Artenvielfalt fördern – auf dem Balkon oder kleinen Flächen

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Eine Frau gießt Blumen auf ihrem Balkon.

Bienen sind für die Natur von unschätzbarem Wert. Sie bestäuben Obst, Gemüse und Blumen. Sie bilden zusammen mit anderen Insekten das Fundament der Nahrungspyramide und sind damit Lebensgrundlage für Vögel, Frösche und Säugetiere. Doch im Verlauf von nicht einmal 30 Jahren sind mittlerweile Dreiviertel aller Fluginsekten bereits verschwunden. Aus diesem Grund benötigen wir zum Erhalt der Artenvielfalt dringend mehr Blühflächen mit heimischen Pflanzenarten. Auch auf kleinsten Flächen kann man sich aktiv für die Insekten einsetzen. Selbst ein Balkon oder eine kleine Terrasse kann zur Mini-Oase für Mauerbiene und Co. werden.

Norbert Voigt
Dipl.-Biol. Norbert Voigt

Interview mit Norbert Voigt

Dipl.-Biologe Norbert Voigt ist Umweltreferent beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund und Experte für heimische Bienen- und Insektenarten. Im Interview verrät er uns, worauf man bei der bienenfreundlichen Bepflanzung von Balkonen und kleinen Flächen achten sollte.

Herr Voigt, welche Voraussetzungen müssen auf Balkon oder Terrasse grundsätzlich gegeben sein?

Da blütenbesuchende Insekten meist wärmebedürftig sind und sonnige Lebensräume bevorzugen, ist ein besonnter Platz auf dem Balkon oder der Terrasse besonders passend für ein kleines Insektenparadies. Halbschattige Lagen sind aber auch geeignet. Wichtig ist, dass hier verschiedene Pflanzenarten wachsen, die bei Biene und Co. beliebt sind. Ob Sie diese in Hängekübel, Balkonkästen oder Töpfe pflanzen oder säen, spielt für die Insekten keine Rolle. Besonders günstig ist es, wenn in der Umgebung weitere kleine Naturinseln vorhanden sind, die im Austausch mit Ihrer „Oase“ sind.

Welche Pflanzen eignen sich gut als Nahrungsquelle für Insekten?

Kräuter in Töpfen auf einem Balkon.
Kräuter wie Basilikum, Thymian, Salbei und Rosmarin sind eine gute Nahrungsquelle für Bienen.

Es gibt viele Insekten- und Bienenpflanzen, die auch in kleinen Balkonkästen und Kübeln wachsen. Blühende Zwiebel-, Lauch-, Schnittknoblauch- oder Schnittlauchpflanzen werden sehr rege von Insektenarten besucht. In nicht vollsonnigen Bereichen sind auch Zitronenmelisse oder Minze passende Nahrungspflanzen für blütenbesuchende Insekten. Unter den Pflanzen der trockenen Standorte sind zum Beispiel verschiedenste Sedum-Arten (Fetthennen, Mauerpfeffer etc.), Ziest-Arten (Echter Ziest/ Heilziest, Byzantinischer Woll-Ziest) oder die Färberkamille zu empfehlen. Auch Gewürzpflanzen wie Salbei, Thymian, Italienischer Curry-Strauch oder Rosmarin sind eine willkommene Nahrungsquelle für Mensch und Biene.  

Sollten die Pflanzen lieber selbst ausgesät oder schon fertig gekauft werden?

Möchten Sie die Pflanze von klein an wachsen sehen, besorgen Sie sich die Aussaat im Fachhandel und säen Sie diese gemäß Bedienungsanleitung aus. Sicherlich ist hierbei ein wenig mehr „gärtnerisches Geschickt“ gefragt, wenn es um die Menge des Wasserbedarfs der Aussaat bzw. der Jungpflanze geht. Wenn es schneller gehen und ein Ergebnis gleich sichtbar sein soll, empfiehlt sich das Kaufen von bereits vorgezogenen Stauden oder Pflanzen. Achten Sie hierbei auf Regionalität und darauf, dass die Pflänzchen gesund aussehen. Günstige Termine sowohl für die Aussaat als auch die Pflanzung sind im Frühjahr oder im Herbst.

Wann sollte es blühen?

