Corona: Wirtschaftlicher Zwischenbericht

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  • Die Anzahl der Neuinfizierten steigt global derzeit mit einer sehr hohen Dynamik an. Nach gut 370 Tsd. Personen in der Vorwoche liegt der 7-Tagesdurchschnitt nun bereits bei 450 Tsd. Nach wie vor wird die Dynamik von den 2.-Welle-Ländern bestimmt. Hier erreichte der 7-Tagesdurchschnitt inzwischen fast 170 Tsd. Personen. Dies sind ca. 45 Tsd. mehr Neuinfizierte als vor einer Woche. Allerdings ist auch die Dynamik in den 1. Welle-Ländern nicht gering. Hier nahmen die Neuinfizierten gegenüber der Vorwoche um 26 Tsd. auf gut 280 Tsd. zu. Haupttreiber bei den 1. Welle-Ländern sind unverändert: USA, Polen, Tschechien und Russland. Bei den 2. Welle-Ländern sind es: Frankreich, Italien, Deutschland, Spanien und UK. Entgegen dem globalen Trend nimmt in Indien die Anzahl der Neuinfizierten ab. Sollten die Entwicklungen anhalten, könnte Frankreich in der kommenden Woche mehr Neuinfizierte melden als Indien und damit auf den zweiten Platz hinter den USA aufrücken. 
  • Inzwischen nehmen die Restriktionen der Regierungen insbesondere in Europa deutlich zu. Dies liegt einerseits an der Entwicklung der Neuinfizierten aber möglicherweise auch an der fehlenden Reaktion der Haushalte. So haben sich die Mobilitätsindikatoren von Google im Wochenvergleich sowohl global als auch in den 2. Welle-Ländern praktisch nicht verändert. Für nur knapp 20 % von gut 130 Ländern liegt aktuell ein Zusammenhang zwischen Neuinfektionen und Mobilität vor. Hierzu gehören insbesondere Länder in Osteuropa (Russland, Polen, Tschechien) und bislang nur wenige in Westeuropa (Schweiz, Niederlande, Irland). Die Entwicklungen sorgen dafür, dass wir in mehreren Ländern unsere Wachstumsprognose insbesondere für das vierte Quartal 2020 nach unten korrigieren werden. 

Fakten aus den Bereichen Konjunktur und Unternehmen 

  • Die US-Berichtssaison steht kurz vor ihrem Höhepunkt: morgen Abend legen binnen weniger Minuten Apple, Amazon, Alphabet und Facebook ihre Zahlen vor. Bislang haben die S&P-500-Unternehmen, im Vergleich zu den Erwartungen, sehr starke Zahlen vorgelegt. 84 % positive Überraschungen bei den Gewinnen und 79 % bei den Umsätzen sind historisch außergewöhnlich hohe Werte. Der Gewinnrückgang beträgt 17 % (blended, also in der Mischung aus gemeldeten Zahlen und Prognosen für noch nicht veröffentlichte Berichte), zu Monatsbeginn wurde vom Konsens noch ein Rückgang von 23,2 % erwartet. Positive Zahlen kamen unter anderem von Tesla, Merck oder Microsoft. Negative Ausreißer waren unter anderem Intel und Eli Lilly. Auffällig bleibt die überwiegend verhaltene Kursreaktion auf positive Überraschungen. 
  • Beim STOXX 600 haben 32 % der Unternehmen ihre Updates präsentiert. 76 % konnten die Gewinnschätzungen übertreffen. Sollte es dabei bleiben wäre es der mit Abstand beste Wert seit 15 Jahren. HSBC, Banco Santander, Deutsche Bank, BASF und BP sind einige der Firmen mit starken Zahlen. Die Negativliste wird angeführt von SAP, die am Montag nicht nur schwache Zahlen präsentierten, sondern auch den mittelfristigen Ausblick nach unten revidierten.
  • AMD gab gestern die Übernahme von Xilinx für 35 Mrd. US-Dollar bekannt. Über den Deal wurde seit Wochen spekuliert. 
  • Die Gespräche über ein neues US-Fiskalprogramm haben weiter zu keinen Ergebnissen geführt. Wie erwartet wird es vor der Wahl keine Zustimmung des Kongresses dazu mehr geben.
  • Die Euroland-Einkaufsmanagerindizes für Oktober verdeutlichten erneut den tiefen Corona-Graben zwischen Dienstleisterindex (-1,8 auf 46,2 Punkte) und Industrieindex (+0,7 auf 54,4 Punkte). Das ifo-Geschäftsklima ist im Oktober nach fünf Anstiegen in Folge zum ersten Mal wieder gesunken. Der Rückgang war etwas stärker als erwartet auf 92,7 Punkte. In Anbetracht der in der Zwischenzeit deutlich höheren Corona-Neuinfektionszahlen ist die Aussagekraft der Daten zu diskontieren. Morgen entscheidet die EZB über die Euroland-Geldpolitik.
  • In zahlreichen Staaten Europas wurden neue Restriktionen beschlossen. In den nächsten Stunden werden weitere Maßnahmen von Deutschland und Frankreich (20 Uhr Rede von Präsident Macron) verkündet. Einige Länder versprachen neue Rettungspakete.
  • In den USA lag das Verbrauchervertrauen vom Conference Board leicht unter den Prognosen. Die Auftragseingänge überzeugten hingegen in der Headline wie auch in der engeren Abgrenzung.
  • Der Stabschef des Weißen Hauses Meadows sagte, Corona würde nicht unter Kontrolle gebracht, der Fokus liege auf Medikamenten und Impfschutz. Dazu passend wurde Remdesivir als erstes Medikament gegen Covid-19 von der FDA ganz zugelassen. Zudem erteilte die Behörde eine Notfallzulassung für ein Coronavirus-Testkit von einem südkoreanischen Hersteller, das in 10 Minuten Ergebnisse liefert (94 % Zuverlässigkeit). In den kommenden Tagen sollte es ein Update der Phase-3-Studie von Pfizer und BioNTech geben, einige Marktteilnehmer waren irritiert, dass es nicht bereits gestern im Rahmen der Pfizer-Quartalszahlen Neuigkeiten gab. Eine britische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Antikörper im Laufe der Zeit wieder verschwinden. 

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