Negativzinsen – Folgen für Privatkunden?

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negativzinsen

Müssen Privatkunden von Banken demnächst Negativzinsen auf ihre Einlagen zahlen? Die Antwort auf diese Frage geht aktuell durch die Medien. Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Banken auf Dauer nicht mehr vermeiden können, die zusätzlichen Belastungen durch die anhaltende Null- bzw. Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auch an Privatkunden weiterzugeben.

EZB-Chef Mario Draghi hat den Zinsausblick kürzlich präzisiert: Die Leitzinsen werden mindestes bis Mitte 2020 auf dem jetzigen Niveau bleiben, wenn nicht sogar darunter. Die EZB vermied in ihren Kommentaren bisher diesen letzten Zusatz.

Was genau sind eigentlich Negativzinsen?

Es gibt zwei Formen von Negativzinsen: Zum einen negative Realzinsen und zum anderen negative Nominalzinsen.

  • Beim negativen Realzins ist die Inflationsrate höher als der Marktzins für Sparguthaben. Der Zinssatz kann also auch über 0 % liegen, z.B. bei einem Prozent. Wenn die Inflationsrate dann aber 2 % beträgt, dann schrumpft der reale Wert des Ersparten. Das Geld verliert an Kaufkraft, und Sie haben real weniger Geld zur Verfügung als vorher.
  • Beim negativen Nominalzins liegt der Zinssatz tatsächlich im negativen Bereich, also unter 0 %. In der Folge steigen die Kosten für Banken, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank „zwischenparken“. Nach Berechnungen des Bundesverbands deutscher Banken müssen Kreditinstitute im Euroraum aktuell rund 7,5 Milliarden Euro jährlich an Negativzinsen für ihre überschüssige Liquidität abführen.

Müssen auch Privatkunden mit Negativzinsen rechnen?

Die Diskussion darüber hat sich in den letzten Wochen verstärkt. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die EZB den Zins auf Einlagen noch in diesem Jahr von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 oder sogar minus 0,6 Prozent absenken könnte. Das oben beschriebene „Zwischenparken“ würde damit noch einmal deutlich teurer werden. Bislang geben viele Kreditinstitute einen Teil dieser Belastung lediglich an Firmenkunden bzw. große institutionelle Kunden in Form eines sogenannten „Verwahrentgelts“ weiter (teils grundsätzlich ab Überschreiten einer bestimmten Grenze, teils wird dies individuell verhandelt). Betroffen sind jedoch meist nur hohe, sechsstellige Guthaben auf Tagesgeld-, Festgeld- und Girokonten.

Während dieses Vorgehen bei vielen Banken bereits gelebte Praxis ist, geben bisher nur sehr wenige Institute die zusätzliche Belastung an ihre Privatkunden weiter. Bei der Förde Sparkasse gibt es beispielsweise keine konkreten Planungen in diese Richtung. Unser Vorstand hat immer wieder betont, dass zunächst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die zusätzlichen Kosten abzufedern. Gleichwohl werden auch wir die Entwicklung des Marktes beobachten, insbesondere das weitere Vorgehen der EZB. An diesem hatte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, bereits deutliche Kritik geübt.

Was kann ich tun, um der „kalten Enteignung“ zu entgehen?

Unsere klare Empfehlung: Bessere Anlageformen als z. B. das klassische Sparbuch nutzen! Dieses ist deutschlandweit nach wie vor sehr beliebt, obwohl die Zinsen eines Sparbuchs heute deutlich unter 0,1 % liegen. Im Hinblick auf die weitaus höhere Inflationsrate machen Sie also beim Sparen mit einem Sparbuch unter’m Strich sogar Verluste (negativer Realzins). Daher empfehlen wir – auch unabhängig von möglichen Negativzinsen – sich Anlagealternativen zu suchen, die sich mehr lohnen. Dazu gehören z.B. auch Anlagen in Wertpapiere (Aktien, Fonds, Fondssparpläne usw.). Am besten sprechen Sie Ihren Berater bzw. Ihre Beraterin an.

Die Politik prüft derzeit ein Verbot von Negativzinsen für Privatkunden. Umstritten ist allerdings, ob ein solches Verbot rechtlich zulässig wäre.

3 KOMMENTARE

  1. Es ist bezeichnend, dass sie bei dieser „Aufklärung“ über den Negativzins gleich Ihre Werbung für Schliessfächer dazu schalten. Wenn ich mein Geld dort hinein lege zahle ich keine „Strafzinsen“, toll. Dafür zahle ich dann die nicht unerhebliche Miete der Fächer. Lege ich das Geld unters Kopfkissen freuen sich die Einbrecher, die ganz sicher vermehrt in die Häuser gehen werden weil die Leute ihr Geld sparen wollen. Die Schließfächer sind auch nur bis zu einem Höchstwert versichert.
    Das Geld anlegen ist in Zeiten von schwachsinnigen Präsidenten auf der Welt auch ein Abenteuer, weil der Einfluss auf ziemlich alle Aktienfelder Auswirkungen haben kann. Da ein Trump ganz sicher wiedergewählt wird bleibt uns dieses Risiko erhalten. Wo finde ich sichere Alternativen? Wenn ich sie nicht schädigen will, muss ich sie von meinem Geld schon mal entlasten. nun ist es meine Aufgabe mir einen neuen Anlageberater zu suchen.

    • Hallo Herr Lies,

      der Blogartikel zum Thema Schließfächer, der Ihnen vermutlich als Vorschlag neben diesem Blogartikel angezeigt wurde, zählt u.a. zu unseren meistgelesenen Artikeln. Diese werden als Vorschläge neben jedem Blogartikel angezeigt und dienen nicht als Werbung. Thematisch hat dieser Artikel über Schließfächer (der aus dem Jahr 2016 stammt) nichts mit den Negativzinsen zu tun.

      Einen neuen Anlageberater müssen Sie sich keinesfalls suchen. Wir sind für unsere Kundinnen und Kunden da – auch in schwierigen Zeiten. Ihr Berater oder Ihre Beraterin der Förde Sparkasse steht Ihnen gern zur Seite. Vereinbaren Sie hier einfach einen Termin: https://termin.foerde-sparkasse.de/?beratername=Beratername&prm=pld2017

  2. Moin! Nun also 0,5% Strafzins bei der EZB. Ich habe noch keinen Banker vor der EZB streiken sehen. Wäre mal was. Jeden Freitag wie FfF-Bewegung vor der EZB demonstieren. Dabei wurden von Seiten der Wirtschaftsforschungsinstitute einige Vorschläge gemacht, wie es anders gehen könnte.

    Damit ihr das Geld dort nicht einlagern müsst, stelle ich alle meine Socken zur Verfügung.

    Ich bin für ein Gesetz, dass die EZB dazu verpflichtet, uns über so einen langen Zeitraum die Sparzinsen vorzuenthalten, diese direkt bei Erreichung des Inflationsziels, an uns zurückzuzahlen.

    Ist eine Idee, die mir spontan nach den Nachrichten heute so eingefallen ist.

    Schönen Abend
    PL

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