Die EZB wird dem Euro ein neues Gesicht geben. Genau genommen sogar mehrere neue Gesichter: Beethoven, Callas, Curie und Co. Aber auch Flüsse und Vögel könnten die künftigen Scheine prägen. Neu ist: Bürger:innen in ganz Europa dürfen nun mitentscheiden, wie die neuen Euro-Scheine aussehen sollen.
Warum plant die EZB neue Banknoten?
Die Gestaltung der Euro-Banknoten hat sich seit ihrer Einführung mehrmals verändert, wobei sowohl Sicherheitsmerkmale als auch Designaspekte weiterentwickelt wurden. Die EZB verfolgt mit der dritten Banknotenserie mehrere Ziele:
- Ganz oben steht die Sicherheit: Notenbanken entwickeln regelmäßig neue Serien, um Fälscher:innen das Leben schwer zu machen. Neue, innovative Sicherheitsmerkmale sollen sicherstellen, dass die Scheine auch künftig schwer zu kopieren sind.
- Zugleich spielen Nachhaltigkeit und Alltagstauglichkeit eine immer größere Rolle. Die neuen Banknoten sollen länger halten und durch verbesserte Produktionsprozesse einen kleineren ökologischen Fußabdruck hinterlassen.
- Außerdem sollen sie für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen besser zu erkennen sein – etwa durch deutlich fühlbare, taktile Elemente.
Online-Abstimmung: Bürger:innen gestalten die neuen Euro-Scheine mit
Wie sollen die Euro-Scheine künftig aussehen? Darüber können Bürger:innen in ganz Europa mitbestimmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) präsentiert mit den beiden Themenwelten „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“ jeweils fünf Designvorschläge, also insgesamt 10 Entwurfsserien für die neuen Banknoten. Nun sind die Menschen in der Eurozone nach ihrer Meinung gefragt.
Bis zum 21. September 2026 können sich Europäer:innen an einer Online-Umfrage beteiligen.
„Euro-Banknoten sind mehr als nur ein Zahlungsmittel. Sie gehören den Menschen in Europa, deshalb soll auch ihre Stimme gehört werden.“
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)
Schon bei der ersten Vorauswahl hatten nicht nur Fachleute ein Wörtchen mitzureden: Bereits im Sommer 2023 führte die EZB große Umfragen unter der Bevölkerung durch – rund 365.000 Europäer:innen sagten ihre Meinung. Daraus gingen die beiden Themen hervor, unter denen nun das endgültige Design gesucht wird. Es ist dann die dritte Banknotenserie seit der Einführung des Euro.
Die drei Generationen des Euro-Bargelds
Vom Start der Gemeinschaftswährung bis zur geplanten Einführung der neuen Banknotenserie:

Quelle: Europäische Zentralbank (EZB) / Deutsche Bundesbank, Juli 2026
Was ändert sich? Die neuen Motive
- Beethoven, Curie und kulturelles Leben
Im Themenfeld „Europäische Kultur“ setzt die EZB auf starke Symbole. Zum einen stehen herausragende Europäer:innen aus Kunst und Wissenschaft zur Wahl. Die Rückseiten der Scheine sollen Europas kulturelles Leben zeigen: Straßenkünstler:innen, belebte Bibliotheken, Chorfeste und Orte der Begegnung. Ein Euro, der nicht nur Zahlungsmittel ist, sondern auch Geschichten erzählt. - Eisvogel, Mauerläufer und wilde Naturschönheit
Das zweite Konzept „Flüsse und Vögel“ setzt auf die wilde Schönheit Europas. Die Banknoten zeigen typische europäische Flusslandschaften und heimische Vogelarten wie Eisvogel, Weißstorch oder Mauerläufer. Auf den Rückseiten erscheinen wichtige europäische Institutionen wie das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank oder der Europäische Rechnungshof.
Die neuen Euro-Scheine: Diese Motive stehen zur Wahl
Kultur oder Natur? Die finalen Design-Entwürfe für die dritte Euro-Banknoten-Serie im Vergleich:

Quelle: Europäische Zentralbank (EZB) / Deutsche Bundesbank, Juli 2026
Was bleibt? Vertraute Farben und Größen
Trotz des neuen Designs setzt die EZB beim Euro-Bargeld auf bewährte Kontinuität: Alle gewohnten Farben und Abmessungen der Banknoten bleiben unverändert.
- Um Verwechslungen im Alltag zu vermeiden, behalten die Scheine ihre charakteristische Optik: vom grauen 5-Euro-Schein über den roten 10-Euro-Schein, den blauen 20-Euro-Schein und den orangfarbenen 50-Euro-Schein bis hin zum grünen 100-Euro-Schein und dem gelb-braunen 200-Euro-Schein.
- Auch die exakten Maße ändern sich nicht. Das Prinzip „je höher der Wert, desto größer der Schein“ bleibt somit als unverzichtbare Orientierungshilfe bestehen, insbesondere für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.
- Ein neuer 500-Euro-Schein wird indes nicht gedruckt; dessen Ausgabe bleibt wie schon in der zweiten Serie dauerhaft eingestellt.
Wie geht es mit den neuen Euro-Scheinen weiter?
Nach dem Ende der Bürger:innenbefragung am 21. September 2026 entscheidet der EZB-Rat voraussichtlich Ende desselben Jahres über die finalen Motive der neuen Euro-Scheine. Das Feedback der europäischen Bevölkerung ist jedoch keine Alleinentscheidung: Die Notenbank stützt ihren Beschluss am Jahresende zusätzlich auf die Empfehlungen einer Expert:innen-Jury sowie auf strenge technische Bewertungen, insbesondere zur Fälschungssicherheit.
Bis die neuen Banknoten tatsächlich an den Kassen und Geldautomaten ankommen, wird es daher noch dauern: Mit dem schrittweisen Umlaufstart wird frühestens ab 2028 gerechnet.
Ein klares Zeichen für Bargeld
Trotz der zunehmenden Nutzung von Kartenzahlungen und digitalen Bezahlverfahren betont die EZB immer wieder die Bedeutung von Bargeld: Banknoten gelten in ihrem Verständnis als sichtbares Symbol der europäischen Einheit und geben vielen Menschen ein Gefühl von Kontrolle über die eigenen Finanzen.
Mit der geplanten Neugestaltung sendet die EZB ein klares Signal: Auch in einer digitalen Welt bleibt Bargeld wichtig. Die neuen Motive sollen Europa repräsentieren und den Alltag der Menschen bereichern – sei es durch bekannte Gesichter aus Kultur und Wissenschaft oder durch Naturmotive mit Flüssen und Vögeln. Dass auch die Stimmen der Bürger:innen in den kommenden Monaten wesentlich mitentscheiden, welche Entwürfe sich durchsetzen, unterstreicht dieses Anliegen.


















