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Lange Nacht der Demokratie: Interaktive Workshops mit Investigativjournalist Carsten Janz

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Demokratie lebt vom Mitmachen – und vom gemeinsamen Austausch. Im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie fanden bei uns in der Förde Sparkasse zwei Workshops mit dem Investigativjournalisten Carsten Janz statt. Dabei ging es um die Frage, wie wir Informationen kritisch hinterfragen, Zusammenhänge erkennen und gerade in Zeiten von Fake News und Desinformation den Überblick behalten können.

Was ist die Lange Nacht der Demokratie?

Die Lange Nacht der Demokratie lädt dazu ein, Demokratie gemeinsam zu erleben, zu diskutieren und zu reflektieren. In der Nacht vor dem Tag der Deutschen Einheit bieten zahlreiche Veranstaltungen Raum für Austausch, Begegnung, Kultur und neue Perspektiven – und machen Lust darauf, sich aktiv für die Demokratie einzubringen. In Schleswig-Holstein wird die Lange Nacht der Demokratie vom Landesbeauftragten für politische Bildung und dem Landesverband der Volkshochschulen koordiniert und von den Sparkassen Schleswig-Holstein gefördert.

Interview mit Carsten Janz

Investigativjournalist Carsten Janz

Carsten Janz ist Investigativjournalist, Blogger und Dozent. In dem Projekt „Tatort soziale Netzwerke“ beschäftigt er sich mit Verschwörungsmythen und Fake News im Internet und klärt Schüler:innen über Gefahren im Umgang mit den sozialen Medien auf. Janz ist Gründer des Vereins „Puls der Demokratie“, der sich für Demokratie und Medienbildung an Schulen einsetzt. Für unseren Förderverein für Medienkompetenz in Schulen e. V. ist Janz ebenfalls als Referent tätig und veranstaltet nach Absprache Workshops in unseren Partnerschulen.

Zur Langen Nacht der Demokratie haben wir ihn in die Förde Sparkasse eingeladen. Denn Medienkompetenz ist eine wichtige Grundlage für eine lebendige Demokratie. Wer Nachrichten und Informationen kritisch hinterfragen, Quellen einschätzen und Fakten von Meinungen oder Desinformation unterscheiden kann, ist besser in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Vor Beginn der Veranstaltungen haben wir ihn zum Interview getroffen.

1. Was bedeutet Demokratie für dich?

Demokratie ist erst mal ganz viel Freiheit, ganz viel Mitmachen. Und deshalb kann ich mir nicht vorstellen, in einer anderen Form gemeinsam miteinander zu leben.

2. Die Lange Nacht der Demokratie will ja Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Was meinst du, warum sind genau solche Begegnungsformate so wichtig?

Schon als Investigativjournalist habe ich gelernt: Es bringt nichts, vor dem Rechner zu sitzen, sich irgendwelche Sachen auszudenken und ein bisschen zu googeln. Sondern die wirklichen guten Momente hat man, wenn man miteinander spricht. Das gehört ja im Übrigen auch zu der Demokratie dazu: Dass man nicht immer einer Meinung ist und dann in einen guten Austausch geht. Man darf sich auch mal ein bisschen fetzen, aber am Ende kann man vielleicht die Meinung des anderen besser verstehen. Und deshalb halte ich es für ganz wichtig, dass wir Formate haben, in denen wir ins Gespräch kommen, unterschiedliche Meinungen austauschen und am Ende trotzdem noch die Hand geben, vielleicht ein Getränk miteinander nehmen und den anderen so sein lassen, wie er ist.

3. In deinen Workshops geht es ja unter anderem auch um Medienkompetenz. Welche Rolle spielt denn Medienkompetenz in der heutigen Gesellschaft?

Medienkompetenz spielt eine unfassbar große Rolle, weil die sozialen Räume sich ein bisschen verschieben. Da hat man sich früher vielleicht noch bei einem Stammtisch zusammengesetzt. Es ist heute so, dass vor allen Dingen viele Jugendliche, aber natürlich auch ältere oder mittelalte Menschen, sehr viel Zeit digital miteinander verbringen. Und deshalb ist Medienkompetenz und der Umgang mit Medien – was ist gefährlich, was ist nicht gefährlich, wie identifiziert man Falschnachrichten – extrem wichtig in der heutigen Zeit.

4. Und gibt es, wenn du jetzt so zurückdenkst an deine journalistische Arbeit in den letzten Jahren, ein bestimmtes Erlebnis, das deinen Blick auf das Thema Demokratie besonders geprägt hat?

