Weniger ist mehr? Was zunächst wie ein kleiner Schritt wirkt, könnte große Veränderungen mit sich bringen. Das Nationale Bargeldforum, ein von der Bundesbank ins Leben gerufenes Expertengremium, fordert nun öffentlich das Ende der 1- und 2-Cent-Münzen. Ziel sei es, Barzahlungen künftig auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag zu runden – ganz nach dem Vorbild einiger Nachbarländer.
Warum dieses Thema gerade jetzt so aktuell ist
Die Diskussion kommt nicht von ungefähr. Schon seit Jahren wird über die Sinnhaftigkeit der kupferfarbenen Kleinstbeträge gestritten. Das Bundesfinanzministerium und Vertreter des Einzelhandels werden regelmäßig mit der Frage konfrontiert: Brauchen wir diese Münzen überhaupt noch?
Das Bargeldforum hat nun ein klares Signal gesendet:
Ja zur Barzahlung – aber nein zu ineffizientem Kleingeld.
Die Schattenseite der Kupfermünzen
Was viele nicht wissen: Die Produktion der 1- und 2-Cent-Münzen ist teuer – sogar teurer als ihr Nennwert. Laut Schätzungen kostet die Herstellung einer einzigen 1-Cent-Münze bis zu 1,65 Cent. Hinzu kommen Transport, Lagerung und der Aufwand im Zahlungsverkehr. Ein Großteil der Münzen verschwindet zudem dauerhaft aus dem Umlauf – sie landen in Sparschweinen, Schubladen oder gehen verloren.
Auch aus ökologischer Sicht ist das Kleingeld problematisch. Für die Herstellung werden Rohstoffe wie Kupfer und Stahl benötigt. Die Ökobilanz der Centmünzen ist daher – freundlich ausgedrückt – durchwachsen.
Was andere Länder anders machen
Ein Blick über den Tellerrand zeigt: Deutschland wäre nicht das erste Land, das sich von den kleinen Münzen verabschiedet.
- Finnland rundet bereits seit 2002 alle Barzahlungen auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag – mit großem Erfolg.
- Italien, Irland und die Niederlande haben ähnliche Regelungen eingeführt.
- Belgien verabschiedete 2014 ein Gesetz, was die freiwillige Rundung des Endbetrages auf dem Kassenzettel vorsah. Seit 2019 ist sie Pflicht.
Die EU-Kommission selbst veröffentlichte bereits 2020 eine Studie, die einheitliche Rundungsregeln im gesamten Euro-Raum vorschlägt. Übrigens: Auch EU-Staaten, die andere Währungen nutzen, machen von den Möglichkeiten zum Runden Gebrauch. So wird beispielsweise in Dänemark und Ungarn gerundet.
Was würde das für uns bedeuten?
In der Praxis würden Barzahlungen gerundet – aber nur die Endbeträge, nicht die einzelnen Preise im Laden. Ein Produkt für 4,99 € bliebe also bei diesem Preis. An der Kasse würde der Gesamtbetrag dann auf- oder abgerundet:
- 4,92 € → 4,90 €
- 4,93 € → 4,95 €
- 4,98 € → 5,00 €
Elektronische Zahlungen blieben davon unberührt – hier würde weiterhin der exakte Betrag belastet. Verbraucher:innen hätten somit die Wahl, ob sie lieber bar und gerundet oder elektronisch und exakt zahlen wollen.
Die Rolle der Sparkassen im Wandel des Zahlungsalltags
Gerade Sparkassen stehen bei diesem Thema im Fokus – schließlich begleiten sie Menschen im Alltag bei allen Fragen rund ums Bezahlen. In vielen Regionen sind Sparkassen Marktführerin im Privatkundengeschäft und stehen für eine starke Bargeldinfrastruktur.
Schon heute beraten Sparkassen ihre Kund:innen regelmäßig zu bargeldlosen Alternativen – von kontaktlosem Bezahlen per Karte bis hin zu innovativen Smartphone-Lösungen wie Apple Pay oder der Sparkassen-App „Mobiles Bezahlen“. Die Deutsche Kreditwirtschaft betont, dass die Sparkassen jetzt und auch in Zukunft für die Wahlfreiheit beim Bezahlen stehen, dies schließt das Bargeld ausdrücklich mit ein. Die Sparkassen unterstützen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung im Bargeldkreislauf, denn ein reibungsloser Zahlungsverkehr liegt im Interesse aller. Die Sparkassen sorgen mit flächendeckender Bargeldversorgung, besonders in ländlichen Regionen, dafür, dass Bargeld auch künftig verfügbar bleibt – auch wenn vielleicht bald etwas weniger Kupfer im Umlauf sein wird.
Sollten die 1- und 2-Cent-Münzen tatsächlich abgeschafft werden, werden Sparkassen als verlässliche Partnerin eine wichtige Rolle bei der Umstellung und Kommunikation spielen: im Kundengespräch, am Geldautomaten, im Onlinebanking oder bei der Kontoauswertung.
Was sagen Verbraucher:innen und Handel?
Im jüngsten Eurobarometer – eine Meinungsumfrage, die jährlich von der Europäischen Kommission in allen EU-Staaten in Auftrag gegeben wird – sprach sich die Mehrheit der Befragten dafür aus, 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen. Von den etwa 18.600 Befragten aus den Euroländern sprachen sich 61 Prozent für die Abschaffung der kleinen Münzen aus, bei Befragten aus Deutschland waren es 53 Prozent.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) zeigt sich jedoch zurückhaltend. Zwar sehe man Vorteile bei Logistik und Handling, jedoch warnt der Verband vor zusätzlichem Aufwand: Solange Kund:innen mit Cent-Münzen bezahlen, der Handel diese aber nicht mehr zurückgeben würde, entstünde ein logistisches Ungleichgewicht.
Gibt es rechtliche Hürden?
Die Einführung einer Rundungsregel in Deutschland ist aktuell nur auf freiwilliger Basis möglich. Solange die EU nicht einheitlich entscheidet, ob die Münzen aus dem Verkehr gezogen werden sollen, müssen nationale Lösungen rechtlich stimmig bleiben. Eine europaweite Abschaffung wäre somit der logischere und langfristig effektivere Weg, wie auch die EU-Kommission in einer Studie 2020 betonte.
Fazit: Das Ende der 1- und 2-Cent-Münzen?
Ob Nostalgie oder Praktikabilität – die kleinen Münzen sind für viele ein Teil des Alltags. Dennoch spricht vieles dafür, sich von ihnen zu trennen:
- Kosteneffizienz
- Ökologische Gründe
- Zeitersparnis an der Kasse
- Beispielhafte Vorbilder in Europa
Der Ball liegt nun bei der Politik – national wie auf EU-Ebene. Vielleicht ist es Zeit, den sprichwörtlichen letzten Cent endlich ruhen zu lassen.