Von 19 auf 16% – Die Senkung der Mehrwertsteuer

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Mehrwertsteuer

Ein umfassender Punkt des Konjunkturpakets, welches die deutsche Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder ankurbeln soll, ist die Senkung der Mehrwertsteuer. Ab dem 1. Juli geht der Steuersatz für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent herab. Dies soll die Menschen wieder in Kauflaune versetzen und die durch Corona leidende Wirtschaft wieder ankurbeln.
Der reduzierte Satz geht von sieben auf fünf Prozent runter. 20 Milliarden Euro kostet diese Maßnahme den Bund und die Länder. Doch fangen wir einmal von vorne an…

Was ist eigentlich die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer (wirtschaftlich auch Umsatzsteuer genannt) wird auf die Wertschöpfung innerhalb eines Produktionsprozesses berechnet. Es wird also nur der zusätzlich geschaffene Wert (Mehrwert) besteuert. Der Mehrwertsteuersatz liegt in Deutschland seit 2007 bei 19 Prozent. Eine Ausnahme sind Produkte des täglichen Bedarfs wie beispielsweise Lebensmittel (aber nicht Nahrungsmittel im Allgemeinen), Zeitschriften und Zeitungen, Bücher oder der öffentliche Personennahverkehr (Strecken unter 50km). Diese werden lediglich mit 7 Prozent Mehrwertsteuer besteuert. Die Mehrwertsteuer ist eine indirekte Steuer, was bedeutet, dass sie nicht von demjenigen gezahlt wird, der sie verursacht.

Die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer weltweit

Die Mehrwertsteuer gibt es in fast allen Ländern der Welt, natürlich unterschiedlich hoch. Für die Mitgliedsstaaten der EU gilt beispielsweise eine Regelsatz von mindestens 15 Prozent. Viele EU-Länder liegen dabei deutlich drüber. Frankreich beispielsweise hat einen Normalsatz von 20 Prozent, Polen und Griechenland liegen bei 23 Prozent. In Europa führen die beiden skandinavischen Länder Dänemark und Schweden mit einem Regelsatz von jeweils 25 Prozent die Liste an. Schaut man sich die Mehrwertsteuer weltweit an, gibt es natürlich auch niedrigere Sätze. So liegt der Normalsatz beispielsweise in den USA je nach Bundesstaat zwischen 0 und 10 Prozent, in der Schweiz bei 8, in Thailand bei 7 und in Kanada bei nur 5 Prozent.

Die geplante Senkung des Steuersatzes in Deutschland ist umstritten

Denn ganz einfach ist das nicht. Geht man in den Supermarkt findet man nicht selten bis zu 50.000 Artikel in den Regalen – jeder mit einem eigenen Preisschild. Darauf finden wir in den meisten Fällen den Bruttopreis, also den Betrag, bei dem die Mehrwertsteuer bereits mit eingerechnet ist. Mit der Senkung der Mehrwertsteuer müssten also sehr viele Preisschilder neu gedruckt werden, denn digitale Preisschilder finden wir aktuell noch selten in unseren Supermärkten. Auch die Kassensysteme müssten neu eingestellt und Buchhaltungssoftware aktualisiert werden.

Natürlich wäre auch ein Rabatt, der beim Bezahlvorgang an der Kasse einmalig für den gesamten Einkauf abgezogen wird, denkbar. Hier wird jedoch vermutet, dass dies die Kauflaune der Kunden nicht spürbar steigert, da der gemeine Verbraucher i.d.R. vor allem dann (mehr) kauft, wenn er das Gefühl hat zu sparen. Dieses Gefühl entsteht bei der eigentlichen Kaufentscheidung am Regal jedoch nicht, da die Preisschilder unverändert blieben.

Geht der Plan der Politik auf, wirkt die Senkung wie ein ökonomischer Trick. Damit dieser funktioniert, ist es jedoch wichtig, dass die Preise zu Beginn des neuen Jahres auch wieder ansteigen. Und genau diese Tatsache ist es, die die Menschen zum Kaufen anregen soll, weniger die Mehrwertsteuer-Senkung selbst.