Da habe ich leider ganz viele Beispiele. Die Begegnung mit dem Staat findet zum Beispiel für Menschen wie uns nicht immer über Politik statt. Im Endeffekt wollen wir einfach nur wissen, dass der Laden läuft. Und deshalb habe ich ja zum Beispiel oft über Behördenversagen Bericht erstattet, weil das meist der Kontaktpunkt von Menschen mit dem Staat ist. Also, doof gesagt: Das Knöllchen, ist das rechtens oder nicht? Und da habe ich ganz, ganz viele natürlich gute Erfahrungen gemacht, aber auch schlechte. Darüber habe ich immer mal wieder aufgeklärt. Und das halte ich zum Beispiel für extrem wichtig und in Sachen Demokratie entscheidend, dass der Staat funktioniert.

5. Welche Entwicklungen in der aktuellen Zeit machen dir Hoffnung mit Blick auf die Demokratie? 

Es ist gerade eine extrem schwierige Phase, weil die Gesellschaft sich immer weiter polarisiert. Ich glaube tatsächlich, das passiert auch durch Social Media, weil dort rechts und links genutzt wird, um eine aggressive Stimmung zu erzeugen. Was mir aber Hoffnung macht, ist, dass viele Akteure der Zivilgesellschaft die Notwendigkeit erkannt haben, etwas dagegen zu tun. Und damit meine ich nicht, einzelne Parteien nur irgendwie aus dem demokratischen Diskurs zu entziehen, sondern wirklich dafür zu sorgen, dass Leute sich mit Demokratie wieder beschäftigen. Meine Workshops finden gerade sehr viel Anklang. Ich kann sehr viel an Schulen gehen und mit Jugendlichen reden. Und deshalb habe ich Hoffnung, dass wir ganz viele Jugendliche erreichen und am Ende dafür sorgen, dass sie ein Stück weit aufgeklärter durch die Gegend rennen und ihr Verhalten auf Social Media anpassen oder zumindest mehr verstehen und damit vielleicht auch aufgeklärtere Bürger werden.

6. Apropos Workshops: Du veranstaltest zur Langen Nacht der Demokratie ja heute zwei Workshops. Was erwartet die Teilnehmenden?

Es sind zwei unterschiedliche Workshops. Zum einen beschäftigen wir uns allgemein mit der Frage: Was sind eigentlich Verschwörungsideologien? Da gibt es ja die absurdesten Verschwörungsideologien, wie zum Beispiel Reptiloiden oder Menschen, die angeblich das Blut von Kindern trinken, um selbst jung zu bleiben. Dann aber auch hin zu den Verbindungen in die reale Welt. Also, was sind eigentlich wirklich gefährliche Verschwörungsideologien, die zum Beispiel sich auch in Parteiprogrammen wiederfinden? Und im zweiten Teil kümmern wir uns konkret um TikTok, den Algorithmus und auch den Fakt, wie dort manipuliert wird, wie dort Videos ausgespielt werden. Denn manchmal landen Jugendliche in politischen TikTok-For-You-Seiten, die sehr stark polarisiert sind. Nicht, weil sie das wollen, sondern einfach, weil TikTok das so möchte. Das müssen sie wissen und darüber kläre ich so ein bisschen auf.

7. Was ist dir bei solchen Formaten besonders wichtig? Eher die Information, die Diskussion, der Perspektivwechsel oder etwas ganz anderes?

Meine Workshops leben davon, dass ich nicht irgendwo hinkomme und sage: „Ich weiß alles“, sondern ich möchte meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, weitergeben. Ich möchte mir aber auch anhören, was die Jugendlichen erleben und im Zweifelsfall mit denen auch mal nachrecherchieren. Meine Workshops unterscheiden sich vor allen Dingen durch die Menschen. Wir kommen immer ins Gespräch und reden über das, was die Menschen bewegt. Es ist so eine Mischung aus Information, Austausch und am Ende wahrscheinlich auch der Wille, dass die Teilnehmenden einfach ein bisschen schlauer rausgehen als davor.

8. Das wäre auch schon unsere letzte Frage: Was wünscht du dir, was die Teilnehmenden nach dem Abend so mitnehmen und was sie vielleicht auch noch darüber hinaus beschäftigt?

Ich möchte, dass erstmal alle Menschen, die hier sind, unterhalten werden. Dass sie eine gute Zeit haben. Das ist das eine. Auf der anderen Seite möchte ich, dass sie rausgehen und die Mechanismen von Social Media besser verstehen, dass sie vielleicht selbst Verschwörungsideologien erkennen. Ich möchte sie nie weniger skeptisch machen, sondern ich möchte sie so skeptisch machen, dass sie die Fähigkeit haben, Dinge besser zu überprüfen und am Ende eine fundiertere Meinung zu haben.

