicht Felder oder Gärten, sondern meine Farm befindet sich im Untergeschoss unter der Erde und meine Felder sind recycelte Plastikeimer. Seit 2019 biete ich frische Produkte aus Kiel in der Region Schleswig-Holstein an.

Was haben Sie vorher gemacht?

Ein kleiner Laborraum dient dazu, die Pilze zu vermehren. Daher kommt mir mein erster Beruf als chemisch-technischer Assistent sehr zugute, denn das saubere Arbeiten im Labor ist mir vertraut. Nebenbei studiere ich momentan Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Umwelttechnik.

Was genau ist das Kieler Pilzwerk?

Wir haben uns auf die nachhaltige und regionale Produktion von Gourmetpilzen spezialisiert, arbeiten nach dem Prinzip von Zero-Waste und setzen höchsten Wert auf Frische und Qualität. Auf diese Weise züchten wir schmackhafte Edelpilze direkt in der Stadt – regional, nachhaltig, frisch.

Wie entstand die Idee zum Kieler Pilzwerk?

Speisepilze sind nicht nur ein gesundes, schmackhaftes Lebensmittel, sie sind auch faszinierende Organismen. Sie spielen eine unersetzliche Rolle in unserem Ökosystem und die Wissenschaft beginnt gerade erst zu verstehen, welches Potenzial sie für Umweltschutz und Renaturierung, Heilkunde und Lebensmittelversorgung bieten.

Anbau in recycelten Plastikeimern

Fasziniert von diesem Potenzial der Pilze haben wir uns bei der Produktion von ihrer Lebensweise inspirieren lassen. Wie diese sich mit ihrem Myzel ein Netzwerk an Ressourcen erschließen, so recyceln auch wir organische Reste, die sonst im Müll landen würden.

Was macht bei Ihrem Unternehmen den Unterschied?

Die gängigen Pilze aus dem Supermarkt sind oft aus dem Ausland importiert oder haben eine lange Fahrt durch ganz Deutschland hinter sich, was sich direkt auf die Qualität auswirkt. Denn der Pilz ist ein sehr fragiler Organismus, der am besten frisch verzehrt wird.

Dabei ist es uns sehr wichtig, dass wir keinen bzw. kaum Müll bei der Produktion produzieren. Wir verzichten auf die üblichen Methoden, bei denen Pilze mit Wegwerf-Plastiktüten produziert werden. Außerdem arbeiten wir nach dem Prinzip „reuse and recycle“. Deshalb verwenden wir Rohstoffe wie alten Kaffeesatz oder verbrauchten Treber. Wir recyceln lokale Ressourcen, um daraus Gourmetpilze zu züchten. Dies alles geschieht in der Kieler Innenstadt. Der „Abfall“ wird vom Pilz zersetzt und es entsteht daraus eine erstklassige Delikatesse, die auch noch sehr gesund für uns Menschen ist.

Was ist das Ziel für die nächsten Jahre?

Hochwertige Speisepilze in so guter Qualität und so großer Menge zu züchten, dass ich von dem Verkauf leben kann, und das Ganze möglichst nachhaltig und möglichst ohne Müll zu produzieren. Dafür muss alles aber noch deutlich effizienter werden. Aktuell werden nicht nur die Labor- und Produktionsflächen erweitert, sondern auch Automatisierungs- und Klimatechnik eingeplant, um das Verhältnis von Aufwand und Ertrag zu verbessern. Geplant ist eine monatliche Produktion von 500 kg Edelpilzen. Bei mindestens fünf Sorten bin ich mir sicher, dass ich diese ganzjährig anbieten kann, wenn die Technik erst einmal da ist. Weitere Arten sind grade in der Testphase. Außerdem werde ich natürlich auch noch meinen Studienabschluss machen.

Sie sind im vergangenen Jahr mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Wie sind Sie auf den GründerCup gekommen und was macht ihn zu diesem beliebten jährlichen Event?

Ich glaube, ich habe in der Mensa einen Flyer vom GründerCup in die Finger bekommen. Mein Projekt vor einem Publikum vorzustellen und das entsprechende Feedback waren auf jeden Fall wichtige Schritte für mich auf dem Weg in Richtung Selbstständigkeit. Ich denke, dass es vielen Gründer*innen ähnlich geht. Aber das Preisgeld ist sicher auch eine gewisse Motivation teilzunehmen.

Was haben Sie mit den 2.500 € Preisgeld von der Förde Sparkasse gemacht?

Ich bin dabei das Unternehmen auf die nächste Stufe zu bringen, was mit einer Investition von 50.000-60.000 € verbunden ist. Das passiert natürlich nicht von heute auf morgen. Das Preisgeld von der Förde Sparkasse hat mir definitiv geholfen, weitere kleine Schritte in Richtung Ziel zu gehen.

Haben Sie aus eigener Erfahrung noch Tipps für Gründer:innen?

Mein Rat wäre, sich so früh wie möglich um Förderungen zu bemühen. Ich habe bei meinem Projekt damit recht lange gewartet, weil ich erst einmal sehen wollte, ob mein Konzept überhaupt aufgehen kann. Für diese Phase der Forschung und Entwicklung gibt es aber anscheinend die meisten Förderprogramme, gerade für Studierende.

Hier gibt es einen Videobeitrag über das Kieler Pilzwerk.

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