Volatilität – Stimmungsbarometer der Börsen

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„In der Corona-Krise war die Volatilität an den Kapitalmärkten so hoch wie noch nie zuvor!“ Diesen oder ähnliche Sätze konnten Sie in Börsenzeitschriften lesen oder von Kapitalmarktexperten hören. Aber was ist diese Volatilität eigentlich, warum spielt sie eine so große Rolle und wie errechnet sich diese überhaupt?

Was ist Volatilität?

Die Volatilität ist eine rechnerische Größe und bezeichnet das Ausmaß an Schwankungen des Börsenkurses eines Wertpapiers, eines Index (DAX, Dow Jones etc.) oder anderen Arten von börsengehandelten Werten. In der Regel wird sie im Bezug auf ein Jahr berechnet.

Welche Arten gibt es?

Die historische Volatilität: Schwankungen eines Wertpapieres in der Vergangenheit werden gemessen, um für die künftige Entwicklung einen Richtwert zu ermitteln. Die historische Volatilität wird auch als Spätindikator für wirtschaftliche Entwicklungen verwendet und kann bereits mit einfachen statistischen Verfahren ermittelt werden.

Die implizite Volatilität: Diese Art ist bedeutend komplexer und errechnet sich aus den durchsetzbaren Preisen für Optionsgeschäfte professioneller Anleger am Kapitalmarkt. In der Regel gilt: Steigen die Aktienkurse über einen längeren Zeitraum, fällt die Volatilität. Fallen die Aktienkurse hingegen aufgrund von z.B. schlechten wirtschaftlichen Daten, steigt sie. Da an der Börse aber eben häufig auch Erwartungen gehandelt werden, kann die implizite, übersetzt die mit inbegriffene, Volatilität als Frühindikator für wirtschaftliche Entwicklungen dienen. Zur Orientierung hierfür kann beispielsweise der V-DAX, der Volatilitäts-DAX, herangezogen werden.

Warum spielt die Volatilität eine so wichtige Rolle?

Es ist auch die implizite Volatilität, über die Kapitalmarktexperten und Börsenzeitschriften in der Regel sprechen bzw. schreiben, denn sie gilt als Stimmungsbarometer der Anleger. So ist es nicht verwunderlich, dass wir in den besonders unsicheren Zeiten der Corona-Pandemie historisch hohe implizite Volatilitäten gemessen haben (so auch zur Zeit der Finanzkrise 2008 und der Eurokrise 2012). Die implizite Volatilität ist deshalb ein so wichtiges Maß für die Anleger, da es die Erwartungen der Börsenteilnehmer widerspiegelt.

Vereinfacht, ist die Wirkungskette wie folgt vorstellbar: Trüben sich die Erwartungen an die Kursentwicklungen von Wertpapieren aufgrund von schlechten Unternehmensnachrichten oder Einbruch der Konjunktur ein, verkaufen die Anleger die gehaltenen Wertpapiere. Je mehr Anleger verkaufen, desto stärker fallen die Kurse und umso stärker steigt die gemessene implizite Volatilität. Eine grundsätzliche Aussage ab wann ein Markt oder ein Wertpapier hochvolatil bzw. die Stimmung der Anleger von Angst erfüllt ist, lässt sich nur schwer treffen, da die Börse auch im Normalfall Schwankungen unterlegen ist. Vielmehr sind hohe Anstiege in Verbindung mit schlechten wirtschaftlichen oder unternehmensrelevanten Daten ein starker Indikator dafür, dass die Anleger von fallenden Kursen ausgehen. Jedoch können Sie als Anleger auch von einer höhen Volatilität an den Märkten profitieren. So zum Beispiel mit einem Fondssparplan in einen Aktienfonds. Sinken die Kurse der Investmentfondsanteile, dann erwerben Sie mit einer gleichbleibenden Sparrate eine größere Menge an Anteilen. Steigen die Kurse an der Börse wieder, erwerben Sie mit einer gleichbleibenden Rate zwar weniger Investmentfondsanteile, die von Ihnen gehaltenen Anteil steigen aber im Wert, sodass Sie indirekt von sinkenden Kursen profitieren und so Schwankungen in Ihrem eigenen Depot für Sie selbst ausgleichen können.

Über den Autor:

Der Betriebswirt Daniel Afzal ist Wertpapierkoordinator bei der Förde Sparkasse.

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