Ich möchte die Schüler:innen nie weniger skeptisch machen, sondern ich möchte sie so skeptisch machen, dass sie die Fähigkeit haben, Dinge besser zu überprüfen und am Ende eine fundiertere Meinung zu haben.

Carsten Janz

Interaktive Workshops zur Langen Nacht der Demokratie

Freitagabend, kurz nach 18 Uhr. Die obere Kundenhalle der Hauptstelle der Förde Sparkasse am Lorentzendamm in Kiel ist in warmes, rotes Licht getaucht. Nach und nach kommen immer mehr Menschen an, suchen sich einen Platz. Auf der Bühne steht Carsten Janz. 

Workshop 1: Rabbit Hole – Verschwörungsideologien in den sozialen Netzwerken

Pünktlich um 18:15 Uhr begrüßt Janz die Gäste. Das altersmäßig bunt gemischte Publikum wird auch sogleich mit einbezogen: Wer kann Beispiele für Verschwörungsideologien nennen? Namen wie „Xavier Naidoo“ und „Donald Trump“ fallen. Janz sagt: „Habt ihr schonmal davon gehört, dass Menschen glauben, Tauben seien Drohnen der Regierung?“ Es wird gelacht. Nicht nur an dieser Stelle, sondern sehr häufig im Laufe des Abends. Denn Carsten Janz zeigt immer wieder Beispiele für absurde Verschwörungsideologien. Zudem geht es auch um einen Teil von seiner journalistischen Arbeit, wir sehen verdeckte Dreharbeiten bei Verschwörungsideologen wie einem Arzt, der zur Corona Pandemie die „Geistige Impfung“ anbot.

Wir erfahren: Verschwörungsideologien sind nicht neu, es gab sie schon immer, früher zum Beispiel die Hexenverbrennungen. Sie haben immer einen anti-elitären Charakter und meist einen antisemitischen Hintergrund. Künstliche Intelligenz spielt heutzutage eine große Rolle und wird zunehmend zur Gefahr. Denn das Wachstum von KI ist exponentiell, sie lernt schnell dazu und wird somit innerhalb weniger Monate sehr viel realistischer bei der Erstellung von Foto- und Videoinhalten. 

Workshop 2: Timeline Trouble – wie TikTok uns manipuliert

Große Gefahr: Die Afd nutzt TikTok gezielt, um Jugendliche zu beeinflussen.

Nach einer kurzen Pause geht es direkt weiter. Viele Teilnehmende sind geblieben, obwohl es mittlerweile schon nach 20 Uhr ist. Das Thema ist spannend, in der Pause wurde Carsten Janz bereits weiter ausgefragt. Nun soll es konkret um TikTok gehen. Eine Frau aus dem Publikum fragt, wie das Netzwerk denn eigentlich genau funktioniert. Die Frage gibt Janz an die Schüler:innen weiter, die direkt erklären, wie der Algorithmus arbeitet: TikTok achtet darauf, welche Videos eine Person sich lange ansieht, liket, speichert, kommentiert, teilt oder überspringt. Der Feed (die „For you Page“) wird also auf Basis des bisherigen Verhaltens individuell zusammengestellt. 

TikTok dient als Multiplikator von Verschwörungsideologien und wird vor allem von Rechtsextremen genutzt, um Jugendliche zu radikalisieren. Im Workshop zeigt Janz, dass Inhalte der AfD viel häufiger angezeigt werden als andere Parteien. Dies kann auch bei eher links orientierten Personen vorkommen und wird dann meist als Provokation verwendet. Wichtig ist hierbei, auf solche Videos möglichst nicht zu reagieren, also z. B. keinen Kommentar zu hinterlassen oder sie weiterzuleiten. Das sogenannte Doomscrollen sorgt dafür, dass Nutzer:innen möglichst lange auf der Plattform bleiben. Das bedeutet, dass man immer weiter durch negative, beunruhigende oder aufwühlende Nachrichten und Beiträge scrollt – obwohl man eigentlich längst aufhören möchte. Ein typisches Beispiel: Man sieht ein Video über eine schlechte Nachricht, schaut noch eines dazu und scrollt anschließend immer weiter. Durch die persönliche Auswahl des Feeds tauchen dabei immer mehr ähnliche Inhalte auf. Um seinen Feed wieder zu normalisieren, hilft es, seriösen Nachrichtenseiten (wie Tagesschau, FAZ, funk, NTV) zu folgen und mit deren Beiträgen zu interagieren. Abschließend sagt Janz: „Glaubt nicht alles, was ihr seht. Prüft immer die Quellen, oft reicht googeln schon aus.“  

Videointerview mit Impressionen der Workshops:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtube.com/shorts/GBAhTCfeFFE?si=wpNIFaJ7YdKs5r3c

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