Ideal ist es, wenn möglichst von April bis September etwas blüht, denn viele Insektenarten erscheinen jeweils nur zu bestimmten Zeiten im Jahresverlauf und benötigen dann Nahrung. Dabei muss nicht eine einzige Pflanzenart besonders lange blühen. Es ist günstig, wenn gleichzeitig verschiedene Pflanzen blühen und sich verschiedene Arten im Jahresverlauf ablösen.

Wie lange hat dieses Blütenparadies auf dem Balkon oder der Terrasse Bestand?

Hier lässt sich keine eindeutige Prognose abgeben. Es ist gut möglich, dass sich mit der Zeit einige Arten stärker ausbreiten und andere zurückgehen oder andere Pflanzen auftauchen, die Sie gar nicht gepflanzt oder ausgesät haben. Lassen Sie sich dann gerne überraschen. Dynamik und Veränderungen in der Pflanzenzusammensetzung gehören für ein kleines naturnahes Insektenparadies dazu.

Was kann auf Balkonen und kleinen Flächen sonst noch für Insekten getan werden?

Blütenbesuchende Insekten benötigen nicht nur Nahrung in Form von Pollen und Nektar, sondern auch Entwicklungsorte für ihren Nachwuchs. Daher wird Ihre Mini-Insektenoase in der Regel von benachbarten Flächen aus, die als Hauptlebensraum dienen, besucht. Für Wildbienen können Sie gezielt zusätzlich zu den bunten Blumen Nisthilfen anbieten. Auf unserem YouTube-Kanal zeigen wir Ihnen, was Sie beim Kauf oder Bau dieser sogenannten Insektenhotels beachten sollten.

Welche Kombination aus Wildbienen-Nisthilfe und Blütenangebot ist zu empfehlen?

Eine Wollbiene sitzt an einer Wollziestblüte.
Wollbienen sammeln den Nektar vom Wollziest und bauen mithilfe der Wolle ihre Nester in vorgefundenen Löchern und Spalten.

Wenn Sie Wildbienennisthilfen auf Ihrem Balkon oder im Bereich Ihrer Terrasse platzieren, werden Sie an folgenden Pflanzen vor allem mit folgenden Bienenarten rechnen können:

  • Gewöhnliche Löcherbienen: bevorzugen Pollen an Korbblütlern wie dem gelb blühenden Italienischen Currykraut, der Goldschafgarbe oder verschiedenen Alant-Arten
  • Glockenblumen-Scherenbienen: besuchen Glockenblumen-Arten
  • Maskenbienen: finden sich oft zahlreich an blühenden Lauch- und Zwiebelgewächsen

Manche Ihrer Nisthilfenbewohner, wie die Mauerbienenarten oder die Blattschneiderbienen, finden ihre Nahrung aber vielleicht auch in der näheren Umgebung auf einem Obstbaum, einer Wiese oder einer nicht so intensiv genutzten Grünfläche.

Muss man Angst vor den Bienen und anderen Insekten haben?

Grundsätzlich gilt: Mit geeigneten Nahrungspflanzen und Nistmöglichkeiten lassen sich verschiedene Insekten anlocken. Wildbienen sind in der Regel aber eher an dem Blütenangebot und Nistmöglichkeiten als an süßen Speisen und Getränken interessiert und werden daher selbst in unmittelbarer Nähe zu Ess- und Sitzplätzen nicht lästig.  Auch wenn alle weiblichen Wildbienen stechen können, sind sie doch sehr friedfertig. Einzellebende Wildbienen verteidigen weder ihre Nester noch ihre Nahrungspflanzen gegenüber dem Menschen. Untereinander oder in Konkurrenz mit anderen Insekten kommt es aber gelegentlich zur Konkurrenz und „Rangeleien“.


Die Förde Sparkasse möchte Verantwortung übernehmen und einen Beitrag dazu leisten, dass in unserer Region die Artenvielfalt zunehmend wieder gefördert wird. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund e. V. sowie dem Kollhorst e. V. werden laufend verschiedene Vorhaben und Maßnahmen umgesetzt und von der Stiftergemeinschaft der Förde Sparkasse finanziell unterstützt. Alle Details dazu finden Sie genau hier: www.foerde-sparkasse.de/artenvielfalt

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