Mein Auslandssemester in Harvard

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Sie gilt als Universität der Superlative: Die Harvard University. Gelegen in Cambridge bei Boston im US-Bundesstaat Massachusetts, haben hier sieben US-Präsidenten studiert, ebenso Bill Gates und Mark Zuckerberg. Und was mache ich jetzt eigentlich hier?

Erstmal ein paar Schritte zurück…

Mein Name ist Marc, ich arbeite bei der Förde Sparkasse und belege gerade das vorletzte Semester meines berufsbegleitenden MBA Studiums. Pflichtbestandteil des Studiums ist auch ein Auslandssemester, bei dem wir Studenten frei bei der Auswahl des Landes und der Universität sind.

Nachdem die ersten überschwänglichen Ziele wie Hawaii oder Bali aus unerklärlichen Gründen vom Prüfungsamt nicht zugelassen wurden (es gab also doch gewisse Rahmenbedingungen, die die Universitäten im Ausland erfüllen müssen), habe ich mich gefragt: Was will ich eigentlich? Während für mich ziemlich schnell fest stand, dass es in die USA gehen soll, fiel das Abwägen zwischen Ost- und Westküste, zwischen Großstadt- und Naturpanorama, zwischen möglichst viel Lernen und möglichst viel Erleben und somit die Auswahl zwischen den Universitäten deutlich schwerer. Mit der Zeit wurde aber der Gedanke „Wenn schon Auslandsstudium, dann will ich auch versuchen, nach Harvard zu kommen!“ immer stärker. Frei nach dem Motto: Einfach mal machen.

Also… Harvard!

Die größte Hürde dabei war neben einem Empfehlungsschreiben von der Uni und einem ganzen Haufen Kohle der Englischtest TOEFL, bei dem eine ziemlich hohe Punktzahl Voraussetzung ist. Also gab es ab diesem Zeitpunkt im TV für mich nur noch Serien und Filme auf Englisch und ich habe sogar eine spezielle Testvorbereitung bei einem Trainer gemacht. Die darauf folgenden nervenzehrenden Monate bestanden aus Unterlagen einreichen, Bürokratie, Geld überweisen, nachts den Wecker stellen, um sich als erster in die Wunschkurse eintragen zu können, nochmal Geld überweisen, noch viel mehr Unterlagen einreichen usw. Kurzum: Am Ende hat es geklappt – ich durfte über den Sommer nach Harvard.

Ein Einblick

Am meisten beeindruckt hat mich die Stimmung auf dem Campus: Es hatte tatsächlich etwas alt-ehrwürdiges, durch die großzügigen Parkanlagen zwischen den Vorlesungsgebäuden zu schlendern.

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Parkgelände am Harvard Square

Allein diese Stimmung und das Gefühl, hier zu studieren, hat mich an vielen Tagen motiviert, etwas für die Uni zu tun. Ein Gefühl, das ich in Deutschland bislang nicht hatte. Neben der Ausstattung und den Vorlesungsräumen waren es aber die Profs, die einen entscheidenden Unterschied gemacht haben. Nicht nur, dass ich den Eindruck hatte, dass man tatsächlich daran interessiert war, uns etwas beizubringen – nein, es gab auch jede Menge Lernangebote, die ich nicht gewohnt war. Als erstes möchte ich von den sogenannten Teaching Assistants (TA’s) berichten. Dies sind Absolventen, die in dem Bereich ihre Doktorarbeit schreiben und optionale Stunden anbieten. Hier konnten wir Studenten mit ihnen diskutieren, Beispiele besprechen und Übungsaufgaben für die Abschlussklausuren durchgehen. Da das ganze freiwillig war, saßen wir dort manchmal auch nur mit 4-5 Leuten.

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Historisches Vorlesungsgebäude
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Mit Studentenausweis vor der Widener Bibliothek
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Praxisbeispiele mit einem TA

Im Gegensatz zu den regulären Vorlesungen der Profs war bei den TAs alles viel entspannter. Es fängt damit an, dass nur die Leute da sind, die eben Lust darauf haben: Da wird es keinem übel genommen, wenn er die letzte Nacht noch in den Knochen hat. Im Gegenteil – jeder der trotzdem seinen Teil zu den Diskussionen beiträgt, ist umso mehr willkommen. Wir haben viel mehr Fragen gestellt, mehr diskutiert und es war insgesamt eine total lockere Atmosphäre. Fühlte sich gar nicht nach Lernen an.