So viel bringt die Mehrwertsteuersenkung

ProduktPreis in EuroErsparnis in Euro
1 Liter Milch, 3,5% Fett0,790,02
1 Kasten Bier, 20 Flaschen14,590,37
Nivea Hautcreme1,160,03
Ikea Billy Bücherregal79,001,99
VW Golf Basis-Modell19995,00504,00
Tankfüllung Golf E10 (50 Liter)58,371,47

Stand: 7.6.2020, Quelle: Tagesspiegel

Mögliche Einsparungen – Beispielrechnungen

Ein Haushalt gibt 1400,- EUR im Monat für Produkte mit dem vollen Mehrwertsteuersatz aus. Er spart denn 35,30 EUR, vorausgesetzt der Rabatt kommt vollständig dem Kunden zugute. Die großen Einzelhändler haben die Weitergabe bereits zugesichert.
Gibt ein Haushalt 400,- EUR monatlich für Waren des täglichen Bedarfs mit ermäßigtem MwSt-Satz aus, entspricht das einer Ersparnis von ca. 7,50 EUR.

Pro

  • Stärkung der Binnennachfrage
  • Preise werden günstiger
  • mehr soziale Gerechtigkeit
  • mehr Konsum bedeutet mehr Umsätze und Einnahmen für den Handel
  • Wirtschaft kann schneller aus der Rezession kommen
  • Refinanzierung der Mehrwertsteuersenkung kann durch den Bund durch Negativzinspolitik leichter fallen

Contra

  • pro Prozentpunkt entgehen der Regierung etwa 10 Milliarden Euro an Steuereinnahmen
  • Handel könnte nach Ablauf der zeitlichen Befristung die Preise anheben
  • vieles ist abhängig vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie

Quelle Pro und Contra: sevDesk

3 KOMMENTARE

  1. Contra:
    Kosten für die Umstellung IT-Team,
    Preisschilderauszeichnung
    Zigaretten bleiben bei 19% 3. Steuersatz bei vielen muss der Bon erweitert werden.
    Aufwand für Abgrenzung
    Zusätzliche Kosten für den Steuerberater durch Mehraufwand
    Zeitaufwand durch zusätzliche Fragen der Kunden

    Sie hätten das Geld jedem Bürger einfach Überweisen sollen. Dann würde mehr ankommen.

    • Gibt’s zu dem 3. erforderlichen Steuersatz Unterlagen? Dazu finde ich überhaupt nichts, auch unsere „Kassenfirma“ hat das nie erwähnt.
      Danke

  2. Bei Contra fehlen die 200-400 Milliarden Euro Bürokratieaufwand bei den Unternehmen !
    Der Schaden für die Wirtschaft übersteigt den Steuerausfall des eigentlich als Konjunkturpaket gedachten Gesetzes bei weitem.
    Wem nützt die MWSt-Senkung ?
    Firmen, die ausschließlich oder zumindest überwiegend an Privatkunden verkaufen, und zwar optimal zu Bruttopreisen.
    Das sind weniger als 5% aller Rechnungen mit MWSt, die in Deutschland geschrieben werden !
    Alle Firmen, die an andere Firmen verkaufen, arbeiten mit Nettopreisen und tragen jetzt die kompletten Kosten der Umstellung, je nach Art der Firma zwischen 0,5% und 10% des Jahres-Umsatzes.
    Hauptproblem sind alle Dauerverträge, für die jährlich Rechnungen geschrieben werden – und jetzt alle zu korrigieren sind ! Und zwar oft Rechnungen seit August 2019 bis Juni 2020.
    Kleinere Unternehmen müssen die komplette Software umstellen – und dazu bei Individual-Software erst einmal ein Softwarehaus mit freien Kapazitäten vor Oktober finden.
    Bis dahin bleibt eigentlichnur die Betriebseinstellung.
    Vielfach sind erst einmal Rechtsgutachten notwendig – aber auch die Anwälte äußern sich nicht, bevor alle Gesetze und Durchführungsverordnungen Anfang Juli offiziell vorliegen.

    Auszeichnung auf Preisschildern mag kompliziert sein, ist aber das kleinste Problem bei der Umstellung. Wer einmal den aktuellen Entwurf des BMF-Schreibens zu Leistungszeitpunkt und Korrekturen liest, in dem es KEINE EINZIGE VEREINFACHUNG für die Betriebe gibt – entgegen Pressebehauptung der Politik – der kann sich den extremen Aufwand vielleicht vorstellen. Falls irgendjemand dieses BMF-Schreiben versteht.

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