Was Sie zur energetischen Modernisierung Ihres Eigenheims wissen müssen

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Thermoscan vor Einfamilienhaus

Hausbesitzer:innen, die beispielsweise ein Fertigbauhaus aus den 80er Jahren ihr Eigen nennen, brennen die aktuellen Betriebskosten besonders auf den Nägeln. Damit sich die eigenen vier Wände nicht zur Kostenfalle entwickeln, sollte energetisches Sanieren bzw. Modernisieren bei älteren Objekten ganz oben auf der Agenda stehen. Doch wo anfangen, wie finanzieren? Rupert von Buddenbrock, Gebietsleiter der LBS in der Förde Sparkasse und zertifizierter Modernisierungsberater, liefert Antworten.

Interview mit Rupert von Buddenbrock

Herr von Buddenbrock, wenn der/die Eigentümer:in ein Einfamilienhaus von Grund auf energetisch sanieren möchte, steht man wie der berühmte Ochse vor dem Berg – man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Haben Sie hier schon am Anfang einen Tipp für den Einstieg in ein solches Unterfangen?

Rupert von Buddenbrock, LBS

Das stimmt. Selbst Fachleute müssen aufpassen, bei der Flut an neuen Gesetzen und Normen den Überblick zu behalten. Man kann von einem „Energiespar-Dschungel“ sprechen. Alleine die Energieeinsparverordnung von 2014 basiert auf 61 Normen. Dazu kommt, dass hier Geregeltes schon gar nicht mehr dem Stand der Bautechnik entspricht. Es dauert zu lange, solche Normen zu erlassen. Mit der Folge, dass sie bei Inkrafttreten veraltet sind. Mein Tipp: Suchen Sie sich einen Fachmann, der Sie gewerkübergreifend berät und Ihnen die Möglichkeiten aufzeigt, wie Sie so gut wie möglich und so viel wie nötig sanieren können. Lassen Sie sich bei allen Überlegungen vom gesunden Menschenverstand leiten. Helfen kann hier ein:e anerkannte:r Energieberater:in, ein:e Architekt:in oder ein:e vom Bundesverband der Gebäudesanierer zertifizierte:r Modernisierungsberater:in.

Gibt es denn aus Ihrer Sicht eine Art Masterplan, eine bestimmte Reihenfolge der zu sanierenden Gewerke? In welchen Bereichen lässt sich am meisten Energie einsparen und damit Betriebskosten senken?

Ja, so einen Plan gibt es:

  1. Energieberatung. Damit Sie wissen, wie der Status Quo ist und wo das Verbesserungspotenzial an Ihrem Objekt ist.
  2. Planung: Damit Sie wissen, was an Maßnahmen und an Kosten auf Sie zukommt.
  3. Finanzierung: Damit Sie eine für Sie eine passende Finanzierungsform erhalten und mögliche Förderungen nutzen können.
  4. Modernisierung umsetzen.

Zudem gibt es eine Formel, die im Moment das Optimum an Sanierungsmaßnahmen darstellt: 24.16.10.3.S. Dach: 24 cm dick dämmen, Fassade: 16 cm dick dämmen, Kelleraußenwände/Kellerdecke 10 cm dick dämmen, 3fach verglaste Fenster, und das „S“ steht für Sonne anzapfen, also regenerative Energien nutzen.

Eine veraltete Heizung gilt gemeinhin als der größte Kostenfaktor für hohe Betriebskosten. Was ist nach ihrer Ansicht aktuell das ideale Heizsystem?

DAS ideale Heizungssystem im Allgemeinen gibt es nicht. Allerdings gibt es immer individuell die richtige Heizungsanlage für den/die einzelne:n Hauseigentümer:in. Die Kunst des Fachmannes ist es, diese Anlage zu konfigurieren. Insofern sind Wärmepumpen, egal ob Wasser-Wasser, Sole-Wasser oder Luft-Wasser, nur eine mögliche Lösung. Viel wichtiger ist, sich bei der Planung und Dimensionierung der Heizungsanlage von dem Satz: „Die billigste Energie ist die, die man nicht braucht.“ leiten zu lassen. Wärmepumpen sind optimal bei Neubauten oder bei gut gedämmten Bestandsimmobilien. Aber auch Solarthermie, Pelletheizungen, Blockkraftheizwerke oder Brennstoffzellen können das richtige Mittel der Wahl sein.

Innerhalb der Solarthermie gibt es ebenfalls Unterschiede. Welche sind es und was ist wann sinnvoll?

