Mutlos, bequem und unwissend – so spart man sich arm

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Leere Hosentasche

Das größte Risiko für Sparer ist, bei der Geldanlage kein Risiko einzugehen. Wertpapieranlagen sind natürlich mit Risiken, bis hin zum Totalverlust, behaftet. Doch was ist die Alternative? Zinsen gibt es kaum mehr und die Inflation hat den Deutschen von Oktober 2020 bis Oktober 2021 über 177 Milliarden Euro Sparvermögen gekostet. Wer sein Geld „sicher“ auf seinem Sparbuch oder Kapitalkonto parkt, tut aktuell das Gegenteil von dem, was er eigentlich damit erreichen will: Er oder sie spart sich arm. Ist dieses Verhalten wirklich nur eine Frage des fehlenden Mutes?

Schwankungen und Kontrollverlust

Armsparen ist übrigens kein gänzlich deutsches Phänomen. Das Gros der Europäer neigt zum Armsparen wie eine aktuelle Umfrage von JPMorgan Asset Management unter 6 000 Frauen und Männern in zehn europäischen Ländern zeigt. Wertpapieranlagen werden demnach von vielen Europäern vor allem mit Schwankungen und Risiken assoziiert.

Viele der Umfrageteilnehmer*innen glauben, dass Investments ein weitaus höheres Engagement erfordern. Drei Viertel befürchten, dass es notwendig ist, die Geldanlage regelmäßig zu überwachen. Zwei Drittel sind zudem überzeugt, dass es schwierig ist, die Entwicklung ihrer Wertpapieranlagen einzuschätzen und haben Angst, den Überblick zu verlieren. Im Gegensatz dazu werden Sparprodukte weiterhin als einfach verständlich, flexibel und leicht zugänglich angesehen. Die Ursache dieser Angst vor dem Kontrollverlust hat sicherlich viel mit fehlender Finanzbildung zu tun, doch auch der Hang zur Bequemlichkeit schwingt in diesen Umfrageergebnissen mit.

Finanzielle Analphabetismus

Bequemlichkeit ist sicherlich eine sehr persönliche Einstellung, die sich kaum von außen verändern lässt. Anders sieht es mit dem fehlenden Know-how in Finanzfragen aus. Finanzexperten sprechen schon länger von einem finanziellen Analphabetismus, der unter den Sparerinnen und Sparern grassiert. Dabei sind es nicht nur die Jugendlichen, denen in der Schule kaum Finanzwissen vermittelt wird, auch junge Erwachsene gestehen Defizite in Finanzfragen ein wie jüngst eine Studie unter mehr als 2 000 Personen zwischen 18 und 29 Jahren feststellen musste: Die meisten jungen Erwachsenen in Deutschland geben ihrem eigenen Finanzwissen gerade noch die Schulnote 3. Um das Vertrauen in Wertpapiere zu stärken, ist es daher notwendig, zielgerichtete Informationen zur Verfügung zu stellen und ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge bei der Geldanlage zu vermitteln. Und so ist es nicht überraschend, warum die EU-Kommission betont, wie wichtig die Entwicklung einer größeren Finanzkompetenz ist.

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