Die Kurse

Ich habe zwei Kurse während des Sommersemesters belegt: Am besten gefallen hat mir Judgement and Decision Making. Dabei ging es um den Entscheidungsprozess beim Menschen. Wie treffe ich Entscheidungen, wovon lässt sich mein Gehirn beeinflussen? Und vor allem: Wie kann ich besser werden? In dem Kurs habe ich so viele Sachen sowohl für das berufliche als auch für das Privatleben gelernt. Insbesondere die psychologischen Bestandteile waren total spannend. Viele der Verhaltensmuster, die wir analysiert haben, entdecke ich nun regelmäßig bei anderen und natürlich auch noch bei mir selbst.

Mein zweiter Kurs war nicht weniger anspruchsvoll, ging aber in eine ganz andere Richtung: Public finance and public policy. Ein klassischer VWL Kurs, in dem vorrangig aktuelle politische Entscheidungen der US- Regierung hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Wirtschaft untersucht wurden. Beispiele: Abschaffung Obamacare und die Mauer zu Mexico.

Und neben dem Studium?

Auch abseits der Vorlesungszeit habe ich in Boston viel erlebt: Die Stadt ist voller Studenten (hier sind drei große Unis!), es gibt ein riesen Sportangebot, Studentenbars an jeder Ecke, Karaokepartys, sowohl Großstadtflair als auch Strände innerhalb von wenigen Stationen mit der U-Bahn erreichbar. Ein Highlight für mich persönlich war zum einen Whalewatching – vor der Küste von Massachusetts ist ein riesiges Naturschutzgebiet, in dem sich u. a. mit den Finnwalen einige der größten Wale der Welt aufhalten. Zum anderen konnte ich an den lernfreien Wochenenden zu Beginn auch andere Teile der USA erkunden, New York ist zum Beispiel nur vier Stunden mit dem Auto entfernt.

Mein Fazit

Insgesamt war es eine wahnsinnig tolle Erfahrung, ich habe so viele Leute aus allen Teilen der Welt kennengelernt und habe persönlich viel von der Zeit mitgenommen. Spannend war es für mich vor allem, wie ich mit den Leuten aus, sagen wir mal den gehobenen Bevölkerungsschichten klar komme. Man hat ja seine Vorurteile, womit wir wieder beim Thema Judgement and Decision Making wären. 😉 Tatsächlich gab es kaum Kommilitonen, deren Eltern kein großes Unternehmen besitzen oder die nicht schon selber Startups gegründet haben. In Erinnerung wird mir eines meiner ersten Gespräche mit einem Mitstudenten aus der Ukraine bleiben, dem ich erzählt habe, dass ich in einer Bank arbeite, woraufhin er entgegnete: „Cool, meinem Vater gehört auch eine Bank.“

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Downtown Boston vom Schiff aus
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Essensraum, bekannt aus Harry Potter („sprechender Hut“)

4 KOMMENTARE

    • Hallo, wir haben unseren Kollegen Marc dazu nochmal befragt. Seine Antwort dazu:
      „Ja, da hast du Recht, auf die genauen Kriterien war ich nicht im Detail eingegangen. In der Tat waren die Unterlagen, die angefordert wurden u. a. das Bachelorzeugnis und der aktuelle Stand der Noten aus dem Master. Außerdem brauchte ich ein Empfehlungsschreiben von der Uni (hat mein Prof. geschrieben), in dem auch drin stand, dass ich das nebenberuflich mache. Neben dem TOEFL-Test (mind. 100 Punkte) waren das aber alle Anforderungen vorweg. Je nach den Kursen, die man wählt, gibt es noch zusätzliche Tests, die man allerdings vor Ort am ersten Vorlesungstag ablegen muss. (z. B. bestimmte Mathe-Skills). Das traf auf meine beiden Kurse aber nicht zu.“
      Wir hoffen, das beantwortet die Frage? VG

    • Hallo Lale,
      für das Auslandssemester hat Marc kein Motivationsschreiben gebraucht. Die Bewerbungsanforderungen waren vielmehr Notenschnitt des bisherigen Studiums, Bestätigung der Uni, dass das Auslandssemester zum Studienabschluss in Deutschland angerechnet wird und der TOEFL Test (s. Kommentar weiter oben).
      Viele Grüße

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