Man unterscheidet Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und zur Heizungsunterstützung. Wobei heizungsunterstützende Anlagen auch Warmwasser aufbereiten. Eine Solaranlage ist immer eine gute Investition. Sie kann vorhandene Öl- oder Gasheizsysteme unterstützen oder ist beim Tausch des Wärmeerzeugers eine gute Option. Entscheidend ist oft der Platz: Für ein Einfamilienhaus benötigt man für die Warmwasserbereitung eine Kollektorfläche von ca. 4-6 Quadratmetern auf dem Dach, bei einer heizungsunterstützenden Anlage ist es etwa das Doppelte. Wenn ein Heizsystem mit niedriger Betriebstemperatur vorhanden ist, sollte man eine Anlage zur Heizungsunterstützung und Trinkwassererwärmung vorziehen.

Mit welchem Zeitrahmen muss der/die Hauseigentümer:in insgesamt rechnen, um ein einfaches Einfamilienhaus vollständig energetisch auf den neuesten Stand zu bringen?

Es gibt Ansätze von Verbänden und der Industrie, die es anstreben, innerhalb von 77 Tagen von der Planung bis zur Fertigstellung der vollumfänglichen Sanierung zu gelangen. Jedoch müssen dann alle Rädchen optimal ineinandergreifen. Die einzelnen Gewerke müssen nahtlos aneinander anknüpfen und optimal abgestimmt sein. Aktuell muss man, je nach Verfügbarkeit der Handwerker:innen und Umfang der Arbeiten, mit dem 2,5 bis Dreifachen an Zeit rechnen.

Eine energetische Sanierung kostet eine Stange Geld. Und in manchen Konstellationen wird man sogar gesetzlich zur energetischen Sanierung verpflichtet. Der Staat bietet aktuell vielerlei finanzielle Anreize. Wie kann man hier das Optimum aus der staatlichen Förderung herausholen und von welchen Institutionen ist auch eine kostenlose Beratungshilfe zu erwarten?

Auch hier gilt: Lassen Sie sich von Fachleuten beraten! Wenn es an die Finanzierung geht, sind Sie bei Ihrem Berater oder Ihrer Beraterin in der Sparkasse mit Ihrem LBS-Bezirksleiter an der richtigen Stelle! Was Förderprogramme oder Zuschüsse der KfW angeht, ist man hier bestens aufgehoben. Jedoch macht es Sinn, sich auch in seiner Gemeinde oder seiner Kommune zu informieren. Häufig bieten diese auch regionale Förderungen an, die attraktiv sind. Leider ist auch hier ein Dschungel entstanden, den kaum jemand vollumfänglich durchschaut. Fragen Sie daher auch schon während der Planungsphase Ihre:n Energieberater:in oder Architekten/Architektin vor Ort, ob er/sie Ihnen Tipps über regionale Förderprogramme geben kann.

Die Wahl der richtigen Handwerksunternehmen ist ebenfalls nicht einfach. Woran kann ich erkennen, dass es sich bei dem Unternehmen um einen soliden Partner handelt, der auch weiß was er da tut. Gibt es besondere Zertifizierungen, die einem die Entscheidung des passenden Partners einfacher machen würde?

Es gibt hier mehrere Möglichkeiten. Fragen Sie eine:n Handwerker:in Ihres Vertrauens, den/die sie beauftragen wollen, nach Partnerfirmen, mit denen er/sie bereits erfolgreich zusammengearbeitet hat. Ein solches Netzwerk kann Ihnen viel Arbeit in Sachen Koordination und Organisation sparen. Oder fragen Sie in Ihrer Sparkasse und Ihre:n LBS-Berater:in vor Ort, ob Sie hier einen Tipp bekommen können. Die Sparkasse hat viele Handwerker:innen als Kund:innen und ist dadurch hervorragend vernetzt. Da bekommen Sie mit Sicherheit auch eine gute Empfehlung!

Nun haben Sie immer wieder die Sparkasse gemeinsam mit der LBS als Ansprechpartner erwähnt. Es scheint also nicht nur um passende Finanzierungsmodelle zu gehen.

Richtig. Die Förde Sparkasse und die LBS verstehen sich als Partner in der Region, die für ihre Kund:innen auch umfangreichen Service über die klassischen Aufgaben hinaus bereithalten. So werden in der Förde Sparkasse Kundenveranstaltungen durchgeführt, bei denen sich Interessierte über die aktuellen Herausforderungen bei Modernisierung und Sanierung informieren können. Hier berichten Fachleute und geben Tipps und Tricks. Viele Handwerksunternehmen aus der Region sind gleichzeitig Kunden der Förde Sparkasse. So können wir Hausbesitzer:innen und Handwerker:innen zusammenbringen. Eine Win-Win-Situation für alle.

Tipp: Sie wollen wissen, welche Kosten auf Sie bei der energetischen Modernisierung Ihres Hauses zukommen? Dann rechnen Sie doch gleich hier über unseren Modernisierungsrechner ganz einfach alles aus.

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